Wassergebundene Wegedecke Befahrbar: Aufbau, Vorteile und Anwendung

Ein Detail von Belag und Freiraummaterial zum Thema Wassergebundene Wegedecke Befahrbar
Eine Frau spaziert auf einem Waldweg – Naturerlebnis im urbanen Grün. (Foto: joshchiodo/Unsplash)

Eine wassergebundene Wegedecke, die befahrbar ist, vereint auf den ersten Blick scheinbar widersprüchliche Anforderungen: natürliche Materialität und Robustheit, gestalterische Zurückhaltung und technische Belastbarkeit, Wasserdurchlässigkeit und Tragfähigkeit. Wer diese Belagsform im Außenraum plant, bewegt sich an der Schnittstelle von Vegetationstechnik, Tiefbau und Freiraumgestaltung. Richtig aufgebaut und fachgerecht unterhalten, ist die befahrbare wassergebundene Wegedecke eine der vielseitigsten und ökologisch wertvollsten Belagsoptionen im Landschaftsbau.

  • Was eine wassergebundene Wegedecke ist und wie sie sich von anderen Belagstypen unterscheidet
  • Welche Schichten den tragfähigen, befahrbaren Aufbau ausmachen und warum jede einzelne zählt
  • Welche Materialien für Deckschicht, Tragschicht und Unterbau geeignet sind
  • Wie Wasserdurchlässigkeit und Befahrbarkeit gleichzeitig sichergestellt werden
  • In welchen Planungskontexten und Freiraumtypen die Belagsform sinnvoll eingesetzt wird
  • Welche Normen, Regelwerke und Planungsgrundlagen relevant sind
  • Welche Fehler bei Einbau und Pflege die Nutzbarkeit dauerhaft gefährden
  • Wie die wassergebundene Decke im Kontext von Klimaanpassung und Biodiversität zu bewerten ist

Definition und Einordnung: Was ist eine wassergebundene Wegedecke?

Die wassergebundene Wegedecke, im Fachjargon auch als wassergebundene Decke (WBD) bezeichnet, ist ein ungebundener, mineralischer Belag, der ohne Bindemittel wie Zement, Bitumen oder Kunstharz auskommt. Stattdessen hält das Material durch den Zusammenhalt feiner Gesteinskörnungen, durch Kapillarkräfte und durch den Einbau eines sortierten Korngemisches seine Form. Der Begriff „wassergebunden“ beschreibt dabei nicht, dass Wasser als Bindemittel wirkt, sondern dass Wasser beim Einbau und bei der Verdichtung die Kohäsion der Feinkornanteile aktiviert und das Material in seine endgültige, stabile Lage bringt.

Gegenüber gepflasterten oder asphaltierten Flächen ist die wassergebundene Wegedecke wasserdurchlässig, was sie aus Sicht des Regenwassermanagements und der Versiegelungsminimierung besonders interessant macht. Gegenüber unbefestigten Erdwegen bietet sie eine definierte, begehbare und, bei entsprechendem Aufbau, auch befahrbare Oberfläche mit kontrollierbarer Ebenheit und Tragfähigkeit. Diese Positionierung zwischen „natürlich“ und „befestigt“ macht sie zu einer Standardlösung in Parks, Grünanlagen, historischen Gartenanlagen, Friedhöfen, Sportanlagen und zunehmend auch in urbanen Freiräumen mit Erschließungsfunktion.

Die befahrbare wassergebundene Wegedecke ist eine spezifische Ausprägung dieses Belagstyps, die über die reine Fußgängernutzung hinausgeht. Sie muss Radfahrer, Pflegefahrzeuge, Rettungsfahrzeuge oder in bestimmten Kontexten auch PKW und leichte LKW tragen, ohne sich dauerhaft zu verformen, aufzubrechen oder zu erosionieren. Diese Anforderung stellt an den Schichtaufbau, die Materialwahl und die Einbauqualität deutlich höhere Ansprüche als ein reiner Fußweg.

Schichtaufbau der befahrbaren wassergebundenen Wegedecke

Der Aufbau einer befahrbaren wassergebundenen Wegedecke folgt dem Prinzip des lagenweisen Tragfähigkeitsaufbaus von unten nach oben. Jede Schicht hat eine definierte Funktion, und das Versagen einer einzigen Lage gefährdet die Gesamtperformance des Belags. Fachplaner orientieren sich dabei an den Technischen Lieferbedingungen für Tragschichten mit hydraulischen Bindemitteln und ungebundene Tragschichten sowie an den einschlägigen Merkblättern der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL), deren Wegebaurichtlinien für Grünanlagen als maßgebliche Planungsgrundlage im deutschsprachigen Raum gelten.

