Zirkuläre Bauleitplanung – Kreisläufe im Flächennutzungsplan denken

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Eine eindrucksvolle Luftaufnahme eines urbanen Platzes mit Bäumen und Gebäuden, fotografiert von Nerea Martí Sesarino.

Zirkuläre Bauleitplanung klingt vielleicht wie ein Buzzword für den nächsten Nachhaltigkeitsbericht – tatsächlich aber steht dahinter ein radikal neues Verständnis von Stadtentwicklung, das Flächen nicht mehr bloß verbraucht, sondern als dynamische Ressource in endlosen Kreisläufen denkt. Wer die Zukunft der Stadt gestalten will, kommt an einer Kreislaufwirtschaft im Flächennutzungsplan nicht vorbei – und das ist nicht halb so trocken, wie es sich anhört. Zeit, den linearen Planungstrott zu verlassen und Kreisläufe zu schließen!

  • Einführung in das Konzept der zirkulären Bauleitplanung und dessen Bedeutung für nachhaltige Stadtentwicklung
  • Analyse klassischer Flächennutzungsplanung und deren Grenzen im Hinblick auf Ressourcen- und Flächenverbrauch
  • Vorstellung von Prinzipien der Kreislaufwirtschaft und deren Übertragung auf die Bauleitplanung
  • Praxisbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz für innovative Kreislaufansätze in der Planung
  • Vertiefung der notwendigen Instrumente, Methoden und Werkzeuge für eine zirkuläre Flächennutzung
  • Rechtliche, technische und kulturelle Herausforderungen bei der Umsetzung zirkulärer Bauleitplanung
  • Chancen und Risiken: von Flächenrecycling bis Flächenkonkurrenz
  • Neue Rollen für Planer, Verwaltungen und die Zivilgesellschaft im Kreislauf der Stadt
  • Ausblick auf notwendige Governance-Strukturen und kooperative Akteursmodelle
  • Fazit: Warum zirkuläre Bauleitplanung mehr ist als ein Trend – und wie sie zum Fundament resilienter Städte wird

Zirkuläre Bauleitplanung: Warum der Flächennutzungsplan Kreisläufe braucht

Wem bei Bauleitplanung spontan Paragrafen, Parzellen und langatmige Abwägungsprozesse in den Sinn kommen, der denkt noch linear. Denn das klassische Planungsverständnis – Flächen ausweisen, bebauen, versiegeln, fertig – hat ausgedient. Die planetaren Grenzen, die Versiegelungsquote, der Flächenfraß durch Gewerbegebiete und Neubauquartiere: All das zwingt Städte und Gemeinden, den Umgang mit Flächen radikal neu zu denken. Zirkuläre Bauleitplanung bedeutet, dass Flächen nicht mehr als einmalige Ressource betrachtet werden, sondern als Teil eines dynamischen Stoff- und Nutzungskreislaufs. Das Ziel: Flächenverbrauch minimieren, Flächenpotenziale maximieren – und dabei Klima, Biodiversität und soziale Bedürfnisse in Einklang bringen.

Warum ist das gerade jetzt so dringend? Die Flächennutzungsreserve schrumpft rapide – bis 2050 fordert Deutschland netto Null Flächenverbrauch. Gleichzeitig wächst der Druck auf urbane Räume durch Migration, wirtschaftliche Transformation und Klimaanpassung. Die lineare Logik des „immer mehr“ stößt an ihre Grenzen. Zirkuläres Denken bedeutet also nicht nur Recycling von Baumaterial, sondern vor allem das Wiederverwenden und Umnutzen von Flächen. Der Flächennutzungsplan wird zum Drehbuch für Kreisläufe: Wie können Gewerbebrachen zu Wohnquartieren werden? Wie lassen sich temporäre Nutzungen orchestrieren? Wie werden Flächen nach der Aufgabe wieder in Wert gesetzt?

