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Wie man Zukunftsszenarien in städtebauliche Entwürfe übersetzt

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Tablet mit gerenderter Landschaft als Symbol für Zukunftsszenarien in städtebaulichen Entwürfen.
Gerenderte Landschaft zeigt, wie Planer komplexe Zukunftsszenarien in robuste urbane Räume verwandeln.
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Die Zukunft kommt selten wie bestellt – aber sie lässt sich gestalten, wenn man weiß, wie. Wer im städtebaulichen Entwurf bloß auf das Hier und Jetzt setzt, wird morgen von der Realität überholt. Doch wie übersetzt man komplexe Zukunftsszenarien in urbane Räume, die nicht nur visionär, sondern auch robust und anpassungsfähig sind? Willkommen bei der Königsdisziplin moderner Stadtplanung!

  • Warum Szenarienarbeit in der Stadtplanung heute unverzichtbar ist – und wie sie weit mehr ist als Planspielerei.
  • Die wichtigsten Methoden, um Zukunftsszenarien zu entwickeln und ihre Relevanz für städtebauliche Entwürfe einzuschätzen.
  • Wie Planer mit Unsicherheiten, Wild Cards und disruptiven Trends umgehen – und trotzdem zu tragfähigen Lösungen kommen.
  • Die Rolle digitaler Werkzeuge, von klassischen Simulationen bis zu Urban Digital Twins, beim Übertrag von Szenarien ins Design.
  • Wie Beteiligung, Governance und Kommunikation die Umsetzung von Szenarien im Planungsalltag beeinflussen – und warum Transparenz Gold wert ist.
  • Best-Practice-Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die zeigen, wie Zukunft tatsächlich gebaut wird.
  • Grenzen, Fallstricke und die wichtigsten Learnings aus der Praxis: Was funktioniert, was (noch) nicht – und warum Mut zur Lücke dazugehört.
  • Ein Ausblick, warum Szenarienarbeit und Entwurfsintelligenz die Stadtplanung der Zukunft prägen werden.

Zukunftsszenarien: Vom Planspiel zum Planungswerkzeug

Jeder, der in den letzten Jahren an einer städtebaulichen Entwurfsaufgabe gearbeitet hat, kennt das Gefühl: Die Anforderungen werden immer komplexer, der Horizont immer unschärfer, und die Stakeholder immer lauter. Klimawandel, Digitalisierung, Mobilitätswende, demografische Dynamik – die Liste der Einflussfaktoren auf Stadtentwicklung liest sich wie ein Sammelsurium ungelöster Menschheitsfragen. Kein Wunder, dass Szenarienarbeit in der Stadtplanung an Bedeutung gewinnt. Was früher als akademisches Fingerübung galt, ist heute essenzieller Bestandteil ernsthafter Planung.

Doch was bedeutet das konkret? Zukunftsszenarien sind keine Prognosen, sondern Möglichkeitsräume. Sie beschreiben alternative Entwicklungen, die denkbar, aber nicht zwangsläufig wahrscheinlich sind. In der Praxis reicht das Spektrum von trendbasierten Fortschreibungen („Was passiert, wenn alles so bleibt wie bisher?“) bis zu disruptiven Brüchen („Wie reagieren wir, wenn Energie plötzlich ein Luxusgut wird?“). Die Kunst besteht darin, nicht nur die Extreme zu zeichnen, sondern relevante Zukünfte zu identifizieren, die für das jeweilige Projektgebiet und seine Akteure tatsächlich handlungsleitend sind.

Der Sprung vom Szenario zur Entwurfsstrategie ist allerdings kein Automatismus. Es braucht strukturierte Methoden, um aus Szenarien robuste Planungsentscheidungen abzuleiten – und dabei die unvermeidlichen Unsicherheiten produktiv zu nutzen. Eine Vielzahl von Tools steht bereit: Delphi-Methoden, Szenario-Workshops, Backcasting, morphologische Analysen und – natürlich – digitale Simulationen. Entscheidend ist, dass die Ergebnisse nicht in hübschen Berichten verstauben, sondern in den Entwurfsprozess einspeisen.

