Verfugung Natursteinpflaster: Aufbau, Vorteile und Anwendung

Ein Detail von Belag und Freiraummaterial zum Thema Verfugung Natursteinpflaster
Metallrahmen auf Betonboden – ein Detail aus dem Landschaftsbau. Foto: vonshnauzer / Unsplash

Natursteinpflaster gehört zu den dauerhaftesten und gestalterisch reichsten Belagsformen im Außenraum. Doch seine Qualität steht und fällt mit einer Komponente, die im Planungsalltag oft unterschätzt wird: der Verfugung. Die Verfugung von Natursteinpflaster ist weit mehr als ein ästhetisches Finish. Sie bestimmt die Tragfähigkeit des Verbandes, regelt den Wasserabfluss, schützt das Bettungsmaterial und entscheidet darüber, ob ein Pflasterbelag nach zwanzig Jahren noch intakt ist oder ob er sich bereits nach wenigen Wintern zu heben beginnt. Wer Natursteinpflaster plant, verlegt oder unterhält, muss die Verfugung als konstruktives Element verstehen, nicht als nachgelagerte Kleinigkeit.

  • Was Verfugung im Kontext von Natursteinpflaster technisch bedeutet und welche Funktionen sie erfüllt
  • Welche Fugenmaterialien und Fugenmörtel für Naturstein geeignet sind und welche Unterschiede entscheidend sind
  • Wie der korrekte Aufbau von Natursteinpflaster mit Bettung, Unterbau und Fuge zusammenhängt
  • Welche Normen, Regelwerke und Richtlinien die Ausführung von Pflasterarbeiten und Verfugung bestimmen
  • Wann Fugenmörtel, wann Fugensand und wann reaktive Systeme die richtige Wahl sind
  • Welche Fehler bei der Verfugung von Naturstein häufig auftreten und wie sie sich vermeiden lassen
  • Wie sich verschiedene Natursteinarten auf die Wahl des Fugenmaterials auswirken
  • Welche Rolle die Verfugung im Kontext von Versiegelung, Entwässerung und Stadtklima spielt

Was Verfugung bei Natursteinpflaster bedeutet: Definition und Funktion

Die Verfugung von Natursteinpflaster bezeichnet das gezielte Füllen der Fugen zwischen einzelnen Pflastersteinen mit einem geeigneten Material, das die Hohlräume zwischen den Steinen dauerhaft schließt, stabilisiert und gegen äußere Einflüsse schützt. Der Begriff umfasst sowohl das Material selbst, also den Fugenmörtel, Fugensand oder reaktiven Fugenstoff, als auch den Arbeitsvorgang des Einbringens und Verdichtens. Im Unterschied zu Betonpflaster oder keramischen Belägen stellt Naturstein besondere Anforderungen an die Verträglichkeit des Fugenmaterials, weil viele Natursteinarten empfindlich auf alkalische Stoffe, Säuren oder Verfärbungen reagieren.

Funktional übernimmt die Verfugung mehrere Aufgaben gleichzeitig. Sie sichert den Steinverband, indem sie die seitliche Beweglichkeit der einzelnen Pflastersteine begrenzt und Kraftumlenkungen zwischen benachbarten Steinen ermöglicht. Ohne ausreichende Verfugung kann ein Pflasterstein unter Belastung kippen, sich verschieben oder absinken, was den gesamten Verband destabilisiert. Gleichzeitig schützt die Fuge das darunter liegende Bettungsmaterial vor Ausspülung durch Niederschlagswasser. Wird das Bettungsmaterial, also in der Regel ein Splitt- oder Sandbett, durch offene Fugen ausgespült, verlieren die Steine ihren flächigen Auflageverbund und beginnen zu wippen oder zu setzen. Die Verfugung ist damit ein direkter Schutz der gesamten Konstruktionstiefe.

Schließlich hat die Verfugung eine gestalterische Dimension, die in der Freiraumplanung nicht zu unterschätzen ist. Fugenbreite, Fugentiefe, Fugenfarbe und Fugenstruktur prägen das visuelle Erscheinungsbild eines Pflasterbelags ebenso stark wie die Steinoberfläche selbst. Ein grob behauenes Granitpflaster mit breiten, sandig-offenen Fugen wirkt historisch und rau; dasselbe Pflaster mit einem anthrazitfarbenen Polymerfugenmörtel in engen, sauber abgezogenen Fugen wirkt urban und präzise. Diese gestalterische Wirkung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis bewusster planerischer Entscheidungen.

