Friedensplatz und Rossmarkt in Leinefelde-Worbis

Nachdem sich die beiden Thüringer Städte Leinefelde und Worbis im Jahr 2004 mit sieben anderen Gemeinden zur Einheitsstadt Leinefelde-Worbis zusammengeschlossen hatten, wurde in die Qualitäten der einzelnen „Stadtteile“ investiert. So auch in das historische Zentrum der Stadt Worbis. In einem freiraumplanerischen Ideen- und Realisierungswettbewerb ging das Bonner Büro [f] landschaftsarchitektur 2004 als Sieger hervor. Ziel war es, den historischen Stadtkern von Worbis unter Berücksichtigung der Geschichte der Gemeinde an der Deutschen Fachwerkstraße zu entwickeln, dabei aber trotzdem seine Eigenart zu erhalten. Im Mittelpunkt standen die zentralen Plätze Rossmarkt und Friedensplatz, einschließlich der angrenzenden Straßenräume.

Die 2013 großteils fertiggestellte Umgestaltung der Innenstadt basiert auf der Idee, die Atmosphäre zu erhalten, die die Stadt mit vielen Gebäuden vom Anfang des 18. Jahrhunderts, und zum Teil sogar aus dem 16. Jahrhundert, ausmacht. Ausgehend von der Langen Straße als historischer Achse wurde der Verkehr neu geordnet. Das beinhaltete auch, den beiden an die Lange Straße angrenzenden Plätze – Friedensplatz und Rossmarkt – wieder zu ihrer ursprüngliche Bedeutung im Stadtgefüge zu verhelfen. Außerdem bezog das Büro [f] landschaftsarchitektur die Kirchhöfe von St. Nikolaus und St. Peter und Paul als halböffentliche Freiräume in das Gestaltungskonzept ein.

Granit-Reihenpflaster in rötlichen Grautönen mit 25 bis 40 Zentimeter Länge und 15 Zentimeter Breite liegen auf den beiden zentralen Platzflächen, umgeben von traditionell verwendetem Passeepflaster aus rötlichem Granit-Kleinstein. Auf der offenen Fläche des Friedensplatzes können nun viele unterschiedliche Veranstaltungen stattfinden. Eine 50 Jahre alte Doppelreihe beschnittener Linden über Auto-Stellplätzen wurde wegen Schäden im Kronenbereich und Faulstellen gefällt. Naturgemäß reagierten die Bewohner darauf reserviert, auch wenn eine neue Lindenreihe die alten Bäume auf dem Friedensplatz ersetzt. Der Rossmarkt ist eingebettet zwischen Altem Rentamt (heute als Rathaus genutzt) mit rot gestrichenem Fachwerk, dem Haus „Gülden Creutz“ von 1580, der katholischen Stadtkirche St. Nikolaus und der evangelischen Kirche St. Peter und Paul. Aus der aufgeräumten Belagsfläche ragen vor dem Alten Rentamt einige Gleditsien in die Höhe.

Neben den Plätzen entlang der Langen Straße werteten die Landschaftsarchitekten die beiden Kirchhöfe auf, um sie für die Bewohner nutzbar in den Stadtraum einzubeziehen. Eine flache Bruchsteinmauer mit darauf befestigtem Schmiedezaun fasst den Kirchhof von St. Nikolaus. Vom höher gelegenen Kirchhof, auf dem kleinkronige, mehrstämmige Kirschbäume locker über eine Pflasterfläche und Rasen verteilt sind, führt eine große Freitreppe – kombiniert mit einer Rampe – hinunter zum südöstlich gelegenen Friedensplatz. Richtung Rossmarkt und Krengljägerbrunnen – ein rundes Wasserbecken aus Naturstein – ermöglicht eine breite Rampe Fußgängern den Höhenunterschied auf die Straßenebene barrierefrei zu überwinden. Östlich des Rossmarkts gestaltete das Büro [f] landschaftsarchitektur den hinter alten Steinmauern verborgenen Pfarrhof von St. Peter und Paul zu einem „Ort der Begegnung“. In einem Belag aus wassergebundener Wegedecke sind dort runde, mit Stauden bepflanzt Stahltröge verteilt, gerahmt von Rasen mit Pflanzstreifen.

Zu den Platzbelägen passende, formal gestaltete Bänke mit Holzauflage und ein Beleuchtungskonzept zur Akzentuierung der Gestaltungselemente bei Dunkelheit ergänzen die behutsame Neugestaltung der Worbiser Altstadt.

 

Friedensplatz und Rossmarkt, Leinefelde-Worbis

Bauherr: Stadt Leinefelde-Worbis
Landschaftsarchitekten: [f] landschaftsarchitektur, Bonn
Verfahren: Freiraumplanerischer Ideen- und Realisierungswettbewerb (2004), 1. Preis
Leistungsphasen HOAI: 1 bis 9
Fläche: 10 600 Quadratmeter, (14 100 Quadratmeter inklusive der Kirchhöfe)
Bauzeit: 2006 bis 2013, Kirchstraße 2015
Kosten: 3,8 Millionen Euro, (4,4 Millionen Euro inklusive der Kirchhöfe)