Versickerungsmulde Garten: Grundlagen, Nutzen und Praxis

Begrünte, klimaangepasste Stadtinfrastruktur zum Thema Versickerungsmulde Garten
Wasserkreise breiten sich sanft auf einer ruhigen Oberfläche aus. Foto: bielmorro / Unsplash

Eine Versickerungsmulde im Garten ist weit mehr als eine schlichte Geländesenke. Sie ist ein funktionales Entwässerungselement, das Regenwasser am Ort seines Anfalls zurückhält, der Verdunstung zuführt und dem Grundwasser wieder zugibt, anstatt es in überlastete Kanalnetze abzuleiten. Wer das Prinzip der Versickerungsmulde versteht, versteht zugleich, wie dezentrale Regenwasserbewirtschaftung auf der Grundstücksebene funktioniert und warum sie für Stadtklima, Wasserhaushalt und Bodenökologie von erheblicher Bedeutung ist.

  • Was eine Versickerungsmulde ist und wie sie sich von anderen Versickerungsanlagen unterscheidet
  • Welche hydrologischen und ökologischen Funktionen sie erfüllt und warum das für Stadtklima und Grundwasser relevant ist
  • Welche Standort- und Bodenverhältnisse für eine Versickerungsmulde im Garten geeignet sind
  • Wie Dimensionierung, Planung und Ausführung fachgerecht erfolgen
  • Welche Pflanzengesellschaften und Vegetationskonzepte für Mulden geeignet sind
  • Was bei Pflege und Betrieb zu beachten ist, damit die Versickerungsleistung dauerhaft erhalten bleibt
  • Welche rechtlichen Rahmenbedingungen und Normen relevant sind
  • Welche Fehler in der Praxis häufig gemacht werden und wie man sie vermeidet

Definition und Einordnung: Was ist eine Versickerungsmulde?

Eine Versickerungsmulde, in der Fachliteratur auch als Muldenversickerung oder Sickermulde bezeichnet, ist eine flache, bepflanzte oder unbepflanzte Geländesenke, die Niederschlagswasser von befestigten Flächen aufnimmt, zwischenspeichert und über die belebte Bodenzone in den Untergrund versickern lässt. Sie gehört zur Gruppe der dezentralen Regenwasserbewirtschaftungsanlagen und ist das einfachste und in der Praxis am häufigsten eingesetzte Versickerungselement auf privaten Grundstücken. Im Unterschied zu technischen Versickerungsanlagen wie Rigolen (unterirdische Kiespackungen), Sickerschächten oder Versickerungsbecken arbeitet die Mulde vollständig oberflächennah und nutzt die natürliche Filterleistung des Oberbodens.

Die Abgrenzung zu verwandten Elementen ist für die Planung wichtig. Eine Retentionsmulde dient vorrangig der Rückhaltung und Verzögerung des Abflusses, ohne zwingend auf Versickerung ausgelegt zu sein. Eine Mulde-Rigole-Kombination verbindet die oberflächliche Mulde mit einem unterirdischen Kiesrigolenkörper, um bei geringer Bodendurchlässigkeit dennoch ausreichend Speichervolumen bereitzustellen. Die klassische Versickerungsmulde im Garten hingegen setzt auf die Durchlässigkeit des anstehenden Bodens und die Filterwirkung der Vegetationsschicht. Genau diese Einfachheit macht sie für private Grundstücke attraktiv und planerisch zugänglich.

Im Kontext der Freiraumplanung ist die Versickerungsmulde ein Element der blaugrünen Infrastruktur, also jener Vernetzung von Wasserhaushaltselementen und Grünstrukturen, die in der zeitgenössischen Stadtplanung als Antwort auf Hitzeinseln, Starkregenereignisse und Grundwasserabsenkung diskutiert wird. Was auf der Maßstabsebene des Stadtquartiers als Retentionsfläche oder Mulden-Rigolen-System erscheint, beginnt auf dem privaten Grundstück mit der einfachen Versickerungsmulde im Garten. Die Summe vieler kleiner Anlagen entfaltet auf Einzugsgebietsebene eine beachtliche Wirkung auf den Wasserhaushalt.