Der Paradigmenwechsel erfordert mehr als ein paar neue Paragrafen im Baugesetzbuch. Er verlangt eine Planungs- und Verwaltungskultur, die Prozesse und Flächen als wandelbar, reversibel und mehrfach nutzbar versteht. Das stellt auch die Rolle der Planer auf den Kopf: Sie werden zu Kuratoren von Flächenströmen, zu Facilitatoren von Umnutzung und Revitalisierung. Wer dabei an klassische Instrumente wie den Bebauungsplan denkt, übersieht die Dynamik, die in zirkulärer Planung steckt – und die Notwendigkeit, neue Instrumente und Methoden zu entwickeln.

Natürlich ist das alles kein Selbstläufer. Zirkuläre Bauleitplanung ist komplex, weil sie bestehende Eigentums- und Nutzungsverhältnisse in Frage stellt, bestehende Strukturen aufbricht und neue Allianzen zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft erfordert. Sie verlangt nach einer Governance, die nicht auf Kontrolle, sondern auf Kooperation setzt. Und sie braucht Mut, tradierte Planungspfade zu verlassen – was in deutschen Kommunen bekanntlich keine Selbstverständlichkeit ist.

Dennoch: Wer Kreisläufe im Flächennutzungsplan denkt, hat die Chance, Städte widerstandsfähiger, sozial gerechter und ökologisch tragfähiger zu machen. Die zirkuläre Bauleitplanung ist kein Allheilmittel, aber sie ist die beste Antwort auf die Frage, wie Stadtentwicklung im 21. Jahrhundert gelingen kann – und wie der Flächennutzungsplan vom statischen Dokument zum lebendigen Steuerungsinstrument wird.

Vom linearen Verbrauch zum Kreislauf: Prinzipien und Werkzeuge der zirkulären Bauleitplanung

Um zirkuläre Bauleitplanung wirklich zu verstehen, lohnt ein Blick auf die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft, wie sie ursprünglich aus der Industrie kommen. Hier steht nicht das Wegwerfen, sondern das Wiedereinspeisen von Ressourcen im Mittelpunkt. Übertragen auf die Planung bedeutet das: Flächen dürfen nicht mehr verbraucht, sondern müssen immer wieder in Nutzungskreisläufe zurückgeführt werden. Das klingt nach einer Binsenweisheit, ist in der Realität aber eine echte Revolution – denn der traditionelle Flächennutzungsplan ist ein Kind der linearen Moderne.

Das erste Prinzip lautet Flächenrecycling. Gemeint ist damit die konsequente Reaktivierung von Brachflächen, Industriebrachen oder Leerständen. Hierfür müssen Planer nicht nur Inventare und Kataster führen, sondern auch die rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schaffen, um Umnutzung attraktiv und praktikabel zu machen. Erfolgreiche Beispiele sind Brownfield-Developments in Zürich oder die Umnutzung der Siemensbahn in Berlin zu einem neuen urbanen Korridor. Flächenrecycling ist jedoch nicht nur eine Frage des Baurechts, sondern auch der Bodenpolitik und der Akteurskooperation.

Ein weiteres zentrales Prinzip ist die Mehrfachnutzung. Flächen werden nicht ausschließlich einer Funktion zugeordnet, sondern dienen mehreren Zwecken gleichzeitig oder nacheinander. Das erfordert flexible Planungsinstrumente, temporäre Nutzungsvereinbarungen und eine Offenheit für hybride Quartiere. Auch in der Schweiz und Österreich entstehen so neuartige Stadtbausteine, in denen Gewerbe, Wohnen, Grünflächen und soziale Infrastruktur in wechselnden Konfigurationen zusammenspielen.

Temporäre Nutzungen sind das dritte Werkzeug im Kreislauf. Sie ermöglichen eine flexible Zwischennutzung von Flächen, die langfristig einer anderen Bestimmung zugeführt werden sollen. Das kann von Urban Gardening über Pop-up-Parks bis hin zu kulturellen Zwischennutzungen reichen. Gerade in wachsenden Städten kann so die Flächenkonkurrenz entschärft und die Aufenthaltsqualität erhöht werden – bis eine endgültige Nutzung feststeht.