Die hohe Kunst liegt darin, Szenarien nicht als Einbahnstraße zu verstehen. Sie dienen nicht nur dazu, Risiken abzufedern oder Worst-Case-Fantasien zu illustrieren. Vielmehr eröffnen sie neue Perspektiven auf räumliche Qualität, Resilienz und Anpassungsfähigkeit. Gerade in der frühen Phase eines städtebaulichen Wettbewerbs können Szenarien helfen, Annahmen zu hinterfragen und innovative Antworten auf komplexe Zielkonflikte zu finden. Wer diesen Schritt auslässt, verschenkt kreatives Potenzial – und riskiert, dass der Entwurf bei der ersten externen Krise einknickt.

Natürlich bleibt die Spannung zwischen Szenarien und Realität bestehen. Kein Szenario ist in Stein gemeißelt, kein Entwurf kann alle Eventualitäten abdecken. Doch wer Szenarienarbeit als kreativen Prozess und nicht als Pflichtübung begreift, schafft die Grundlage für zukunftsfähige Städte. Und das ist im Zeitalter multipler Krisen mehr als nur ein nettes Add-on – es ist Überlebensstrategie.

Methodenkompetenz: Szenarien systematisch in den Entwurf bringen

Die Übersetzung von Zukunftsszenarien in städtebauliche Entwürfe ist kein linearer Prozess, sondern eine Kunstfertigkeit mit wissenschaftlichem Unterbau. Am Anfang steht die saubere Analyse: Welche Einflussfaktoren prägen die Zukunft des Quartiers, der Stadt oder der Region wirklich? Das klingt banal, ist aber oft eine Herausforderung, weil viele Entwicklungen außerhalb des unmittelbaren Planungsbereichs liegen. Klimamodelle, sozioökonomische Trends, technologische Innovationen oder regulatorische Unsicherheiten müssen ebenso berücksichtigt werden wie lokale Besonderheiten und kulturelle Prägungen.

Ein bewährter Ansatz ist die Kombination qualitativer und quantitativer Methoden. Während narrative Szenarien die Bandbreite möglicher Entwicklungen skizzieren, liefern datenbasierte Modelle belastbare Anhaltspunkte für räumliche Wirkungen. Besonders gefragt ist hier die Fähigkeit, Wechselwirkungen abzuschätzen: Wie verändert sich das Mobilitätsverhalten, wenn neue Sharing-Angebote boomen? Wie wirkt sich eine wachsende Hitzebelastung auf die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum aus? Und was passiert, wenn eine Pandemie plötzlich alle Annahmen auf den Kopf stellt?

Ebenso wichtig ist der Umgang mit Unsicherheiten. Szenarienarbeit verlangt das Denken in Alternativen, ohne sich im Beliebigen zu verlieren. Dafür eignen sich strukturierte Methoden wie die Szenario-Matrix, die systematisch Wahrscheinlichkeiten und Auswirkungen bewertet. Auch sogenannte Wild Cards – also überraschende, seltene Ereignisse mit großer Wirkung – sollten ihren Platz im Methodenbaukasten haben. Sie schärfen den Blick für Resilienz und verhindern, dass sich Planung in der Komfortzone einrichtet.

Im nächsten Schritt gilt es, die Ergebnisse anschaulich und diskussionsfähig zu machen. Hier kommen Visualisierungen ins Spiel: Ob Planskizzen, Renderings, Simulationen oder interaktive Modelle – sie helfen, abstrakte Szenarien in greifbare Räume zu übersetzen. Die besten Ergebnisse entstehen, wenn Planer, Verwaltung, Investoren und Zivilgesellschaft gemeinsam an den Entwürfen feilen. Partizipative Szenarienworkshops, digitale Beteiligungstools und offene Diskussionsformate sorgen dafür, dass keine relevante Perspektive verloren geht.