Hydrologische und ökologische Funktion: Warum Versickerung so wichtig ist

Der natürliche Wasserkreislauf in urbanen Räumen ist durch Versiegelung tiefgreifend gestört. Asphalt, Beton und Pflasterbeläge verhindern, dass Regenwasser in den Boden eindringt. Stattdessen fließt es oberflächlich ab, gelangt in die Kanalisation und wird aus dem lokalen Wasserkreislauf ausgeschleust. Die Folgen sind bekannt: Grundwasserspiegel sinken, Böden trocknen aus, Stadtbäume leiden unter Wassermangel, und bei Starkregenereignissen überlastet der konzentrierte Abfluss Kanäle und Gewässer. Die Versickerungsmulde im Garten setzt an genau diesem Punkt an, indem sie Regenwasser am Ort seines Anfalls hält.

Versickerung bedeutet dabei nicht nur Grundwasserneubildung. Ein erheblicher Anteil des in einer Mulde gespeicherten Wassers verdunstet wieder, entweder direkt von der Bodenoberfläche oder über die Transpiration der Bepflanzung. Diese Evapotranspiration kühlt die unmittelbare Umgebung und trägt zur Verbesserung des Mikroklimas bei, was in dicht bebauten Gebieten ein eigenständiger Planungsgrund für die Anlage von Versickerungsmulden sein kann. Gleichzeitig filtert die belebte Bodenzone Schadstoffe aus dem Regenwasser, bevor es den Grundwasserleiter erreicht. Schwermetalle, Reifenabrieb und Kohlenwasserstoffe aus Dachabläufen und Hofflächen werden im Oberboden gebunden und teilweise mikrobiell abgebaut.

Ökologisch bieten bepflanzte Versickerungsmulden einen zusätzlichen Nutzen: Sie schaffen Lebensraum für spezialisierte Pflanzengesellschaften wechselfeuchter Standorte, die in der Normallandschaft des Gartens kaum Platz finden. Feuchtwiesenarten, Seggen, Binsen und Wechselfeuchtezeiger können hier gedeihen und Insekten, Amphibien sowie Bodenorganismen Nahrung und Rückzugsraum bieten. Eine gut gestaltete Versickerungsmulde ist damit kein technisches Bauwerk, das man versteckt, sondern ein Gestaltungselement mit ökologischem Mehrwert.

Standorteignung und Bodenuntersuchung: Voraussetzungen für die Versickerungsmulde im Garten

Nicht jeder Standort eignet sich für eine Versickerungsmulde. Die wichtigste Voraussetzung ist eine ausreichende Bodendurchlässigkeit, ausgedrückt durch den Durchlässigkeitsbeiwert kf (auch als gesättigte hydraulische Leitfähigkeit bezeichnet). Für Versickerungsanlagen gilt nach den einschlägigen Regelwerken, insbesondere dem DWA-Arbeitsblatt A 138 (Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser), ein kf-Wert zwischen etwa 1 x 10 hoch minus 3 und 1 x 10 hoch minus 6 Meter pro Sekunde als geeignet. Lehmige Böden mit sehr niedrigen kf-Werten versickern zu langsam und können das Wasser nicht rechtzeitig aufnehmen; sehr sandige oder kiesige Böden mit hohen kf-Werten versickern zwar schnell, bieten aber kaum Filterleistung und können bei belasteten Einzugsflächen problematisch sein.

Die Bodenuntersuchung sollte vor jeder Planung stehen. Für eine erste Einschätzung genügt ein einfacher Feldversuch: Man gräbt eine Grube auf die geplante Muldentiefe, füllt sie mit Wasser und beobachtet, wie schnell das Wasser versickert. Laboranalysen des Bodens liefern präzisere kf-Werte und geben Auskunft über Bodenart, Humusgehalt und eventuelle Schadstoffbelastungen. Letzteres ist relevant, wenn die Mulde auf ehemals gewerblich genutzten Flächen oder in der Nähe von Altlasten angelegt werden soll.