Aufbau von Natursteinpflaster: Unterbau, Bettung und Fuge als System

Die Verfugung von Natursteinpflaster kann nur dann dauerhaft funktionieren, wenn der gesamte Schichtaufbau unterhalb des Belags korrekt dimensioniert und ausgeführt ist. Pflasterbeläge sind keine selbsttragenden Konstruktionen; sie leiten Lasten über die Bettung in den Unterbau und schließlich in den Untergrund ab. Ein mangelhafter Unterbau führt unweigerlich zu Setzungen, die selbst die beste Verfugung reißen lassen. Das Regelwerk, das diesen Aufbau in Deutschland verbindlich beschreibt, ist die ZTV Pflaster, die Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für das Herstellen von Pflasterdecken und Plattenbelägen, ergänzt durch die einschlägigen DIN-Normen, insbesondere die DIN 18318 für Pflasterarbeiten.

Der Unterbau besteht typischerweise aus einer frostsicheren Tragschicht aus gebrochenem Mineralkorn, deren Dicke sich nach der Frosteinwirkungszone, der Bodenklasse und der zu erwartenden Belastung richtet. Auf diese Tragschicht folgt die Bettungsschicht, die je nach Systemwahl als ungebundene Bettung aus Splitt oder als gebundene Bettung aus hydraulisch gebundenem Mörtel ausgeführt wird. Die Wahl zwischen ungebundener und gebundener Bettung hat unmittelbare Konsequenzen für die Verfugung: Eine ungebundene Bettung erlaubt grundsätzlich sowohl offene als auch geschlossene Fugen, während eine gebundene Bettung in der Regel eine vollständige, kraftschlüssige Verfugung erfordert, um die Konstruktion als starres System zu vervollständigen.

Natursteinpflaster wird in der Praxis häufig auf einer Splittbettung aus gebrochenem Korn der Körnung 2 bis 5 Millimeter verlegt. Diese Bettungsschicht wird in einer Dicke von etwa drei bis fünf Zentimetern eingebaut und nach dem Verlegen der Steine durch Abziehen und Verdichten auf die endgültige Höhe gebracht. Die Fugenbreite richtet sich nach Steinformat, Steinart und gestalterischer Absicht. Für Kleinpflaster aus Granit oder Basalt sind Fugenbreiten von fünf bis zehn Millimetern üblich; bei größeren Platten oder unregelmäßig geformten Natursteinen können Fugen von zehn bis zwanzig Millimetern entstehen. Diese Fugenbreite bestimmt maßgeblich, welches Fugenmaterial technisch und ästhetisch geeignet ist.

Gebundener und ungebundener Aufbau im Vergleich

Der ungebundene Aufbau, also Natursteinpflaster auf Splitt- oder Sandbettung mit offener oder sandgefüllter Fuge, ist die traditionelle und in vielen Anwendungsfällen nach wie vor sinnvolle Bauweise. Er erlaubt eine gewisse Verformbarkeit des Belags, ist reparaturfreundlich und ermöglicht bei entsprechender Fugengestaltung eine vollständige Versickerung von Niederschlagswasser. Gerade im Kontext der urbanen Regenwasserbewirtschaftung und der Anforderungen an wassersensible Stadtentwicklung ist der ungebundene Aufbau mit offener Fuge ein wichtiges Instrument der Freiraumplanung. Allerdings ist er anfälliger für Fugenerosion, Unkrautbewuchs und Verschiebungen unter hoher Belastung.

Der gebundene Aufbau mit Mörtelbettung und Fugenmörtel bietet demgegenüber eine höhere Tragfähigkeit und Formstabilität, ist aber starr und damit anfälliger für Rissbildung bei Setzungen oder Temperaturbewegungen. Er eignet sich besonders für stark belastete Flächen, für repräsentative Platzbereiche mit hohen gestalterischen Anforderungen und für Natursteinarten, die aufgrund ihrer Geometrie oder Oberflächenbeschaffenheit keine ausreichende Kraftübertragung im ungebundenen Verband ermöglichen. Die Wahl des Aufbaus ist eine planerische Grundentscheidung, die vor der Auswahl des Fugenmaterials getroffen werden muss.