Zuletzt sollte die Szenarienarbeit nicht mit der Entwurfsabgabe enden. Vielmehr empfiehlt sich ein iteratives Vorgehen, bei dem Szenarien laufend überprüft und angepasst werden. In einer Welt, die sich immer schneller dreht, ist Planung keine Einbahnstraße mehr – sondern ein lernender Prozess. Wer das beherzigt, baut nicht nur für die Zukunft, sondern mit ihr.

Digitale Werkzeuge: Von der Szenariosimulation zum Urban Digital Twin

Kein Artikel über die Übersetzung von Zukunftsszenarien in städtebauliche Entwürfe kommt heute ohne einen Blick auf digitale Werkzeuge aus. Was früher mit Papier, Planrolle und bunten Stiften begann, findet heute in hochkomplexen digitalen Ökosystemen statt. Besonders spannend: die rasante Entwicklung von Urban Digital Twins, also digitalen Abbildern ganzer Städte, die nicht nur den Ist-Zustand, sondern auch alternative Zukünfte simulieren können.

Doch was macht einen Digital Twin mehr als ein schickes 3D-Modell? Die Antwort liegt in der Verknüpfung von Daten, Prozessen und Echtzeitinformationen. Moderne Urban Digital Twins aggregieren Sensordaten, GIS-Informationen, Verkehrs- und Klimamodelle, Energieverbrauch, soziale Interaktionen und vieles mehr. Damit lassen sich Szenarien nicht nur durchspielen, sondern auf ihre räumlichen und funktionalen Konsequenzen testen – und das in nahezu beliebiger Komplexität.

Ein Paradebeispiel liefert Singapur mit seinem „Virtual Singapore“-Projekt: Hier werden Szenarien zu Hochwasser, Hitzeinseln oder Mobilitätsströmen mit dem digitalen Zwilling simuliert und die Ergebnisse direkt in die Planung eingespeist. Auch in Wien und Zürich zeigen Pilotprojekte, wie digitale Zwillinge genutzt werden, um frühzeitig auf sich abzeichnende Herausforderungen zu reagieren – von der Verkehrssteuerung bis zum Katastrophenschutz.

In Deutschland steckt die Praxis noch in den Kinderschuhen, aber erste Städte wie Hamburg, Ulm oder München experimentieren mit Urban Data Platforms und digitalen Zwillingen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Schnelle Szenariotests, bessere Nachvollziehbarkeit, höhere Transparenz für Beteiligte und eine deutlich robustere Entscheidungsbasis. Voraussetzung ist allerdings ein klarer Fahrplan für Governance, Datensouveränität und Schnittstellenmanagement. Wer hier schludert, produziert Black Boxes statt Zukunftslösungen.

Digitale Werkzeuge sind kein Selbstzweck. Sie entfalten ihren vollen Wert nur, wenn sie in einen strukturierten Entwurfsprozess integriert werden – und wenn die Beteiligten bereit sind, alte Routinen zu hinterfragen. Der Königsweg liegt in der Verbindung von technischer Exzellenz, kreativer Szenarienarbeit und offener Kommunikation. Dann wird der digitale Zwilling zum echten Partner im Planungsalltag – und nicht zum digitalen Feigenblatt.

Beteiligung, Governance und Kommunikation: Wie Szenarien im Alltag ankommen

Szenarien sind nur so gut wie ihre Akzeptanz. Wer Zukunft entwerfen will, muss Beteiligung und Governance von Anfang an mitdenken. Nichts ist gefährlicher als ein Szenario, das im stillen Kämmerlein entwickelt und dann als „alternativlos“ präsentiert wird. Moderne Stadtplanung versteht sich als dialogischer Prozess – und Szenarienarbeit bietet eine hervorragende Grundlage, um diesen Dialog zu strukturieren und zu befruchten.

Die Herausforderung: Unterschiedliche Akteure bringen unterschiedliche Erwartungen, Wissensstände und Interessen mit. Hier helfen transparente Prozesse, frühzeitige Einbindung und verständliche Kommunikation. Gerade komplexe Szenarien profitieren von Visualisierung und Storytelling. Wer es schafft, abstrakte Zukunftsbilder in konkrete Alltagsbezüge zu übersetzen, gewinnt Mitstreiter und reduziert Widerstände.

