Der bdla Bayern hat den bdla-Nachwuchspreis für herausragende Abschlussarbeiten 2015 verliehen. Die vier Preisträger sind Alexandra Bauer, Felix Dreßler, Dihang Lin, Yudi Gaor Köhler und Leon Plahuta. Die Preisträger werden ihre Arbeiten auf der bdla-Mitgliederversammlung vorstellen und dort ihre Auszeichnung erhalten. Der Nachwuchspreis wird jedes Jahr an Abschlussarbeiten vergeben, die neue Aufgabenfelder für Landschaftsarchitekten beschreiben, richtungsweisende gestalterische Lösungen oder wissenschaftliche Methoden aufzeigen oder einen besonderen Anwendungsbezug für die Praxis haben.

Impossible Landscapes. A study of reclaiming leftover public spaces. Yudi Gao Köhler, Leon Plahuta,  Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Im Wandel vieler gegenwärtiger moderner Städte entsteht nicht nur städtische Verdichtung, meist verbunden mit Ausbau der Infrastruktur, sondern es verbleiben auch Restflächen mit undefinierten Nutzungen. Diese Flächen werden innerhalb des Stadtgefüges vernachlässigt und bleiben oft lange ohne Weiterentwicklung. Ursachen dieser Entwicklungen können mangelnde ökonomischen Nachfrage, nicht nachhaltige Fehlplanungen und gesellschaftliches Scheitern in der Weiterentwicklung bestimmter Stadtteile sein. Es entstehen Flächen, die sich selbst überlassen und schließlich zu „unmöglichen Räumen“ im öffentlich städtischen Gefüge werden.

Derartige Orte sind nicht mehr Teil des städtischen öffentlichen Lebens und stellen als solche eine gesellschaftliche Herausforderung dar, die häufig ausschließlich mit den Mitteln der Landschaftsarchitektur bewältigt werden kann. Ziel dabei ist, den vernachlässigten Orten neue Aufmerksamkeit zu schenken und sie wieder in das Stadtgefüge zu integrieren. Um dies zu erreichen, muss dort eine neue Bedeutung mit Hilfe von raumbildenden Maßnahmen entstehen, die als Grundlage weitere Entwicklungen ermöglicht.

Das Ziel der in der Masterthesis verfolgten Studie ist zum einen, die Gründe für die Entstehung vernachlässigter Räume zu finden und zum anderen, einen tieferen Einblick zu gewinnen, welche gestalterischen und funktionalen Antworten es für unmögliche Orte geben kann. Dabei werden erfolgreiche Fallbeispiele untersucht, um Erkenntnisse für zukünftige Entwicklungen und Untersuchungen heranzuziehen. Zum Abschluss werden zwei beispielhafte „unmögliche“ Orte näher untersucht und jeweils ein gestalterischer Vorschlag erarbeitet.

Dabei handelt es sich um ein aus der Nutzung gefallenes Industrie-Quartier in Peking (China) und den Ort einer innerstädtischen Fehlplanung in Rijeka (Kroatien). Durch entsprechende Gestaltungs-konzepte wird beispielhaft versucht, vernachlässigte, „unmöglich“ gewordene Ort wieder ins Stadtbild und die urbane Nutzung zu integrieren.

Begründung der Jury

Die Masterarbeit der beiden IMLA-Studierenden Yudi Gao-Köhler (China) und Leon Plahuta (Kroatien) greift eine hochaktuelle und brisante Fragestellung der Stadtentwicklung und urbanen Freiraum-planung auf. Die Thematik der „unmöglichen Orte“ wird sowohl theoretisch, anhand einschlägiger Quellen, wie auch praktisch, mit Hilfe von Fallstudien und zwei Beispielprojekten, umfassend beleuch-tet. Der Grundlagenteil zeigt strukturelle Logik, methodische Sorgfalt und wissenschaftliche Tiefe. Kernstück und Ergebnis ist eine als Mindmap konzipierte Planungstoolbox, die wenig erfolgreiche Top-down-Planungsansätze und zielführendere Bottom-up-Konzepte gegenüber stellt.

