„Die IBA Basel ist eine IBA der Prozessqualität“

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Als IBA im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz ist die IBA Basel 2020 die erste buchstäblich Internationale Bauausstellung. Mit ihrer Hilfe sind auf politischer, institutioneller, raumplanerischer und kultureller Ebene neue, grenzüberschreitende Verbindungen entstanden, die den Metropolitanraum Basel noch näher zusammengebracht haben. Ihr Weg war nicht immer einfach, ein Abenteuer für alle Beteiligten. Warum hat es sich dennoch gelohnt? Das haben wir in vier Gesprächen ausgewählte, langjährige IBA-Wegbegleiter gefragt. Darunter auch Beat Aeberhard, Kantonsbaumeister von Basel-Stadt.

“Die IBA hat Vorbildcharakter für andere Stadtregionen Europas.”

Beat Aeberhard, im Jahr 2008 veröffentlichte der Trinationale Eurodistrict Basel (TEB) gemeinsam mit dem Baudepartement des Kantons Basel-Stadt den ersten Memorandumsentwurf zur IBA Basel 2020 und läutete somit diese IBA ein. Welchen Herausforderungen stellte sich die Region Basel in der damaligen Zeit?

Räumlich stellten sich damals keine wesentlich anderen Herausforderungen als heute, vielleicht mit Ausnahme der Tatsache, dass Basel damals über kein nennenswertes räumliches Entwicklungspotenzial verfügte. Das hat sich grundlegend geändert, Basel besitzt heute bedeutende Entwicklungsflächen auf ehemaligen Industrie- und Infrastrukturflächen, die für neue Nutzungen zur Verfügung stehen. An der trinationalen Grenze liefen bereits damals beachtliche Planungen wie die Nordtangente oder der Novartis-Campus.

Auch wurden – unter anderem durch das ETH-Studio Basel – etliche Studien zur räumlichen Entwicklung der Agglomeration erarbeitet. Das Potenzial einer grenzüberschreitenden Stadt hatte bereits die Studie „Eine Stadt in Werden?“ von Jacques Herzog und Pierre de Meuron zusammen mit Rémy Zaugg von 1991 dargelegt. Mit anderen Worten, spätestens anfangs der Nullerjahre wurde es offensichtlich, dass sich die Probleme nicht mehr länger entlang der Grenze lösen ließen, sondern dass es nun an der Zeit wäre, gemeinsam im Geist ein neues großes Projekt anzugehen. Da fiel die Lancierung einer grenzüberschreitenden IBA auf fruchtbaren Boden.

In der Agglomeration gab es zum Zeitpunkt 2008 bereits viele andere Institutionen, die an den Themen der Grenzüberschreitung arbeiteten. Warum entschied sich die trinationale Politik im Zuge der Aufstellung der IBA für noch eine weitere, neue Institution?

Wohl in kaum einer anderen Grenzregion existieren so viele Gremien, Institutionen und enge Verflechtungen wie im Raum Basel. Das betrifft auch die politische Ebene. Mit dem Format der IBA wurde bewusst eine akademische Herangehensweise gewählt, um eine Ergänzung zum politischen-bürgernahen Ansatz der Eurodistrikte zu schaffen. Der Fokus auf die projektbezogene, städtebauliche und stadtplanerische Entwicklung ist ein weiteres Alleinstellungsmerkmal des Instruments IBA.

Stichwort Abenteuer: Inwiefern war bzw. ist die IBA Basel 2020 ein Abenteuer?

Eine grenzüberschreitende IBA ist sicherlich eher ein Abenteuer als jede andere IBA in der Vergangenheit. IBAs beruhen ja auf einer Selbstverpflichtung der Partner. Und eine Selbstverpflichtung über drei Länder hinweg ist ein zusätzliches Wagnis. Zudem ist auch der lange Zeitraum von zehn Jahren ein Projektrisiko, da sich Rahmenbedingungen ständig ändern. Zusätzlich erschwert wurde die Übungsanlage durch die Ausrichtung der IBA als primär beratende Institution mit bescheidenen finanziellen Ressourcen.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach die IBA Basel aus?