Planum und Unterbau

Die unterste Ebene ist das Planum, also die verdichtete und profilgerecht hergestellte Oberfläche des Erdkörpers. Auf dem Planum liegt die Tragfähigkeit des gesamten Aufbaus. Ein ausreichender Verdichtungsgrad des Untergrunds, gemessen als Proctordichte (Dpr), ist Voraussetzung für jeden darüber liegenden Schichtaufbau. Bei befahrbaren Wegen wird in der Regel ein Dpr von mindestens 97 Prozent im Planum gefordert. Weiche, setzungsempfindliche oder organisch belastete Böden müssen vor dem Wegebau verbessert, ausgetauscht oder durch geotextile Trennlagen gesichert werden.

Auf das Planum folgt bei befahrbaren Konstruktionen häufig eine Frostschutzschicht aus grobkörnigem, nicht bindigem Material, etwa Kies oder gebrochenem Schotter mit einer Körnung von 0 bis 32 Millimetern oder gröber. Die Dicke dieser Schicht richtet sich nach der regionalen Frosttiefe und der Verkehrsbelastung. Im deutschen Mittelgebirge und in Norddeutschland sind Frostschutzschichten von 30 bis 50 Zentimetern für befahrbare Wege keine Seltenheit. Ihre Aufgabe ist es, kapillaren Wasseraufstieg aus dem Untergrund zu unterbrechen und Frostschäden durch Eisdruck zu verhindern.

Tragschicht

Über der Frostschutzschicht liegt die Tragschicht, die das Kernstück der Lastverteilung bildet. Bei befahrbaren wassergebundenen Wegedecken wird hier häufig ein Schottertragschichtmaterial mit definierter Körnung, etwa 0 bis 45 Millimeter oder 0 bis 32 Millimeter, eingebaut und lagenweise verdichtet. Die Tragschicht muss ausreichend standfest sein, um Radlasten aufzunehmen und gleichmäßig in den Untergrund abzuleiten, ohne sich unter Verkehr zu verformen. Geotextile Trennlagen zwischen Frostschutz- und Tragschicht verhindern das Einmischen feinerer Körner in die gröbere Schicht, was langfristig die Tragfähigkeit erhalten würde.

Die Gesamtdicke des Unterbaus, also Frostschutz- und Tragschicht zusammen, variiert je nach Belastungsklasse erheblich. Für reine Fußwege genügen oft 20 bis 30 Zentimeter Gesamtaufbau, für PKW-befahrbare Flächen sind 40 bis 60 Zentimeter üblich, für gelegentlich befahrene Feuerwehrzufahrten oder Wirtschaftswege können es 60 bis 80 Zentimeter und mehr sein. Diese Werte sind keine Pauschalgrößen, sondern müssen im Einzelfall auf Basis von Bodenuntersuchung, Lastannahme und Klimazone berechnet werden.

Deckschicht aus wassergebundenem Material

Die eigentliche wassergebundene Wegedecke bildet die oberste Schicht. Sie besteht aus einem sortierten Mineralgemisch, das einen definierten Anteil an Feinkorn enthält. Dieser Feinkornanteil, also Partikel unterhalb von 0,063 Millimetern Durchmesser, ist entscheidend für die Kohäsion der Deckschicht. Er sorgt dafür, dass die Oberfläche nach dem Einbau und der Verdichtung eine geschlossene, tragfähige Fläche bildet, die weder staubt noch auseinanderfällt. Typische Deckschichtstärken liegen bei 6 bis 10 Zentimetern für befahrbare Anwendungen, wobei der Einbau in zwei Lagen zu je 3 bis 5 Zentimetern die Verdichtungsqualität verbessert.

Das Korngemisch der Deckschicht wird üblicherweise aus gebrochenem Naturstein oder natürlichem Kies-Sand-Gemisch hergestellt. Gebrochene Materialien wie Grauwacke, Basalt, Kalkstein oder Porphyr bieten durch ihre kantigen Oberflächen eine bessere Verzahnung der Körner und damit eine höhere Stabilität unter Verkehr. Natürliche Kies-Sand-Gemische sind günstiger und regional oft besser verfügbar, neigen aber bei hohem Feinkornanteil zu Verschlammung und bei zu niedrigem Feinkornanteil zu Staubentwicklung. Die Wahl des Materials beeinflusst auch die Farbgebung der Fläche erheblich, was in gestalterisch sensiblen Kontexten wie historischen Parks oder Denkmalbereichen von großer Bedeutung ist.