Governance ist dabei mehr als nur ein Modewort. Es geht um klare Verantwortlichkeiten, nachvollziehbare Entscheidungswege und die Bereitschaft, Konflikte offen auszutragen. Szenarienarbeit kann helfen, Zielkonflikte sichtbar zu machen und gemeinsam tragfähige Kompromisse zu entwickeln. Wichtig ist, dass die Ergebnisse offen zugänglich und nachvollziehbar dokumentiert werden – ob im Bürgerbüro, im Internet oder bei öffentlichen Foren.

Ein unterschätzter Aspekt ist die kontinuierliche Kommunikation. Szenarien sind keine Einmalveranstaltung, sondern sollten regelmäßig überprüft und angepasst werden. Das schafft Vertrauen und macht deutlich: Planung ist ein lernendes System, das auf Veränderungen reagieren kann. Besonders erfolgreich sind Städte, die Beteiligung, Szenarienarbeit und Governance als Einheit begreifen – und daraus eine neue Planungskultur entwickeln.

Zuletzt darf der Spaß nicht fehlen: Szenarienarbeit kann auch inspirierend, ermutigend und kreativ sein. Wer den Mut hat, ungewöhnliche Perspektiven und radikale Ideen zuzulassen, öffnet den Raum für echte Innovationen. Und die braucht die Stadt von morgen mehr denn je.

Was funktioniert, wo hakt es – und wie sieht die Zukunft aus?

Die Übersetzung von Zukunftsszenarien in städtebauliche Entwürfe ist eine Herausforderung, die nicht mit einem Patentrezept gelöst werden kann. Die Praxis zeigt: Wo Szenarienarbeit ernst genommen und in strukturierte Prozesse eingebunden wird, entstehen robustere, anpassungsfähigere und attraktivere Städte. Besonders in der frühen Entwurfsphase zahlt sich die Investition in Szenarienvielfalt aus – sie verhindert Einbahnstraßenlösungen und eröffnet neue Handlungsspielräume.

Dennoch gibt es Fallstricke. Häufig fehlt die Zeit, Szenarien gründlich zu entwickeln. Manchmal mangelt es an Daten, Kompetenzen oder Ressourcen. Und nicht selten scheitert die Integration an kulturellen Barrieren – etwa, wenn Verwaltungen an starren Routinen festhalten oder Beteiligung als lästige Pflichtübung abtun. Auch die Gefahr, sich im Szenariendschungel zu verlieren und den roten Faden zu verlieren, ist real.

Technisch sind die Werkzeuge da – von digitalen Zwillingen bis zu KI-gestützten Analysen. Entscheidend ist aber der kluge Umgang damit: Wer Technik als Allheilmittel begreift, produziert schnell Scheintransparenz und neue Abhängigkeiten. Wer dagegen Szenarienarbeit, Entwurfsintelligenz und Beteiligung klug verzahnt, schafft den Sprung von der reinen Simulation zur echten Innovation.

Die wichtigsten Learnings aus der Praxis: Mut zur Lücke, Bereitschaft zum Lernen und ein langer Atem. Zukunft ist kein Zustand, sondern ein Prozess – und Szenarienarbeit ist ihr wichtigstes Werkzeug. Besonders dynamische Städte in der Schweiz, Österreich und zunehmend auch in Deutschland beweisen, dass sich Experimentierfreude und strukturiertes Arbeiten nicht ausschließen, sondern befruchten.