Fugenmaterialien für Natursteinpflaster: Eigenschaften, Eignung und Grenzen

Die Palette der verfügbaren Fugenmaterialien für Natursteinpflaster ist in den vergangenen Jahrzehnten erheblich gewachsen. Neben den klassischen mineralischen Mörteln auf Zementbasis stehen heute Polymerfugenmörtel, reaktive Harzsysteme und spezielle Fugensande mit Bindemittelzusatz zur Verfügung. Jedes System hat spezifische Eigenschaften, die es für bestimmte Anwendungen geeignet und für andere ungeeignet machen. Die Auswahl des richtigen Fugenmaterials ist eine der wichtigsten technischen Entscheidungen bei der Verfugung von Natursteinpflaster.

Zementgebundene Fugenmörtel sind die traditionelle Lösung für gebundene Pflasteraufbauten. Sie bestehen aus Zement, Sand und Wasser, gegebenenfalls mit Zusatzmitteln zur Verbesserung der Verarbeitbarkeit oder der Endfestigkeit. Ihr wesentlicher Vorteil liegt in der hohen Druckfestigkeit und der guten Haftung an mineralischen Untergründen. Ihr entscheidender Nachteil bei der Verwendung mit Naturstein ist der hohe pH-Wert des frischen Zementmörtels, der bei empfindlichen Natursteinarten wie Kalkstein, Sandstein oder polierten Graniten zu Verfärbungen, Ausblühungen oder sogar Oberflächenätzungen führen kann. Für diese Steinarten sind zementarme oder zementfreie Systeme vorzuziehen.

Polymerfugenmörtel, auch als Fugenmörtel mit Kunstharzanteilen bezeichnet, verbinden mineralische Füllstoffe mit polymeren Bindemitteln. Sie sind nach dem Aushärten flexibler als reine Zementmörtel, was Temperaturbewegungen besser aufnimmt und die Rissanfälligkeit reduziert. Viele Polymerfugenmörtel sind zudem säureneutral oder zumindest weniger alkalisch als Zementmörtel, was sie für empfindliche Natursteinarten verträglicher macht. Sie sind in zahlreichen Farbtönen erhältlich, was gestalterische Spielräume eröffnet. Allerdings sind sie in der Regel teurer als einfache Zementmörtel und erfordern eine sorgfältigere Verarbeitung, insbesondere hinsichtlich Temperatur und Feuchte beim Einbau.

Epoxidharzbasierte Fugensysteme, also reaktive Zweikomponentensysteme, bieten die höchste chemische und mechanische Beständigkeit. Sie werden vor allem in Bereichen eingesetzt, die extremen Belastungen ausgesetzt sind: stark frequentierte Platzbereiche, Zufahrten mit schwerem Fahrzeugverkehr oder Flächen, die regelmäßig mit aggressiven Reinigungsmitteln behandelt werden. Ihr Nachteil ist die aufwendige Verarbeitung, die geringe Toleranz gegenüber Verarbeitungsfehlern und die vollständige Wasserundurchlässigkeit, die bei der Entwässerungsplanung berücksichtigt werden muss. Für historische Natursteinpflaster oder Flächen mit Anforderungen an die Versickerung sind sie in der Regel ungeeignet.

Fugensand und Pflastersplitt für ungebundene Aufbauten

Bei ungebundenen Pflasteraufbauten wird die Fuge traditionell mit Fugensand oder feinem Splitt gefüllt. Dieser Sand wird nach dem Verlegen der Steine trocken oder feucht eingebracht und durch Abkehren und Einrütteln in die Fugen gearbeitet. Der Vorteil liegt in der einfachen Ausführung, der guten Wasserdurchlässigkeit und der leichten Reparierbarkeit. Der Nachteil ist die begrenzte Stabilität: Fugensand kann durch Niederschlag, Windeinwirkung oder Fahrzeugverkehr ausgewaschen oder herausgeschleudert werden, was regelmäßige Nachfugungen erfordert. Unkrautbewuchs in offenen Sandfugen ist ein bekanntes Pflegeproblem, das in der Unterhaltungsplanung von Anfang an berücksichtigt werden sollte.