Ebenso wichtig ist der Abstand zum Grundwasser. Das DWA-Arbeitsblatt A 138 empfiehlt einen Mindestabstand von einem Meter zwischen der Muldensohle und dem höchsten zu erwartenden Grundwasserstand, um die Filterwirkung der ungesättigten Bodenzone zu gewährleisten und Vernässungsschäden zu vermeiden. In Gebieten mit hohem Grundwasserstand ist die Muldenversickerung daher nicht oder nur in Kombination mit anderen Maßnahmen geeignet. Auch Hangsituationen mit starkem Gefälle, Bereiche in der Nähe von Gebäudefundamenten und Flächen mit Staunässehorizonten erfordern besondere Prüfung oder schließen eine Versickerungsmulde aus.

Der Mindestabstand zu Gebäuden ist nicht nur aus statischen Gründen relevant. Versickerndes Wasser kann Fundamente durchfeuchten, wenn der Abstand zu gering ist. Als Richtwert gilt ein Abstand von mindestens fünf Metern zur Bebauung, wobei die genaue Anforderung von der Bodendurchlässigkeit, dem Gefälle und der Fundamenttiefe abhängt. Kommunale Satzungen können abweichende Mindestabstände vorschreiben, weshalb die Abstimmung mit der zuständigen Behörde vor der Ausführung obligatorisch ist.

Planung und Dimensionierung: Wie eine Versickerungsmulde richtig bemessen wird

Die Dimensionierung einer Versickerungsmulde im Garten richtet sich nach der Größe der angeschlossenen Einzugsfläche, dem Bemessungsregen und der Bodendurchlässigkeit. Das DWA-Arbeitsblatt A 138 stellt hierfür ein vereinfachtes Bemessungsverfahren bereit, das für kleinere Anlagen auf privaten Grundstücken geeignet ist. Ausgangspunkt ist die Berechnung des Speichervolumens, das die Mulde bereitstellen muss, um ein definiertes Regenereignis (in der Regel ein Regen mit einer Wiederkehrzeit von zwei Jahren) aufnehmen zu können, ohne überzulaufen.

Die Mulde sollte eine maximale Einstautiefe von etwa 30 Zentimetern nicht überschreiten, damit das Wasser innerhalb von 24 bis 72 Stunden vollständig versickert. Längere Einstauzeiten beeinträchtigen die Vegetation, begünstigen Mückenbrut und können auf Sauerstoffmangel im Boden hinweisen. Die Böschungsneigungen der Mulde sollten flach gehalten werden, in der Regel nicht steiler als 1:3 (Höhe zu Breite), um Erosion zu vermeiden, die Bepflanzung zu erleichtern und die Zugänglichkeit für die Pflege zu gewährleisten. Die Muldensohle wird eben oder mit minimalem Längsneigung ausgeführt, damit das Wasser gleichmäßig über die gesamte Fläche verteilt wird und nicht an einem Ende konzentriert versickert.

Für die Anbindung der Einzugsfläche an die Mulde sind Zulaufbauwerke notwendig. Dachabläufe können über offene Rinnen oder unterirdische Leitungen zur Mulde geführt werden. An der Einleitstelle ist eine Energieumwandlung vorzusehen, etwa durch eine Steinschüttung oder ein Prallbauwerk, das den Aufprall des einströmenden Wassers bremst und Erosion der Muldensohle verhindert. Ein Überlauf, der bei Überschreitung der Speicherkapazität das Wasser geordnet ableitet, ist bei größeren Einzugsflächen unverzichtbar. Er kann als Rasenmulde in ein tieferliegendes Geländeniveau oder in einen Regenwasserkanal führen.

