Den Aufstieg zum Petersberg begleitet eine bunte Blütenwiese. Foto: Stadtverwaltung Erfurt; BUGA Erfurt 2021

2021 war Erfurt Standort der Bundesgartenschau, die im Oktober des selben Jahres ihren feierlichen Abschluss fand. Eines der Zentren der BUGA Erfurt 2021 war der egapark, den die BUGA GmbH denkmalgerecht und zeitgemäß sanieren ließ. Die Stadt nahm sich die BUGA Erfurt aber auch zum Anlass, lange vernachlässigte Gebiete in den Fokus zu rücken. So etwa den Erfurter Petersberg oder die tief gelegene und zugewachsene Gera, an der mit der Geraaue Grüne Infrastruktur im besten Sinne entstand. Alles was Sie zur BUGA Erfurt 2021 wissen müssen, lesen Sie hier.

Erfurt blickt auf eine lange Gartenschau-Tradition zurück. Bereits 1865 fand hier eine solche Ausstellung statt, weitere folgten. Die „Allgemeine deutschen Ausstellung von Produkten des Land- und Gartenbaues“ von 1865 könnte man als Ur-Bundesgartenschau bezeichnen, auch wenn der Schwerpunkt wie der Name schon sagt, auf gärtnerischen Erzeugnissen lag. Attraktionen waren Exoten wie einerseits Tabak, Ananas-Stauden oder andererseits auch Agaven. Die zentrale Rolle, die Erfurt damals im Gartenbau spielte, geht maßgeblich auf den Erfurter Christian Reichart (1685–1775) zurück. Er gilt als Begründer des erwerbsmäßigen und Gartenbaus. Er entwickelte neue Geräte und effektive Produktionssysteme, führte beispielsweise die Fruchtfolge ein. Außerdem machte er unter anderem den Blumenkohl und Brokkoli in Erfurt heimisch.

BUGA Erfurt 2021: ein „Petersberg für alle“

Kohl wuchs auf der Bundesgartenschau 2021 tatsächlich auch – und zwar auf dem Petersberg, neben dem egapark eines der beiden Zentren der Ausstellung. Erfurt ergriff die Chance, die die BUGA Erfurt bot, um den ehemaligen Klosterberg, der für die Erfurter*innen lange nicht zugänglich war, für die Stadt zurückzuerobern. Nachdem man das Kloster ab 1665 zu einer Stadtfestung ausgebaut und bis zum Zweiten Weltkrieg militärisch genutzt hatte, verschwand der Berg aus der Kognitiven Karte der Erfurter*innen; er wurde im Laufe der Zeit zum Fremdkörper, den man mied. Dabei befinden sich dort zahlreiche sehenswerte historische Gebäude wie die Klosterkirche oder die barocke Zitadelle. Das alles ist jetzt wieder zugänglich auf dem „Petersberg für alle“, wie es Sascha Döll, der Leiter des Erfurter Gartenamts, ausdrückt.

Beteiligt: die Büros Franz Reschke und Heuschneider

Auf dem Areal gelangen Erfurter*innen und Tourist*innen über einen barrierefreien Panoramaweg, entworfen von Franz Reschke Landschaftsarchitektur, durch eine Blütenwiese von der Innenstadt auf den Petersberg. Oder schnell und noch bequemer per Aufzug. Brücken verbinden die Plateaus, ein Rundweg führt über die Bastion und bietet immer wieder neue Perspektiven auf die Umgebung. Die Außenanlagen des Bergensembles gestalteten Heuschneider Landschaftsarchitekten aus Rheda-Wiedenbrück. Neue Wegeachsen führen dort die Gebäude zusammen und schaffen einen neuen Freiraum mit grandiosem Blick über die Stadt. Zur Bundesgartenschau gestaltete Laura Heuschneider auf dem Petersberg außerdem eine Zeitreise durch die Gartenepochen. Und hier findet eben auch der Blumenkohl, den Christian Reichart einst nach Erfurt brachte, neben weiteren Kohlsorten, Kräutern und Blumen seinen Platz.

Hier geht es zur offiziellen Website der BUGA Erfurt.

