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Was Europa plant – ein Blick auf urbane Transformationsstrategien jenseits der DACH-Region

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Luftaufnahme einer deutschen Stadt mit Flusslauf, fotografiert von Carrie Borden.
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Europa redet von Transformation – aber wie sieht das konkret aus, wenn Städte in Barcelona, Paris oder Kopenhagen das urbane Morgen gestalten? Während die DACH-Region ihre eigenen Wege sucht, setzen Metropolen jenseits davon längst radikale, datengestützte und partizipative Strategien um. Wer heute in Berlin, Zürich oder Wien plant, sollte wissen, was die Kollegen am Mittelmeer, an der Seine und in Skandinavien längst praktizieren – und was davon Schule machen könnte.

  • Einführung in die wichtigsten urbanen Transformationsstrategien Europas jenseits der DACH-Region
  • Analyse wegweisender Projekte in Metropolen wie Paris, Barcelona, Kopenhagen und Amsterdam
  • Vergleichende Betrachtung von Governance-Modellen, Beteiligungsprozessen und Technologieeinsatz
  • Erörterung der Rolle von Daten, Digitalisierung und Urban Digital Twins in der europäischen Stadtentwicklung
  • Diskussion über den Wandel von öffentlichen Räumen, Mobilität und Klimaanpassung
  • Herausforderungen und Stolpersteine: soziale Akzeptanz, politische Widerstände, Finanzierung und rechtliche Aspekte
  • Lektionen für die DACH-Region: Was können deutsche, österreichische und Schweizer Städte lernen?
  • Kritischer Blick auf Risiken wie Gentrifizierung, Kommerzialisierung und technokratische Verzerrungen
  • Perspektiven für die urbane Planung der Zukunft zwischen Innovation, Tradition und Bürgerinteressen

Europas urbane Transformation: Warum alle Welt nach Paris, Barcelona und Kopenhagen blickt

Wer sich heute mit Stadtentwicklung befasst, kommt am „Modell Europa“ nicht vorbei – und damit an einer bunten Vielfalt von Ansätzen, die weit über das hinausgehen, was im deutschsprachigen Raum gemeinhin als mutig gilt. Paris etwa hat mit dem „Plan Vélo“ und der Vision der 15-Minuten-Stadt das Verständnis von urbaner Mobilität und Nachbarschaft grundlegend auf den Kopf gestellt. Die Bürgermeisterin Anne Hidalgo setzt nicht nur auf Radwege und autofreie Zonen, sondern auf eine systematische Dezentralisierung des städtischen Lebens. Schulen, Parks, Nahversorgung und Arbeitsplätze sollen immer in unmittelbarer Nähe erreichbar sein, was eine radikale Umverteilung von Flächen und Privilegien bedeutet.

In Barcelona wiederum wurde nach Jahren der touristischen Übernutzung eine urbane Revolution in Gang gesetzt: Das berühmte Konzept der „Superblocks“ (Superilles) riegelt ganze Quartiere für den Durchgangsverkehr ab, verwandelt Straßen in grüne Aufenthaltsräume und gibt der Nachbarschaft das Recht auf Ruhe und Luft zurück. Was nach Verkehrsberuhigung klingt, ist in Wahrheit eine tiefgreifende Umgestaltung urbaner Ökosysteme – mit neuen Spielregeln für soziale Interaktion, Klimaanpassung und Beteiligung.

Kopenhagen, seit langem als Mekka der fahrradfreundlichen Stadt bekannt, setzt auf konsequente Umnutzung ehemals industrieller Hafenareale, digitale Bürgerbeteiligung und eine Klimapolitik, die weit über Anpassungsmaßnahmen hinausgeht. Hier verschmelzen Klimaschutz, Lebensqualität und soziale Integration zu einem Gesamtpaket, das internationale Ingenieurbüros, Stadtplaner und Architekten gleichermaßen inspiriert und herausfordert.

Was all diese Städte vereint, ist nicht allein der Mut zur Transformation, sondern die Bereitschaft, Planung als fortlaufenden Prozess zu begreifen – als offenen Dialog zwischen Verwaltung, Zivilgesellschaft und Technik. Sie verlassen sich nicht mehr auf statische Leitbilder, sondern auf flexible, datengestützte und iterative Vorgehensweisen. Hier ist Stadt kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein dynamisches System, das ständig neu ausgehandelt wird.