Sie ist eine IBA der Prozessqualität. Es wurden Prozesse initiiert, überprüft, eingefordert und letztlich in einigen Bereichen auch institutionalisiert. Die prozesshafte Herangehensweise mit dem Slogan „Gemeinsam über Grenzen – Au-delà des frontières, ensemble“ hat meines Erachtens durchaus Vorbildcharakter für andere Stadtregionen Europas. Sie zeigt neue Wege auf, wie Stadtentwicklung auch gehen kann. Das ist ihre große Errungenschaft.

“Stadträume sind da, um verdichtet zu werden.”

Der IBA Basel wird immer wieder vorgeworfen nicht mit den deutschen IBAs mithalten zu können. Ihr werden zu wenig Bauaktivitäten vorgeworfen. Wie stehen Sie zu der Kritik, Beat Aeberhard?

Prozessinnovation ist schwierig darzustellen. Zentral ist nicht die große Architekturschau wie bei den IBA in Stuttgart, Berlin oder auch im Ruhrgebiet. Große, ja womöglich spektakuläre Bauprojekte würden dem Geist dieser IBA gar nicht entsprechen. In dem Sinne schwimmt die IBA Basel tatsächlich gegen das tradierte Verständnis einer Bauausstellung. Selbstkritisch kann man ergänzen, dass die gewählte Übungsanlage mit einem bewusst beschränkten Budget auch gar keine großen Sprünge zulässt. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass es konkret nichts zu zeigen gäbe.

Die Handlungsfelder der IBA Basel sind „Landschaftsräume“, „Stadträume“ und „Zusammen leben“ – warum hat man sich für diese entschieden?

Die drei Handlungsfelder sind meines Erachtens wesentliche Themen, die eine von diversen Grenzen fragmentierte Stadtregion heute zu beschäftigen haben. Stadtnahe Landschaftsräume müssen wir gerade im Zeitalter des Klimawandels und einer rasch fortschreitenden Biodiversitätskrise als das begreifen, was sie sind: Nämlich eigenständige Räume und nicht etwa Bauerwartungsland.

Es ist unsere Pflicht, dass wir uns heute darauf beschränken, nur noch dort zu bauen, wo bereits etwas da ist. Dieses Verständnis ist im Stadtstaat Basel schon ziemlich weit verbreitet, in Frankreich oder Deutschland, wo es noch viel mehr freies Land gibt, ist das anders. Darüber hinaus sind die Landschaftsräume wertvolle Erholungsräume für eine wachsende Bevölkerung. Im Gegenzug sind Stadträume da, um verdichtet zu werden. Auch das ist Chance und Pflicht zugleich. Und schließlich ist „Zusammen leben“ als Themenfokus bei der ersten grenzüberschreitenden IBA selbsterklärend.

“Es braucht ein Gremium, das die IBA Projekte künftig koordiniert.”

Welches IBA Basel Projekt steht Ihrer Meinung nach sinnbildlich für die Ziele der IBA Basel?

Aus meiner sehr persönlichen Optik verkörpert das Projekt 3Land mit seinen vielfältigen Themenschwerpunkten die Zielsetzung der IBA Basel 2020 exemplarisch. Die Verbesserung der institutionellen Beziehungen, die (manchmal beschwerliche) Arbeit an einem gemeinsamen Projektverständnis sowie die Fokussierung auf Brachen, die an der Grenze Rücken an Rücken liegen, um daraus letztlich neue bi- oder trinationale Zentren zu schaffen, zeugen vom Willen, die Region gemeinsam weiterzubringen. Das ist durchaus ein Paradigmenwechsel.

2020 endet die IBA Basel offiziell. Bestandsaufnahme: Welche Erfolge hat die IBA Basel der Region gebracht? Welchen Mehrwert hat sie gestiftet? Wo muss man nachjustieren?