Sanierung des egaparks als Basis für die BUGA Erfurt

Ähnlich bunt geht es im 36 Hektar großen egapark zu. Der Ausstellungspark, das zweite Zentrum der Bundesgartenschau, ist ein wichtiges Zeitzeugnis der 1960er-Jahre. Schon in den 1920er-Jahren entstand auf dem Areal der Festung Cyriaksburg ein Park. Dort befindet sich auch das Deutsche Gartenbaumuseum, das die BUGA Erfurt sanieren ließ und eine neue Ausstellung erhielt. Dieser alte Bereich wurde anlässlich der IGA 1961 – der „Ersten internationale Gartenbauausstellung der sozialistischen Länder“ – erweitert und spiegelt eine gelungene Verbindung von Tradition und Moderne wider. Entstanden nach dem Entwurf des Landschaftsarchitekten Reinhold Lingner, zählt die Anlage zu den wenigen Gärten, die zu Zeiten der DDR entstanden und bis heute nahezu unverändert erhalten blieben. Seit 1992 steht der Park unter Denkmalschutz.

egapark erstrahlt im neuen Glanz

Lingner, der die Landschaftsarchitektur der DDR maßgeblich mitprägte, entwarf hier ein Ensemble aus einem Guss: Beete, Ausstellungshallen und Pavillonbauten komponierte er im Stil der Nachkriegsmoderne als gestalterische Einheit, die sich bis in die Möblierung und das Innere der Gebäude durchzog. Vier der Hallen mit den großen Glasfronten zum Park sind heute noch erhalten. Und auch sonst ist das Gartendenkmal noch nahezu komplett. Mittelpunkt der Anlage war und ist das 6 000 Quadratmeter große Blumenbeet in der Längsachse des Parks. Zur IGA 1961 konzipierte die Künstlerin Alice Lingner, Reinhold Lingners Frau, die Bepflanzung. Zur Bundesgartenschau komponierte Christine Orel hier ein Farbenmeer aus Wechselflor.
Überhaupt erstrahlt der Park in neuem Glanz. 2011 stand die Frage im Raum, wie der etwas in die Jahre gekommene egapark fit für die Zukunft gemacht werden könnte. Es entstand ein Entwicklungskonzept für eine denkmalgerechte, zeitgemäße Sanierung, das Basis für die erfolgreiche Bundesgartenschaubewerbung war.

geskes hack gestalten Geraaue

Neue Anziehungspunkte wie das Danakil baute man im Rahmen der BUGA Erfurt: eine neue Halle, benannt nach der gleichnamigen Senke in Äthiopien. Wüste und Urwald, Wassermangel und -überfluss werden hier folglich thematisiert und welche Strategien Pflanzen und Tiere jeweils entwickelt haben, um mit den Extremsituationen umzugehen. Außerdem wurden die einzelnen Parkbereiche mit Fingerspitzengefühl und Blick auf die historischen Strukturen saniert. Zum Beispiel also der Karl-Foerster-Garten, angelegt in den 1960er- und 70er-Jahren. Auf 17 Terrassen gibt es thematische Staudengärten von Stein über Heide bis Wasser. Hier blieben die Strukturen und auch die typischen Materialen wie Waschbeton der Sechziger erhalten. Und auch die Pflanzpläne orientieren sich an den einstigen Pflanzungen und wurden wo nötig zeitgemäß aktualisiert. Gleiches gilt für den Irisgarten, den der Landschaftsarchitekt Gerhard Steffke 1965 gestaltete. Der eng mit dem Namen des Iris-Züchters Alexander Steffen verknüpfte Terrassengarten war lange gesperrt. Zur Bundesgartenschau sanierte man sie ebenfalls denkmalgerecht.

„Grüne Infrastruktur im besten Sinne“ – Gartenamtsleiter Sascha Döll

Von den Terrassen eröffnet sich ein weiter Blick über Erfurt. Wichtige Blickbeziehungen werden wieder erlebbar, zum Beispiel zur Geraaue, anfangs ebenfalls als Maßnahme und Ausstellungsbereich der Bundesgartenschau geplant. Sie ist zwar nicht mehr Teil der Schau, aber ein entscheidendes städtebauliches Schlüsselprojekt für Erfurt. Sascha Döll ist daher auch entsprechend, stolz, dass die Stadt es geschafft hat, das Vorhaben zu stemmen, mit Eigen- und Fördermitteln, obwohl die Bundesgartenschau GmbH sich aus dem Projekt Geraaue zurückgezogen hat. „Wir haben hier Grüne Infrastruktur im besten Sinne realisiert“, freut sich der Gartenamtsleiter, „und mit 60 Hektar den größten Landschaftspark Thüringens geschaffen“. Und das in einem Bereich, der als sozial durchaus schwierig gilt.