Schließlich spielen digitale Werkzeuge eine immer größere Rolle. Urbane Datenplattformen, Geoinformationssysteme und digitale Zwillinge ermöglichen es, Flächenpotenziale in Echtzeit zu erfassen, Nutzungsszenarien zu simulieren und Entscheidungsprozesse transparenter zu gestalten. Wer Kreisläufe im Flächennutzungsplan denkt, muss nicht nur mit Paragrafen, sondern auch mit Algorithmen und Datenmodellen umgehen können. Die Herausforderung besteht darin, diese Technologien so einzusetzen, dass sie den Planungsprozess beschleunigen, ohne Beteiligung und Transparenz zu opfern.

Praxisbeispiele: Kreislaufwirtschaft im Flächennutzungsplan – was geht, was bremst?

Die Theorie klingt überzeugend, aber wie sieht zirkuläre Bauleitplanung im Alltag aus? Ein Blick nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz zeigt: Es gibt inspirierende Vorreiter, aber auch hartnäckige Hürden. In München etwa wurde im Rahmen des Projekts „Stadtentwicklungsplan 2040“ ein umfassendes Flächenrecyclingkonzept entwickelt, das systematisch Brachflächen, untergenutzte Areale und Leerstände identifiziert und für neue Nutzungen erschließt. Dabei werden Eigentümer, Investoren und Anwohner frühzeitig eingebunden – nicht immer konfliktfrei, aber mit beachtlichem Erfolg.

In Zürich wiederum ist die Umnutzung von Industriebrachen zu gemischt genutzten Quartieren längst Alltag. Der Zürcher Richtplan setzt auf flexible Zonen, die eine Umnutzung erleichtern und Zwischennutzungen gezielt fördern. Die Stadt arbeitet dabei eng mit privaten Entwicklern und der Zivilgesellschaft zusammen. Ein Erfolgsfaktor: Die konsequente Nutzung digitaler Flächenkataster und partizipativer Tools, die den Planungsprozess nicht nur beschleunigen, sondern auch demokratisieren.

Wien geht mit seinem „Stadtentwicklungsplan STEP 2025“ noch einen Schritt weiter. Hier werden nicht nur Flächen, sondern auch Stoffströme im Kreislauf gedacht. Die Stadt setzt auf Kreislaufquartiere, in denen Baumaterialien recycelt, Energieflüsse optimiert und Grünflächen multifunktional genutzt werden. Der Flächennutzungsplan ist hier kein statisches Dokument, sondern ein Instrument, das sich kontinuierlich anpasst und erneuert.

Doch es gibt auch handfeste Bremsklötze. In vielen Kommunen fehlen die personellen und finanziellen Ressourcen, um Flächenkataster zu pflegen oder innovative Nutzungskonzepte zu entwickeln. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind oft zu starr, um temporäre Nutzungen oder flexible Zonen schnell umzusetzen. Und nicht selten steht eine konservative Planungskultur im Weg, die Sicherheit und Kontrolle höher gewichtet als Dynamik und Experiment.

Trotzdem wächst der Druck, neue Wege zu gehen. Die Einführung von Flächenzertifikaten, die Kommunen zum Flächensparen motivieren, oder die stärkere Förderung von Umnutzungsprojekten durch Bund und Länder zeigen, dass die Politik den Paradigmenwechsel erkannt hat. Entscheidend wird sein, die Vielzahl der Einzelinitiativen in eine kooperative, lernende Planungskultur zu überführen – und die Kreislaufidee im Flächennutzungsplan strukturell zu verankern.

Governance, Beteiligung und die neue Rolle der Planer: Wer steuert den Flächenkreislauf?