Materialwahl und Qualitätskriterien für die Deckschicht

Die Qualität einer wassergebundenen Wegedecke steht und fällt mit der Zusammensetzung des Deckschichtmaterials. Ein gut abgestuftes Korngemisch, das alle Korngrößen von der Feinstkornfraktion bis zur Maximalkörnung enthält, verdichtet sich zu einer stabilen Matrix, in der die groben Körner das Gerüst bilden und die feinen Anteile die Hohlräume füllen. Fachleute sprechen von einer stetigen Sieblinie, die im Siebliniendiagramm ohne Sprünge oder Lücken verläuft. Materialien mit Lücken in der Sieblinie, also fehlenden Zwischenkörnungen, neigen zu Instabilität und Spurrinnenbildung unter Radlast.

Der Feinkornanteil, also der Anteil unter 0,063 Millimetern, sollte für befahrbare wassergebundene Wegedecken in einem engen Bereich liegen. Zu wenig Feinkorn führt zu einer losen, staubenden Oberfläche ohne ausreichende Kohäsion. Zu viel Feinkorn, besonders wenn es sich um quellfähige Tonminerale handelt, macht die Deckschicht bei Nässe plastisch und bei Frost frostempfindlich. Tonfreie oder tonarme Feinkornanteile, etwa aus gemahlenem Kalkstein oder Grauwacke, sind deshalb für befahrbare Anwendungen vorzuziehen. Einige Hersteller bieten zertifizierte Wegebaumischungen an, deren Sieblinien und Frostempfindlichkeit geprüft sind.

Neben der mineralischen Zusammensetzung spielt die Einbaufeuchte eine entscheidende Rolle. Das Deckschichtmaterial muss beim Einbau eine optimale Feuchte aufweisen, die eine vollständige Verdichtung ermöglicht, ohne dass das Material beim Walzen oder Rütteln aufweicht oder klebt. Diese optimale Feuchte liegt nahe am Proctoroptimum des jeweiligen Materials und lässt sich durch einfache Handproben im Feld abschätzen: Das Material soll sich zu einer Kugel formen lassen, die beim Fallen aus Hüfthöhe zerbricht, aber nicht zerstäubt. Einbau bei zu hoher Feuchte führt zu Verdichtungsschäden und späteren Setzungen; Einbau bei zu trockener Witterung erfordert vorheriges Anfeuchten des Materials.

Befahrbarkeit: Anforderungen, Belastungsklassen und Grenzen

Die befahrbare wassergebundene Wegedecke ist kein Universalbelag für beliebige Verkehrslasten. Ihre Belastbarkeit ist grundsätzlich begrenzt und hängt vom Gesamtaufbau, der Materialqualität, dem Untergrund und der Nutzungsfrequenz ab. Für die Planung ist eine klare Lastannahme unerlässlich: Handelt es sich um gelegentliche Überfahrten von Pflegefahrzeugen mit Achslasten unter 3,5 Tonnen, um regelmäßigen PKW-Verkehr, um Busverkehr oder um schwere Baumaschinen? Jede dieser Nutzungskategorien erfordert einen anderen Aufbau.

Für Fußwege und Radwege in Parks und Grünanlagen ist eine wassergebundene Wegedecke mit einem Gesamtaufbau von 25 bis 35 Zentimetern in der Regel ausreichend. Für PKW-befahrbare Stellplätze, Zufahrten und Wirtschaftswege mit regelmäßiger Nutzung durch Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht sind 40 bis 60 Zentimeter Gesamtaufbau erforderlich, wobei die Tragschicht entsprechend dimensioniert sein muss. Feuerwehrzufahrten unterliegen den Vorgaben der jeweiligen Landesbauordnungen und technischen Regeln der Feuerwehren, die in der Regel Mindestaufbaustärken und Tragfähigkeitsnachweise verlangen. Für diese Anwendung ist eine wassergebundene Wegedecke nur dann zulässig, wenn die geforderte Tragfähigkeit durch Berechnung und Prüfung nachgewiesen wird.

Ein strukturelles Merkmal der wassergebundenen Wegedecke ist ihre eingeschränkte Belastbarkeit bei Nässe. Wenn die Deckschicht wassergesättigt ist, verliert das Feinkorn seine Kohäsion teilweise, und die Oberfläche wird weicher. Spurrinnen, Auswaschungen und Verformungen entstehen dann bevorzugt bei gleichzeitig hoher Verkehrsbelastung und Nässe. Planer sollten deshalb bei stark frequentierten befahrbaren Wegen prüfen, ob eine wassergebundene Decke die richtige Wahl ist, oder ob ein gebundener Belag mit Wasserdurchlässigkeit, etwa ein drainasphaltierter oder fugenreicher Pflasterbelag, die Anforderungen besser erfüllt.