Zunächst: Beachtlich ist nur schon allein die Tatsache, dass die IBA Basel gemeinsam durchgeführt wurde. Das Verständnis, in einer gemeinsamen Region zu leben, ist in der breiten Bevölkerung gestiegen. Ich persönlich schätze an der IBA, dass sie auch einen freien Denkraum ermöglicht hat. Ein Reflexionsrahmen, der auch mal bewusst vom Alltagsgeschäft entkoppelt war. Das mag banal klingen, aber im täglichen Arbeitsablauf ist das „über den Tellerrand hinaus“-Denken in der Regel kaum möglich. Daran müssen wir unbedingt festhalten.

Welchen Herausforderungen muss sich die Region nun im Zuge der Verstetigung stellen? Wie gelingt dies? Stichwort hierzu: Agenda 2040.

Wir im Bau- und Verkehrsdepartement sind uns einig, dass es ein Gremium braucht, das die IBA Projekte künftig koordiniert. Aktuell läuft viel über persönliche Beziehungen. Es müssen Strukturen geschaffen werden, damit auch bei wechselnden Verantwortlichen an den grenzüberschreitenden Projekten weitergearbeitet wird. Zentral scheint mir, dass wir an langfristigen, grenzüberschreitenden Strategien weiterarbeiten. Das kann projektbezogen oder auch im Themenmodus sein. So kann das in den letzten Jahren Begonnene weiterwachsen, damit der Metropolitanraum vorankommt.

“Wir führen den IBA-Auftrag weiter”

Beat Aeberhard, in der Corona-Krise preschten viele europäische Länder mit Einzelmaßnahmen vor. Die IBA Basel steht für grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Wie lief das Krisenmanagement in der trinationalen Metropolitanregion ab?

Die Corona-Krise führt uns vor Augen, dass in schwierigen Zeiten umgehend auf Abschottung gesetzt wird. Dass die grenzüberschreitende Zusammenarbeit aber gerade im trinationalen Metropolitanraum aufrechtzuerhalten ist, darüber besteht Einigkeit. Die Arbeitspendler müssen nach wie vor die Grenze passieren können. Und das können sie auch. Auf die IBA Basel bezogen bedeutete das, dass wir uns in der Zeit der geschlossenen Grenzen vor allem  digital ausgetauscht haben, so zum Beispiel über die geeigneten Formate und den richtigen Zeitpunkt der Schlusspräsentation, denn diese musste aufgrund der Pandemie auf dieses Frühjahr (30. April bis 6. Juni 2021) verschoben werden. Und schließlich zeigt die Patientenaufnahme aus dem schwer betroffenen Elsass in die Intensivstationen von Schweizer Spitälern den Geist der täglich gelebten grenzüberschreitenden Zusammenarbeit eindrücklich. Den IBA-Auftrag – gemeinsam über Grenzen zu wachsen – den führen wir weiter.

Beat Aeberhard ist seit 2015 Kantonsbaumeister von Basel-Stadt. Er leitet die Dienststelle Städtebau & Architektur, die das Planungsamt, das Hochbauamt und die Kantonale Denkmalpflege umfasst. Zuvor war er sieben Jahren Stadtarchitekt von Zug. Nach seinem Studium in Architektur an der EPF Lausanne und Zürich arbeitete er als selbständiger Architekt in Zürich und unterrichtete an der ETH Zürich. Aeberhard hält überdies einen Master of Science in Architecture and Urban Design der Columbia University in New York.

Warum wir eine IBA-Basel-Serie gestartet haben? Das lesen Sie hier.

Sämtliche Beiträge zur IBA Basel 2020 finden Sie hier.

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Cortenstahl Rost Beschleunigen: Material, Detail und Praxis

Ein Detail von Belag und Freiraummaterial zum Thema Cortenstahl Rost Beschleunigen
Verrostete Metalloberfläche mit starker Korrosionsbildung – ein Zeichen des Verfalls im urbanen Raum. Foto: citylop/Unsplash

Cortenstahl gehört zu den wenigen Materialien im Außenraum, die ihren endgültigen Zustand erst durch Witterung erreichen. Die charakteristische rotbraune Oxidschicht, die sogenannte Patina, ist kein Mangel, sondern das Ziel: Sie bildet eine dichte, selbstschützende Deckschicht, die das darunter liegende Metall vor weiterer Korrosion bewahrt. Wer Cortenstahl rost beschleunigen möchte, greift in diesen natürlichen Prozess ein, um planbare Ergebnisse zu erzielen, Ausblutungen auf angrenzende Materialien zu minimieren und die Schutzwirkung der Patina früher zu aktivieren. Das setzt fundiertes Wissen über Metallurgie, Detailplanung und Anwendungstechnik voraus.

