Adventskalender Tag 22

Der Garten + Landschaft Adventskalender dreht sich rund um die Landschaftsarchitektur in all ihren Facetten. Bis zum 24. Dezember stellen wir Ihnen täglich ein Rätsel. Machen Sie mit und gewinnen Sie eins von zwölf Büchern aus dem Callwey-Verlag!

22. Dezember

Dieser Platz wurde nicht zuletzt durch eine Werbung des Computerherstellers Apple weltbekannt. Es birgt viele Objekte aus den verschiedenen Herkunftsländern der Anwohner. Welches Projekt suchen wir? (Zeichnung: Laura Klöser)

Gestern war gesucht: Die Echte Schlüsselblume oder Primula veris ist eine gefährdete Art. Sie ist Blume des Jahres 2016.

Und so geht’s:

Schicken Sie uns Ihre Antwort in einem Kommentar auf unserer Facebook-Seite. Am Ende jeder Woche verlosen wir unter den Teilnehmern mit den meisten richtigen Antworten jeweils eins von drei Büchern. Jede Woche wartet ein anderes Buch aus dem Bereich Garten und Landschaft auf Sie!

Diese Woche:

Mythos Orchideen
Von leidenschaftlichen Sammlern, fernen Ländern und besonderen Sorten
Catherine Vadon

Das könnte Sie auch interessieren
Vogelperspektive auf einen Park, in einem Felskrater aus hellgrauen und orangenen Felsen verläuft ein gewundener Pfad auf stegen. Der Tangshan Quarry Park in Nanjing von Z+T Studio erhält den Rosa Barba Prize 2023. Foto: Hai Zhang
Rosa Barba Prize 2023: Gewinnerprojekt
Neue Wüstenlandschaften sind eine mögliche Folge des Klimawandels, die in immersiven Virtual Reality Spielen eingänglich vermittelt wird. Bildquelle: Kent Madsen, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons
Virtual Reality Computerspiel zum Klimawandel
Eine lebendige städtebauliche Szene zum Thema Polyzentrische
Polyzentrische: Konzept, Vorteile und Beispiele
Freianlagen Oscar-Paret-Schule, Freiberg am Neckar
Den Garten Eden planen und gestalten
Wettbewerbsübersicht Januar 2019 (1/2)
ein-hohes-gebaude-das-neben-einem-uppigen-grunen-wald-steht-AqgBemtBqsM
Lima baut mit Nebel – Wassergewinnung aus der Atmosphäre als Strategie
Serpentine Gallery 2015
Begrünte, klimaangepasste Stadtinfrastruktur zum Thema Regenwasserversickerung Berechnung
Regenwasserversickerung Berechnung: Funktion, Vorteile und Umsetzung
Wettbewerbsübersicht Oktober 2018 (1/2)

Tilman Latz: „Ich habe zwei Varianten: totarbeiten oder umstrukturieren“

Tilman Latz ist seit Februar 2022 HSWT-Professor. Den Studierenden möchte er einen weltoffenen Blick und Kritikfähigkeit mitgeben.

Tilman Latz ist seit Februar 2022 HSWT-Professor. Den Studierenden möchte er einen weltoffenen Blick und Kritikfähigkeit mitgeben. (Foto: Latz + Partner)

Tilman Latz leitet seit 2011 nach zehnjähriger Partnerschaft mit seinen Eltern Anneliese und Peter Latz das Büro Latz + Partner. Seine Frau Iris Dupper ist seit 2016 Partnerin. Im Februar 2022 übernahm Tilman Latz die Professur für Planen und Entwerfen an der HSWT. Anlässlich der Professur fragte Theresa Ramisch Tilman Latz, was er Studierenden weitergeben möchte und ob Professur und Bürotätigkeit zeitlich zu schaffen ist.

„Kein Feedback in der Landschaftsarchitektur ist subjektiv“

Tilman Latz, Sie haben seit diesem Februar die Professur für Planen und Entwerfen an der Fakultät Landschaftsarchitektur an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf inne. Selbst haben Sie in Wien, Kassel und London studiert. Was war Ihr prägendstes Studi-Erlebnis?