„Jeder Abschnitt hatte seine eigenen Herausforderungen“ – Christof Geskes

Plattenbauten dominieren den Norden der Stadt, die Wohnviertel sind zudem bei wohlhabenderen Erfurter*innen dementsprechend unbeliebt. Mit der neu gestalteten Geraaue erhielten diese Viertel einen Freiraum, der seinesgleichen sucht. Gewonnen hat den Wettbewerb für die Geraaue im Jahr 2014 das Berliner Landschaftsarchitekturbüro geskes hack. Mit einem klaren gestalterischen Rahmen für den 4,5 Kilometer langen Grünzug entlang der Gera, der von der Innenstadt bis an den Stadtrand führt und Teilstück des überregionalen Gera-Radwegs ist. Es galt, erstens die heterogenen Teilstücke vom historischen Park bis hin zu einem Kraftwerk und einer alten Kläranlage zu integrieren, zweitens ein durchgängiges Parkband zu schaffen und drittens die Gera, die sehr tief liegt und völlig zugewachsen war, erlebbar zu machen. „Jeder Abschnitt hatte seine eigenen Herausforderungen“ erinnert sich Landschaftsarchitekt Christof Geskes.

Für die Stadt gebaut – nicht für die BUGA Erfurt

Den Auftakt macht der Nordpark, eine denkmalgeschützte Anlage, die Max Bromme zu seiner Zeit als Stadtgartendirektor von Erfurt Anfang des 20. Jahrhunderts entwarf und der ein heute noch beliebtes Schwimmbad beherbergt. Hier ging es vor allem um einen neuen, barrierefreien Zugang über das historische Garnisonslazarett. Außerdem wurde aus einer Straße, die den Nordpark zerschnitt, der Verkehr herausgenommen. Ein beachtlicher Erfolg für Stadt und Landschaftsarchitekten. Ähnlich gingen die Planer*innen in den anderen Bereichen vor: Sie arbeiteten städtebauliche Problempunkte heraus und boten überzeugende Lösungen an. Zum Beispiel für den sich direkt anschließenden Bereich, der in keinem größeren Kontrast zum historischen Park stehen könnte: dem sogenannten Klärchen. Der Flussabschnitt war, nachdem die Kläranlage 1988 dort geschlossen wurde, weitgehend sich selbst überlassen. Dort bewegten die Landschaftsarchitekten Unmengen an Boden, sodass jetzt gleich einem Amphitheater Stufen zur Gera hinunterführen. Und sie so den Erfurter*innen zurückgeben.

BUGA Erfurt wird sich langfristig bezahlt machen

Immer wieder im Verlauf des Grünzugs Richtung nördlichem Stadtrand entstanden solche neuen Zugänge zum Wasser. Die BUGA schuf außerdem Attraktionen wie zum Beispiel ein Teich und zahlreiche Spielplätze. Stets mit Rücksicht auf den Bestand vorhandener Parks und bestehender Nutzungen.
So holte sich Erfurt zur Bundesgartenschau zentrale Abschnitte der Stadt zurück, die lange vernachlässigt wurden. Mit viel Engagement und hohen Investitionen: Allein 100 Millionen Euro gab die Stadt für die Geraaue aus, etwas weniger als die Hälfte nochmal für die Sanierung des Petersbergs. Viel Geld, ohne Frage. Doch da die beiden Projekte erstens in den Händen der Stadt lagen und zweitens nicht bei der Bundesgartenschau GmbH, war beispielweise auch die Pflegeabteilung des Gartenamts von Anfang an mit einbezogen. Gebaut wurde also nicht für die Schau, sondern zudem für die Stadt. Für Erfurt wird sich die Bundesgartenschau folglich ohne Zweifel langfristig bezahlt machen.