  • Was Cortenstahl metallurgisch auszeichnet und wie die Patina entsteht
  • Warum das gezielte Beschleunigen der Rostbildung planerisch und technisch sinnvoll ist
  • Welche chemischen und mechanischen Methoden zur Beschleunigung eingesetzt werden
  • Welche Detailpunkte im Entwurf über Erfolg oder Misserfolg der Patinabildung entscheiden
  • Wie Ausblutungen auf Beton, Naturstein und Pflaster vermieden werden
  • Welche Normen, Gütebezeichnungen und Produktnormen für Cortenstahl relevant sind
  • Wie die Pflege und Kontrolle der Patina im laufenden Betrieb aussieht
  • Wo Cortenstahl im Außenraum nicht verwendet werden sollte und warum

Was Cortenstahl ist: Werkstoff, Norm und Metallurgie

Cortenstahl ist kein Markenname mehr, sondern ein eingebürgerter Gattungsbegriff für wetterfeste Baustähle, die durch gezielte Legierungszusätze eine schützende Oxidschicht ausbilden. Die normative Bezeichnung lautet wetterfester Baustahl; die europäische Produktnorm EN 10025-5 regelt die Gütegruppen S235J0W, S355J0W und S355J2W sowie weitere Varianten. Der Zusatz „W“ steht für „weathering“, also Bewitterung. Im Sprachgebrauch der Landschaftsarchitektur und des Ingenieurbaus hat sich „Cortenstahl“ als Kurzform etabliert, auch wenn der ursprüngliche Handelsname „COR-TEN“ der US Steel Corporation entstammt.

Die schützende Wirkung beruht auf Legierungselementen wie Kupfer, Chrom, Nickel und Phosphor, die in kleinen Anteilen dem Stahl beigemischt werden. Diese Elemente fördern die Bildung einer amorphen, dichten Oxidschicht, die sich von gewöhnlichem Rost grundlegend unterscheidet. Normaler Rost auf unlegiertem Stahl ist porös, wasseraufnahmefähig und treibt die Korrosion kontinuierlich voran. Die Patina des wetterfesten Stahls hingegen ist kompakt, haftet fest am Grundmaterial und wirkt als Diffusionsbarriere gegen Sauerstoff und Wasser. Dieser Unterschied ist der Kern der Materialphilosophie.

Die Patinabildung setzt voraus, dass das Material regelmäßig dem Wechsel von Befeuchtung und Austrocknung ausgesetzt wird. Dauerhaft nasse oder dauerhaft trockene Bedingungen verhindern die Ausbildung der stabilen Schutzschicht. In sehr feuchten, schlecht belüfteten Einbausituationen, etwa in Bodenkontakt ohne Drainage oder in dauerhaft beschatteten Mulden, kann sich die Patina nicht vollständig schließen, und der Stahl korrodiert weiter als erwartet. Das ist ein wesentlicher Planungshinweis, der in der Praxis häufig unterschätzt wird.

Cortenstahl rost beschleunigen: Warum und wann es sinnvoll ist

Frisch gelieferter Cortenstahl zeigt zunächst eine silbrig-graue, walzfrische Oberfläche oder eine erste, noch ungleichmäßige Anlaufoxidation. Die natürliche Patinabildung dauert je nach Klimazone, Exposition und Bauteilgeometrie zwischen einem und mehreren Jahren. In dieser Übergangsphase ist das Material optisch unfertig, und vor allem: Es blutet aus. Die wasserlöslichen Eisenoxide der frühen Rostphase werden durch Regen abgewaschen und hinterlassen auf angrenzenden Materialien, also auf Betonpflaster, Naturstein, Kies oder Holzdecks, intensiv rotbraune Verfärbungen, die sich kaum entfernen lassen.