Folgende Planungsschritte sollten in dieser Reihenfolge durchgeführt werden:

  1. Bestimmung der angeschlossenen Einzugsfläche und ihrer Abflussbeiwerte (Dachfläche, Terrasse, Weg)
  2. Ermittlung des maßgebenden Bemessungsregens für den Standort (Starkregenstatistik, KOSTRA-DWD)
  3. Bodenuntersuchung zur Bestimmung des kf-Werts und des Grundwasserstands
  4. Berechnung des erforderlichen Speichervolumens nach DWA-A 138
  5. Festlegung von Muldengrundfläche, Tiefe und Böschungsneigung
  6. Planung von Zulauf, Energieumwandlung und Überlauf
  7. Abstimmung mit der Unteren Wasserbehörde und Prüfung kommunaler Satzungen

Vegetation und Gestaltung: Welche Pflanzen für Versickerungsmulden geeignet sind

Die Bepflanzung einer Versickerungsmulde muss den besonderen Standortbedingungen gerecht werden: periodischer Einstau nach Regenereignissen, gefolgt von Trockenphasen, verdichtungsgefährdete Sohle, und je nach Exposition auch Sonneneinstrahlung oder Beschattung. Geeignet sind Pflanzengesellschaften wechselfeuchter Standorte, die sowohl Nässe als auch Trockenheit tolerieren. In der Vegetationstechnik spricht man von Wechselfeuchtezeigern oder amphibischen Arten.

Für die Muldensohle und den unteren Böschungsbereich eignen sich Seggen (Carex-Arten wie Carex acutiformis, Carex riparia oder Carex nigra), Binsen (Juncus effusus, Juncus inflexus), Rohrglanzgras (Phalaris arundinacea) sowie krautige Arten wie Blutweiderich (Lythrum salicaria), Mädesüß (Filipendula ulmaria), Sumpf-Vergissmeinnicht (Myosotis scorpioides) und Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris). Diese Arten sind heimisch, ökologisch wertvoll und robust gegenüber den wechselnden Wasserverhältnissen. Im oberen Böschungsbereich, der seltener eingestaut wird, können trockenheitsverträglichere Stauden und Gräser eingesetzt werden, etwa Wiesen-Salbei, Schafgarbe oder Blauschwingelgras.

Gehölze sind in Versickerungsmulden mit Bedacht einzusetzen. Tiefwurzelnde Bäume können die Muldensohle mit der Zeit verdichten und die Versickerungsleistung mindern. Flach wurzelnde, nässetolerante Gehölze wie Schwarzerle (Alnus glutinosa), Weidenarten (Salix caprea, Salix purpurea) oder Roter Hartriegel (Cornus sericea) sind für größere Mulden geeignet, sollten aber nicht die gesamte Sohle beschatten, da Licht für die Bodenbiologie und die krautige Vegetation wichtig ist. Rasen als Bepflanzung der Muldensohle ist möglich, erfordert aber eine regelmäßige Belüftung des Bodens, da Rasengräser bei häufigem Einstau zur Verdichtung neigen.

Gestalterisch lässt sich eine Versickerungsmulde im Garten als naturnah bepflanztes Element in die Gesamtkomposition einbinden. Eine sanfte Geländemodellierung, die die Mulde als selbstverständlichen Teil der Topographie erscheinen lässt, ist wirkungsvoller als ein abrupter Einschnitt. Findlinge oder Natursteinelemente an der Einleitstelle verbinden Funktion und Ästhetik. Wer die Mulde als Gestaltungselement begreift, statt sie zu verstecken, schafft einen Gartenteil mit eigener Identität und hohem ökologischem Wert.

Pflege und Betrieb: Wie die Versickerungsleistung dauerhaft erhalten bleibt

Eine Versickerungsmulde ist keine wartungsfreie Anlage. Die häufigste Ursache für nachlassende Versickerungsleistung ist die Kolmation, also die Verstopfung der Bodenoberfläche durch Feinsedimente, Algen und organisches Material, das mit dem Zulaufwasser eingetragen wird. Kolmation ist ein schleichender Prozess, der sich über Jahre entwickelt und sich durch zunehmend lange Einstauzeiten nach Regenereignissen bemerkbar macht. Regelmäßige Sichtkontrolle nach stärkeren Regenfällen gibt Aufschluss darüber, ob das Wasser noch innerhalb von 24 bis 48 Stunden versickert.