Mehr zu den Gartenschauen 2021 lesen Sie hier:

Mehr zur Bundesgartenschau Erfurt 2021 lesen Sie hier:

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Cortenstahl Rost Beschleunigen: Material, Detail und Praxis

Ein Detail von Belag und Freiraummaterial zum Thema Cortenstahl Rost Beschleunigen
Verrostete Metalloberfläche mit starker Korrosionsbildung – ein Zeichen des Verfalls im urbanen Raum. Foto: citylop/Unsplash

Cortenstahl gehört zu den wenigen Materialien im Außenraum, die ihren endgültigen Zustand erst durch Witterung erreichen. Die charakteristische rotbraune Oxidschicht, die sogenannte Patina, ist kein Mangel, sondern das Ziel: Sie bildet eine dichte, selbstschützende Deckschicht, die das darunter liegende Metall vor weiterer Korrosion bewahrt. Wer Cortenstahl rost beschleunigen möchte, greift in diesen natürlichen Prozess ein, um planbare Ergebnisse zu erzielen, Ausblutungen auf angrenzende Materialien zu minimieren und die Schutzwirkung der Patina früher zu aktivieren. Das setzt fundiertes Wissen über Metallurgie, Detailplanung und Anwendungstechnik voraus.

  • Was Cortenstahl metallurgisch auszeichnet und wie die Patina entsteht
  • Warum das gezielte Beschleunigen der Rostbildung planerisch und technisch sinnvoll ist
  • Welche chemischen und mechanischen Methoden zur Beschleunigung eingesetzt werden
  • Welche Detailpunkte im Entwurf über Erfolg oder Misserfolg der Patinabildung entscheiden
  • Wie Ausblutungen auf Beton, Naturstein und Pflaster vermieden werden
  • Welche Normen, Gütebezeichnungen und Produktnormen für Cortenstahl relevant sind
  • Wie die Pflege und Kontrolle der Patina im laufenden Betrieb aussieht
  • Wo Cortenstahl im Außenraum nicht verwendet werden sollte und warum

Was Cortenstahl ist: Werkstoff, Norm und Metallurgie

Cortenstahl ist kein Markenname mehr, sondern ein eingebürgerter Gattungsbegriff für wetterfeste Baustähle, die durch gezielte Legierungszusätze eine schützende Oxidschicht ausbilden. Die normative Bezeichnung lautet wetterfester Baustahl; die europäische Produktnorm EN 10025-5 regelt die Gütegruppen S235J0W, S355J0W und S355J2W sowie weitere Varianten. Der Zusatz „W“ steht für „weathering“, also Bewitterung. Im Sprachgebrauch der Landschaftsarchitektur und des Ingenieurbaus hat sich „Cortenstahl“ als Kurzform etabliert, auch wenn der ursprüngliche Handelsname „COR-TEN“ der US Steel Corporation entstammt.

Die schützende Wirkung beruht auf Legierungselementen wie Kupfer, Chrom, Nickel und Phosphor, die in kleinen Anteilen dem Stahl beigemischt werden. Diese Elemente fördern die Bildung einer amorphen, dichten Oxidschicht, die sich von gewöhnlichem Rost grundlegend unterscheidet. Normaler Rost auf unlegiertem Stahl ist porös, wasseraufnahmefähig und treibt die Korrosion kontinuierlich voran. Die Patina des wetterfesten Stahls hingegen ist kompakt, haftet fest am Grundmaterial und wirkt als Diffusionsbarriere gegen Sauerstoff und Wasser. Dieser Unterschied ist der Kern der Materialphilosophie.

Die Patinabildung setzt voraus, dass das Material regelmäßig dem Wechsel von Befeuchtung und Austrocknung ausgesetzt wird. Dauerhaft nasse oder dauerhaft trockene Bedingungen verhindern die Ausbildung der stabilen Schutzschicht. In sehr feuchten, schlecht belüfteten Einbausituationen, etwa in Bodenkontakt ohne Drainage oder in dauerhaft beschatteten Mulden, kann sich die Patina nicht vollständig schließen, und der Stahl korrodiert weiter als erwartet. Das ist ein wesentlicher Planungshinweis, der in der Praxis häufig unterschätzt wird.