Besonders zu würdigen sind die darauf aufbauenden Beispielplanungen für zwei sehr unterschiedliche verlorene und damit „unmögliche“ Orte: Für ein postindustrielles Areal in Peking (China) wird durch die Verfasserin Yudi Gao-Köhler ein Konzept entwickelt, das aus einer sehr formalen Erschließungsstruktur Kraft und Ordnung schöpft, der vier Landschaftsoasen gegenüber gestellt werden, die den verlorenen Ort gleichermaßen inszenieren wie für die Menschen im Quartier zurückgewinnen.

Im Kontrast dazu steht der Entwurf, den Leon Plahuta für die Adriastadt Rijeka in Kroatien entwickelt. Er versucht, eine echte „Bausünde“, die Fläche auf der Tiefgarage eines nie fertig gestellten Gebäudes in zentraler Lage der Altstadt, als städtischen Platz in angemessener Maßstäblichkeit und mit geringem Investitionsbudget zu reaktivieren. Ihm gelingt dies durch eine sensible und auf historischen Spuren basierende Step-by-Step-Planung, die sehr konsequent den Bottom-up-Ansatz verfolgt.

Die beiden Verfasser zeigen durch ihre transnationale und interkulturelle Zusammenarbeit und ihren Ansatz „Research by Design“ bzw. „Design by Research“, dass die Landschaftsarchitektur städtebauliche Probleme auf allen Kontinenten und in ganz unterschiedlichen Maßstabsebenen lösen und den Menschen wertvolle Räume zurückgeben kann. Auf der gleichen planerischen Basis der Toolbox sprechen dabei beide jeweils eine ganz unterschiedliche Sprache im entwurflichen und darstellerischen Instrumentarium. Die Arbeit entspricht damit genau dem, was der International Master of Landscape Architecture erreichen will.

Management von Hangrutschungen und Schlammlawinen in einem integrierten städtebaulichen und landschaftsarchitektonischen Konzept , Dihang Lin, TU München

Konversion des Opel-Werks 1 in Bochum als stadtklimatische Anpassungsmaßnahme, Felix Dreßler, TU München

In seiner Masterthesis „Klima ab Werk“ untersucht Felix Dreßler sowohl entwerferisch als auch theoretisch fundiert die Möglichkeiten stadtklimatischer Verbesserungen an Konversionsflächen in Kombination mit einem anspruchsvollen städtebaulichen Entwicklungskonzept. Untersuchungsgegenstand ist das Opel-Werk in Bochum als aktuelles Beispiel für eine der größten Industriebarchen im Ruhrgebiet, deren Umgestaltung nach dem Willen der Stadt stadtklimatische Verbesserungen bringen soll.

Neben den ökonomischen und soziokulturellen Aspekten einer Konversion fokussiert sich die Masterthesis auf die ökologischen und insbesondere auf die stadtklimatischen Ansprüche an heutige Industriekonversionen. In den theoretischen Voruntersuchungen studierte Felix Dreßler die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Konversionsprojekten im Ruhrgebiet seit den 1980er Jahren mit dem Ziel, festzustellen ob damals im Unterschied zu heute besondere inhaltliche Schwerpunkte formuliert wurden. Dreßler weist nach, dass in ökologisch motivierten Stadtplanungen von Anfang an die Forderung nach Klimaanpassungen im städtischen Umfeld enthalten waren und in vielen Fällen erfüllt wurden. Konversionsprojekte aus der Mitte der 90er können daher bis heute als Best-Practice Beispiele für eine stadtklimatisch angepasste Planung gelten und sind nach wie vor wirksame Bestandteile stadtklimatischer Anpassungskonzepte.

Begründung der Jury

Das aktuelle Klimaanpassungskonzept der Stadt Bochum ist eine wichtige Grundlage für Felix Dreßlers Entwurf „Klima ab Werk!“. Dreßlers Entwurf weist in Plänen und im Modell sehr hohen gestalterische Qualitäten auf und beweist darüber hinaus, dass die Konversion einer großen Industriebrache zu einem Gewerbepark nicht nur zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen, sondern auch stadtstrukturell tragfähig sein kann.