Zur Pflege gehören folgende Maßnahmen:

  • Jährliche Entfernung von Laub, Sedimenten und organischem Grobmaterial aus der Muldensohle, vorzugsweise im Frühjahr
  • Regelmäßiges Auflockern der Muldensohle durch Belüftung (Einstechen mit einer Grabgabel), um Verdichtung entgegenzuwirken
  • Kontrolle und Reinigung des Zulaufbauwerks und der Energieumwandlung nach jedem größeren Regenereignis
  • Überprüfung des Überlaufs auf Funktionsfähigkeit und Freihaltung von Bewuchs
  • Nachpflanzung abgestorbener Pflanzen und Bekämpfung invasiver Arten, die die Mulde besiedeln können
  • Bei starker Kolmation: mechanische Auflockerung oder partieller Bodenaustausch der obersten Schicht

Besonderes Augenmerk gilt dem Zulaufbereich. Wenn das einströmende Wasser Feinpartikel aus Dachbeschichtungen, Reifenabrieb oder Bodenbelägen mitführt, setzt sich die Muldensohle schneller zu. Ein vorgeschalteter Sedimentationsbereich, etwa eine mit Kies gefüllte Mulde oder ein einfaches Sandfangbauwerk, kann die Hauptmulde erheblich entlasten. Dachflächen mit Zinkbeschichtungen, Kupferblechen oder Bitumenbahnen sollten nicht direkt an eine Versickerungsmulde angeschlossen werden, da die ausgewaschenen Schwermetalle die Bodenbiologie schädigen und das Grundwasser belasten können. Hier ist eine Vorbehandlung oder ein Anschluss an die Kanalisation vorzuziehen.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Normen

Die Versickerung von Niederschlagswasser ist in Deutschland wasserrechtlich geregelt. Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) erlaubt die Versickerung von Niederschlagswasser, das nicht nachteilig verändert ist, grundsätzlich ohne wasserrechtliche Erlaubnis, wenn sie nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik erfolgt. Die allgemein anerkannten Regeln der Technik für die Planung und den Bau von Versickerungsanlagen sind im DWA-Arbeitsblatt A 138 niedergelegt, das von der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall herausgegeben wird. Dieses Regelwerk ist das zentrale Planungsdokument für Fachleute.

Auf Landesebene können abweichende oder ergänzende Regelungen gelten. Viele Bundesländer haben Niederschlagswasserfreistellungsverordnungen erlassen, die die Versickerung von Dachflächenwasser unter bestimmten Bedingungen von der Erlaubnispflicht freistellen. Kommunale Entwässerungssatzungen können die Versickerung auf dem Grundstück sogar vorschreiben, wenn die örtliche Kanalisation entlastet werden soll. In manchen Kommunen wird die Anlage von Versickerungsmulden durch Förderprogramme unterstützt oder durch eine reduzierte Niederschlagswassergebühr honoriert. Die Abstimmung mit der Unteren Wasserbehörde und dem kommunalen Entwässerungsträger ist daher vor der Ausführung obligatorisch und schützt vor nachträglichen Auflagen.

Für die Einleitung von Wasser von stark befahrenen Hofflächen, Parkplätzen oder Werkstattbereichen gelten strengere Anforderungen. Solches Wasser gilt als nachteilig verändert und darf in der Regel nicht ohne Vorbehandlung versickert werden. Hier sind Leichtflüssigkeitsabscheider oder andere Vorbehandlungsanlagen vorgeschrieben. Für private Gartenflächen mit normaler Nutzung ist diese Einschränkung in der Regel nicht relevant, wohl aber für Einfahrten und Stellplätze, die an eine Versickerungsmulde angeschlossen werden sollen.

Häufige Fehler und Missverständnisse in der Praxis

Ein verbreiteter Fehler ist die Anlage einer Versickerungsmulde ohne vorherige Bodenuntersuchung. Wer eine Mulde in einen lehmigen Boden mit sehr geringer Durchlässigkeit gräbt, schafft kein Versickerungselement, sondern ein dauerhaftes Wasserloch. Das Wasser verdunstet zwar teilweise, versickert aber kaum, und die Mulde bleibt nach jedem Regen über Tage hinweg gefüllt. Das fördert Mückenbrut, schädigt die Vegetation und erfüllt die ursprüngliche Funktion nicht. Die Bodenuntersuchung ist kein optionaler Schritt, sondern die Grundlage jeder seriösen Planung.