Cortenstahl rost beschleunigen: Warum und wann es sinnvoll ist

Frisch gelieferter Cortenstahl zeigt zunächst eine silbrig-graue, walzfrische Oberfläche oder eine erste, noch ungleichmäßige Anlaufoxidation. Die natürliche Patinabildung dauert je nach Klimazone, Exposition und Bauteilgeometrie zwischen einem und mehreren Jahren. In dieser Übergangsphase ist das Material optisch unfertig, und vor allem: Es blutet aus. Die wasserlöslichen Eisenoxide der frühen Rostphase werden durch Regen abgewaschen und hinterlassen auf angrenzenden Materialien, also auf Betonpflaster, Naturstein, Kies oder Holzdecks, intensiv rotbraune Verfärbungen, die sich kaum entfernen lassen.

Cortenstahl rost beschleunigen dient daher primär zwei Zielen: dem ästhetischen Ziel einer gleichmäßigen, reifen Patina vom ersten Tag der Inbetriebnahme an, und dem technischen Ziel, die Phase intensiver Ausblutung zu verkürzen oder zu verlagern, bevor das Bauteil eingebaut wird. Wer ein Cortenstahl-Pflanzgefäß, eine Stützwand oder ein Fassadenelement bereits mit vorgewitterter Oberfläche liefert, vermeidet Reklamationen und Folgeschäden am Bestand. Für Planer bedeutet das: Die Frage nach der Vorbehandlung gehört in die Ausschreibung und in die Werkplanung, nicht erst in die Abnahme.

Ein weiterer Grund für die gezielte Beschleunigung liegt in der Gleichmäßigkeit. Natürliche Bewitterung erzeugt eine Patina, die von Exposition, Verschmutzung, Wasserführung und Geometrie abhängt. Flächen mit unterschiedlicher Neigung, Verschattung oder Wasserablauf patinieren ungleichmäßig. Wer eine homogene Oberfläche anstrebt, muss entweder lange warten und auf günstige Bedingungen hoffen, oder er beschleunigt den Prozess kontrolliert. Für hochwertige Gestaltungsaufgaben, etwa bei skulpturalen Objekten, Brückengeländern oder Fassadenverkleidungen, ist die kontrollierte Vorbehandlung die professionellere Wahl.

Methoden zur Beschleunigung der Patinabildung: Chemie, Mechanik und Witterung

Die gebräuchlichsten Methoden lassen sich in drei Gruppen einteilen: chemische Behandlung, mechanische Vorbehandlung der Oberfläche und gezielte Exposition unter kontrollierten Witterungsbedingungen. In der Praxis werden diese Methoden häufig kombiniert.

Die chemische Behandlung arbeitet mit sauren Lösungen, die den Oxidationsprozess unmittelbar auslösen. Verdünnte Salzsäure, Phosphorsäure oder spezielle Beizpasten für wetterfeste Stähle werden auf die gereinigte Stahloberfläche aufgetragen, reagieren mit dem Eisen und erzeugen innerhalb von Stunden eine erste Oxidschicht. Anschließend wird die Fläche gründlich mit Wasser abgespült, um Säurereste zu entfernen, die sonst die Patina destabilisieren würden. Mehrere Behandlungszyklen, jeweils mit Trockenphasen dazwischen, bauen die Schicht sukzessive auf. Kommerzielle Produkte für das Cortenstahl rost beschleunigen sind im Fachhandel erhältlich; sie enthalten in der Regel Phosphorsäure in Kombination mit Eisensalzen und Netzmitteln und sind für den handwerklichen Einsatz formuliert.

Die mechanische Vorbehandlung zielt darauf ab, die walzfrische Oberfläche aufzurauen und damit die reaktive Oberfläche zu vergrößern. Strahlen mit Korund oder Stahlgrit, Schleifen oder Bürsten mit Stahlbürsten entfernen die Walzhaut und schaffen eine gleichmäßige, mikroraue Struktur, auf der die Oxidation schneller und gleichmäßiger ansetzt. Wichtig ist, dass dabei kein Fremdstahl in die Oberfläche eingetragen wird, weil unlegierter Stahl als Kontaminant die Patinabildung lokal stört und zu Flecken führt. Werkzeuge und Strahlmittel müssen deshalb ausschließlich für wetterfeste Stähle verwendet und nicht mit anderen Stählen in Kontakt gewesen sein.