Cortenstahl rost beschleunigen dient daher primär zwei Zielen: dem ästhetischen Ziel einer gleichmäßigen, reifen Patina vom ersten Tag der Inbetriebnahme an, und dem technischen Ziel, die Phase intensiver Ausblutung zu verkürzen oder zu verlagern, bevor das Bauteil eingebaut wird. Wer ein Cortenstahl-Pflanzgefäß, eine Stützwand oder ein Fassadenelement bereits mit vorgewitterter Oberfläche liefert, vermeidet Reklamationen und Folgeschäden am Bestand. Für Planer bedeutet das: Die Frage nach der Vorbehandlung gehört in die Ausschreibung und in die Werkplanung, nicht erst in die Abnahme.

Ein weiterer Grund für die gezielte Beschleunigung liegt in der Gleichmäßigkeit. Natürliche Bewitterung erzeugt eine Patina, die von Exposition, Verschmutzung, Wasserführung und Geometrie abhängt. Flächen mit unterschiedlicher Neigung, Verschattung oder Wasserablauf patinieren ungleichmäßig. Wer eine homogene Oberfläche anstrebt, muss entweder lange warten und auf günstige Bedingungen hoffen, oder er beschleunigt den Prozess kontrolliert. Für hochwertige Gestaltungsaufgaben, etwa bei skulpturalen Objekten, Brückengeländern oder Fassadenverkleidungen, ist die kontrollierte Vorbehandlung die professionellere Wahl.

Methoden zur Beschleunigung der Patinabildung: Chemie, Mechanik und Witterung

Die gebräuchlichsten Methoden lassen sich in drei Gruppen einteilen: chemische Behandlung, mechanische Vorbehandlung der Oberfläche und gezielte Exposition unter kontrollierten Witterungsbedingungen. In der Praxis werden diese Methoden häufig kombiniert.

Die chemische Behandlung arbeitet mit sauren Lösungen, die den Oxidationsprozess unmittelbar auslösen. Verdünnte Salzsäure, Phosphorsäure oder spezielle Beizpasten für wetterfeste Stähle werden auf die gereinigte Stahloberfläche aufgetragen, reagieren mit dem Eisen und erzeugen innerhalb von Stunden eine erste Oxidschicht. Anschließend wird die Fläche gründlich mit Wasser abgespült, um Säurereste zu entfernen, die sonst die Patina destabilisieren würden. Mehrere Behandlungszyklen, jeweils mit Trockenphasen dazwischen, bauen die Schicht sukzessive auf. Kommerzielle Produkte für das Cortenstahl rost beschleunigen sind im Fachhandel erhältlich; sie enthalten in der Regel Phosphorsäure in Kombination mit Eisensalzen und Netzmitteln und sind für den handwerklichen Einsatz formuliert.

Die mechanische Vorbehandlung zielt darauf ab, die walzfrische Oberfläche aufzurauen und damit die reaktive Oberfläche zu vergrößern. Strahlen mit Korund oder Stahlgrit, Schleifen oder Bürsten mit Stahlbürsten entfernen die Walzhaut und schaffen eine gleichmäßige, mikroraue Struktur, auf der die Oxidation schneller und gleichmäßiger ansetzt. Wichtig ist, dass dabei kein Fremdstahl in die Oberfläche eingetragen wird, weil unlegierter Stahl als Kontaminant die Patinabildung lokal stört und zu Flecken führt. Werkzeuge und Strahlmittel müssen deshalb ausschließlich für wetterfeste Stähle verwendet und nicht mit anderen Stählen in Kontakt gewesen sein.

Die dritte Methode ist die kontrollierte Freibewitterung vor dem Einbau. Dabei werden die Bauteile auf dem Werksgelände oder auf einer geeigneten Freifläche so gelagert, dass sie intensiver Bewitterung ausgesetzt sind: freistehend, geneigt für guten Wasserablauf, ohne Abdeckung. Regelmäßiges Besprühen mit Wasser, idealerweise leicht gesalzenem Wasser, beschleunigt den Prozess zusätzlich. Diese Methode ist kostengünstig, aber zeitaufwendig und witterungsabhängig. Sie eignet sich gut für große Serien gleichartiger Bauteile, die mit ausreichend Vorlauf gefertigt werden.