Der Ausblick? Szenarien und ihre Übersetzung in den Entwurf werden in den kommenden Jahren noch wichtiger. Wer jetzt die Grundlagen legt, wird von resilienten, attraktiven und überraschend lebendigen Städten profitieren. Wer weiter auf das klassische „Durchwursteln“ setzt, riskiert, von der Zukunft überrollt zu werden. Die Wahl liegt bei uns – und sie ist spannender denn je.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Zukunftsszenarien sind das Rückgrat einer intelligenten, resilienten und attraktiven Stadtentwicklung. Ihre Übersetzung in den städtebaulichen Entwurf ist ein kreativer, iterativer Prozess, der Fachwissen, Methodenkompetenz, digitale Werkzeuge und offene Kommunikation vereint. Wer die Chancen der Szenarienarbeit erkennt und mutig nutzt, gestaltet nicht nur Räume, sondern prägt die Lebensqualität von morgen. Die Stadtplanung der Zukunft ist kein Blick in die Glaskugel – sondern ein lernender Dialog zwischen Vision, Technik und Gesellschaft. Und wer, wenn nicht die Profis von heute, sollte an dieser Zukunft mitbauen?

 

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Die Mitte von Berlin bleibt grün

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Die Perspektive zeigt die geplanten Stufen am Ufer der Spree.

1. Preis an Büro RMP Lenzen: Stufen am Ufer der Spree mit Blick auf Dom (Visualisierung: RMP Lenzen)

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Es geht um eine prominente Fläche in Berlins historischer Mitte: Eingespannt zwischen dem neuen Humboldt-Forum und dem Fernsehturm bekommen das Rathaus- und Marx-Engels-Forum eine neue Gestaltung. Das Büro RMP Stephan Lenzen hat den Wettbewerb für die grüne Mitte von Berlin gewonnen.

Dort wo die Wurzeln der Stadt Berlin liegen, wird demnächst nicht wieder gebaut. Die Freifläche von Rathaus- und Marx-Engels-Forum bleiben Grün. Allerdings erhält das Areal eine neue Gestaltung, die in einer Freitreppe zur angrenzenden Spree mündet. Die Berliner Senatsverwaltung hat im Frühjahr zu einem Wettbewerb eingeladen. Nach einer ersten Phase durften die Bürger*innen mitreden. Daraufhin entwickelten insgesamt 21 Landschaftsarchitekturbüros ihre Ideen in der zweiten Phase des Wettbewerbs weiter. Die Landschaftsarchitek*innen vom Büro RMP Stephan Lenzen überzeugten schließlich die Jury. Sie schlugen ein zentrales Band vor, das denkmalgeschützte Bereiche des Rathausforums mit dem Marx-Engels-Forum verbindet. Dieses grüne Band endet in einer großen Treppe am Ufer der Spree. Gegenüber, auf der anderen Seite des Wasser, strahlt die Ostfassade des neuen Humboldt-Forums.

 

Viel Geschichte inmitten von Berlin

 

Früher hiess die Freifläche inmitten des alten Berlins „Park an der Spree“. Als eine der zentralsten Grünflächen im Ortsteil Mitte geht sie auf den Zweiten Weltkrieg zurück. Der hatte das dortige Heilig-Geist-Viertel beschädigt, was schließlich die DDR-Führung veranlasst hat, es abzureißen. Seitdem ist die Fläche zwischen Karl-Liebknecht-Straße im Norden, dem Park am Fernsehturm im Osten, der Rathausstraße im Süden und der Spree im Westen unbebaut. Mittendrin stand lange ein Denkmalensemble, das jedoch beim Bau der U-Bahn an den nordwestlichen Rand rücken musste. Bereits seit den 1990er-Jahren wird über die Zukunft des Marx-Engels-Forums diskutiert. Die Ideen waren vielfältig. Sie reichten vom Wiederaufbau des Heilig-Geist-Viertels bis zur Gestaltung eines Parks am Marx-Engels-Forum. Letztere hat sich schließlich durchgesetzt. 