Tilman Latz: Durch meine Eltern, die ja beide Landschaftsarchitekt*innen sind, hatte ich das Glück gut vorbereitet ins Studium gehen zu können. Ich wusste meine Zeit in Wien würde eher verschult werden, die in Kassel wäre freier. Woran ich gerne denke, ist das Miteinander damals an den Hochschulen. Das war ein anderes zwischen Studierenden und Professoren. Was mich aber nachhaltig geprägt hat, das war vor allem meine Zeit in London. Für mich ein irres Erlebnis.

Die Architectural Association in London zeigte mir gelebte Interdisziplinarität. Dort lernte ich, dass Architektur und Landschaft alles andere als weit voneinander entfernt sind; dass man aus Landschaft fantastische Architekturprojekte ableiten kann. Zu erleben, dass die Inspiration für Planung – egal ob du im Bereich Hochbau oder Bühnenarchitektur tätig bist – von der Wahrnehmung der Umwelt geprägt ist, war neu für mich und zugleich fantastisch. Das hat meinen Blick geöffnet. Das war so reich und beindruckend: All diese Einflüsse anderer Kulturen – aber eben auch die Welt vor dem Internet.

Ist dieser weltoffene Blick auch das, was Sie Ihren Studierenden weitergeben wollen?

Tilman Latz: Definitiv. Die Studis heute sind anders als wir damals. Sie sind unglaublich vernetzt, wissen extrem viel – manchmal mehr als die Professor*innen. Viel davon ist jedoch meiner Meinung nach durch das Internet geprägt. Die Studierenden waren oftmals nicht wirklich vor Ort, sondern kennen vor allem die Abbilder. Wir früher haben gelernt, dass nichts die reale Erfahrung ersetzen kann. Daran halte ich fest. Ich möchte die Student*innen mehr auf die Phänomene dieser Welt bringen, hin zu einer detaillierten Betrachtung und Analyse. Ich möchten ihren Blickwinkel für die Welt öffnen und ihnen dabei helfen die Vielfalt, die unsere Welt bietet, für ihre Tätigkeit fassen zu können. Gleichzeitig möchte ich aber auch den Studierenden die Fähigkeit der Kritik mitgeben. Da haben wir meiner Meinung nach in der Profession einen gewissen Mangel.

Heißt das, Sie werden ein harter Prof werden?

Tilman Latz: Nein, mir geht es darum richtig gute Projekte zu machen. Aber die Studierende werden auch immer meine ehrliche Meinung hören. Entgegen der weitverbreiteten Haltung, denke ich, ist kein Feedback in der Landschaftsarchitektur subjektiv. In Projekten geht es immer um spezifische Situationen, die bestimmte Maßnahmen brauchen und die auch wissenschaftlich untermauert werden können. Aber ich bin auch offen gegenüber Neuem und möchte in meiner Lehrtätigkeit den Studierenden und ihren Ideen meinen Respekt für ihre Arbeit erweisen und alle gleich behandeln.

„Professor*innen gleichen mit persönlichem Engagement viel aus von dem, was nicht bezahlt wird“

Ihr Vater, Peter Latz, lehrte, neben seinen Gastprofessuren in Harvard und an der University of Pennsylvania, stolze 25 Jahre lang an der TU München-Weihenstephan. Sie selbst waren ebenso Gastdozent an der University of Pennsylvania und an der Universität Kassel. Nun die Professur in Weihenstephan. Ein Herzenswunsch, der in Erfüllung geht?

Tilman Latz: Die ehrliche Antwort ist: Jein. Aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass die Berufung mich nicht höllisch freut. Die HSWT ist in meinen Augen der perfekte Ort für Student*innen, an dem zukunftsweisende Forschung und Lehre kombiniert gelebt und gelehrt werden. Denn an der Hochschule der grünen Wissenschaften werden die dringlichen Herausforderungen unserer Zeit lehrstuhlübergreifend erforscht und leisten damit einen nicht zu unterschätzenden Beitrag für die Gesellschaft. Tatsächlich hatte ich die Idee einer Professur vorher ad acta gelegt. Denn letztlich verdient man in der Privatwirtschaft mehr als an der Hochschule. Und man spricht nicht viel darüber: Professor*innen gleichen mit persönlichem Engagement viel aus von dem, was nicht bezahlt wird.

„Es ist einfach spannend Professor zu sein“

Wie kam es dann aber doch zum Entschluss zur Professur?