Salzlösungen und Essig: Grenzen der Hausmittel

In verschiedenen Quellen kursieren Empfehlungen, Cortenstahl mit Essig, Salzwasser oder Wasserstoffperoxid zu behandeln. Diese Mittel erzeugen tatsächlich eine schnelle Oxidation, die jedoch nicht zwingend der stabilen Patina eines wetterfesten Stahls entspricht. Essig (Essigsäure) kann die Oberfläche angreifen und eine lockere, nicht haftfeste Oxidschicht erzeugen, die beim ersten Regen abgewaschen wird. Salzwasser beschleunigt die Korrosion, kann aber bei ungleichmäßiger Anwendung zu Lochfraß führen, besonders an Schnittkanten und Schweißnähten. Für professionelle Anwendungen im Außenraum sind diese Methoden nicht empfehlenswert. Sie mögen für kleine Objekte im privaten Bereich funktionieren, erfüllen aber nicht die Anforderungen an Gleichmäßigkeit, Haftfestigkeit und Langzeitstabilität, die im Planungskontext gelten.

Detailplanung: Schnittkanten, Schweißnähte, Entwässerung und Einbausituationen

Die Qualität der Patina hängt nicht allein von der Oberflächenbehandlung ab, sondern maßgeblich von der konstruktiven Detailplanung. Schnittkanten, die durch Plasmaschneiden, Laserschneiden oder Sägen entstehen, zeigen eine andere Mikrostruktur als gewalzte Flächen und patinieren zunächst ungleichmäßig. Kanten, die dauerhaft Wasser halten, also nach oben offene Hohlprofile, horizontale Flächen ohne Gefälle oder Taschen in der Geometrie, sind kritische Punkte. Stehendes Wasser verhindert die notwendigen Trocknungsphasen und fördert statt der stabilen Patina eine fortschreitende Lochkorrosion.

Schweißnähte sind besonders sensibel. Die Wärmeeinflusszone verändert das Gefüge des Stahls lokal, und Schweißzusätze müssen zwingend auf den Grundwerkstoff abgestimmt sein. Für wetterfeste Stähle nach EN 10025-5 sind spezifische Schweißzusätze vorgeschrieben, die ebenfalls wetterfeste Eigenschaften aufweisen. Werden Standard-Schweißzusätze verwendet, entstehen an den Nähten Bereiche, die nicht patinieren, sondern weiter korrodieren. Das Ergebnis sind sichtbare, dunkle Streifen entlang der Schweißnähte und ein erhöhtes Korrosionsrisiko an diesen Stellen. Schweißnähte sollten nach dem Fügen geschliffen und entschlackt werden, um Zunderschichten zu entfernen, die die Patinabildung behindern.

Die Entwässerung ist ein zentrales Planungsthema. Cortenstahl-Bauteile müssen so konstruiert sein, dass Regenwasser schnell und vollständig ablaufen kann. Gefälle von mindestens zwei Prozent auf horizontalen Flächen, Tropfkanten an Unterkanten, Entwässerungsöffnungen in Hohlprofilen und ausreichende Abstände zu angrenzenden Materialien sind konstruktive Mindestanforderungen. Besonders kritisch ist der Bodenkontakt: Cortenstahl, der dauerhaft in feuchtem Boden steht, korrodiert ungehindert weiter, weil die Trocknungsphasen fehlen. Die Unterkante von Stützen, Pfosten und Wandelementen muss entweder durch Sockel aus Beton oder Edelstahl vom Boden abgehoben oder durch eine geeignete Beschichtung im Erdbereich geschützt werden. Viele Hersteller empfehlen für den Erdbereich eine Bitumenbeschichtung oder eine Epoxidgrundierung, die den Übergang zur Patina-Zone überbrückt.