Wettbewerbsaufgabe Marx-Engels-Forum

Die Gestaltung eines Parks auf dem Marx-Engels-Forum galt es nun, im Rahmen des Ideen- und Realisierungswettbewerb zu konkretisieren. Die Teilnehmer*innen waren gefragt, sich mit dem Gründungsort Berlins, mit den im Boden verborgenen historischen Schichten und der Umgebung auseinanderzusetzen. Am Ende der langen Debatte um die Zukunft dieses Ortes entstanden Bürgerleitlinien zur künftigen Entwicklung des Rathaus- und des Marx-Engels-Forums. Darin heißt es, dass ein Freiraum zu entwerfen ist, der den Dimensionen und der Bedeutung des Standortes gerecht wird und die Identität des Ortes stärkt. Darüber hinaus soll er die bewegte Geschichte erlebbar machen und gleichzeitig vielfältige und intensive Nutzungen ermöglichen. 

In der ersten Phase fragte der Wettbewerb zunächst nach einer Vision und einer Idee für das gesamte Marx-Engels-Forum. Erst die Teilnehmer*innen der zweiten Phase mussten ihre Vision herleiten. Darüber hinaus skizzierten sie im Ideenteil des Wettbewerbs einen Zwischenzustand für das Jahr 2030. In einem dritten Realisierungsteil war dann die konkrete Umsetzung für 2024 aufzuzeigen. Diese stufenweise Herangehensweise geht auf die angestrebte, schrittweise Realisierung des Projekts zurück. Die wird einen langen Zeitraum in Anspruch nehmen. Entsprechend müssen die Ideen auf einer klaren Haltung basieren und viel Flexibilität für die prozesshafte Umsetzung bieten. 

 

Marx-Engels-Forum: überzeugender Entwurf von RMP Lenzen

 

Die Landschaftsarchitekt*innen vom Büro RMP Lenzen lieferten die überzeugendste Lösung für die neue Gestaltung von Rathaus- und Marx-Engels-Forum. Sie entwarfen einen Freiraum, der von einer markanten Figur geprägt ist. Er sieht vor, das Rathaus- und das Marx-Engels-Forum von Bebauung freizuhalten. Der grüne Raum verspricht eine hohe Aufenthaltsqualität mit Flächen zum Flanieren, zum Ausruhen, zum Genießen von spektakulären Aussichten auf Dom, Humboldt-Forum und Fernsehturm. RMP Lenzen bestückt den neuen Raum mit viel Grün und mit vielen schattenspendenden Bäumen. Aber auch Wasser gehört dazu, das zur Kühlung beiträgt sowie Versickerungsflächen, die zu einem künftigen Regenwassermanagement passen. Insgesamt sieht der Beitrag zum Wettbewerb Marx-Engels-Forum einen modernen, klimaresilienten Stadtraum vor, der vielfältige Nutzungen ermöglicht. 

Gut Ding braucht Weile

Mit der Idee, zunächst einen Grünraum im Herzen des alten Berlin anzulegen, bleiben Chancen für nächste Generationen erhalten. Für die nahe Gegenwart hat das Preisgericht empfohlen, die mit dem ersten Preis ausgezeichnete Arbeit von RMP Lenzen zu realisieren. Damit geht eine kontroverse Debatte zu Ende. Wohl kaum ein Ort in Berlin hat mehr Planungen und Diskussionen erlebt als das Marx-Engels-Forum. Aber für den Bausenator steht fest, dass die Stadt Berlin richtig gehandelt hat. Sie hat hier nach dem Fall der Mauer keine überstürzte Planung realisiert. Nun kann vor dem Hintergrund aktueller Planungen für den Alexanderplatz und den Molkenmarkt und unter dem Vorzeichen von Klimaanpassung und Mobilitätswende in Ruhe gestaltet werden.

Sie möchten mehr über Projekte der Hauptstadt erfahren? Wir haben die nächsten Planungsschritte auf dem ehemaligen Flughafenareal Berlin Tegel für Sie zusammengefasst.

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Wettbewerbsübersicht Dezember 2018 (2/2)

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Bewegung und Begegnung. © KCAP GmbH mit Ramboll Studio Dreiseitl

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Kulturquartier Lagarde-Campus, Bamberg – 1. Preis hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin, mit Sauerzapfe Architekten, Berlin

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse im Dezember.