Anwendungsbereiche und Planungskontexte

Die wassergebundene Wegedecke befahrbar ist in einer Vielzahl von Freiraumtypen anzutreffen. In historischen Parkanlagen und Gartendenkmälern ist sie oft die einzige Belagsform, die dem Charakter des Ortes gerecht wird und gleichzeitig die Anforderungen der Denkmalpflege erfüllt. Viele klassizistische und englische Landschaftsgärten des 18. und 19. Jahrhunderts waren ursprünglich mit wassergebundenen Kieswegen ausgestattet; ihre Wiederherstellung und Pflege folgt heute denkmalpflegerischen Richtlinien, die das historische Material und den Aufbau so weit wie möglich erhalten oder rekonstruieren.

In kommunalen Grünanlagen, Stadtparks und Friedhöfen ist die wassergebundene Wegedecke die am häufigsten eingesetzte Belagsform für Hauptwege. Ihre Vorteile liegen hier in der kostengünstigen Herstellung, der guten Reparierbarkeit, der optischen Einpassung in die Grünanlage und der Wasserdurchlässigkeit, die Regenwasser versickern lässt und die Versiegelungsbilanz der Fläche verbessert. Für Pflegefahrzeuge, die Rasenmäher, Laubgebläse und Bewässerungsgeräte transportieren, ist eine befahrbare Ausführung des Wegs in der Regel notwendig.

Sportanlagen, insbesondere Reit- und Wanderwege, Laufstrecken in Parkanlagen und Zufahrten zu Sportplätzen, nutzen die wassergebundene Decke wegen ihrer gelenkschonenden Oberfläche und ihrer guten Drainage. Auch im Bereich der Naherholung, auf Rad- und Wanderwegen außerhalb geschlossener Ortschaften, ist sie eine bewährte Lösung, die sich harmonisch in die Landschaft einfügt und mit geringem Materialaufwand hergestellt werden kann. Zunehmend findet die befahrbare wassergebundene Wegedecke auch in urbanen Quartiersplätzen und Wohnumfeldern Verwendung, wo sie als gestalterisches Mittel eingesetzt wird, um versiegelte Flächen aufzulockern und Regenwasser vor Ort zu halten.

Pflege, Unterhaltung und häufige Fehler

Eine wassergebundene Wegedecke ist kein wartungsfreier Belag. Sie erfordert regelmäßige Pflege, um ihre Funktion und ihr Erscheinungsbild zu erhalten. Die häufigsten Pflegemaßnahmen sind das Abziehen und Nachverdichten der Oberfläche nach Frostperioden oder intensiven Regenereignissen, das Beseitigen von Spurrinnen und Mulden durch Nachschütten und Verdichten von frischem Deckschichtmaterial sowie die Kontrolle und Reinigung von Entwässerungseinrichtungen wie Längs- und Querneigungen, Entwässerungsrinnen und Sickermulden.

Bewuchs durch Unkräuter und Moose ist ein dauerhaftes Thema bei wassergebundenen Wegedecken. Besonders in schattigen Lagen oder bei zu hohem Feinkornanteil siedeln sich Moose und Algen schnell an und machen die Oberfläche rutschig. Mechanische Bekämpfung durch Abkehren, Abfräsen oder Abziehen ist der Standardansatz; der Einsatz von Herbiziden auf öffentlichen Flächen ist in Deutschland durch das Pflanzenschutzgesetz stark eingeschränkt und auf befestigten Flächen außerhalb der Landwirtschaft grundsätzlich nicht zulässig. Planer sollten deshalb bereits in der Entwurfsphase Standortbedingungen, Beschattung und Feuchtehaushalt berücksichtigen, um spätere Pflegeprobleme zu minimieren.

Zu den häufigsten Einbaufehlern gehören unzureichende Verdichtung der Tragschicht, falsches Feuchtigkeitsmanagement beim Einbau der Deckschicht, fehlende oder falsch dimensionierte Randeinfassungen sowie mangelnde Querneigung für die Oberflächenentwässerung. Eine Querneigung von mindestens 2 bis 2,5 Prozent ist für wassergebundene Wegedecken notwendig, damit Regenwasser seitlich abfließen kann und nicht auf der Oberfläche steht. Stehendes Wasser weicht die Deckschicht auf, führt zu Erosion und begünstigt Frostschäden. Randeinfassungen aus Tiefbordsteinen, Holzbohlen oder Betonfertigteilen verhindern das seitliche Ausbrechen der Deckschicht unter Radlast und sind bei befahrbaren Ausführungen unverzichtbar.