Ein weiterer Fehler ist die Überdimensionierung der angeschlossenen Einzugsfläche im Verhältnis zur Muldengröße. Wer eine zu kleine Mulde an eine große Dachfläche anschließt, überfordert das System bei jedem mittleren Regenereignis. Das Wasser läuft über, bevor es versickern kann, und der Überlauf muss das Wasser aufnehmen, das eigentlich versickern sollte. Die Dimensionierung nach DWA-A 138 verhindert diesen Fehler, wenn sie konsequent angewendet wird.

Auch die Unterschätzung der Pflege ist ein häufiges Problem. Viele Eigentümer legen eine Versickerungsmulde an und erwarten, dass sie dauerhaft ohne Eingriff funktioniert. Tatsächlich nimmt die Versickerungsleistung ohne regelmäßige Pflege innerhalb weniger Jahre merklich ab. Wer die Mulde als wartungsfreies Naturereignis betrachtet, wird nach einigen Jahren feststellen, dass sie kaum noch versickert. Die Pflege ist kein Aufwand, der gegen die Anlage spricht, sondern ein integraler Bestandteil des Konzepts.

Schließlich wird die Lage der Mulde in Bezug auf Gebäude und Grundstücksgrenzen oft unterschätzt. Eine Mulde, die zu nah an einem Fundament liegt, kann dieses durch seitlich versickerndes Wasser gefährden. Eine Mulde, die zu nah an der Grundstücksgrenze liegt, kann Nachbargrundstücke vernässen. Beide Fehler sind nach der Ausführung schwer zu korrigieren und können zu rechtlichen Auseinandersetzungen führen.

Versickerungsmulde im Garten als Teil einer nachhaltigen Freiraumplanung

Die Versickerungsmulde im Garten ist ein kleines, aber wirkungsvolles Element einer größeren Strategie: der Rückgewinnung des natürlichen Wasserhaushalts in der bebauten Landschaft. Auf der Ebene des einzelnen Grundstücks mag ihr Beitrag bescheiden erscheinen. Auf der Ebene eines Stadtquartiers oder eines Einzugsgebiets summieren sich viele einzelne Mulden zu einer messbaren Entlastung der Kanalisation, einer Stabilisierung des Grundwasserspiegels und einer Verbesserung des Stadtklimas. Genau deshalb fördern viele Kommunen die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung aktiv und verankern sie in Bebauungsplänen und Entwässerungssatzungen.

Für Landschaftsarchitekten und Freiraumplaner ist die Versickerungsmulde ein Standardelement, das sie in Wohnquartieren, Gewerbegebieten, Schulhöfen und öffentlichen Grünanlagen einsetzen. Die Grundprinzipien sind überall dieselben: Wasser zurückhalten, versickern lassen, filtern, verdunsten. Was sich unterscheidet, sind Maßstab, Gestaltungsanspruch und technische Komplexität. Auf dem privaten Grundstück beginnt diese Logik mit einer einfachen Geländesenke, die Regenwasser vom Dach aufnimmt. Wer diese Senke mit Sachkenntnis anlegt, pflegt und gestaltet, leistet einen konkreten Beitrag zu einem Wasserhaushalt, der unter dem Druck der Versiegelung und des Klimawandels zunehmend unter Druck gerät. Das ist keine romantische Geste, sondern eine technisch fundierte und ökologisch wirksame Entscheidung.

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Gehälter in der Planung – Die G+L im Dezember 2023

Das Thema der G+L Dezemberausgabe sind Gehälter in der Planung. Coverbild: Laura Celine Heinemann
Das Thema der G+L Dezemberausgabe sind Gehälter in der Planung. Coverbild: Laura Celine Heinemann

Architekt*innen, Landschaftsarchitekt*innen, Stadtplaner*innen zählen traditionell in die Mittelschicht. Die steht jedoch aktuell am Rand ihrer Belastbarkeit. Das ergibt eine neuste Studie des Münchner ifo-Instituts. In der Dezember-Ausgabe der G+L diskutieren wir die finanzielle Situation von Planer*innen – und werfen einen Blick in die Kassen der Büros.