Die konzeptionelle und entwerferische Komplexität der Aufgabenstellung wird der Arbeit ebenso herausragend bewältigt wie die Erarbeitung wissenschaftlicher Grundlagen zu klimatischen Anpassungen im urbanen Kontext.

Entwicklung und Untersuchung des öffentlichen Raumes in den Rändern und Nischen Istanbuls,  Alexandra Bauer, TU München

In der Arbeit über den öffentlichen Raum Istanbuls werden die Ränder und Nischen, also informell entstandene und historisch gewachsene Stadtviertel, als Potenzialräume zur Weiterentwicklung der Stadt betrachtet. Gegenwärtig werden diese Viertel dem Erdboden gleichgemacht, um Strukturen nach neoliberalistischem Modell zu errichten. Die neuen, gentrifizierten Stadtviertel bedingen Grenzen und erzeugen eine Trennung von kulturellen und sozialen Schichten.

Mit dem vorgeschlagenen Konzept wird an Stelle einer sozialen und kulturellen Segregation das Aufeinandertreffen und die Durchmischung von Kulturen im öffentlichen Raum geschaffen. Die Durchmischung von dominanter Kultur und Partikularkulturen in einer Metropole bildet die Grundlage für Zusammenleben und Urbanität.

Der erste Teil der Thesis beschäftigt sich mit Theorien von Soziologen zur Beziehung zwischen städtischem Raum und Mensch. Die Erkenntnisse aus dem theoretischen Teil werden im Folgenden anhand des bestehenden öffentlichen Raums der vier informellen Stadtviertel „Ayvansaray“, „Kustepe“, „Kuzguncuk“ und „Burhaniye“ überprüft. Im nächsten empirischen Schritt wird das räumliche Konzept im Sinne der Durchmischung von Kulturen im öffentlichen Raum erarbeitet und für „Ayvansaray“ exemplarisch entworfen. Hierfür wird zunächst ein am Bestand orientiertes Netzwerk für den öffentlichen Raum eingerichtet, welches das Stadtviertel zugänglicher und erfahrbarer macht. Es kann sich mit punktuellen Eingriffen im Laufe der Zeit aufbauen und erhält so Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Zudem heben die impulsartigen Eingriffe bestehende räumliche und kulturell bedingte Charaktere und Qualitäten „Ayvansarays“ hervor und entwickeln diese weiter.

Begründung der Jury:

Istanbul ist eine Stadt, die aufgrund seiner Geschichte seit jeher von verschiedenen Kulturen und Flüchtlingsströmen beeinflusst wird. Im Zuge der Flüchtlingswelle gewinnt die Frage des Umgangs und Zusammenlebens zwischen dominanter Kultur und Partikularkulturen nicht nur in Metropolen wie Istanbul, sondern auch hierzulande in Städten und ländlichen Räumen immer mehr an Bedeutung.

Die Arbeit zeigt, wie wir als Landschaftsarchitekten urbane Räume und Stadtviertel beeinflussen und mitentwickeln können. Die Verantwortung als Landschaftsarchitekt im Hinblick auf die Gestaltung des öffentlichen Raums sieht sie als Möglichkeit das gegenseitige Wahrnehmen verschiedener Kulturen zu ermöglichen. Dies kann über eine Integration von Kulturen hinausgehen und zur Bildung einer Fähigkeit des Zusammenlebens in Diversität beitragen.

Selten gelingt es in einer Abschlussarbeit, Theorie und Entwurf derart konsistent zusammenzuführen, wie es in dieser Arbeit gelungen ist. Die Arbeit ist in ihrer sozialen Aufgabenstellung, ihrer interkulturellen Kompetenz, in ihrer theoretischen Tiefe als auch in ihrer entwerferischen Qualität herausragend. Sie ist für die in vielen Teilen Europas in den nächsten Jahren anstehenden urbanen Integrations- und Kohäsionsaufgaben richtungs­weisend.