Zirkuläre Bauleitplanung ist kein Solo für die Verwaltung – sie lebt von Kooperation, Beteiligung und geteiltem Wissen. Das beginnt bei der Governance: Flächenkreisläufe lassen sich nur steuern, wenn verschiedene Akteure zusammenarbeiten. Kommunen, Eigentümer, Investoren, Nutzer und Zivilgesellschaft müssen an einen Tisch – und zwar nicht nur zur Anhörung, sondern als echte Co-Produzenten von Stadt. Das erfordert neue Formate der Beteiligung, agile Steuerungsstrukturen und vor allem eine klare Verteilung von Verantwortlichkeiten.

Die Planer selbst übernehmen dabei eine neue Rolle. Sie sind nicht mehr alleinige Hüter des Flächennutzungsplans, sondern Moderatoren komplexer Aushandlungsprozesse. Ihre Aufgabe ist es, Zielkonflikte zu erkennen, Nutzungskonkurrenzen zu moderieren und innovative Lösungen zu entwickeln. Das setzt umfassende Kommunikationskompetenz und die Bereitschaft voraus, tradierte Planungshierarchien zu hinterfragen.

Beteiligung ist mehr als ein Feigenblatt. Wer Kreisläufe denkt, muss die Nutzerperspektive von Anfang an integrieren. Nutzerwissen ist entscheidend, um Brachflächen sinnvoll zu reaktivieren, Zwischennutzungen zu organisieren oder multifunktionale Räume zu gestalten. Digitale Beteiligungsplattformen und partizipative Stadtmodelle bieten hier neue Möglichkeiten – vorausgesetzt, sie werden offen und zugänglich gestaltet.

Ein zentraler Knackpunkt bleibt die Frage der Datensouveränität. Wer erhebt, verwaltet und aktualisiert die Daten zu Flächenpotenzialen, Nutzungen und Stoffströmen? Wie werden diese Daten zugänglich gemacht, ohne Eigentumsrechte oder Datenschutz zu verletzen? Die Antwort liegt in offenen Datenstandards, kooperativen Datenplattformen und klaren Governance-Regeln, die Transparenz und Sicherheit garantieren.

Schließlich sind auch die politischen Rahmenbedingungen entscheidend. Zirkuläre Bauleitplanung braucht Unterstützung von Bund, Ländern und der EU – sowohl finanziell als auch regulativ. Förderprogramme, Flächenzertifikate, Steuererleichterungen für Umnutzungen oder flexible Bauvorschriften können wichtige Impulse setzen. Entscheidend ist, dass die Rahmenbedingungen Innovation und Kooperation fördern – und nicht mit Bürokratie und Paragrafenwust erschlagen.

Ausblick und Fazit: Zirkuläre Bauleitplanung als Fundament der Stadt der Zukunft

Die Zukunft der Stadt liegt im Kreislauf – das ist keine Utopie, sondern eine Notwendigkeit. Zirkuläre Bauleitplanung ist weit mehr als ein technischer Trend oder eine Reaktion auf politischen Druck. Sie ist ein radikaler Perspektivwechsel, der Flächen als dynamische Ressource und nicht als statisches Gut begreift. Wer den Flächennutzungsplan als Instrument für Kreisläufe versteht, legt das Fundament für resiliente, nachhaltige und lebenswerte Städte.

Die Herausforderungen sind beträchtlich: Von rechtlichen Hürden über kulturelle Widerstände bis hin zu technischen und finanziellen Engpässen. Doch die Chancen überwiegen. Flächenrecycling, Mehrfachnutzung, temporäre Nutzungen und digitale Tools eröffnen neue Wege, den Flächenverbrauch zu senken, die Stadt zu verdichten und gleichzeitig die Lebensqualität zu erhöhen. Der Flächennutzungsplan wird zum flexiblen, lernenden Steuerungsinstrument – und die Planer zu kreativen Kuratoren des urbanen Kreislaufs.