Tilman Latz: Das war einerseits mein persönliches Umfeld, mein Schwiegervater – im Übrigen auch Landschaftsarchitekt – und meine Frau und Büropartnerin Iris Dupper sowie andererseits die Hochschule selbst. Die HSWT ist eigentlich keine Fachhochschule mehr. Sie nähert sich mehr und mehr den Strukturen einer Universität an. Sie wächst, man forscht, kann hier inzwischen einen Master, aber auch einen PhD machen. In den vergangenen Jahren war die Hochschule zudem für mich ein stets sehr verlässlicher und guter Kontakt. Die HSWT Professor* innen arbeiten zusammen, bilden gemeinsam auch den Mittelbau mit. Gleichzeitig ist es einfach spannend ein Professor zu sein. Wegen des intellektuellen Austausches, der internationalen Arbeit und dem Blick in die studentische Arbeit.

Seit 2010 leiten Sie das Büro Latz + Partner und begleiten seitdem Berufsanfänger*innen in ihren ersten Jahren als praktizierende Landschaftsarchitekt*innen. Haben Sie auch das Gefühl, dass sich die Ansprüche der Berufseinsteiger*innen in den vergangenen Jahren stark verändert haben?

Tilman Latz: Ja, und das hat auch dazu geführt, dass wir sogar für einen kurzen Moment überlegt haben unser Büro zu verlagern. Wir haben uns klar dagegen entschieden, denn wir lieben diese Region, aber es war Thema. Jedoch – offen gesprochen – es ist schon krass, was wir manchmal erleben.

Wie meinen Sie das?

Tilman Latz: Unser Büro arbeitet national wie international. Dadurch sind wir mit einer nationalen, aber auch internationalen Konkurrenz konfrontiert, die uns dazu zwingt, nicht nur den besten Wettbewerbsvorschlag zu machen, sondern auch hinterher günstiger, schneller, arbeitswilliger zu sein. Ich empfinde insbesondere die Arbeitsmarkt-Situation hier im Süden Deutschlands als besonders schwierig. Die Löhne hier sind sehr hoch. Sie müssen das aber auch zum Teil sein: Das Leben im Raum München, im Raum Stuttgart, aber auch anderen Regionen ist einfach sehr teuer. Dieses kann man sich nur leisten, wenn man entsprechend verdient. Die Argumentation im Bewerbungsgespräch und den Wunsch nach einem entsprechenden Gehalt können wir nachvollziehen.

„Durch den Wunsch nach Homeoffice zerbricht das kreative Miteinander“

Was uns dann aber doch wundert, ist, wenn diese Absolvent*innen und Berufsanfänger*innen gleichzeitig ihre Arbeitszeit auf vier, manchmal sogar drei Tage reduzieren wollen und sich gleichzeitig wünschen Projekte zu leiten. Diese Haltung stellt unsere Profession vor enorme Herausforderungen. Ganz offen gesprochen: Ab dem Zeitpunkt, zu dem wir große, komplexe und internationale Projekte machen – und wegen diesen kommen viele Mitarbeiter*innen zu uns – muss phasenweise auch mal spät oder am Wochenende gearbeitet werden, denn man muss leider – ob man will oder nicht – auch für internationale Kolleg*innen und Auftraggeber*innen verfügbar sein. Wie wir unseren Berufsalltag also mit der mehr und mehr angestrebten Work-Life-Balance zusammenbringen wollen, das ist eine große Herausforderung, die wir und die gesamte Profession noch nicht wirklich gelöst haben. Und wahrscheinlich lässt sich diese Frage auch nicht vollständig lösen.

Drei-Tage-Woche, Projekte leiten und gleichzeitig sehr gut verdienen – woher kommen diese Ansprüche?

Tilman Latz: Wir leben in einer Individualgesellschaft deren Werte im Wandel sind, auch in Anbetracht des Verhältnisses von Arbeit und Freizeit. Gleichzeitig haben sich unsere Arbeitsweisen verändert. Während wir früher zusammen an Plänen gezeichnet haben, arbeiten wir heute mehr und mehr separiert vom Homeoffice aus an einzelnen Projekten. Meiner Meinung nach zerbricht durch den Wunsch nach Homeoffice das kreative Miteinander. Iris und ich sehen es heute, neben allen fachlichen und organisatorischen Aufgaben, als sehr wichtig an ein angenehmes Betriebsklima zu fördern und gerade auch den jüngeren Mitarbeiter*innen die Freude am gemeinsamen Entwerfen und Entwickeln von Lösungen zu vermitteln.