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Gartenschau Lindau: Biodiversität im Garten

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Die Gartenschau Lindau startet am 20. Mai und hat ihre Tore bis zum 26. September 2021 geöffnet. Ein zentrales Thema der Gartenschau Lindau ist die Biodiversität. In einem Themengarten, angelegt von Auszubildenden im Garten- und Landschaftsbau, werden Eigenheimbesitzer*innen erfahren, wie sie mit ihrem Garten zum Schutz und Erhalt der Flora und Fauna beitragen können.

Gartenschau Lindau: für Ordnungsliebende und Romantiker*innen

Der Themengarten “Biodiversität im Garten” an der Gartenschau Lindau soll wichtiges Wissen vermitteln: Gartenbesitzer*innen sollen darin erfahren, wie sich Artenschutz auf kleinstem Raum umsetzen lässt. Davon können sie selber nur profitieren – Vorteile eines biodiversen Gartens sind etwa ein besseres Mikroklima und eine gesteigerte Wohlfühlatmosphäre. Und natürlich das gute Gewissen, Tieren und Pflanzen ideale Lebensbedingungen zu schaffen.

Die Symbiose von Pflanzen- und Tierwelt gelingt durch die richtige Pflanzenwahl, die aber optimal platziert werden müssen, damit sie wachsen können. Bestenfalls bilden Hobbygärtner*innen sinnvolle Pflanzgemeinschaften und verwenden geeignete Materialien in ihrem grünen Reich.

Das alles ist im Themengarten “Biodiversität im Garten” an der Gartenschau Lindau beispielhaft zu beobachten. Und zwar aus zwei verschiedenen Blickwinkeln: „Bei der Planung des Themengartens waren uns zwei verschiedene Gestaltungsansätze wichtig: Der rund konzipierte Bereich spricht Naturliebhaber*innen und Romantiker*innen an, der klassisch angelegte Teil eher ordnungsliebende Gartenbesitzer*innen“, erklärt Viviane Weißmüller. Sie ist Landschaftsgärtner-Technikerin und hat die angehenden Landschaftsgärtner*innen, die den Bau des Themengartens verantworten, begleitet.

Biodiversität an der Gartenschau Lindau

Beim Eintritt in den Themengarten empfängt eine Duftesche und eine Totholzhecke, die als Rückzugsort für Insekten und Säugetiere dient, die Besucher*innen. Von da führt ein Weg in den organisch angelegten Bereich und stößt auf eine Staudenbepflanzung. Ein Pflasterweg zieht sich durch eine Blumenwiese und vorbei an einer Blasenesche – bis er schließlich an einer Terrasse endet. Daneben befindet sich ein Steinhaufen aus Findlingen für sonnenhungrige Tiere.

Eine Hainbuchenhecke säumt den Gang, der in den geometrisch angelegten Gartenteil leitet. Neben einer Müllcontainerbox mit Dachbegrünung führen Trittsteinplatten die Besucher*innen über eine Kräuterrasenfläche, hin zu einer weiteren Terrasse aus Naturstein. Eingerahmt wird der Platz von einer begrünten Trockenmauer und einem Quellstein mit Wasserpflanzen als Feuchtzone. Darüber hinaus sorgt ein Sommerflieder für eine angenehme Atmosphäre.

Sonnenplätze, Verstecke und Nahrungsquellen

Weitere Stauden ergänzen beide Gartenbereiche. Dazwischen bildet ein Staketenzaun aus Kastanienholz die natürliche Abgrenzung. Außerdem dienen Wurzelstöcke als Sonnenplatz, Versteckmöglichkeit und Nahrungsquelle für Insekten und Reptilien.

Auszubildende im Garten- und Landschaftsbau setzen den Bau des Themengartens im Rahmen ihrer Ausbildung beim Fachbetrieb Garten- und Landschaftsbau Weißmüller aus Berg bei Neumarkt in der Oberpfalz. Die Firma Herrhammer – Gärtner von Eden aus Heimenkirch unterstützt sie dabei. Gesamtverantwortlich für das Gemeinschaftsprojekt ist der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern (VGL Bayern), der die Arbeiten koordiniert.