Diese Offenheit für Veränderung hat einen Preis: Konflikte, Unsicherheiten und Rückschläge sind an der Tagesordnung. Doch während in vielen deutschen Städten noch über Parkplätze diskutiert wird, schaffen Paris, Barcelona und Kopenhagen längst Fakten – und werden dafür international beneidet. Wer Europa verstehen will, muss deshalb genauer hinschauen, wie diese Städte ihre Transformationen orchestrieren, welche Instrumente sie nutzen und wie sie Widerstände überwinden.

Instrumente der Transformation: Von Digital Twins bis Superblocks – europäische Innovationslabore im Detail

Der Werkzeugkasten urbaner Transformation in Europas Metropolen ist so vielfältig wie die Städte selbst. In Paris ist die Digitalisierung von Stadtmodellen mit Urban Digital Twins längst Teil der Planungsroutine. Die Stadt setzt auf ein zentrales Geoinformationssystem, das sowohl Bürgerbeteiligung als auch Echtzeitmonitoring städtischer Prozesse ermöglicht. Diese digitalen Zwillinge sind keine isolierten Spielereien, sondern integrale Bestandteile von Mobilitätswende, Klimaanpassung und Quartiersentwicklung. Sie werden genutzt, um Szenarien zu simulieren, Auswirkungen von Maßnahmen zu bewerten und Entscheidungsfindungen zu beschleunigen.

Barcelona wiederum nutzt seine Superblocks nicht nur als physisches Experimentierfeld, sondern auch als Plattform für soziale Innovation und partizipative Stadtentwicklung. Mithilfe digitaler Plattformen werden Bewohner aktiv in die Umgestaltung eingebunden – von der Ideenfindung über die Abstimmung bis zur Evaluation. Die Superblocks sind damit weit mehr als verkehrsberuhigte Zonen: Sie sind Laboratorien für neue Governance-Strukturen, die klassische Verwaltungsgrenzen sprengen und neue Allianzen zwischen Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft schmieden.

In Amsterdam steht die Kreislaufwirtschaft im Mittelpunkt der Transformation. Die Stadt arbeitet mit einem digitalen Materialkataster, das den Lebenszyklus urbaner Ressourcen nachverfolgbar macht und den Weg zu einer abfallfreien Stadt ebnet. Hier verbinden sich Planung, Design und Betrieb zu einem datengetriebenen Kreislauf, in dem Gebäude, Infrastruktur und Grünräume als temporäre Materiallager gedacht werden. Die Digitalisierung wird damit zum Schlüssel für nachhaltige Stadtentwicklung und Ressourcenschonung.

Kopenhagen setzt auf eine radikal offene Datenpolitik. Die Smart City-Initiative „Copenhagen Solutions Lab“ entwickelt offene urbane Plattformen, die sowohl Verwaltung als auch Unternehmen und Bürgern Zugriff auf städtische Daten bieten. Damit ist Beteiligung keine Einbahnstraße, sondern ein kollaborativer Prozess, der Innovationen von außen aktiv fördert. Die Stadt experimentiert mit KI-gestützten Verkehrsmodellen, Regenwassermanagement und partizipativen Budgetprozessen, bei denen digitale Tools als Brücke zwischen Politik und Bevölkerung dienen.

Diese Beispiele zeigen: Urban Digital Twins, offene Datenplattformen und partizipative Werkzeuge sind weit mehr als technischer Schnickschnack. Sie sind das Rückgrat einer neuen, prozessorientierten Stadtentwicklung, die Flexibilität, Transparenz und Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt stellt. Die eigentliche Innovation liegt nicht in der Technik selbst, sondern in der Art und Weise, wie sie Governance, Planung und Alltag miteinander verknüpft.

Partizipation, Governance und Konflikt: Wer entscheidet über die Transformation – und wie?

Ein zentrales Merkmal der europäischen Transformationsstrategien ist die Neudefinition von Governance und Teilhabe. Während in vielen Städten der DACH-Region die Beteiligung der Bevölkerung noch als formale Pflichtübung empfunden wird, sind die fortschrittlichen Metropolen längst einen Schritt weiter. Paris experimentiert mit Bürgerhaushalten, bei denen mehrere hundert Millionen Euro jährlich direkt von der Bevölkerung vergeben werden. Die Stadtverwaltung versteht sich dabei nicht als alleinige Entscheiderin, sondern als Moderatorin eines gemeinsamen Prozesses, in dem digitale Tools Transparenz und Nachvollziehbarkeit gewährleisten.