„Man muss schon sehr für diesen Beruf brennen“

Wie steht es um Ihre persönliche Work- Life-Balance? Neben Ihrer Professur an der HSWT wollen Sie schließlich Ihr Büro in einer Nebentätigkeit weiterführen. Ist das so easy möglich? Worauf stellen Sie sich ein?

Tilman Latz: Tatsache ist: Man muss schon sehr für diesen Beruf brennen, wenn man neben einer Professur weiter im Büro tätig sein möchte. Insbesondere in der Gestaltung. Aber ich habe indirekte Erfahrung, was diese Doppel-Position mit sich bringt: von meinen bisherigen Gastprofessuren, aber auch natürlich von dem, was ich bei meinem Vater und auch Kolleg*innen beobachten durfte. Davon habe ich auch gelernt, dass man praktisch weiter tätig sein muss, um Studierenden auch langfristig etwas beibringen zu können. Wenn man Professor und Büroinhaber sein möchte, hat man zwei Möglichkeiten: Man kann sich entweder totarbeiten oder man strukturiert sein Büro um. Ich habe Glück und kann mich ohne Zögern für die zweite Variante entscheiden. Ich habe ein tolles Büro, ich habe eine tolle Frau, die mit mir seit 2016 das Büro leitet, und ich habe tolle Mitarbeiter*innen, mit denen wir gemeinsam neue Strukturen legen wollen.

Das heißt aber auch, dass Sie für Variante 2 Verantwortung abgeben und sich aktiv zurücknehmen müssen. Sie scheinen nicht der Typ zu sein, der das leicht macht.

Tilman Latz: *lacht* Da haben Sie Recht. Lassen Sie uns nochmal in einem Jahr hierzu sprechen, wie das mit dem Zurücknehmen so läuft.

Apropos HSWT: Die Hochschule feierte 2021 seinen 50. Geburtstag. Zum Jubiläum pflanzte die HSWT 50 Bäume.

„Die IBA hat das Grenzach-Projekt auf eine neue Ebene gehoben“

Christian Salewski ist Architekt

„Erst durch das IBA Programm ‚Aktive Bahnhöfe‘ hat man in Grenzach begonnen, Stadt- und Infrastrukturentwicklung zusammen zu denken.“

Grenzach-Wyhlen: Direkt an der Einfallstraße nach Basel gelegen, gilt die deutsche Gemeinde quasi als Vorort von Basel. Eine neue Umgehungsstraße wird das Grenzacher Zentrum verlagern. Gemeinsam mit der IBA Basel 2020 startete die Gemeinde das Projekt „Neue Mitte Grenzach“. Wie die IBA Basel aus dem Projekt einer kleinen Gemeinde ein Best Practice machte, darüber sprachen wir mit dem Architekten Christian Salewski, dessen Büro Salewski & Kretz gemeinsam mit Atelier Loidl und Weyell Zipse Architekten aus Basel den Ideenwettbewerb hierzu gewann.

Das IBA Basel Projekt „Neue Mitte Grenzach“ der deutschen Gemeinde Grenzach-Wyhlen basiert in seinen Grundzügen auf den Erkenntnissen der IBA Projektstudie „Siedlungspotenziale entlang der Hochrheinstrecke“. Die Studie hebt eine große Freifläche im Ortszentrum Grenzachs als elementare Potenzialfläche hervor und definiert diese als optimaler Ort für ein attraktives Ortszentrum. Die Gemeinde reagierte auf die Empfehlung und entschied sich für ein Entwicklungsprojekt auf eben dieser Potenzialfläche von 28 800 Quadratmeter: Diese soll künftig dem Ort ein attraktives Zentrum bieten, mit hohen Aufenthaltsqualität und vitalisiertem Einkaufsbereich.

 

2014 und 2015 fanden umfangreiche Beteiligungsverfahren statt, für die das Land Baden-Württemberg die Gemeinde Grenzach-Wyhlen sogar auszeichnete. Im Jahr 2016 folgte ein städtebaulicher Ideenwettbewerb, den die Arbeitsgemeinschaft Christian Salewski & Simon Kretz Architekten (Zürich), Weyell Zipse Architekten (Basel) und Atelier Loidl Landschaftsarchitekten (Berlin) mit ihrem Entwurf „Stadthain“ für sich entschied. Wir sprachen mit Christian Salewski von Salewski & Kretz über das Projekt.