Mehr zum Thema Gartenschauen 2021, lesen Sie unter anderem hier:

Naturstein und Keramik – so bleiben die Oberflächen lange schön

Naturstein und Outdoor-Keramik sind beliebte und robuste Materialien für die Außengestaltung in Gärten und Terrassen. Damit sie auch dauerhaft schön und sauber bleiben, ist die richtige Behandlung der Oberflächen unabdingbar.

Ist die Terrassenoberfläche – sei sie aus Naturstein oder Feinsteinzeug – erst einmal verlegt, sollten sich Eigentümer nicht allzu lange zurücklehnen. Trotz ihrer Robustheit sind beide Materialien auf eine regelmäßige und, besonders wichtig, auch sachgemäße Reinigung und Pflege angewiesen, sollen sie lange Freude bereiten.

Verschmutzung droht zu jeder Jahreszeit

Gerade über Herbst und Winter neigen die Oberflächen in Garten und Terrasse dazu, schnell unansehnlich zu werden. Algen, Reste von Laub und sonstige Verschmutzungen dämpfen dann zum Beginn der neuen Saison im Frühling die Freude an der neuen Natursteinterrasse.

Doch auch im Sommer ist die Gefahr hartnäckiger Verschmutzungen auf der Natursteinterrasse allgegenwärtig. Fettspritzer und Öltropfen von der letzten Grillparty etwa. Sie können tief ins Material eindringen und verharzen mit der Zeit unter dem Einfluss von Luftsauerstoff. Werden solche öligen Verschmutzungen nicht zeitnah aufgenommen, kann es unter Umständen unmöglich werden, die resultierenden Flecken aus dem Stein zu entfernen.

Ärgerlich: Die neue Natursteinterrasse ist von den Spuren des Gebrauchs und der Jahreszeiten gezeichnet.
Ärgerlich: Die neue Natursteinterrasse ist von den Spuren des Gebrauchs und der Jahreszeiten gezeichnet.

Ebenfalls eine häufig, meist auf eher helleren Belägen, anzutreffende Verunreinigung sind hartnäckige, rostrote Schuhabdrücke und Flecken. Sie entstehen beim unvorsichtigen Hantieren mit eisensulfathaltigen Düngern. Der Staub solcher Dünger, die unter anderem durch Anhaftungen an den Schuhsohlen auf die Oberfläche des Terrassenmaterials gelangt, bildet schon bei geringster Dosierung in kurzer Zeit regelrechte Rostflecken aus.

Die Wahl des richtigen Mittels ist entscheidend

Innerhalb der Materialgruppe der Natur- und Keramiksteine für den Außenbereich steht eine große Vielfalt von Gefügen und folglich Texturen sowie Porositäten zur Auswahl. Das hat entscheidenden Einfluss auf die richtige Reinigungsmethode. Mechanische und chemische Behandlungen, wie sie etwa für die Reinigung einer robusten Granitoberfläche in Frage kommen, eignen sich beispielsweise für den weicheren Sandstein oft nicht. Die Behandlung mit dem Hochdruckreiniger verträgt Granit in der Regel problemlos, beim Sandstein jedoch kann der scharfe Wasserstrahl zum Abtrag feinster oberflächlicher Schichten führen. Polierter Kalkstein hingegen verzeiht die Behandlung mit säurehaltigen Reinigern eher schlecht, da er von diesen angelöst wird und mit der Zeit eine matte und leblose Oberfläche ausbildet.

Das Unangenehme dabei: Die Folgen solcher Anwendungsfehler zeigen sich nicht unmittelbar, sondern machen sich unter Umständen erst nach Jahren der Wiederholung bemerkbar. Stumpfe Oberflächen, an denen wegen ihrer zunehmenden Rauigkeit immer schneller und hartnäckiger Schmutz festsetzt, sind mitunter das unwillkommene und meist unumkehrbare Ergebnis unsachgemäßer Reinigung.

Die richtige und regelmäßige Pflege von Natursteinoberflächen – hier heller Travertin – trägt entscheidend zu deren Werterhalt bei.
Die richtige und regelmäßige Pflege von Natursteinoberflächen – hier heller Travertin – trägt entscheidend zu deren Werterhalt bei.