Straßenräume in Wiehl – 1. Preis Lex-Kerfers Landschaftsarchitekten, Bockhorn

Die Konversion der Lagarde-Kaserne soll in Bambergs Osten einen lebendigen, nutzungsgemischten Stadtteil schaffen – mit dem „Kulturquartier Lagarde“ als attraktive Quartiersmitte. Zwei Stadtplätze prägen zukünftig die neue Mitte und sollen mit ihrer frühzeitigen Schaffung einen wichtigen Baustein zur Entwicklung des Quartiers bilden. Der Siegerentwurf sieht zwei Baumhaine vor, welche die beiden Plätze verbinden, aber jedem einzelnen einen eigenen Charakter zugestehen. Der Lagarde-Platz südlich der Reithalle gestaltet sich als grüner Quartiersplatz, der stellvertretend für das gesamte Quartier, seine Transformation, sowie die nachhaltige Neuausrichtung steht. Der Platz ist Endpunkt der Grünverbindung Richtung Ostpark und zugleich urbanes Entrée des Quartiers. Als belebter Gegenpol dazu präsentiert sich der Kulturhof zwischen Reit- und Posthalle: Er ist unprätentiös und flexibel bespielbar, so die Jury. Außerdem bildet der Stadtplatz einen wichtigen Ankerpunkt für die Stadtverbindung zur Innenstadt.

Planungsdialog Hafner in Konstanz – 1. Preis KCAP, Zürich, mit Ramboll Studio Dreiseitl, Überlingen

Ein Transitraum wird zum Aufenthaltsraum, so die Entwurfsintention von Lex-Kerfers Landschaftsarchitekten für das Zentrum von Wiehl. Ihr Siegerentwurf überwindet die starke Trennung des zergliederten Stadtraums und definiert Rathaus- und Hem-Platz als zentralen Platz am Kreuzungspunkt der Stadtachsen. Zukünftig prägt Naturstein das Zentrum – Farbnuancen und Materialwechsel berücksichtigen dabei die historische Differenzierung von Fahrbahn, Fußgängerbereich und Platzfläche. Der durchgehende Belag ermöglicht es, die angrenzenden Flächen anzubinden. Zusätzlich integriert eine breite winkelförmige Freitreppe die Kirche in den Stadtraum. Ein neuer Weg zwischen Rathaus und Kirche verbindet barrierefrei zur südlich gelegenen Wiehlaue. Um den Blick in die Flussaue zu ermöglichen, stellt der Entwurf die Wiehlbrücke frei. Zusätzliche Treppen und Bastionen vergrößern die Kontaktzone zum Fluss. Die neuen Stadtbäume bilden mit auffälliger Blüte und Herbstfärbung einen spannenden Kontrast zur Aue. Prägende Möblierungselemente wie die Baumbänke entwickeln die Planer in Anlehnung an regionaltypische Gestaltungselemente und Materialien.

In Konstanz soll mit rund 2800 Wohneinheiten der neue Stadtteil Hafner entstehen. Das Planungsteam aus KCAP und Ramboll Studio Dreiseitl überzeugte die Jury mit einer prägnanten Entwurfsidee, dem sogenannten „Hafner-Ring“. Zusätzlich zur großen grünen Mitte bildet das grüne Infrastrukturband eine freiraum- und städtebaulich relevante Struktur für den Stadtteil mit seinen zukünftig rund 8000 Bewohnern. Das grüne Band zieht sich mit robusten und multifunktional nutzbaren Erholungs- und Erlebnisräumen im Bogen durch das neue Stadtquartier und verbindet es mit dem historischen Kern Wollmatingen. Das Siegerteam sieht für das rund 60 Hektar große Areal keine strikte Trennung zwischen Wohnen und Gewerbe vor. Stattdessen mischen die Planer die Nutzungen. Das Quartier ist weitgehend autofrei konzipiert und stellt die Lebensqualität in den Vordergrund. Die Jury sieht in dem Entwurf das größte Innovationspotential, um den Stadtteil zukunftsfähig zu gestalten, sowie an Veränderungen der nächsten Jahre anzupassen.

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