(Landschafts)Architekt*innen und Stadtplaner*innen als Teil der Mittelschicht

„Wer später mal viel Geld verdienen möchte, der sollte definitiv nicht in der Planung bleiben.“ Diesen Satz gab meinen Kommiliton*innen und mir unser Professor für Städtebau an der FH Erfurt im dritten Bachelorsemester mit auf den Weg. Zu dem Zeitpunkt war der Start ins Berufsleben noch so weit entfernt, dass ich mir nicht wirklich weiterführend darüber Gedanken machte. Getrost dem Motto: „Ach, das wird dann schon irgendwie gehen.“ Und es geht natürlich auch. Architekt*innen, Landschaftsarchitekt*innen und Stadtplaner*innen gehören auf Basis des durchschnittlichen Verdienstes klassischer­weise zur Mittelschicht – mit einem entsprechenden „mittleren Ein­kommen“. Von den durchschnittlichen Gehältern von Jurist*innen, Informatiker*innen oder Wirtschaftsingenieur*innen sind wir aber dennoch in der Regel meilenweit entfernt.

Mehr Berufung als Beruf?

Mehr Berufung als Beruf – viele Jahrzehnte galt dieser Halbsatz in der Planung als Rechtfertigung für ein vergleichsweise niedriges Gehalt. Für Arbeitgeber*innen sowie Arbeitnehmer*innen. Das bestätigen viele unserer Interviewees und Kommentargeber*innen im vorliegenden Heft. Doch die Zeiten haben sich geändert. Der Arbeitgebermarkt hat sich zum Arbeitnehmermarkt entwickelt. Wenn es heute um das Gehalt geht, kommt man an den Themen „Arbeitszeiten“, „Überstunden“, „Workload“, „Work­Life­Balance“ und „Mitarbeiterentwicklung“ nicht vorbei. Mitarbeitende wollen mehr als „nur“ gut verdienen. So haben viele Büroinhaber*innen heute das Gefühl, sich bei den potenziellen Mitarbeiter*innen zu bewerben anstatt andersherum – Obstkorb und Co. lassen grüßen

Die Ergebnisse unserer Onlineumfrage

Für die vorliegende Ausgabe wollten wir wissen: Wie steht es tatsächlich um die Gehälter in der Planung? Und was bedeuten diese in Zeiten des akuten Fachkräftemangels für die wirtschaftliche Situation von Arbeitnehmer*innen, aber auch für Arbeitgeber*innen? Hierfür haben wir gemeinsam mit unserem Schwestermagazin BAUMEISTER eine Onlineumfrage durchgeführt, die die aktuelle finanzielle Belastung bei Planer*innen untersucht. Die Ergebnisse der Umfrage finden Sie im Heft. Zugleich haben wir auch mehrere Büroinhaber*innen und Amtsleiter*innen gebeten, Stellung zu der Frage zu beziehen, ob und inwiefern Planer*innen am Rande ihrer finanziellen Belastbarkeit stehen.

Über Geld spricht man nicht – oh doch!

Über Geld spricht man nicht – diesen Satz haben wir im Vorfeld dieses Heftes immer wieder von unterschiedlichen Seiten gehört und herbe Absagen kassiert. Oh doch, liebe Leute. Und das vorliegende Heft zeigt, warum. Büroinhaber*innen können natürlich weiterhin hinter vorgehaltener Hand über die überzogenen Gehaltswünsche ihrer Mitarbeiter*innen schimpfen, während diese wiederum auf­grund des vermeintlichen Geizes der Chef*innen frustriert kündigen. Oder, so als Idee, wir sprechen miteinander und versuchen, die Perspektive des anderen einzunehmen. Vielleicht könnte man ja gemeinsam etwas verändern. Insbesondere in einer Zeit, in der die Gestaltung des öffentlichen Raumes immer mehr Wertschätzung (und Projekte!) erfährt.

Das Heft gibt es hier im Shop.

In der letzten Ausgabe der G+L haben wir uns ausführlich mit dem Thema Bahnhöfe beschäftigt. Mehr dazu im Editorial.