Übersicht: Reinigung von Naturstein im Außenbereich

Entfernen von Zementschleiern, Kalkausblühungen und Mörtelresten: Hier eignet sich ein säurehaltiger Reiniger, wie der Lithofin MN Zementschleier- und Rostentferner. Auf rauen und gleichzeitig säureempfindlichen Oberflächen, etwa aus Marmor, Kalk- oder Betonwerkstein, dürfen säurehaltige Reiniger nur stark verdünnt eingesetzt werden. Sind die Oberflächen poliert oder feingeschliffen, dürfen säurehaltige Reiniger nicht zum Einsatz kommen.

Entfernen von Rostverschmutzungen: Zum Einsatz kann hier ein säurehaltiger Reiniger kommen, etwa der vorgenannte Lithofin MN Zementschleier- und Rostentferner oder ein säurefreies Produkt wie Lithofin Rost-EX. Hier gelten die gleichen Regeln zur Säureempfindlichkeit wie oben.

Gelbbraunen Verfärbungen, wie sie auf Natursteinen etwa durch die in Humus enthaltene Huminsäure entstehen, rücken Sie effektiv mit einem bleichenden Reiniger zu Leibe. Lithofin hält für diese Verschmutzungen den Lithofin MN Außenreiniger* bereit.

Allgemeine Verschmutzungen sowie Öl- und Fettflecken lassen sich mit mildalkalischen oder lösemittelhaltigen Reinigern entfernen. In besonders hartnäckigen Fällen können hier auch pastöse Reiniger zum Einsatz kommen, wie Lithofin OIL-EX.

Gegen oberflächliche Grünbeläge eignet sich ein chlorfreier Spezialreiniger wie Lithofin ALLEX*.

*Bitte verwenden Sie Biozidprodukte vorsichtig. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformation lesen.

Nach korrekt ausgeführter Imprägnierung hat Feuchtigkeit – selbst bei einem rauen Travertin wie diesem – keine Chance mehr, ins Material einzudringen.
Nach korrekt ausgeführter Imprägnierung hat Feuchtigkeit – selbst bei einem rauen Travertin wie diesem – keine Chance mehr, ins Material einzudringen.

Schutz von Naturstein im Außenbereich

Terrassen- und Gartenplatten aus Naturstein sowie aus Beton können wegen ihrer offenporigen Struktur Flüssigkeiten aufnehmen. Auch der sonst so unverwüstliche Granit weist mikroskopisch kleine Porentrichter und Kapillaren, feinste Hohlräume, die sich durch den Stein ziehen, auf. Durch Kapillarkräfte können unbehandelte Natursteinmaterialien Verunreinigungen unter Umständen bis tief unter die Oberfläche einsaugen. Das funktioniert auch entgegen der Schwerkraft. Gelangt Wasser unter den Bodenbelag und bleibt dort wegen unzureichender Drainage länger stehen, können Schäden und optische Beeinträchtigungen durch aufsteigende Feuchtigkeit die Folge sein. Lithofin empfiehlt daher die allseitige Behandlung der Platten mit Lithofin Fleckstop >W<.

Das Imprägniermittel bildet einen hauchdünnen Film auf den Wänden der Kapillaren und reduziert die Saugfähigkeit des Materials, ohne dabei jedoch dessen Poren zu verschließen. Die Atmungsfähigkeit des Bodenbelags bleibt so erhalten, während Feuchtigkeit und mit ihr verfärbende Fremdstoffe nicht mehr in den Stein eindringen können. Aufgrund des Einflusses der Imprägnierung auf die Haftkraft von Klebern, sollte die allseitige Behandlung des Bodenmaterials allerdings nur bei ungebundener Verlegung, etwa auf dem Splitt- oder Kiesbett, erfolgen.