Ein weiterer verbreiteter Fehler ist die Verwendung ungeeigneter Materialien, insbesondere von natürlichem Kies mit hohem Tonanteil oder von Recyclingmaterialien ohne definierte Sieblinie. Solche Materialien mögen im frischen Zustand akzeptabel aussehen, versagen aber unter Verkehr und Witterung schnell. Die Investition in ein geprüftes, zertifiziertes Deckschichtmaterial amortisiert sich durch deutlich geringere Pflegekosten und längere Nutzungsdauer.

Wassergebundene Wegedecke im Kontext von Klimaanpassung und Ökologie

Die befahrbare wassergebundene Wegedecke besitzt aus Sicht der Klimaanpassung und der Stadtökologie erhebliche Vorteile gegenüber vollständig versiegelten Belägen. Ihre Wasserdurchlässigkeit ermöglicht die Versickerung von Niederschlagswasser vor Ort, entlastet die Kanalisation und trägt zur Grundwasserneubildung bei. In Zeiten zunehmender Starkregenereignisse und urbaner Überflutungsrisiken ist diese Eigenschaft ein gewichtiges Argument für ihren Einsatz in städtischen Freiräumen. Kommunen, die im Rahmen von Schwammstadtkonzepten oder Starkregenrisikomanagementplänen versiegelte Flächen reduzieren wollen, finden in der wassergebundenen Wegedecke eine technisch ausgereifte und gestalterisch angemessene Option.

Ökologisch bietet die offene, mineralische Oberfläche Lebensraum für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Offene Kiesflächen und Schotterwege sind Habitate für wärme- und trockenheitsliebende Insekten, darunter verschiedene Wildbienenarten, die in der Deckschicht nisten. Auch seltene Pflanzengesellschaften der Kies- und Sandfluren können sich auf wassergebundenen Wegedecken etablieren, sofern der Pflegedruck nicht zu hoch ist. Diese ökologische Funktion ist ein Nebeneffekt, der in der Planung bewusst genutzt werden kann, etwa durch die Anlage von Wegebegleitstreifen mit offenen Mineralflächen als Ergänzung zur Deckschicht.

Gegenüber Kunststoffrasengittern, Schotterrasen oder anderen „halbversiegelten“ Belägen hat die wassergebundene Wegedecke den Vorteil, dass sie ohne Kunststoffanteile auskommt und am Ende ihrer Nutzungsdauer vollständig recycelbar oder in den natürlichen Kreislauf rückführbar ist. Dieser Aspekt gewinnt im Kontext von Nachhaltigkeitsanforderungen an öffentlichen Ausschreibungen und in der Bewertung von Freiflächenplanungen nach ökologischen Kriterien zunehmend an Bedeutung.

Fazit: Befahrbare wassergebundene Wegedecke als Planungsaufgabe

Die befahrbare wassergebundene Wegedecke ist kein einfacher Belag, der sich nebenbei plant und einbaut. Sie ist eine technisch anspruchsvolle Konstruktion, die fundierte Kenntnisse in Bodenmechanik, Materialwissenschaft und Entwässerungsplanung voraussetzt. Wer ihren Aufbau versteht, wer die Wechselwirkungen zwischen Untergrund, Tragschicht und Deckschicht kennt und wer die Grenzen ihrer Belastbarkeit realistisch einschätzt, kann mit ihr Freiräume gestalten, die ästhetisch überzeugend, ökologisch wertvoll und langfristig funktionsfähig sind.

Ihre Stärken liegen in der gestalterischen Vielfalt, der Wasserdurchlässigkeit, der ökologischen Verträglichkeit und der Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Nutzungsanforderungen. Ihre Schwächen liegen in der eingeschränkten Belastbarkeit bei Nässe, im regelmäßigen Pflegebedarf und in der Empfindlichkeit gegenüber Einbaufehlern. Diese Abwägung muss für jeden Planungsfall neu getroffen werden, auf Basis einer klaren Nutzungsanalyse, einer sorgfältigen Standortuntersuchung und einer ehrlichen Auseinandersetzung mit den verfügbaren Pflegekapazitäten.

Für Landschaftsarchitekten, Freiraumplaner und kommunale Grünflächenämter bleibt die wassergebundene Wegedecke befahrbar eine der wichtigsten Belagsoptionen im Repertoire. Sie verbindet Tradition und Moderne, Naturmaterialität und technische Anforderung, und sie liefert, richtig geplant und gepflegt, Wege und Flächen, die Jahrzehnte überdauern.