Wichtig ist, die zirkuläre Bauleitplanung nicht als isoliertes Projekt, sondern als Teil einer umfassenden Transformation zu begreifen. Sie verlangt nach neuen Allianzen, kooperativen Governance-Modellen und einer offenen, partizipativen Planungskultur. Nur so lässt sich das volle Potenzial der Kreislaufwirtschaft für die Stadtentwicklung heben – und der Spagat zwischen Ökonomie, Ökologie und sozialer Gerechtigkeit meistern.

Die Stadt von morgen ist nicht linear, sondern zirkulär. Sie ist nicht abgeschlossen, sondern offen für Wandel, Umnutzung und Innovation. Wer heute Kreisläufe im Flächennutzungsplan denkt, gestaltet nicht nur den Städtebau, sondern die urbane Gesellschaft von morgen. Zirkuläre Bauleitplanung ist damit kein Trend, sondern das neue Fundament für nachhaltige Urbanität – und sie ist eine Einladung an alle, die Zukunft der Stadt aktiv mitzugestalten.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Zirkuläre Bauleitplanung ist die Antwort auf die Herausforderungen der Gegenwart – und der Schlüssel zur Gestaltung resilienter, nachhaltiger und lebenswerter Städte. Es braucht Mut, Kreativität und Zusammenarbeit, um Flächenkreisläufe zu organisieren und zu steuern. Doch wer sich auf diesen Weg macht, wird die Stadt nicht nur effizienter, sondern auch gerechter und innovativer gestalten. Die Zukunft der Stadt liegt im Kreislauf – und sie beginnt genau jetzt.

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Freilichtmuseum Ballenberg: Neuordnung am Eingang

Auf dem Foto ist das Freilichtmuseum eingebettet in die Wälder eines Höhenzugs zu sehen.

Freilichtmuseum eingebettet in die Wälder eines Höhenzugs. (Foto: Ballenberg

Freilichtmuseum Ballenberg

Im Kanton Bern ist Schweizer Vergangenheit erlebbar: im Freilichtmuseum Ballenberg. Nun wird der Eingangsbereich des Museums neu geordnet. Die Testplanung hat einen überzeugenden Entwurf für einen kompakten Neubau hervorgebracht. Der Siegerentwurf von Moeri & Partner Landschaftsarchitekten und Gauer Itten Messerli Architekten wird nun konkretisiert und realisiert.

Das Freilichtmuseum Ballenberg liegt inmitten der Schweiz. Unweit vom Brienzer See ist das Museum in die Wälder eines Höhenzugs eingebettet. Von modernen, urbanen Strukturen entfernt, zeigt das Museum eine ländliche Umgebung. Denn das Freilichtmuseum ist als Dorf angelegt und präsentiert traditionelle ländliche Bauten und ihre typischen Einrichtungen zum Wohnen und Arbeiten. Nun wird der Eingangsbereich zu diesem Museum umgestaltet. Die Testplanung dafür haben die Architekt*innen Gauer Itten Messerli aus Bern zusammen mit den Landschaftsarchitekt*innen Moeri & Partner gewonnen. Auf der Grundlage dieses Studienauftrages – so wie diese Planungsphase in der Schweiz heißt – wird die Neuordnung des Eingangsbereichs konkretisiert.

Das Museum Ballenberg ist eine private Stiftung. Sie verfolgt das Ziel, traditionelle ländliche Bauten aus allen Teilen der Schweiz zu sammeln und zu erhalten. Dazu gehören auch typische Elemente und Gegenstände zum Wohnen und Arbeiten. Sie alle werden auf dem Ballenberg zusammengetragen, erforscht und das Wissen darüber weitergegeben. Der Ballenberg ist aber kein antiquiertes Stück Vergangenheit. Vielmehr ist das Museum ein lebendiges kulturelles Zentrum mit vielfältigen Angeboten. Dazu gehören Veranstaltungen, Kurse, Ausstellungen und Veröffentlichungen. Seitdem das Museum in den späten 1970er-Jahren eröffnete, ist sein Eingangsbereich ständig gewachsen. Nun war es an der Zeit, diese Situation neu zu ordnen.