Die dritte Methode ist die kontrollierte Freibewitterung vor dem Einbau. Dabei werden die Bauteile auf dem Werksgelände oder auf einer geeigneten Freifläche so gelagert, dass sie intensiver Bewitterung ausgesetzt sind: freistehend, geneigt für guten Wasserablauf, ohne Abdeckung. Regelmäßiges Besprühen mit Wasser, idealerweise leicht gesalzenem Wasser, beschleunigt den Prozess zusätzlich. Diese Methode ist kostengünstig, aber zeitaufwendig und witterungsabhängig. Sie eignet sich gut für große Serien gleichartiger Bauteile, die mit ausreichend Vorlauf gefertigt werden.

Salzlösungen und Essig: Grenzen der Hausmittel

In verschiedenen Quellen kursieren Empfehlungen, Cortenstahl mit Essig, Salzwasser oder Wasserstoffperoxid zu behandeln. Diese Mittel erzeugen tatsächlich eine schnelle Oxidation, die jedoch nicht zwingend der stabilen Patina eines wetterfesten Stahls entspricht. Essig (Essigsäure) kann die Oberfläche angreifen und eine lockere, nicht haftfeste Oxidschicht erzeugen, die beim ersten Regen abgewaschen wird. Salzwasser beschleunigt die Korrosion, kann aber bei ungleichmäßiger Anwendung zu Lochfraß führen, besonders an Schnittkanten und Schweißnähten. Für professionelle Anwendungen im Außenraum sind diese Methoden nicht empfehlenswert. Sie mögen für kleine Objekte im privaten Bereich funktionieren, erfüllen aber nicht die Anforderungen an Gleichmäßigkeit, Haftfestigkeit und Langzeitstabilität, die im Planungskontext gelten.

Detailplanung: Schnittkanten, Schweißnähte, Entwässerung und Einbausituationen

Die Qualität der Patina hängt nicht allein von der Oberflächenbehandlung ab, sondern maßgeblich von der konstruktiven Detailplanung. Schnittkanten, die durch Plasmaschneiden, Laserschneiden oder Sägen entstehen, zeigen eine andere Mikrostruktur als gewalzte Flächen und patinieren zunächst ungleichmäßig. Kanten, die dauerhaft Wasser halten, also nach oben offene Hohlprofile, horizontale Flächen ohne Gefälle oder Taschen in der Geometrie, sind kritische Punkte. Stehendes Wasser verhindert die notwendigen Trocknungsphasen und fördert statt der stabilen Patina eine fortschreitende Lochkorrosion.

Schweißnähte sind besonders sensibel. Die Wärmeeinflusszone verändert das Gefüge des Stahls lokal, und Schweißzusätze müssen zwingend auf den Grundwerkstoff abgestimmt sein. Für wetterfeste Stähle nach EN 10025-5 sind spezifische Schweißzusätze vorgeschrieben, die ebenfalls wetterfeste Eigenschaften aufweisen. Werden Standard-Schweißzusätze verwendet, entstehen an den Nähten Bereiche, die nicht patinieren, sondern weiter korrodieren. Das Ergebnis sind sichtbare, dunkle Streifen entlang der Schweißnähte und ein erhöhtes Korrosionsrisiko an diesen Stellen. Schweißnähte sollten nach dem Fügen geschliffen und entschlackt werden, um Zunderschichten zu entfernen, die die Patinabildung behindern.

Die Entwässerung ist ein zentrales Planungsthema. Cortenstahl-Bauteile müssen so konstruiert sein, dass Regenwasser schnell und vollständig ablaufen kann. Gefälle von mindestens zwei Prozent auf horizontalen Flächen, Tropfkanten an Unterkanten, Entwässerungsöffnungen in Hohlprofilen und ausreichende Abstände zu angrenzenden Materialien sind konstruktive Mindestanforderungen. Besonders kritisch ist der Bodenkontakt: Cortenstahl, der dauerhaft in feuchtem Boden steht, korrodiert ungehindert weiter, weil die Trocknungsphasen fehlen. Die Unterkante von Stützen, Pfosten und Wandelementen muss entweder durch Sockel aus Beton oder Edelstahl vom Boden abgehoben oder durch eine geeignete Beschichtung im Erdbereich geschützt werden. Viele Hersteller empfehlen für den Erdbereich eine Bitumenbeschichtung oder eine Epoxidgrundierung, die den Übergang zur Patina-Zone überbrückt.