 

Christian Salewski, worum ging es für Sie beim Projekt “Neue Mitte Grenzach”?

Das Zentrum Grenzachs hat sich über die Jahrzehnte in Richtung Süden verlagert, heute formiert es sich mehr und mehr um die Basler Straße, der Einfallstraße nach Basel. Durch den Bau einer Umgehungsstraße soll diese entlastet werden. Darauf reagiert unser Entwurf. Die Entwicklungsfläche beherbergt ein enormes Potenzial. Derzeit ist sie noch eine Art Brachland. Jedoch befinden sich ganz in ihrer Nähe zentrale Einrichtungen wie der Gemeindesaal, die Schule und die Schwimmhalle – Orte, die für die Gemeinde zwar zentral, aber nicht miteinander verbunden sind.

Und Ihr Entwurf verbindet diese Einrichtungen miteinander?

Ja. Unsere Aufgabe war es, eine neue Mitte zu schaffen. Unser Entwurf unterteilt das Areal in vier Grundstücke und verbindet diese über zwei prägnante öffentliche Räume: den Stadthain und den Spielpark.

 

Welche Rolle spielt der Bahnhof Grenzach dabei?

In Grenzach hat lange Zeit der Pkw-Verkehr dominiert. Erst durch das IBA Programm „Aktive Bahnhöfe“ begann man vor Ort Stadt- und Infrastrukturentwicklung zusammen zu denken. Aktuell peripher gelegen, wird der Grenzacher Bahnhof in Zukunft in kürzester Distanz von den zentralen Ortsteilen zu erreichen sein. Hintergrund hierzu: Wir stärken mit unserem Entwurf die Nord-Süd-Achse Grenzachs als Langsamverkehrsachse für Fußgänger*innen und zwar auch über den Bahnhof hinaus nach Süden bis zum Rheinufer.

„Die IBA Basel war und ist enorm erfolgreich.“

Was zeichnet für Sie das Projekt aus?

Die Wettbewerbsbegleitung war durch das Mitwirken der IBA Basel außergewöhnlich gut und die Projektgruppe des Rahmenplanverfahrens war hochkarätig besetzt. Es gibt viele Projekte in kleinen Gemeinden, diese Art der Qualitätssicherung gibt es nur ganz selten.

Ist das auch der Grund, warum die Neue Mitte Grenzach als Best Practice bezeichnet wird?

Ja, die IBA Basel hat dieses Projekt zu einer besonderen Qualität geführt: durch die hohe Qualität der Ausschreibung, des Wettbewerbs und der Juryzusammensetzung. Das sieht man meiner Meinung nach dem Projekt auch an. Die IBA hat das Projekt auf eine neue Ebene gehoben.

 

Und trotz dieser Prozessqualität kann die IBA Basel laut kritischen Stimmen nicht mit anderen IBAs mithalten …

Ich finde, dass keine IBA mit einer anderen IBA „mithalten“ kann. Dazu ist jede IBA auf ihre Weise viel zu spezifisch und damit zu verschieden. Die IBA Basel ist bisher einmalig, weil sie international ist und dementsprechend sich ganz andere Voraussetzungen und Herausforderungen stellen musste. Wenn man bedenkt, dass grenzüberschreitende Planungen schon innerhalb des gleichen Landes schwierig sind, muss man zugeben, dass die IBA Basel enorm erfolgreich war und ist.

Wie ist der aktuelle Status des Projekts?

Der Bebauungsplan der Gemeinde ist in Vorbereitung, die Landesbehörden haben aber aktuell den Bau der Umgehungsstraße gestoppt. Das liegt nicht, wie sonst üblich, an fehlenden finanziellen Mitteln, sondern vielmehr an den mangelnden personellen Ressourcen. Welche Auswirkungen daraus für das Projekt Neue Mitte entstehen, können wir derzeit noch nicht abschätzen.

Christian Salewski ist Architekt, Gründer und Partner von Christian Salewski & Simon Kretz Architekten GmbH, Zürich. Er ist Diplom-Ingenieur Architektur (TU Berlin) und Doktor der Wissenschaften (ETH Zürich). Seit vielen Jahre ist er außerdem in der Forschung und Lehre tätig, vor allem an der ETH Zürich.

Warum wir eine IBA-Basel-Serie gestartet haben? Das lesen Sie hier.

Sämtliche Beiträge zur IBA Basel 2020 finden Sie hier.