Stabilisierte Fugensande, also Fugensande mit Bindemittelzusatz auf Basis von Polymeren oder hydraulischen Bindemitteln, bieten einen Kompromiss zwischen offener Sandfuge und geschlossenem Mörtelsystem. Sie werden trocken eingebracht und durch Befeuchtung aktiviert, woraufhin das Bindemittel aushärtet und die Fuge stabilisiert. Diese Systeme sind wasserdurchlässig oder zumindest wasserdurchlässiger als Mörtelfugen, bieten aber eine deutlich höhere Erosionsbeständigkeit als reiner Fugensand. Für Natursteinpflaster in Fußgängerbereichen und leicht befahrenen Flächen sind sie eine häufig gewählte Lösung.

Natursteinarten und ihre Anforderungen an die Verfugung

Nicht jeder Naturstein verträgt jedes Fugenmaterial. Die mineralogische Zusammensetzung, die Porosität, der Säuregehalt und die Oberflächenbeschaffenheit des Steins bestimmen, welche Fugenmaterialien verträglich sind und welche zu Schäden führen können. Diese Materialkenntnis ist ein Kernbestandteil der fachgerechten Planung und Ausführung von Natursteinpflaster.

Granit, Basalt und andere magmatische Gesteine sind chemisch robust, wenig porös und unempfindlich gegenüber alkalischen Fugenmörteln. Sie vertragen zementgebundene Systeme gut, solange die Verarbeitung sauber erfolgt und Mörtelverschmutzungen auf der Steinoberfläche zeitnah entfernt werden. Polierte Granitsteine bilden hier eine Ausnahme: Zementschleier auf polierten Oberflächen sind schwer zu entfernen und können das Erscheinungsbild dauerhaft beeinträchtigen. Für polierte Oberflächen empfehlen Fachleute stets das Abkleben der Steinkanten oder die Verwendung von Fugensystemen mit geringem Zementanteil.

Kalkstein, Marmor und andere karbonatische Gesteine reagieren empfindlich auf Säuren und auf stark alkalische Stoffe. Zementmörtel mit hohem pH-Wert kann bei diesen Steinen zu Oberflächenveränderungen führen, die als Mattierung, Verfärbung oder Ausblühung sichtbar werden. Für diese Steinarten sind polymervergütete Fugenmörtel mit niedrigem pH-Wert oder spezielle Kalkmörtelsysteme die richtige Wahl. Kalkmörtel, also Mörtel auf Basis von Weißkalk oder hydraulischem Kalk, sind chemisch mit karbonatischen Gesteinen verträglich und werden in der Denkmalpflege für historische Kalksteinpflaster bevorzugt eingesetzt.

Sandstein ist porös und saugfähig, was ihn besonders anfällig für Zementausblühungen und Verfärbungen durch eindringende Fugenmörtel macht. Bei Sandstein ist eine sorgfältige Vorbehandlung der Steinoberfläche, etwa durch Imprägnierung oder Abkleben der Fugenränder, besonders wichtig. Gleichzeitig muss die Verfugung so ausgeführt werden, dass keine Feuchtigkeit dauerhaft im Stein gespeichert wird, da Sandstein bei Frost-Tau-Wechseln durch eingedrungenes Wasser abplatzen kann. Die Fugentiefe sollte bei Sandstein so bemessen sein, dass die Fuge das Bettungsmaterial schützt, ohne den Stein selbst zu überlasten.

Ausführung der Verfugung: Verfahren, Fehler und Qualitätssicherung

Die handwerkliche Ausführung der Verfugung von Natursteinpflaster folgt einem klar definierten Ablauf, dessen einzelne Schritte in der richtigen Reihenfolge und unter den richtigen Bedingungen durchgeführt werden müssen. Fehler in der Ausführung sind häufig die Ursache für frühzeitiges Fugenversagen, selbst wenn Material und Aufbau korrekt gewählt wurden.