Im Bereich von Fugen und Anschlüssen zu anderen Materialien ist besondere Sorgfalt geboten. Cortenstahl darf nicht in direktem Kontakt mit Aluminium, Zink oder verzinkten Bauteilen stehen, da die unterschiedlichen Elektrodenpotenziale zu galvanischer Korrosion führen. Trennlagen aus Kunststoff, Gummi oder beschichteten Blechen sind in solchen Anschlusssituationen zwingend erforderlich. Auch der Kontakt mit Beton ist kritisch, weil der alkalische Zementleim die Patinabildung lokal beeinflusst und Verfärbungen an der Betonoberfläche verursacht.

Ausblutungen vermeiden: Schutz angrenzender Materialien

Die Ausblutung von Eisenoxiden auf angrenzende Materialien ist das häufigste ästhetische Problem beim Einsatz von Cortenstahl im Außenraum. Besonders betroffen sind helle Betonoberflächen, Kalkstein, Sandstein, Kies und Holzdecks. Die rotbraunen Verfärbungen entstehen durch wasserlösliche Eisenverbindungen, die in der frühen Rostphase aus dem Stahl ausgewaschen werden und in die porösen Oberflächen angrenzender Materialien eindringen. Einmal eingedrungen, lassen sich diese Verfärbungen kaum vollständig entfernen; Oxalsäure oder spezielle Rostentferner können die Oberfläche aufhellen, aber selten vollständig reinigen.

Präventive Maßnahmen beginnen beim Entwurf. Cortenstahl-Elemente sollten so positioniert werden, dass das ablaufende Wasser nicht auf empfindliche Materialien trifft. Rinnen, Kiesbetten aus dunklem Basalt oder Schotter, Betonelemente aus Grau- oder Dunkelzuschlag oder Abstandshalter, die das Wasser gezielt ableiten, sind gestalterische und technische Mittel, um die Ausblutungszone zu kontrollieren. Wer Cortenstahl-Pflanzgefäße auf hellem Pflaster aufstellt, muss entweder Untersetzer oder Entwässerungsrinnen vorsehen, oder er nimmt die Verfärbung als gestalterisches Element bewusst in Kauf.

Vorgewitterte oder chemisch vorbehandelte Bauteile bluten deutlich weniger aus als frisch gelieferter Stahl, weil die stabile Patina die Menge der wasserlöslichen Oxide stark reduziert. Das ist ein weiteres, praktisches Argument für das Cortenstahl rost beschleunigen vor dem Einbau: Es schützt nicht nur die Optik des Bauteils selbst, sondern auch die Umgebung. Für Projekte mit hohen Anforderungen an die Sauberkeit angrenzender Materialien, etwa bei Denkmalpflege, Museumsaußenanlagen oder repräsentativen Stadtplätzen, ist die Vorbehandlung keine Option, sondern eine Pflicht.

Pflege, Kontrolle und Langzeitverhalten der Patina

Eine vollständig ausgebildete, stabile Patina auf wetterfestem Stahl ist weitgehend wartungsfrei. Sie regeneriert sich bei mechanischen Beschädigungen selbst, solange die Witterungsbedingungen stimmen. Dennoch erfordert Cortenstahl im Außenraum eine regelmäßige Sichtkontrolle, besonders in den ersten Jahren nach dem Einbau und an konstruktiv kritischen Stellen. Schäden an der Patina, die durch mechanische Einwirkung, Graffiti oder Reinigungsmaßnahmen entstehen, sollten dokumentiert und bei Bedarf durch erneute Behandlung mit geeigneten Mitteln nachgebessert werden.

Graffiti auf Cortenstahl ist ein besonderes Problem, weil aggressive Lösungsmittel die Patina angreifen können. Für die Reinigung empfehlen Fachleute mechanische Methoden wie Niederdruckwaschen oder Bürsten gegenüber chemischen Lösungsmitteln. Schutzanstriche gegen Graffiti sind auf Cortenstahl nur bedingt geeignet, weil sie die Patinabildung behindern und optisch verändern. In vandalismusgefährdeten Bereichen ist die Materialwahl grundsätzlich zu überdenken.