 

Erneuerungsbedarf in Ballenberg

 

Das Freilichtmuseum Ballenberg hat einen großen Eingangsbereich in Hofstetten bei Brienz. Dieser ist im Laufe der Jahre mit zunehmenden Besucher*innenströmen ständig gewachsen. Dem Besucher*innenaufkommen entsprechend sind auch der Parkplatz und die dazugehörigen Verkehrsflächen immer größer geworden. Aber auch die Kasse und der Shop, das Kurszentrum Ballenberg, ein Werkhof mit Lager und das 2009 fertiggestellte Verwaltungsgebäude prägen den Eingangsbereich. Dieses Sammelsurium wird dazu von einer Verbindungsstraße zerschnitten. Ein Gesamtkonzept für diesen repräsentativen Bereich des einzigen Freilichtmuseums der Schweiz fehlt. Vielmehr verursacht die Konzentration verschiedener Bauten und Anlagen Konflikte. So gibt es beispielsweise weder Warteraum für Gruppen noch separate Zugänge zu den verschiedenen Angeboten. Außerdem fehlt dem Freilichtmuseum Ballenberg ein zentrales Museumsdepot für die Lagerung und Pflege seiner über 45 000 Objekte umfassenden Sammlung. Diese verschiedenen Aufgabenstellungen und Herausforderungen waren Inhalt von Studienauftrag und Testplanung.

Häuser, Objekte, Handwerk und Tiere

Auf dem Ballenberg sind über 100 Wohn- und Wirtschaftsbauten aus der ganzen Schweiz zu sehen. Die Sammlung umfasst stattliche Bauernhäuser, bescheidene Bauten von Tagelöhnern, Alpsiedlungen genauso wie Ställe, Scheunen, Speicher, Waschhäuschen und Dörröfen. Sie alle sind architektonische und sozialgeschichtliche Zeuginnen das Alltagsleben in der ländlichen Schweiz. Sie alle erzählen von der Kultur vergangener Zeiten. Alte Gebäude werden nur in die Ausstellung aufgenommen, wenn sie am ursprünglichen Standort nicht erhalten bleiben können. Nur in diesen Fällen werden sie sorgfältig abgetragen und auf dem 66 Hektar großen Museumsgelände wieder aufgebaut. 

Die Bauten der verschiedenen Hauslandschaften der Schweiz bilden jedoch nur einen Teil des Museums. Der Ballenberg zeigt auch nach historischen Vorbildern angelegte Bauerngärten, Äcker, Felder, Wiesen und Weiden. In den Gebäuden des Museums sind Handwerker*innen aktiv, die mit alten Werkzeugen und Geräten traditionelle Arbeiten zeigen. Darüber hinaus vermitteln thematische Ausstellungen einen Blick hinter die Kulissen des ländlichen Alltags. Dazu gehören auch über 250 Bauernhoftiere, die gesamte Palette der einheimischen Nutztierarten. Auch sie füllen den Ballenberg mit Leben.

 

Kooperativer Planungsprozess für den Ballenberg-Eingang

 

Um den Eingangsbereich des Freilichtmuseum Ballenberg neu zu ordnen, wurden drei Teams zu einem kooperativen Planungsprozess geladen. Nach einer ersten Veranstaltung präsentierte sie zunächst Zwischenergebnisse. Auf diese erhielten die Entwerfer*innen eine schriftliche Rückmeldung. Schließlich fand die Schlusspräsentation mit anschließender Beurteilung statt. Aus dieser ist der Entwurf von Gauer Itten Messerli Architekten AG, Moeri & Partner Landschaftsarchitekten AG und Emch+Berger Verkehrsplanung AG als Sieger hervorgegangen.