Vor dem Verfugen muss die Pflasterfläche vollständig gesetzt und verdichtet sein. Bei ungebundenen Aufbauten bedeutet das, dass die Steine nach dem Verlegen mit einer Rüttelplatte abgerüttelt werden, um die Bettung zu verdichten und die Steine in ihre endgültige Lage zu bringen. Erst danach werden die Fugen gereinigt, lose Bettungsmaterialreste werden entfernt, und die Fuge wird auf die erforderliche Tiefe freigelegt. Eine unzureichend gereinigte Fuge verhindert die vollständige Haftung des Fugenmörtels und führt zu Hohlstellen, die unter Belastung brechen.

Das Einbringen des Fugenmörtels kann durch Einschlämmen, Einpressen oder Einstreichen erfolgen, je nach Fugenmaterial und Fugengeometrie. Beim Einschlämmen wird ein dünnflüssiger Mörtel über die Fläche gegossen und mit einem Gummischieber oder einer Bürste in die Fugen gearbeitet. Dieses Verfahren ist schnell und eignet sich für enge Fugen, erfordert aber eine sorgfältige und zeitnahe Reinigung der Steinoberflächen, bevor der Mörtel abbindet. Beim Einpressen wird der Mörtel mit einem Fugenschlauch oder einer Fugenpistole direkt in die Fuge eingebracht, was bei breiten Fugen oder empfindlichen Steinoberflächen die schonendere Methode ist.

Häufige Fehler bei der Verfugung von Natursteinpflaster lassen sich in wenigen Punkten zusammenfassen:

  • Verfugung bei zu niedrigen Temperaturen (unter fünf Grad Celsius), was das Abbinden zementgebundener Mörtel verhindert oder verlangsamt
  • Verfugung bei direkter Sonneneinstrahlung oder starkem Wind, was zu zu schnellem Austrocknen und Rissbildung führt
  • Unzureichende Fugenreinigung vor dem Verfugen, was Hohlstellen und mangelhafte Haftung verursacht
  • Zu geringe Fugenfüllung, sodass das Bettungsmaterial nicht vollständig geschützt ist
  • Verwendung von zementreichen Mörteln auf empfindlichen Natursteinarten ohne Schutzmaßnahmen
  • Fehlende Nachbehandlung des Mörtels, also kein Feuchthalten in den ersten Tagen nach dem Verfugen

Die Qualitätssicherung bei der Verfugung umfasst die Kontrolle der Fugenbreite und -tiefe, die Überprüfung der Materialverträglichkeit durch Probefelder sowie die Dokumentation der verwendeten Materialien und Verarbeitungsbedingungen. Gerade bei hochwertigen Natursteinpflastern in repräsentativen Bereichen ist die Anlage eines Probefeldes vor Beginn der Hauptarbeiten eine sinnvolle und in der Praxis bewährte Maßnahme.

Verfugung, Entwässerung und Stadtklima: Der größere Planungskontext

Die Verfugung von Natursteinpflaster ist keine rein konstruktive Frage. Sie hat unmittelbare Auswirkungen auf die hydrologischen Eigenschaften einer Fläche und damit auf Themen, die in der zeitgenössischen Freiraumplanung zentrale Bedeutung haben: Regenwasserbewirtschaftung, Versickerung, Hitzeminderung und Biodiversität. Die Entscheidung für ein offenes oder geschlossenes Fugensystem ist deshalb auch eine Entscheidung über die ökologische Funktion eines Belags.

Offene Fugen mit Fugensand oder stabilisiertem Fugensand ermöglichen die Versickerung von Niederschlagswasser direkt am Ort des Aufpralls, was die Kanalisation entlastet, die Grundwasserneubildung fördert und die Verdunstung aus dem Bodenraum unterstützt. Dieser letzte Punkt ist für das Stadtklima besonders relevant: Verdunstung kühlt Oberflächen und die bodennahe Luft, was in überhitzten urbanen Bereichen einen messbaren Beitrag zur Hitzeminderung leisten kann. Vollständig geschlossene Fugensysteme aus Epoxidharz oder dichten Zementmörteln hingegen machen eine Fläche praktisch wasserdicht und verstärken den Oberflächenabfluss.