Im Bereich von Fugen und Anschlüssen zu anderen Materialien ist besondere Sorgfalt geboten. Cortenstahl darf nicht in direktem Kontakt mit Aluminium, Zink oder verzinkten Bauteilen stehen, da die unterschiedlichen Elektrodenpotenziale zu galvanischer Korrosion führen. Trennlagen aus Kunststoff, Gummi oder beschichteten Blechen sind in solchen Anschlusssituationen zwingend erforderlich. Auch der Kontakt mit Beton ist kritisch, weil der alkalische Zementleim die Patinabildung lokal beeinflusst und Verfärbungen an der Betonoberfläche verursacht.

Ausblutungen vermeiden: Schutz angrenzender Materialien

Die Ausblutung von Eisenoxiden auf angrenzende Materialien ist das häufigste ästhetische Problem beim Einsatz von Cortenstahl im Außenraum. Besonders betroffen sind helle Betonoberflächen, Kalkstein, Sandstein, Kies und Holzdecks. Die rotbraunen Verfärbungen entstehen durch wasserlösliche Eisenverbindungen, die in der frühen Rostphase aus dem Stahl ausgewaschen werden und in die porösen Oberflächen angrenzender Materialien eindringen. Einmal eingedrungen, lassen sich diese Verfärbungen kaum vollständig entfernen; Oxalsäure oder spezielle Rostentferner können die Oberfläche aufhellen, aber selten vollständig reinigen.

Präventive Maßnahmen beginnen beim Entwurf. Cortenstahl-Elemente sollten so positioniert werden, dass das ablaufende Wasser nicht auf empfindliche Materialien trifft. Rinnen, Kiesbetten aus dunklem Basalt oder Schotter, Betonelemente aus Grau- oder Dunkelzuschlag oder Abstandshalter, die das Wasser gezielt ableiten, sind gestalterische und technische Mittel, um die Ausblutungszone zu kontrollieren. Wer Cortenstahl-Pflanzgefäße auf hellem Pflaster aufstellt, muss entweder Untersetzer oder Entwässerungsrinnen vorsehen, oder er nimmt die Verfärbung als gestalterisches Element bewusst in Kauf.

Vorgewitterte oder chemisch vorbehandelte Bauteile bluten deutlich weniger aus als frisch gelieferter Stahl, weil die stabile Patina die Menge der wasserlöslichen Oxide stark reduziert. Das ist ein weiteres, praktisches Argument für das Cortenstahl rost beschleunigen vor dem Einbau: Es schützt nicht nur die Optik des Bauteils selbst, sondern auch die Umgebung. Für Projekte mit hohen Anforderungen an die Sauberkeit angrenzender Materialien, etwa bei Denkmalpflege, Museumsaußenanlagen oder repräsentativen Stadtplätzen, ist die Vorbehandlung keine Option, sondern eine Pflicht.

Pflege, Kontrolle und Langzeitverhalten der Patina

Eine vollständig ausgebildete, stabile Patina auf wetterfestem Stahl ist weitgehend wartungsfrei. Sie regeneriert sich bei mechanischen Beschädigungen selbst, solange die Witterungsbedingungen stimmen. Dennoch erfordert Cortenstahl im Außenraum eine regelmäßige Sichtkontrolle, besonders in den ersten Jahren nach dem Einbau und an konstruktiv kritischen Stellen. Schäden an der Patina, die durch mechanische Einwirkung, Graffiti oder Reinigungsmaßnahmen entstehen, sollten dokumentiert und bei Bedarf durch erneute Behandlung mit geeigneten Mitteln nachgebessert werden.

Graffiti auf Cortenstahl ist ein besonderes Problem, weil aggressive Lösungsmittel die Patina angreifen können. Für die Reinigung empfehlen Fachleute mechanische Methoden wie Niederdruckwaschen oder Bürsten gegenüber chemischen Lösungsmitteln. Schutzanstriche gegen Graffiti sind auf Cortenstahl nur bedingt geeignet, weil sie die Patinabildung behindern und optisch verändern. In vandalismusgefährdeten Bereichen ist die Materialwahl grundsätzlich zu überdenken.