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Into the wild – Entwurfsstudio zum Volkspark Prenzlauer Berg

Blick auf einen Kurve eines betonierten Wegs, der in einem dicht bewachsenen Wald einen Hügel hinaufführt. Im Wintersemester 2022/23 setzten sich Masterstudierende der TU Berlin mit dem Volkspark Prenzlauer Berg in Berlin auseinander. Foto: Stefan Reimann
Im Wintersemester 2022/23 setzten sich Masterstudierende der TU Berlin mit dem Volkspark Prenzlauer Berg in Berlin auseinander. Foto: Stefan Reimann

Der Volkspark Prenzlauer Berg in Berlin entstand auf dem Trümmerschutt des Alexanderplatzes. Nur wenige Menschen verirren sich heute mehr in das Dickicht des wild erscheinenden Parks – für zahlreiche Wildtiere ist er ein wertvoller Lebensraum. Im Wintersemester 2022/23 setzten sich Masterstudierende der Landschaftsarchitektur und Umweltplanung der TU Berlin in einem Entwurfsstudio mit dem Park auseinander. Professor Stefan Reimann, der das Studio gemeinsam mit Professorin Barbara Hutter leitete, führt in den Hintergrund der Studienarbeiten ein.

Nicht nur in unserer Septemberausgabe 2023 machen wir Raum für Projekte aus dem Studium. Auch hier, auf unserer Webseite, stellen Studierende ihre eigenen Arbeiten selbst vor. Die Projekte finden Sie alle auf unserer Themenseite „Studium“ – und die Septemberausgabe gibt’s in unserem Shop.

Volkspark Prenzlauer Berg – Ein Park auf Trümmerschutt

Der Volkspark Prenzlauer Berg ist eine 29 Hektar große Parkanlage am östlichen Rand des Bezirks Pankow von Berlin – entstanden aus der früheren Oderbruchkippe. Mit diesem setzte sich eine Gruppe von 14 Masterstudierenden der TU Berlin am Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung (ILAUP), Fachgebiet Landschaftsbau/Objektbau (FG-LOB), auseinander. Das Entwurfsstudio „Into the wild“ fand unter der Leitung von Professorin Barbara Hutter und Professor Stefan Reimann im Wintersemester 2022/23 statt.

Den westlichen Teil des Parks bildet ein Trümmerberg-Doppelgipfel, der an der höchsten Stelle circa 90 Meter über dem Niveau der umgebenden Stadtquartiere aufragt. Ursprünglich entstanden hier, mit dem industriellen Aufschwung Berlins, ab 1871 Kleingärten und Einfamilienhäuser. Nach 1945, mit dem beginnenden Wiederaufbau, wurde der Trümmerschutt des Alexanderplatzes dort aufgebracht. So entstand die sogenannte „Oderbruchkippe“ aus rund 15 Millionen Kubikmeter Abraum. Auf dem so neumodellierten Gelände wurde Oberboden aufgetragen und Rasen angesät. Pioniergehölze (Pappeln, Eschen, Ahorn, Robinien, Weiden) wurden großflächig angepflanzt, später durch hochwertigere Bäume ergänzt.

Der Handlungsbedarf ist bekannt

1969 wurde der Park feierlich eingeweiht. In Folge entstand ein waldartiges Biotop mit 60 Prozent Gehölzanteil und 40 Prozent Wiesenflächen. Seit 1971 gibt es dort einen botanischen Lehrpfad, ab1979 gab es ein Feuchtbiotop (mittlerweile verlandet) und einen Abenteuerspielplatz (auch dieser nicht mehr existent). Ein Rodelhügel verblieb als schlichtes Nutzungsrelikt, Sandbienen siedelten sich dort in den Randbereichen an. Mit 57 Vogelarten und zahlreichen anderen Wildtieren ist er ein wertvoller Lebensraum.

Der Volkspark Prenzlauer Berg besticht – sommers wie winters – durch seine wilde, unprätentiöse, raue, aber atmosphärische Gestalt. Nur wenige Menschen verirren sich in das beindruckende Dickicht oder die hochgelegenen Wiesenplateaus. Die dichte Vegetation erlaubt keine Blickbezüge in die Umgebung. Der poröse Untergrund des Trümmerschutts lässt die Bäume im Sommer ausgedörrt, unter der zunehmenden Trockenheit leidend erscheinen. Totholz wird nicht entfernt, sondern dezidiert vor Ort belassen, zur Freude der Fauna, die Verkehrssicherheit gerade ausreichend sichergestellt. Die asphaltierten Wege sind teils aufgebrochen, sie heben und senken sich wellenförmig durch den Wurzeldruck der Bäume. Die karge, heruntergekommene Ausstattung verstärkt den vernachlässigten Eindruck. Ein Volkspark im Dornröschenschlaf, der darauf wartet entdeckt zu werden. Das Bezirksamt Pankow kennt den Handlungsbedarf, umfangreiche Kartierung von Flora und Fauna laufen bereits.

Der Ort hat die Teilnehmenden sofort und dauerhaft mit seiner speziellen Ausstrahlung sehr fasziniert.

