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Klimaneutral bis 2035 – die Stadt Frankfurt hat sich hohe Ziele gesetzt und um diese zu erreichen ein eigenes Klimareferat gegründet. Das startete im Januar 2023 mit seiner Arbeit. Jana Leoni ist Teil des 21-köpfigen Klimareferat-Teams. Wir sprachen mit der Stadtplanerin über Bürokratie in der Planung und fragten sie, wie gut Frankfurt ihrer Meinung nach in Sachen kommunale Instrumente aufgestellt ist.


Klimaangepasstes bauen

Jana Leoni, Anfang des Jahres setzen die Frankfurter Stadtverordneten mit der Begrünungspflicht von Fassaden und Dächern bei Neu- und Umbauten national ein deutliches Zeichen. Auch den Schottergärten wurde dabei der Kampf angesagt. Ein Erfolg? Oder braucht es Ihrer Meinung nach noch mehr?

Mit der Gestaltungssatzung „Freiraum und Klima“ und der dazugehörigen Informationsbroschüre soll nicht nur Baurecht gestaltet werden, es soll vielmehr auch eine Hilfe zum klimaangepassten Bauen geschaffen werden. Denn genauso wie ein Schottergarten, stellt auch ein unbegrüntes Flachdach, eine unbepflanzte Fassade oder ein baumloses, in den Kanal entwässerndes Grundstück eine vertane Chance auf ein besseres Stadtklima dar. Und genau das muss kommuniziert und allen am Bauvorhaben Beteiligten bewusst werden. Natürlich bedarf es auch Veränderungen im Bestand. Hier hilft Frankfurt mit dem Förderprogramm „Frankfurt Frischt auf – 50 % Klimabonus“ den privaten Antragsteller:innen die klimaangepasste Gestaltung ihrer Grundstücke so einfach und attraktiv wie möglich zu gestalten.


unkompliziertes verfahren

In Augen vieler erschweren komplexe bürokratische Abläufe in Deutschlands Kommunen oftmals die schnelle Umsetzung innovativer Projekte. Wie sehen Sie das? Brauchen wir weniger Bürokratie, um Klimawandel und Hitze die Stirn zu bieten?

Bei der Kritik wird oft die Komplexität der Anforderungen übersehen. In Frankfurt laufen die Prozesse aber nichtsdestotrotz schleunig ab. Die Bauaufsicht ist bei der Vorhabengenehmigung schnell und effizient. Bei Interesse findet sich auch die Möglichkeit zur Klimaberatung mit unserem Team, kurzfristig und unbürokratisch. Die Abwicklung der Beratungen und Mittelzuwendungen in unserem Förderprogramm unterliegt ebenfalls einem schlanken, unkomplizierten Verfahren. Der Prozess wird stets optimiert und, so der Plan, digitalisiert.

Die Themenkomplexität trifft noch mehr auf den öffentlichen Raum zu. Dennoch, wenn sich eine Maßnahme oder ein Programm einmal bewähren, läuft es i.d.R. sehr gut. Zum Beispiel das Trinkbrunnenprogramm, das nach längerer Anlaufphase Fahrt aufgenommen hat und nun Brunnen um Brunnen realisiert werden. Im Straßenraum sind vermehrt Blühinseln auf ehemaligen Verkehrsflächen vorzufinden und das Thema Schwammstadt wird bei allen Neuplanungen berücksichtigt. Die Erfahrung sagt also, „dranbleiben“. Und für eine möglichst unbürokratische Umsetzung toller innovativer Ideen setzen wir im Klimareferat uns höchstpersönlich ein.

 


Leitfaden Grundlagen

Wie viele technische Möglichkeiten hat denn die Kommune Frankfurt, um dem Wärmeinseleffekt vorzubeugen? Heißt: Wie gut ist Frankfurt in Sachen kommunale Instrumente aufgestellt? Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf?

Es gibt bereits eine Reihe von vorhandenen Instrumenten, wie die „Frankfurter Anpassungsstrategie 2.0“ oder der Leitfaden „Klimaangepasste Stadtplatzgestaltung“. Als Grundlage für den Leitfaden diente die Planung für die Umgestaltung des Paul-Arnsberg-Platzes, der nun der erste Platz in Frankfurt ist, der zur Zeit klimaangepasst umgebaut wird. Ein weiterer ist derzeit in Planung. Als Stadt und auch gemeinsam mit den Privaten können wir mit Instrumenten wie diesen viel bewegen.


Klimawandelaktionsplan

Das Land Hessen veröffentlichte diesen Februar den Hessischen Hitzeaktionsplan. Wie wichtig ist dieser für Ihre Arbeit?

Der Hessische Hitzeaktionsplan zeigt auf, dass die langfristige Vorbereitung für ein Hitzeereignis ebenso essenziell ist, wie konkrete Maßnahmen bei akuten Hitzeereignissen. In Frankfurt werden die langfristigen Maßnahmen in der Anpassungsstrategie geregelt. Den Akutmaßnahmen soll sich ein „Klimawandelaktionsplan“ (KWAP) widmen. Die Stadt will damit auf alle Extremwettersituationen – Hitze, Trockenheit, Sturm und Hochwasser – umfänglich vorbereitet sein, um so die Menschen, Tiere, Pflanzen und Infrastruktur in Frankfurt zu schützen.

Frankfurt am Main will bis 2035 klimaneutral sein. Ihr Referat wurde mitunter dafür eingerichtet das Ziel zu unterstützen. Wo steht Frankfurt Ihrer Meinung nach aktuell in puncto Klimaneutralität? Was sind die größten Herausforderungen?

Auch ohne die tagesaktuellen Zahlen zu nennen steht eines fest: Vor uns liegt noch ein langer Weg, der in einer kurzen, intensiven Zeit zurückgelegt werden soll. Eine große, aber dabei auch positive Herausforderung ist, die Potenziale zu erkennen und die wirksamsten Maßnahmen zu bestimmen und umzusetzen. Solaranlagen auf Gebäuden und Freiflächen, eine Mobilitätswende sowie eine Wende im Bau- und Immobiliensektor, die Nutzung von Erneuerbaren Energien und Abwärme sind der aktuellen Einschätzung nach die wirksamsten Strategien, die in den kommenden Jahren prioritär umgesetzt werden müssen. Zur „rechnerischen Klimaneutralität“ gehört auch das Ziel einer lebenswerten, klimawandelresilienten Stadt Frankfurt. Unser aktuell 21-köpfiges Team unter der Leitung von Hans-Georg Dannert freut sich auf diese Herausforderungen und steht voller Tatendrang bereit, gemeinsam mit der Verwaltung sowie der Stadtgesellschaft insgesamt diesen Weg zu gehen.

 

Mehr zu diesem Thema in G+L 06/23.

Veröffentlicht im Rahmen der internationalen Initiative Beat the Heat.

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