Barcelona hat mit der Plattform „Decidim“ ein Open-Source-Beteiligungssystem etabliert, das nicht nur Ideen sammelt, sondern auch die Umsetzung und Kontrolle durch die Bürger ermöglicht. Die Plattform ist so gestaltet, dass sie auch für weniger digital affine Menschen zugänglich bleibt. So wird Beteiligung zu einem fortlaufenden Dialog, der weit über punktuelle Bürgerforen hinausgeht – und die Grenze zwischen Verwaltung und Gesellschaft zunehmend verwischt.

Kopenhagen geht noch einen Schritt weiter: Hier werden partizipative Prozesse systematisch als Innovationsmotor begriffen. Die Stadtverwaltung stellt Daten und Ressourcen bereit, während Initiativen aus der Stadtgesellschaft eigenständig Projekte entwickeln und umsetzen können. Die Verantwortung für den öffentlichen Raum wird damit geteilt, Konflikte werden offen ausgetragen und im besten Fall kreativ aufgelöst. Die Verwaltung wird zum Coach, nicht zum Gatekeeper.

Allerdings sind diese Prozesse alles andere als konfliktfrei. Gerade bei tiefgreifenden Veränderungen – etwa der Umverteilung von Flächen oder der Einschränkung des Autoverkehrs – stoßen sie auf erheblichen Widerstand. Die Kunst besteht darin, diese Konflikte nicht zu vermeiden, sondern produktiv zu nutzen. Die erfolgreichsten Städte setzen auf Transparenz, iterative Beteiligung und die Bereitschaft, auch Scheitern als Teil des Prozesses zu akzeptieren. So entsteht ein neues Verständnis von Stadtentwicklung, das weniger von Kontrolle, sondern mehr von Vertrauen und Experimentierfreude geprägt ist.

Auch die Rolle der Experten verändert sich. Planer, Architekten und Ingenieure werden zu Moderatoren, Übersetzern und Brückenbauern zwischen Technik, Verwaltung und Alltag. Ihre Aufgabe ist es, komplexe Zusammenhänge verständlich zu machen, Optionen aufzuzeigen und die Entscheidungsfindung zu begleiten – nicht sie zu monopolisieren. Die europäische Stadt der Zukunft ist damit nicht nur eine Frage des Designs, sondern vor allem der Prozessqualität.

Herausforderungen, Risiken und Chancen: Was bleibt, was kommt, was droht?

So inspirierend die europäischen Transformationsstrategien auch sind, sie bergen erhebliche Herausforderungen. In Paris ist die Umverteilung des Straßenraums politisch hoch umstritten. Geschäftsleute, Autonutzer und konservative Kräfte laufen Sturm gegen Radwege und grüne Boulevards. Die Erfahrungen zeigen: Veränderung braucht Durchhaltevermögen, kommunikative Finesse und die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen. Wer ohne Rücksicht auf soziale Folgen transformiert, riskiert Gentrifizierung und sozialen Ausschluss – ein Problem, das in Barcelona mit steigenden Mieten und Verdrängung bereits sichtbar ist.

Auch die Digitalisierung der Planung ist kein Selbstläufer. Urban Digital Twins können Prozesse transparenter machen, sie können aber auch als Black Boxes wirken, wenn sie nicht offen zugänglich oder erklärbar sind. Die Gefahr einer algorithmischen Verzerrung ist real, ebenso die Versuchung, Stadtmodelle zu kommerzialisieren und die Kontrolle über urbane Daten an private Anbieter zu verlieren. Hier sind klare Spielregeln, Standards und eine demokratische Kontrolle unerlässlich.

Ein weiteres Risiko ist die soziale Akzeptanz. Nicht alle Bewohner begrüßen Veränderungen, die mit Komfortverlusten oder höheren Kosten einhergehen. Erfolgreiche Transformation setzt deshalb nicht nur technisches Know-how, sondern auch Empathie, Dialogbereitschaft und soziale Innovation voraus. Städte wie Kopenhagen oder Amsterdam investieren gezielt in Kommunikationskampagnen, Begleitforschung und experimentelle Beteiligungsformate, um die Bevölkerung mitzunehmen.