Ein Thema konsequent bis ins Detail durcharbeiten

Sie haben den Park im strahlenden Herbstlaub, an grauen Tagen mit Regen und Nebel erlebt. Sie kennen ihn mit matschigem Laub, im Winter mit Schnee ebenso wie seine Savannenstimmung bei sengender Hitze und Trockenheit im August. Die Vielfalt der struppigen, vegetativen Strukturen und deren haptisch-sinnliche Qualitäten im urbanen Kontext überrascht, ebenso die tausenden Bäume und viele Tierarten, die bekannt sind aber für die Besuchenden größtenteils unsichtbar bleiben, genau wie die üppige Topografie des Parks.

Im Studio sollte dieser besonderen Aura des Ortes Rechnung getragen werden, durch den Versuch ihn in drei charakteristisch zugespitzten Varianten entwurflich zu bearbeiten. Die Varianten suchen keine Kompromisse zwischen den Interessenlagen, sondern zeigen bewusst klare Kante. Ein Thema sollte konsequent bis ins Detail durchgearbeitet werden.

Volkspark Prenzlauer Berg in Berlin, Foto: Stefan Reimann
Volkspark Prenzlauer Berg in Berlin, Foto: Stefan Reimann

Mit diesen drei Szenarien konnten die Studierenden zum Volkspark Prenzlauer Berg arbeiten

Dazu wurden drei Szenarios für die entwurfliche Bearbeitung vorgegeben:

Animal Park: Ist das im urbanen Kontext erlaubt, macht das Sinn? Ein Park, bei dem die Tiere im Mittelpunkt stehen und nicht die Menschen, wo Lebensräume für Tiere nicht als Alibi, sondern bewusst gleichberechtigt, mindestens Koexistenz anstrebend entwickelt werden. Dabei spielen der behutsame Umgang mit dem wertvollen Bestand und die geschickte Besucherlenkung eine besondere Rolle.

Climatize: Klimatisieren, das große Thema unserer Zeit, stellt das zweite Szenario dar. Hier steht die Anpassung des Parks an den Klimawandel im Mittelpunkt. Wie kann der Baumbestand des Parks durch Transformation nachhaltig, also zukunftsfähig, entwickelt werden? Wie kann an dieser Stelle zeitgemäßes Regenwassermanagement aussehen?

Human Nature: Bei diesem Szenario stehen die Menschen und ihre (speziellen) Bedürfnisse an diesen Ort mit seinem besonderen Charakter im Mittelpunkt. Ein Park zugeschnitten auch auf außergewöhnliche Nutzungen, downhill-biking oder Kletterwald, nichts ist unmöglich, hier sind Pflanzen und Tiere eher nebensächlich.

Die Besonderheit: Videos repräsentieren die Entwürfe

Mit engagierter Unterstützung von Dipl.-Ing. Susanne Isabel Yacoub (laview) für den Bereich Landschaftsarchitektur und Video begann das Studio zunächst mit einer rationalen, klassischen Analyse zur Geschichte des Ortes, den Qualitäten des städtebaulich-freiraumplanerischen Umfeldes und des Volksparks selbst. Diese wurde komplementiert durch eine emotionale, sinnliche Analyse, dem Erspüren des Ortes mit Rundgängen und gemeinsamem Brainstorming, einer Foto- und Videodokumentation. Diese arbeiteten die Studierenden in Einzelarbeit dann in Form eines experimentellen Analysevideos, durch Collagen oder als Installation aus und überführten sie in einen ersten, schnellen Wochenstegreif.

Ganz klassisch entwickelten die Teilnehmer*innen daraus jeweils eine Konzeptidee und die darauf basierende entwurfliche Durcharbeitung in Einzelarbeit. Als Besonderheit entstanden auch Videos, die die Entwürfe der Studierenden repräsentieren, ein experimentelles Novum. So entstanden 14 sehr unterschiedliche Arbeiten, die im Entwurf bis ins Detail durchgearbeitet wurden und die Bandbreite der Möglichkeiten für diesen besonderen Ort ausloten. Die hier vorgestellten sechs Arbeiten repräsentieren ausschnitthaft die Vielfalt der Ideen und Entwürfe, die im Rahmen des Studios „Into the wild“ entstanden. Alle Videos sind auf Instagram unter @fg.lob zu finden.

Die Vertreter*innen des Bezirksamt Pankow zeigten sich zur Abschlusspräsentation begeistert. Sie möchten Ideen ankaufen und den Wunsch der Studioleitung aufgreifen, den Volkspark Prenzlauer Berg – im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens – zukunftsfähig aufzustellen.