Thesen zur Landschaftsarchitektur

Vor über 20 Jahren verfasste der Landschaftsarchitekt Dieter Kienast „10 Thesen zur Landschaftsarchitektur“. Das bewusst provokante Manifest hat nichts an Aktualität verloren, wie hier beispielhaft an zwei Thesen erläutert wird.

 

„Die Theorie gehört zum intellektuellen ­Teil unserer Arbeit. Wenn es nur darum geht, schöne Förmchen zu backen, brauche ich ­natürlich keine Theorie”, betonte Dieter Kienast und formulierte 1992 „10 Thesen zur Landschaftsarchitektur“ als „kleines theoretisches Fundament“ seiner landschaftsarchitektonischen Arbeit. Aus seiner Sicht war die Zeit reif für ein provokantes Manifest und ­eine kritische Auseinandersetzung mit dem konservativ-traditionell geprägten Selbst­verständnis seines Berufsstandes. In Kienasts Augen hatten sich die Landschaftsarchitekten viel zu bequem in ihren Rollen als ­Bewahrer, Verschönerer und Handwerker ­in Grün eingerichtet. Damit wurden sie aber ­ihrer Verantwortung für die Gestaltung ­moderner städtischer Lebensumwelten nicht mehr gerecht und gerieten bei wichtigen Diskussionen um die urbane Zukunft der Menschheit immer mehr in eine gefährliche Abseitsposition.

Die aktuellste Fassung der 10 Thesen erschien im November 1998 an der ETH Zürich, nur wenige Wochen vor Dieter Kienasts Tod. Sein fortschrittliches Natur- und Kultur­verständnis, basierend auf profundem Wissen in Ökologie und Gartenkunstgeschichte, die Begeisterung für die Heterogenität der Stadt und ihre soziokulturelle Vielfalt, das Bekenntnis zu aufgeschlossener Interdisziplinarität und der Respekt für den besonderen Ort – all das lässt das Manifest noch heute erstaunlich aktuell klingen, doch hier kann nur exemplarisch auf die ersten zwei Thesen eingegangen werden.

„1. Unsere Arbeit ist die Suche nach einer Natur der Stadt, deren Farbe nicht nur grün, sondern auch grau ist. Natur der Stadt heißt Baum, Hecke, Rasen, aber auch wasserdurchlässiger Belag, weiter Platz, strenger Kanal, hohe Mauer, offen gehaltene Frischluft- oder Sichtachse, das Zentrum und der Rand.“

Mit dieser Auffassung widersprach Dieter Kienast den gängigen Klischeevorstellungen von Natur, die vor allem in den frühen 80er-Jahren in der Landschaftsarchitektur verbreitet wurden. Nebenwirkungen der Ökologiebewegung waren eine ausgeprägte Stadtfeindlichkeit, Desinteresse an Gartenkunstgeschichte und die Ablehnung ­moderner Landschaftsarchitektur. Diese wurde prinzipiell als Missbrauch von Natur betrachtet. „Im Garten muss die Natur der Meister sein, und der Besitzer ist der Lehrling. Der Lehrling ist beim Meister zu ­Besuch. Als Gast unterwirft man sich den Regeln des Hauses.“ (Louis LeRoy)

Als Klaus Spitzer in seinem Handbuch „Grün in der Stadt“ 1981 für eine ökologische ­Ästhetik plädierte und gegen die „alten ­Regeln ­ästhetischer Gestaltung“ wetterte, argumentierte er auf der Basis eines normativen ökologischen Konzeptes. Im vorangegangenen Jahrzehnt hatte diese Ideologie bereits weltweit zu einem Paradigmenwechsel in Landschaftsarchitektur und
-planung geführt, unter anderem gefördert durch den Amerikaner Ian McHarg und den Niederländer Louis Le Roy, der 1973 forderte „let ­nature grow – nature will arrange things for herself”. In der europäischen Natur­gartenbewegung propagierte man die ­Verbannung fremdländischer Pflanzen aus Gärten und Parks.

 

Den ganzen Beitrag lesen Sie in Garten + Landschaft 9/2015. Heft hier bestellen.