Wichtig zu wissen: Auf die Säureresistenz und Witterungsbeständigkeit von empfindlichen Natursteinsorten hat eine Imprägnierung keinen Einfluss. Außerdem sollte beachtet werden, dass der Untergrund vor der Imprägnierung nicht nur oberflächlich an-, sondern die Platten gründlich durchgetrocknet sind. Ansonten können durch Restfeuchte nach der Behandlung mit lösemittelhaltigen Imprägnierungen dunkle Verfärbungen die Folge sein. Imprägnierungen auf Wasserbasis verzeihen höhere Restfeuchtegrade. Sie sind in der Lage, sich mit dem in den Kapillaren vorhandenen Wasser zu vermischen und sind deshalb das Mittel der Wahl, wenn eine vollständige Durchtrocknung des Untergrundes nicht gewährleistet werden kann.

Das Schadensbild aufsteigender Feuchtigkeit mit den typischen dunklen Flecken. Verhindert werden kann dies durch eine allseitige Imprägnierung der Terrassenplatten.
Das Schadensbild aufsteigender Feuchtigkeit mit den typischen dunklen Flecken. Verhindert werden kann dies durch eine allseitige Imprägnierung der Terrassenplatten.

Bei den verschiedenen Imprägnierungen gilt es zwischen farbvertiefenden und nicht farbvertiefenden Produkten zu unterscheiden. Ähnlich, wie es beim Annässen von Steinoberflächen zu beobachten ist, können farbvertiefende Imprägnierungen die Farbe des behandelten Materials kräftigen. Der Effekt entsteht dabei nicht etwa, weil die Poren durch eine Schicht verschlossen werden, sondern durch Anlagerung von Wirkstoffen innerhalb der Kapillaren. Dadurch bleibt die Atmungsaktivität erhalten.

Für den Auftrag der Imprägnierung sollte ein Flächenpinsel oder eine Versiegelungsbürste verwendet werden. Keinesfalls ist der Einsatz von Malerrollen zu empfehlen, weil sich dabei eine Streifenbildung in den Überlappungsbereichen kaum vermeiden lässt.

Übersicht: Imprägnierungen für Naturstein im Außenbereich

Für eine Imprägnierung mit gleichzeitiger Farbvertiefung eignet sich ein hydrophobes Mittel wie Lithofin MN Farbvertiefer.

Soll die Imprägnierung nicht farbvertiefend wirken, kann Lithofin Grundschutz >W<, ebenfalls ein hydrophobes Präparat, zum Einsatz kommen.

Gegen Flecken, Öl und Fett hilft eine hydro- und oleophobe Imprägnierung auf wässriger Basis wie Lithofin Fleckstop >W<.

Spezialfall Outdoor-Keramik

Modernes Feinsteinzeug kommt in vielfältigen Texturen und Haptiken und ist dabei durch seine Robustheit besonders pflegeleicht. Eine Imprägnierung oder Schutzbehandlung etwa, wie sie für Naturstein empfohlen wird, erübrigt sich bei Outdoor-Keramik, da sich ihr Gefüge porenlos herstellen lässt. Das macht sie unempfindlich gegen tief eindringende Verschmutzungen. Auch bei Außenmaterialien aus Feinsteinzeug sind jedoch regelmäßige Reinigungsmaßnahmen angezeigt. Denn ihre Oberflächen sind – um die Rutschhemmung zu gewährleisten – mitunter extrem rau und ziehen Schmutz regelrecht an.

Für die regelmäßige Reinigung von Keramikoberflächen im Außenbereich eignet sich der Lithofin KF Intensivreiniger. Er beseitigt selbst hartnäckige Fett- und Ölflecken.

Allgemeinschmutz und Verfärbungen auf Outdoor-Keramik kann mit dem Lithofin Aktivreiniger begegnet werden. Er ist sowohl für Naturstein als auch für Keramik geeignet und greift das Fugenmaterial nicht an.

Mehr Informationen zu Pflege, Schutz und Reinigung von Naturstein- sowie Kermaikoberflächen finden Sie auf der Webseite von Lithofin.

Bilder: Lithofin

Ein Projekt mit viel Naturstein auf dem Boden ist das Areal des RheinMain CongressCenters und des Landesmuseums in Wiesbaden. Sehen Sie selbst hier: RMCC Wiesbaden