Finanzierung bleibt eine Dauerbaustelle. Viele Projekte werden durch EU-Fördermittel, Stiftungen oder Public-Private-Partnerships ermöglicht. Doch langfristige Stabilität erfordert solide lokale Budgets und eine Finanzarchitektur, die Innovationen nicht nur als kurzfristige Pilotprojekte, sondern als dauerhafte Aufgabe begreift. Die besten Projekte entstehen dort, wo Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft als gleichberechtigte Partner agieren – und wo Innovationen nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich gewünscht sind.

Trotz aller Risiken überwiegen die Chancen. Europäische Städte sind zu Laboratorien geworden, in denen neue Formen des Zusammenlebens, der Mobilität und der Raumnutzung erprobt werden. Sie zeigen, dass Transformation möglich ist, wenn Mut, Offenheit und Lernbereitschaft zusammenkommen. Ihre Erfahrungen bieten wertvolle Lektionen für die DACH-Region – vorausgesetzt, man ist bereit, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und sich von neuen Ideen inspirieren zu lassen.

Was die DACH-Region lernen kann – und warum der Blick über die Grenze lohnt

Die deutschen, österreichischen und Schweizer Städte stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie ihre Nachbarn in Paris, Barcelona oder Kopenhagen: Klimawandel, Flächenknappheit, demografischer Wandel, Digitalisierung und gesellschaftliche Spaltung. Der Unterschied liegt weniger in den Problemen, sondern im Umgang damit. Während in der DACH-Region oft noch abgewogen, diskutiert und auf Konsens gesetzt wird, setzen viele europäische Städte längst auf Experiment, Agilität und iterative Transformation.

Das bedeutet nicht, dass alles kopiert werden sollte. Die lokalen Kontexte, rechtlichen Rahmenbedingungen und kulturellen Unterschiede sind erheblich. Doch es gibt Prinzipien, die universell gelten: Der Mut zum Experiment, die Offenheit für neue Technologien, die Priorisierung von Teilhabe und Transparenz sowie die Bereitschaft, Planung als lernenden Prozess zu begreifen. Gerade die Integration von Urban Digital Twins, partizipativen Plattformen und offenen Datenmodellen kann auch in deutschen Städten neue Impulse setzen – vorausgesetzt, Verwaltung und Politik sind bereit, Verantwortung zu teilen und Macht abzugeben.

Die DACH-Region verfügt über eine exzellente Planungs- und Baukultur, starke kommunale Strukturen und eine engagierte Zivilgesellschaft. Was oft fehlt, ist der Sprung ins kalte Wasser: das Zulassen von Fehlern, das Akzeptieren von Unsicherheiten und die Lust am Ausprobieren. Hier können die Erfahrungen aus Paris, Barcelona oder Kopenhagen Mut machen. Sie zeigen, dass Transformation nie reibungslos verläuft, aber am Ende zu lebendigeren, resilienteren und gerechteren Städten führen kann.

Die entscheidende Frage ist, wie man die Balance hält: zwischen Innovation und Tradition, zwischen Effizienz und Gerechtigkeit, zwischen Technik und Mensch. Die erfolgreichsten Städte sind jene, die nicht nur technische Lösungen implementieren, sondern auch neue Formen der Zusammenarbeit, des Lernens und des Umgangs mit Konflikten etablieren. Für die DACH-Region eröffnet der Blick nach Europa damit nicht nur neue Horizonte, sondern auch einen Spiegel, in dem eigene Stärken und Schwächen sichtbar werden.

Wer heute urban plant, sollte deshalb nicht nur lokale Trends verfolgen, sondern sich bewusst mit den Experimenten und Erfolgen jenseits der eigenen Grenzen auseinandersetzen. Europas Metropolen sind lebendige Beweise dafür, dass Transformation möglich ist – wenn man bereit ist, sie als gemeinsamen Lernprozess zu begreifen und mutig neue Wege zu gehen.

Fazit: Urbaner Wandel made in Europa – Inspiration, Herausforderung und Auftrag

Europas Städte zeigen eindrucksvoll, wie urbane Transformation zum Motor für Innovation, Lebensqualität und Nachhaltigkeit werden kann. Paris, Barcelona, Kopenhagen, Amsterdam und viele andere Metropolen sind keine Utopien, sondern reale Versuchslabore, in denen Mut, Digitalisierung, Partizipation und Prozessqualität Hand in Hand gehen. Sie beweisen, dass Planung kein abstraktes Bürokratiemonster sein muss, sondern ein lebendiger, offener und lernender Prozess sein kann.