 

 

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Sechs Arbeiten aus dem Entwurfsstudio „Into the Wild“ zum Volkspark Prenzlauer Berg

Hier geht es zu den Projekten der Studierenden, die sie selbst vorstellen:

Der Blick auf die Landschaft

F Rep. 290 Nr. 0083467 (Fotograf: Karl-Heinz Schubert)

Mit dem Hansaviertel wollte West-Berlin eine Alternative zu den dichten Gründerzeitvierteln bieten: Der Anteil an Grünflächen war um einiges höher als in den dicht bebauten Stadtteilen Berlins.

 

Der Blick auf die Stadt von einer Terrasse aus: In der Mitte fließt ein Fluss, seine Ufer gehören ganz der Natur und der Freizeit. Erst in gebührendem Abstand beginnt das städtische Leben. Autos, Lastkraftwagen, am Horizont die Hochhäuser für die neuen Städter, auch sie im Grünen. Menschen sieht man auf diesem Plakat mit der Überschrift „Die Stadt von morgen“ nur im Vordergrund. Sie stehen, als Zaunkönige, auf der Terrasse, ein kleiner Junge zeigt freudig auf das, was sich vor ihm ausbreitet.

Die Stadtlandschaft als Glücksmaschine: Die Zeichnung ziert eine Broschüre der Interbau von 1957. Mit der Westberliner Bauausstellung wollte der Senat der geteilten Stadt gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Dem Zuckerbäckerprotz der Stalin­allee im Ostteil Berlins das kosmopolitische Bauen gegenüberstellen, sich vom unmensch­lichen Wohnungskapitalismus der Gründerzeit distanzieren – und die Landschaft ins neue Bauen integrieren. Das Hansaviertel im Stadtteil Tiergarten sollte das erste Areal sein, in dem „die Stadt von morgen“ realisiert sein würde.
Wer heute durch das Viertel spaziert, sieht vor allem eines: Anders als die gründerzeitlichen Quartiere, die den Sprung in die neue Zeit ­mühelos bewältigt haben (und entsprechend gentrifiziert sind), hat das Hansaviertel Mühe, den Anschluss zu finden. Zwar sind die Bewohner – meist Eigentümer – zufrieden mit den Wohnungen, doch das Umfeld lässt zu wünschen übrig. Die Infrastruktur, Kaufhalle, ­U-Bahnhof, sind verwahrlost. Nur die Vögel zwitschern wie eh und je.

Hansaviertel: Das noble Quartier, vor dem Krieg dicht bebaut mit herrschaftlichen Gründerzeithäusern, war bei einem Bombenangriff 1943 weitgehend zerstört worden. Anfang der fünfziger Jahre wurde daraus so etwas wie der Testfall moderner Stadtplanung. Der Westberliner Senat lud international renommierte Architekten, darunter Oscar Niemeyer, Alvar Aalto, Walter Gropius oder Max Taut ein, unter Beweis zu stellen, dass Baukunst und sozialer Wohnungsbau kein Gegensatz sein müssen. Bis 1960 entstanden im Tiergarten Punkthochhäuser und Wohnscheiben, eine Bibliothek, ein Ladenzentrum, eine Kita und die Akademie der Künste. Zum Interbaujahr 1957 strömte eine Million Menschen auf die Baustelle und den Pavillon, ein Provisorium, das heute noch steht. Viele von ihnen nutzten die neue Gondelbahn, die vom Bahnhof Zoo zum Gelände führte. Das neue Bauen und seine Landschaft, das zeigte schon das Plakat „Die Stadt von morgen“, ist aus der Vogelperspektive am besten zu bestaunen.

„Ein Stil wird im Bauen fraglos sichtbar“, urteilte bereits damals in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Willi Grohmann. „Er ist so international wie alle Kunst heutzutage, die Wurzeln stecken im Erdreich, aber die Krone geht frei über alle Grenzen hinweg.“ Das hübsche Bild, das zeigen soll, dass auch die in den Himmel stürmende Moderne durchaus bodenständig und ihren Traditionen verhaftet ist, war zugleich auch eine Metapher für die neue Landschaftsverbundenheit der Städte­bauer. Und die ließ sich auch in Zahlen messen. Betrug in der Gründerzeit das Verhältnis zwischen bebauter und unbebauter Fläche das Verhältnis 1:1,5, wurde es im Hansaviertel auf 1:5,5 ausgeweitet. Was aber wird vom Hansaviertel und seiner Idee einer aufgelockerten, grünen Stadtlandschaft bleiben? Eine Alternative auch für künftige Architektengenerationen? Oder ein Irrtum der Baugeschichte, ein Auslaufmodell?

 

Den ganzen Beitrag lesen Sie in Garten + Landschaft 9/2015. Heft hier bestellen.