In der Praxis der wassersensiblen Stadtentwicklung, die in vielen deutschen Kommunen unter dem Begriff Schwammstadt konzeptionell verankert ist, wird die Wahl des Fugensystems zu einem Planungsinstrument. Natursteinpflaster mit offener oder halboffener Fuge auf wasserdurchlässigem Unterbau kann als versickerungsfähige Fläche angerechnet werden und trägt zur Erfüllung von Anforderungen aus Bebauungsplänen oder Entwässerungssatzungen bei. Voraussetzung ist, dass Unterbau, Bettung und Fuge als System auf Versickerung ausgelegt sind und die Durchlässigkeit des Untergrunds ausreichend ist.

Auch für die Biodiversität in urbanen Räumen ist die Fugengestaltung nicht irrelevant. Offene Sandfugen bieten Lebensraum für spezialisierte Insekten, darunter verschiedene Wildbienenarten, die in sandigen Fugen nisten. Moose und niedrige Kräuter, die sich in breiten, offenen Fugen ansiedeln, tragen zur Artenvielfalt bei und können gestalterisch bewusst eingesetzt werden. Diese sogenannte Fugenvegetation ist in historischen Stadtkernen und in naturnahen Freiraumgestaltungen ein anerkanntes gestalterisches und ökologisches Element, das allerdings eine entsprechende Pflege und Toleranz gegenüber Bewuchs voraussetzt.

Pflege und Instandhaltung verfugter Natursteinpflasterflächen

Auch die beste Verfugung unterliegt dem Verschleiß. Frost-Tau-Wechsel, mechanische Belastung, Wurzeldruck und chemische Einwirkungen durch Streusalz oder Reinigungsmittel greifen Fugenmörtel und Fugensand über die Zeit an. Eine regelmäßige Inspektion und gezielte Instandhaltung verlängert die Lebensdauer des gesamten Pflasterbelags erheblich und ist wirtschaftlich sinnvoller als eine vollständige Erneuerung nach Totalversagen.

Bei der Inspektion wird auf Fugenausbrüche, Risse, Hohlstellen und Erosionsspuren geachtet. Hohlstellen unter dem Fugenmörtel, erkennbar durch einen hohlen Klang beim Abklopfen der Steine, weisen auf Bettungsverlust hin und müssen zeitnah behoben werden, bevor der betroffene Bereich unter Belastung einbricht. Risse im Fugenmörtel sind häufig Zeichen von Setzungsbewegungen im Unterbau oder von thermischen Spannungen und sollten auf ihre Ursache hin untersucht werden, bevor sie einfach verfüllt werden.

Das Nachfugen, also das Ergänzen ausgewaschener oder ausgebrochener Fugen, sollte mit dem ursprünglich verwendeten Material oder einem verträglichen Ersatzmaterial erfolgen. Unterschiedliche Fugenmörtel in derselben Fläche können zu optischen Unregelmäßigkeiten und zu unterschiedlichem Dehnungsverhalten führen, was neue Risse begünstigt. Bei der Pflege von historischen Natursteinpflastern in denkmalgeschützten Bereichen ist die Materialverträglichkeit besonders sorgfältig zu prüfen; hier sind Kalkmörtelergänzungen oft die einzige denkmalpflegerisch akzeptable Option.

Verfugung als konstruktives und gestalterisches Kernelement

Die Verfugung von Natursteinpflaster ist, wie dieser Überblick zeigt, kein nachgeordnetes Detail, sondern ein integraler Bestandteil des gesamten Konstruktionssystems. Sie verbindet Tragfähigkeit, Dauerhaftigkeit, Wasserwirtschaft und Gestaltung in einem einzigen Element. Wer Natursteinpflaster plant, muss die Verfugung von Beginn an mitdenken: als Teil der Aufbaukonstruktion, als Konsequenz der Steinauswahl, als Instrument der Entwässerungsplanung und als gestalterisches Mittel.

Die Vielfalt der verfügbaren Fugenmaterialien bietet heute für nahezu jede Anforderung eine geeignete Lösung. Die Herausforderung liegt nicht im Mangel an Optionen, sondern in der informierten Auswahl und fachgerechten Ausführung. Fehlentscheidungen bei der Verfugung, sei es durch falsche Materialwahl, mangelhafte Ausführung oder unzureichende Pflege, sind eine der häufigsten Ursachen für frühzeitiges Versagen von Natursteinpflasterbelägen, die konstruktiv und gestalterisch eigentlich für Jahrzehnte ausgelegt wären.