Der Blick auf diese Städte macht deutlich: Transformation braucht keine endgültigen Masterpläne, sondern flexible Instrumente, digitale Zwillinge, offene Plattformen und vor allem – Mut zum Experiment. Die DACH-Region kann von diesen Erfahrungen profitieren, wenn sie bereit ist, eigene Routinen zu hinterfragen und neue Allianzen zwischen Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft zu schmieden.

Die Herausforderungen sind groß: Klimaanpassung, soziale Gerechtigkeit, Digitalisierung und Ressourcenmanagement verlangen nach neuen Antworten. Aber die Chancen sind ebenso groß. Wer Transformation als gemeinsamen Weg begreift, kann Städte schaffen, die nicht nur funktionieren, sondern begeistern. Europas urbane Zukunft wird dort geschrieben, wo Offenheit, Kreativität und Lernbereitschaft aufeinander treffen – und wo Planung zum Abenteuer wird, das alle mitnimmt.

Es bleibt die Aufgabe für Stadtplaner, Architekten, Landschaftsgestalter und Entscheidungsträger, diesen europäischen Geist der Innovation zu nutzen, weiterzuentwickeln und in die eigene Praxis zu übersetzen. Denn nur so entsteht urbane Zukunft, die diesen Namen auch verdient. Wagen wir also den Blick über den Tellerrand – und vielleicht auch den ersten Schritt ins Unbekannte.

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Die Mitte von Berlin bleibt grün

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Die Perspektive zeigt die geplanten Stufen am Ufer der Spree.

1. Preis an Büro RMP Lenzen: Stufen am Ufer der Spree mit Blick auf Dom (Visualisierung: RMP Lenzen)

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Es geht um eine prominente Fläche in Berlins historischer Mitte: Eingespannt zwischen dem neuen Humboldt-Forum und dem Fernsehturm bekommen das Rathaus- und Marx-Engels-Forum eine neue Gestaltung. Das Büro RMP Stephan Lenzen hat den Wettbewerb für die grüne Mitte von Berlin gewonnen.

Dort wo die Wurzeln der Stadt Berlin liegen, wird demnächst nicht wieder gebaut. Die Freifläche von Rathaus- und Marx-Engels-Forum bleiben Grün. Allerdings erhält das Areal eine neue Gestaltung, die in einer Freitreppe zur angrenzenden Spree mündet. Die Berliner Senatsverwaltung hat im Frühjahr zu einem Wettbewerb eingeladen. Nach einer ersten Phase durften die Bürger*innen mitreden. Daraufhin entwickelten insgesamt 21 Landschaftsarchitekturbüros ihre Ideen in der zweiten Phase des Wettbewerbs weiter. Die Landschaftsarchitek*innen vom Büro RMP Stephan Lenzen überzeugten schließlich die Jury. Sie schlugen ein zentrales Band vor, das denkmalgeschützte Bereiche des Rathausforums mit dem Marx-Engels-Forum verbindet. Dieses grüne Band endet in einer großen Treppe am Ufer der Spree. Gegenüber, auf der anderen Seite des Wasser, strahlt die Ostfassade des neuen Humboldt-Forums.

 

Viel Geschichte inmitten von Berlin

 

Früher hiess die Freifläche inmitten des alten Berlins „Park an der Spree“. Als eine der zentralsten Grünflächen im Ortsteil Mitte geht sie auf den Zweiten Weltkrieg zurück. Der hatte das dortige Heilig-Geist-Viertel beschädigt, was schließlich die DDR-Führung veranlasst hat, es abzureißen. Seitdem ist die Fläche zwischen Karl-Liebknecht-Straße im Norden, dem Park am Fernsehturm im Osten, der Rathausstraße im Süden und der Spree im Westen unbebaut. Mittendrin stand lange ein Denkmalensemble, das jedoch beim Bau der U-Bahn an den nordwestlichen Rand rücken musste. Bereits seit den 1990er-Jahren wird über die Zukunft des Marx-Engels-Forums diskutiert. Die Ideen waren vielfältig. Sie reichten vom Wiederaufbau des Heilig-Geist-Viertels bis zur Gestaltung eines Parks am Marx-Engels-Forum. Letztere hat sich schließlich durchgesetzt. 