Langfristig, über Jahrzehnte, verändert sich die Patina weiter. Sie wird dunkler, dichter und in ihrer Textur feiner. In städtischen Umgebungen mit Luftverschmutzung kann sich die Patina schneller aufbauen, aber auch ungleichmäßiger werden. In Küstennähe, wo Chloride in der Luft vorhanden sind, ist wetterfester Stahl nur bedingt geeignet: Chloride destabilisieren die Patina und können zu Lochkorrosion führen. Die einschlägigen Normen und Fachinformationen der Stahlinstitute geben Grenzwerte für die Chloridbelastung an, ab denen ein Einsatz nicht mehr empfohlen wird. Für Meeresküsten und chloridbelastete Industriestandorte ist Cortenstahl grundsätzlich ungeeignet.

Cortenstahl im Kontext der Freiraumplanung: Potenzial und Grenzen

Cortenstahl hat sich in der Landschaftsarchitektur und im Ingenieurbau als eigenständige Materialsprache etabliert. Seine Stärken liegen in der Robustheit, der Wartungsarmut nach vollständiger Patinabildung, der gestalterischen Ausdruckskraft der lebendigen Oberfläche und der Fähigkeit, sich in natürliche Materialumgebungen aus Stein, Holz und Vegetation einzufügen. Pflanzgefäße, Stützwände, Brückengeländer, Zaunelemente, Skulpturen, Wegeinfassungen und Fassadenverkleidungen sind typische Anwendungsfelder.

Die Grenzen liegen dort, wo die Voraussetzungen für eine stabile Patinabildung nicht gegeben sind: in dauerhaft feuchten oder dauerhaft trockenen Einbausituationen, in chloridbelasteten Umgebungen, im direkten Erdkontakt ohne Schutzmaßnahmen und in Bereichen, wo Ausblutungen auf empfindliche Materialien nicht toleriert werden können. Wer Cortenstahl rost beschleunigen möchte, um diese Übergangsphase zu verkürzen, handelt planerisch klug, löst aber nicht alle konstruktiven Probleme. Die Detailplanung bleibt entscheidend.

Die professionelle Auseinandersetzung mit wetterfestem Stahl setzt voraus, dass Planer die Werkstoffeigenschaften, die normativen Grundlagen und die handwerklichen Anforderungen kennen. Cortenstahl rost beschleunigen ist kein Trick, sondern ein Teil des Qualitätsmanagements für ein anspruchsvolles Material. Wer diesen Schritt bewusst in die Planung integriert, wer Schnittkanten, Schweißnähte, Entwässerung und Anschlussmaterialien von Anfang an mitdenkt, und wer die Grenzen des Materials kennt und respektiert, erhält ein Baumaterial, das mit der Zeit schöner wird und das seinen Platz im Außenraum mit Würde behauptet.

Seit jeher hat er der Rhein in der trinationalen Agglomeration Basel einen besonderen Stellenwert. Dort, wo die drei Länder Deutschland, Frankreich und Schweiz aufeinandertreffen, ist er mehr als ein Handelsweg: Er ist Park, Schwimmbad und Touristenattraktion. Doch administrative Planungsgrenzen haben nie zugelassen, dass der Rhein als ein verbindendes landschaftliches Element über alle Grenzen hinweg entwickelt wird. Dies möchte die IBA Basel 2020 ändern. Seit 2010 arbeitet sie mit der Projektgruppe Rheinliebe daran, den Rheinabschnitt zwischen Bad Bellingen im Osten und den beiden Rheinfelden im Westen grenzüberschreitend gemeinsam zu transformieren.

Wichtiges Projekt: Rheinuferweg St. Johann
Ein zentrales Projekt der Gruppe Rheinliebe ist der „Rheinuferweg St. Johann Basel“. Aufgrund der Hafennutzung im Basel Stadtteil St. Johann war es bisher nicht möglich, entlang des Rheinufers von Basel ins französische Huningue zu gelangen. Mit dem Rückbau des Hafens ergab sich für die beiden Länder die einmalige Chance, eine länderübergreifende Wegverbindung zu schaffen. Seit April 2016 verbindet der Fuß- und Radweg Frankreich mit der Schweiz.

Mehr zum Projekt Rheinliebe gibt’s hier!

Mehr zur IBA Basel 2020 gibt’s hier!