Für Landschaftsarchitekten, Freiraumplaner und ausführende Fachbetriebe bedeutet das: Die Verfugung verdient dieselbe planerische Sorgfalt wie die Auswahl des Natursteins, die Dimensionierung des Unterbaus oder die Entwässerungskonzeption. Ein Pflasterbelag ist so gut wie seine schwächste Schicht, und diese schwächste Schicht ist, wenn die Planung nachlässig war, allzu oft die Fuge.

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Zwei unterschiedliche, durch eine Bundesstraße voneinander getrennte Areale verbinden, und einen großen See schaffen – die Herausforderungen der Landesgartenschau in Lahr meisterte das Büro club L94 ohne große Hindernisse. Burkhard Wegener führt uns vor Ort durchs Gelände.

Herr Wegener, was war Ihre Motivation, 2011 am Wettbewerb zur Landesgartenschau in Lahr teilzunehmen?
Es war die Auslobung mit der Aufgabe, einen existierenden Park zu überarbeiten und Ackerflächen eine neue Identität zu geben, sie zu einem Park zu entwickeln. Und darüber hinaus: beide Teilbereiche über zwei Bundesstraßen hinweg mit einer Brücke zu verbinden – alles in allem eine komplexe Aufgabe. Zudem hat es in unseren Kalender gepasst …

Haben Sie die Vorgaben im Planungsprogramm als einengend empfunden – etwa den Wunsch nach einem See, neuen Kleingärten und einem Landschaftspark, in den ein bestehendes Pappelwäldchen mit Krähenhabitat integriert werden sollte?
Eigentlich nicht, eher als Herausforderung. Zumal wir viel Freiraum bei der Ideenfindung hatten und angehalten wurden, Neues zu entwickeln, das sich mit Vorhandenem verbinden sollte.

Woran hatten Sie am meisten zu knabbern? Was hat Ihnen die größten Probleme beim Planen und Bauen gemacht?
Das war der See. Er sollte mehrere Hektar groß werden, aber wir konnten ihn nicht – wie anfangs gedacht – durch den Aushub von Boden realisieren. Es stellte sich schnell heraus, dass es Probleme mit dem Grund­wasser gegeben hätte. So kamen wir auf die Idee, den See auf das bestehende Gelände aufzusetzen. Als Landschaftssee konzipiert, ist er nun rund 2,7 Hektar groß, aber nur zwei bis drei Meter tief. Insgesamt haben wir rund 100 000 Kubikmeter Füllboden im Gelände verarbeitet.

Der See wird diagonal von einem Steg gequert, dadurch scheint er zweigeteilt. Hat das eine tiefere Bedeutung?
Ja. Offziell ist der See ein Badesee und braucht dazu eine entsprechend hohe Wasserqualität. Das erreichen wir, indem wir das Wasser umwälzen, über eine Pflanzenkläranlage filtern und fehlendes Wasser über Pumpen aus dem Grundwasser zuführen. Der Steg über den See sitzt wiederum auf einer Mauer auf, die den Badesee vom Landschaftssee trennt und ihn aus einer anderen Perspektive als von den Ufern aus erlebbar macht. Die Ufer sind bewusst unterschiedlich gestaltet: im Badebereich mit einer harten, urbanen Kante samt Badestrand, im Landschaftsteil mit weichen Übergängen, die sich aus der Bepflanzung der Uferbereiche mit Röhricht und Wasserpflanzen ergeben.

Gab es noch andere Themen, die Ihnen beim Entwurf der Landesgartenschau besonders wichtig waren?
Zum Beispiel, dass auf der langen Seite des Sees eine Promenade entstehen sollte. Diese haben wir mit einer einreihigen Allee aus Trauerweiden bepflanzt, deren hängende Zweige wir lieben.

Alle Fotos: Karl H.C. Ludwig.