Wettbewerbsaufgabe Marx-Engels-Forum

Die Gestaltung eines Parks auf dem Marx-Engels-Forum galt es nun, im Rahmen des Ideen- und Realisierungswettbewerb zu konkretisieren. Die Teilnehmer*innen waren gefragt, sich mit dem Gründungsort Berlins, mit den im Boden verborgenen historischen Schichten und der Umgebung auseinanderzusetzen. Am Ende der langen Debatte um die Zukunft dieses Ortes entstanden Bürgerleitlinien zur künftigen Entwicklung des Rathaus- und des Marx-Engels-Forums. Darin heißt es, dass ein Freiraum zu entwerfen ist, der den Dimensionen und der Bedeutung des Standortes gerecht wird und die Identität des Ortes stärkt. Darüber hinaus soll er die bewegte Geschichte erlebbar machen und gleichzeitig vielfältige und intensive Nutzungen ermöglichen. 

In der ersten Phase fragte der Wettbewerb zunächst nach einer Vision und einer Idee für das gesamte Marx-Engels-Forum. Erst die Teilnehmer*innen der zweiten Phase mussten ihre Vision herleiten. Darüber hinaus skizzierten sie im Ideenteil des Wettbewerbs einen Zwischenzustand für das Jahr 2030. In einem dritten Realisierungsteil war dann die konkrete Umsetzung für 2024 aufzuzeigen. Diese stufenweise Herangehensweise geht auf die angestrebte, schrittweise Realisierung des Projekts zurück. Die wird einen langen Zeitraum in Anspruch nehmen. Entsprechend müssen die Ideen auf einer klaren Haltung basieren und viel Flexibilität für die prozesshafte Umsetzung bieten. 

 

Marx-Engels-Forum: überzeugender Entwurf von RMP Lenzen

 

Die Landschaftsarchitekt*innen vom Büro RMP Lenzen lieferten die überzeugendste Lösung für die neue Gestaltung von Rathaus- und Marx-Engels-Forum. Sie entwarfen einen Freiraum, der von einer markanten Figur geprägt ist. Er sieht vor, das Rathaus- und das Marx-Engels-Forum von Bebauung freizuhalten. Der grüne Raum verspricht eine hohe Aufenthaltsqualität mit Flächen zum Flanieren, zum Ausruhen, zum Genießen von spektakulären Aussichten auf Dom, Humboldt-Forum und Fernsehturm. RMP Lenzen bestückt den neuen Raum mit viel Grün und mit vielen schattenspendenden Bäumen. Aber auch Wasser gehört dazu, das zur Kühlung beiträgt sowie Versickerungsflächen, die zu einem künftigen Regenwassermanagement passen. Insgesamt sieht der Beitrag zum Wettbewerb Marx-Engels-Forum einen modernen, klimaresilienten Stadtraum vor, der vielfältige Nutzungen ermöglicht. 

Gut Ding braucht Weile

Mit der Idee, zunächst einen Grünraum im Herzen des alten Berlin anzulegen, bleiben Chancen für nächste Generationen erhalten. Für die nahe Gegenwart hat das Preisgericht empfohlen, die mit dem ersten Preis ausgezeichnete Arbeit von RMP Lenzen zu realisieren. Damit geht eine kontroverse Debatte zu Ende. Wohl kaum ein Ort in Berlin hat mehr Planungen und Diskussionen erlebt als das Marx-Engels-Forum. Aber für den Bausenator steht fest, dass die Stadt Berlin richtig gehandelt hat. Sie hat hier nach dem Fall der Mauer keine überstürzte Planung realisiert. Nun kann vor dem Hintergrund aktueller Planungen für den Alexanderplatz und den Molkenmarkt und unter dem Vorzeichen von Klimaanpassung und Mobilitätswende in Ruhe gestaltet werden.

Sie möchten mehr über Projekte der Hauptstadt erfahren? Wir haben die nächsten Planungsschritte auf dem ehemaligen Flughafenareal Berlin Tegel für Sie zusammengefasst.