 

Mehr Effizienz, mehr Einnahmen

 

Diese Arbeitsgemeinschaft hat einen kompakten Neubau vorgeschlagen, der den westlichen Eingang zum Museum neu strukturiert. In diesem Neubau finden der Eingangsbereich mit Kasse und Shop, die Parkplätze und Depoträume Platz. Der Entwurf besticht durch attraktive Zugänge für alle Verkehrsteilnehmenden. Er bietet flexible Nutzungen mit großem Potenzial für die Zukunft. Darüber hinaus zeigt er eine verkehrstechnisch klare Lösung mit einer Trennung der Verkehrswege von Gästen und internen Nutzer*innen. Das Team um Gauer, Itten, Messerli und Moeri & Partner hat eine Lösung erarbeitet, die nur sehr wenig zusätzliche Fläche beansprucht.

Die Ergebnisse der Testplanung werden nun in eine konkrete Planung überführt. Mit der vorgeschlagenen Neugestaltung des Eingangs werden die Sammlung und ihr Handling vom Betrieb des Museums entflochten. Die Konzentration auf einen Standort vereinfacht darüber hinaus die Pflege der Sammlung. Das neue Besucher*innenzentrum empfängt zukünftig die Besucher*innen und informiert sie über die Angebote im Museum und im Kurszentrum. Durch die verbesserte Führung durch den Museumsshop erhofft sich das Freilichtmuseum auch dringend benötigte Mehreinnahmen. Denn das Museum steht, genau wie das Kurszentrum, unter hohem Kostendruck. Deshalb spielt die Wirtschaftlichkeit bei allen Maßnahmen eine große Rolle.

Sie haben den Plan, das Freilichtmuseum Ballenberg zu besuchen? Dann empfehlen wir einen Stop in Bern. Was Planer*innen in Bern besichtigen sollten, haben wir für Sie zusammengetragen.

Werner Sobek erhält Global Award for Sustainable Architectur

Urban Mining and Recycling-Unit

Werner Sobek erhielt am 13. Mai den Global Award for Sustainable Architecture. Sobek, der Leiter des Instituts für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren ist, war einer von fünf Preisträgern. Die Jury würdigte seine „bahnbrechenden Forschungen“. Zu Sobeks Forschungsprojekten gehört beispielsweise die Urban Mining and Recycling Unit im NEST-Gebäude in Zürich.

 

Werner Sobek zählt zu den fünf Preisträgern, die den Preis am 13. Mai 2019 in der Pariser Cité de l’Architecture entgegennehmen durften. Die Jury würdigte mit der Auszeichnung seine „bahnbrechenden Forschungen“. Seit 25 Jahren leitet er das Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren.

Um das komplexe Nachhaltigkeitsthema konkreter zu fassen, stellen die Juroren ihre Auswahl jedes Jahr unter ein spezielles Thema. In 2019 entschieden sich die Nachhaltigkeitsexperten, auf das aktuell 100-jährige Bauhausjubiläum Bezug zu nehmen. Sie stellten dessen multidisziplinären und nach sozialen Reformen strebenden Ansatz in den Mittelpunkt. 

Der Global Award for Sustainable Architecture stützt sich auf eine wachsende Gemeinschaft, die von Preisträgern aus der ganzen Welt gebildet wird. Sie alle setzen sich, wie Werner Sobek, für eine nachhaltige Architekturethik ein.

In der Garten+Landschaft vom April 2019 mit dem Thema “Nachhaltige Wohnquartiere” berichteten wir über Werner Sobeks Urban Mining and Recycling-Unit, denn die Idee, im Sinne nachhaltigen Bauens, Material beim Objektabbruch wieder dem Kreislauf in Form von Recycling oder Upcycling zurückzuführen, liegt förmlich auf der Hand. Doch sind die entsprechenden Ansätze noch nicht im Planungsalltag angekommen. Mit dem Forschungsprojekt “UMAR” testen Werner Sobek und Kollegen, wie Wohnbauten künftig zu 100 Prozent in technische oder biologische Kreisläufe zurückgeführt werden können und sammeln dabei Erkenntnisse, die auch die Freiraumplanung revolutionieren könnten.

Den vollständigen Artikel zur UMAR-Unit können Sie hier lesen.