Sie haben noch nicht das Krähennest angesprochen, das ja auch eine Besonderheit darstellt …
Genau, das war uns auch von Anfang an wichtig. Zwar in etwas anderer Form als es nach dem dafür ausgelobten Wett­bewerb geworden ist, aber wir finden es dennoch gut. Es steht vor dem Pappel­wäldchen, in dem zahlreiche Krähennester zu finden sind, die den Anstoß zur Idee gegeben haben. Konkret liegt es in dem neuen Auenwäldchen, in dem sich Lichtungen, Pfade aus Rindenmulch und Farninseln finden, die die Basis für ökologische Vielfalt und Lebensräume für Pflanzen und Tiere darstellen und zeigen.

Was waren die Maximen und Ziele für die Überarbeitung des Bürgerparks? Der kam in unserer Unterhaltung bislang etwas zu kurz …
Der Bürgerpark liegt direkt am Schul­quartier und wurde von uns konzeptionell als Teil der Stadt interpretiert. Im Gegensatz zum landschaftlichen Seepark ist der Spiel-­ und Sportpark urban gestaltet. Die Konzeptionen für die neuen Gebäude dort – Kita, römisches Streifen­haus und Sporthalle – entwickelten wir in der städtebaulichen Findungsphase zusammen mit dem Architekturbüro Aldinger. Die neue Kita mit der tonnen­förmigen Dachstruktur, die ich mitsamt den Spielbereichen für sehr gelungen halte, markiert den Parkzugang im Osten. Zu einem besonderen gestalterischen Element wurde auch die „via ceramica“, die sich – obwohl sprachlich nicht ganz korrekt – auf die keramischen Funde der Römer in Lahr bezieht.


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Blick über den See.

12 Via Ceramika Image club
Via Ceramica.

08 Seeprromenade01
Seepromenade.

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Blick über den See.

12 Via Ceramika Image club
Via Ceramica.

08 Seeprromenade01
Seepromenade.

Das alles klingt nach dem Ergebnis einer guten Zusammenarbeit mit anderen Planern und der Stadt.
Die Zusammenarbeit war – von einzelnen Ausnahmen abgesehen – in der Tat ganz gut. Das gilt sowohl für die Verantwort­lichen der Stadt, als auch für die LGS GmbH und andere Architekten und Planer. Grundsätzlich hätten wir uns gewünscht, dass sich die Ausstellungsbei­träge – vor allem im Seepark – etwas mehr in die Grundkonzeption der Daueranlage eingefügt und einen etwas weniger lauten Auftritt gemacht hätten. Im Kleingartenpark am jetzigen Haupteingang der LGS wurden sie mit dem Landschaftsbau und dessen Gärten deutlich besser in die Grund­struktur der Anlage integriert.

Zum Interviewpartner: Burkhard Wegener ist einer der vier Gründer und Geschäftsführer des Kölner Büros club L94 Landschaftsarchitekten. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Objektplanung und Wettbewerbe. Am FB Architektur der Hochschule Bochum lehrt er als Honorarprofessor.

 

 

Alle Fotos: Karl H.C. Ludwig.

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Seepromenade.

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Die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung und die Wüstenrot Stiftung schreiben seit fast 40 Jahren den Deutschen Städtebaupreis aus. Alle zwei Jahre zeichnet der Preis nachhaltige und innovative Gestaltungsvorschläge für den öffentlichen Raum aus. Dieses Jahr ist es wieder soweit.

Architekten, Landschaftsarchitekten und Städteplaner können bis zum 15. April Projekte einreichen, die seit dem 1. Januar 2013 in der Bundesrepublik Deutschland realisiert worden sind. Am 27. September 2018 werden die Wettbewerbsgewinner bekannt gegeben. Den Preisträger erwartet ein Preisgeld von 15 000 Euro und wird in einer Wanderausstellung präsentiert.

Der parallel dazu ausgelobte Sonderpreis widmet sich dem Thema ‚Orte der Bildung und Kultur im städtebaulichen Kontext‘. Im Rahmen des ‚European Year of Cultural Heritage 2018‘ werden Projekte ausgezeichnet die städtebauliche Ensembles zwischen 1949 und 1989 behandeln. Der Sonderpreis ist mit 5 000 Euro dotiert.

Weitere Informationen zu dem Deutschen Städtepreis findet ihre hier.