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Wettbewerbsübersicht Dezember 2018 (2/2)

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Bewegung und Begegnung. © KCAP GmbH mit Ramboll Studio Dreiseitl

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Kulturquartier Lagarde-Campus, Bamberg – 1. Preis hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin, mit Sauerzapfe Architekten, Berlin

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse im Dezember.

Straßenräume in Wiehl – 1. Preis Lex-Kerfers Landschaftsarchitekten, Bockhorn

Die Konversion der Lagarde-Kaserne soll in Bambergs Osten einen lebendigen, nutzungsgemischten Stadtteil schaffen – mit dem „Kulturquartier Lagarde“ als attraktive Quartiersmitte. Zwei Stadtplätze prägen zukünftig die neue Mitte und sollen mit ihrer frühzeitigen Schaffung einen wichtigen Baustein zur Entwicklung des Quartiers bilden. Der Siegerentwurf sieht zwei Baumhaine vor, welche die beiden Plätze verbinden, aber jedem einzelnen einen eigenen Charakter zugestehen. Der Lagarde-Platz südlich der Reithalle gestaltet sich als grüner Quartiersplatz, der stellvertretend für das gesamte Quartier, seine Transformation, sowie die nachhaltige Neuausrichtung steht. Der Platz ist Endpunkt der Grünverbindung Richtung Ostpark und zugleich urbanes Entrée des Quartiers. Als belebter Gegenpol dazu präsentiert sich der Kulturhof zwischen Reit- und Posthalle: Er ist unprätentiös und flexibel bespielbar, so die Jury. Außerdem bildet der Stadtplatz einen wichtigen Ankerpunkt für die Stadtverbindung zur Innenstadt.

Planungsdialog Hafner in Konstanz – 1. Preis KCAP, Zürich, mit Ramboll Studio Dreiseitl, Überlingen

Ein Transitraum wird zum Aufenthaltsraum, so die Entwurfsintention von Lex-Kerfers Landschaftsarchitekten für das Zentrum von Wiehl. Ihr Siegerentwurf überwindet die starke Trennung des zergliederten Stadtraums und definiert Rathaus- und Hem-Platz als zentralen Platz am Kreuzungspunkt der Stadtachsen. Zukünftig prägt Naturstein das Zentrum – Farbnuancen und Materialwechsel berücksichtigen dabei die historische Differenzierung von Fahrbahn, Fußgängerbereich und Platzfläche. Der durchgehende Belag ermöglicht es, die angrenzenden Flächen anzubinden. Zusätzlich integriert eine breite winkelförmige Freitreppe die Kirche in den Stadtraum. Ein neuer Weg zwischen Rathaus und Kirche verbindet barrierefrei zur südlich gelegenen Wiehlaue. Um den Blick in die Flussaue zu ermöglichen, stellt der Entwurf die Wiehlbrücke frei. Zusätzliche Treppen und Bastionen vergrößern die Kontaktzone zum Fluss. Die neuen Stadtbäume bilden mit auffälliger Blüte und Herbstfärbung einen spannenden Kontrast zur Aue. Prägende Möblierungselemente wie die Baumbänke entwickeln die Planer in Anlehnung an regionaltypische Gestaltungselemente und Materialien.

In Konstanz soll mit rund 2800 Wohneinheiten der neue Stadtteil Hafner entstehen. Das Planungsteam aus KCAP und Ramboll Studio Dreiseitl überzeugte die Jury mit einer prägnanten Entwurfsidee, dem sogenannten „Hafner-Ring“. Zusätzlich zur großen grünen Mitte bildet das grüne Infrastrukturband eine freiraum- und städtebaulich relevante Struktur für den Stadtteil mit seinen zukünftig rund 8000 Bewohnern. Das grüne Band zieht sich mit robusten und multifunktional nutzbaren Erholungs- und Erlebnisräumen im Bogen durch das neue Stadtquartier und verbindet es mit dem historischen Kern Wollmatingen. Das Siegerteam sieht für das rund 60 Hektar große Areal keine strikte Trennung zwischen Wohnen und Gewerbe vor. Stattdessen mischen die Planer die Nutzungen. Das Quartier ist weitgehend autofrei konzipiert und stellt die Lebensqualität in den Vordergrund. Die Jury sieht in dem Entwurf das größte Innovationspotential, um den Stadtteil zukunftsfähig zu gestalten, sowie an Veränderungen der nächsten Jahre anzupassen.

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