Langfristig, über Jahrzehnte, verändert sich die Patina weiter. Sie wird dunkler, dichter und in ihrer Textur feiner. In städtischen Umgebungen mit Luftverschmutzung kann sich die Patina schneller aufbauen, aber auch ungleichmäßiger werden. In Küstennähe, wo Chloride in der Luft vorhanden sind, ist wetterfester Stahl nur bedingt geeignet: Chloride destabilisieren die Patina und können zu Lochkorrosion führen. Die einschlägigen Normen und Fachinformationen der Stahlinstitute geben Grenzwerte für die Chloridbelastung an, ab denen ein Einsatz nicht mehr empfohlen wird. Für Meeresküsten und chloridbelastete Industriestandorte ist Cortenstahl grundsätzlich ungeeignet.

Cortenstahl im Kontext der Freiraumplanung: Potenzial und Grenzen

Cortenstahl hat sich in der Landschaftsarchitektur und im Ingenieurbau als eigenständige Materialsprache etabliert. Seine Stärken liegen in der Robustheit, der Wartungsarmut nach vollständiger Patinabildung, der gestalterischen Ausdruckskraft der lebendigen Oberfläche und der Fähigkeit, sich in natürliche Materialumgebungen aus Stein, Holz und Vegetation einzufügen. Pflanzgefäße, Stützwände, Brückengeländer, Zaunelemente, Skulpturen, Wegeinfassungen und Fassadenverkleidungen sind typische Anwendungsfelder.

Die Grenzen liegen dort, wo die Voraussetzungen für eine stabile Patinabildung nicht gegeben sind: in dauerhaft feuchten oder dauerhaft trockenen Einbausituationen, in chloridbelasteten Umgebungen, im direkten Erdkontakt ohne Schutzmaßnahmen und in Bereichen, wo Ausblutungen auf empfindliche Materialien nicht toleriert werden können. Wer Cortenstahl rost beschleunigen möchte, um diese Übergangsphase zu verkürzen, handelt planerisch klug, löst aber nicht alle konstruktiven Probleme. Die Detailplanung bleibt entscheidend.

Die professionelle Auseinandersetzung mit wetterfestem Stahl setzt voraus, dass Planer die Werkstoffeigenschaften, die normativen Grundlagen und die handwerklichen Anforderungen kennen. Cortenstahl rost beschleunigen ist kein Trick, sondern ein Teil des Qualitätsmanagements für ein anspruchsvolles Material. Wer diesen Schritt bewusst in die Planung integriert, wer Schnittkanten, Schweißnähte, Entwässerung und Anschlussmaterialien von Anfang an mitdenkt, und wer die Grenzen des Materials kennt und respektiert, erhält ein Baumaterial, das mit der Zeit schöner wird und das seinen Platz im Außenraum mit Würde behauptet.

Seit jeher hat er der Rhein in der trinationalen Agglomeration Basel einen besonderen Stellenwert. Dort, wo die drei Länder Deutschland, Frankreich und Schweiz aufeinandertreffen, ist er mehr als ein Handelsweg: Er ist Park, Schwimmbad und Touristenattraktion. Doch administrative Planungsgrenzen haben nie zugelassen, dass der Rhein als ein verbindendes landschaftliches Element über alle Grenzen hinweg entwickelt wird. Dies möchte die IBA Basel 2020 ändern. Seit 2010 arbeitet sie mit der Projektgruppe Rheinliebe daran, den Rheinabschnitt zwischen Bad Bellingen im Osten und den beiden Rheinfelden im Westen grenzüberschreitend gemeinsam zu transformieren.

Wichtiges Projekt: Rheinuferweg St. Johann
Ein zentrales Projekt der Gruppe Rheinliebe ist der „Rheinuferweg St. Johann Basel“. Aufgrund der Hafennutzung im Basel Stadtteil St. Johann war es bisher nicht möglich, entlang des Rheinufers von Basel ins französische Huningue zu gelangen. Mit dem Rückbau des Hafens ergab sich für die beiden Länder die einmalige Chance, eine länderübergreifende Wegverbindung zu schaffen. Seit April 2016 verbindet der Fuß- und Radweg Frankreich mit der Schweiz.

Mehr zum Projekt Rheinliebe gibt’s hier!

Mehr zur IBA Basel 2020 gibt’s hier!