Selbstbewusst möchte die Jubiläums-IBA 2027 an die IBA Ausstellung 1927 anknüpfen und neue Lösungen für innovatives Bauen, Leben und Arbeiten entwickeln. Inhaltlich geleitet wird die Bauausstellung vom Schweizer Architekten Andreas Hofer, der kürzlich einstimmig vom Aufsichtsrat berufen wurde. 1927 errichteten die führenden Vertreter des „Neuen Bauens“ unter dem Titel „Die Wohnung“ die Weißenhofsiedlung. Namhafte Architekten wie Le Corbusier oder Walter Gropius errichteten ihre Versionen des modernen Wohnens der ausgehenden 1920er Jahre.
Große Fußstapfen
Die Bauausstellung des Deutschen Werkbundes von 1927 hinterließ mit der Weißenhofsiedlung eine Ikone der frühen modernen Architektur. Mit einem Mal stand Stuttgart im Zentrum des damaligen Architektur-Kosmos. Unter der Leitung von Ludwig Mies van der Rohe errichteten namhafte Baumeister wie Peter Behrens, Le Corbusier, Hans Scharoun oder Walter Gropius eine visionäre Wohnsiedlung für den „modernen Großstadtmenschen“. Im Mittelpunkt stand das Wohnen im zweckmäßigen und zeitgemäßen Umfeld. Die IBA 2027 weißt durchaus thematische Gemeinsamkeiten auf, erweitert aber das Spektrum inhaltlich um die Bereiche „Arbeiten“ und „Leben“ sowie räumlich auf die Raumordnungs- und Planungsregion Stuttgart. Dabei sollen neue Herausforderungen wie Globalisierung, Digitalisierung und Klimagerechtigkeit im Fokus stehen.
„Visionärer Macher“
Künstlerisch und inhaltlich wird die IBA von Andreas Hofer geleitet. Der erfahrene Schweizer Architekt gilt als Experte für Partizipation und innovative Planungsstrategien. Unter den rund 60 Bewerbern entschied sich der Aufsichtsrat einstimmig zu dem, aus ihrer Sicht „visionären Macher“. Hofer ist Partner des Planungs- und Architekturbüro Archipel und war zudem für das Hochbaudepartement der Stadt Zürich tätig. Dortige Herausforderungen wie bezahlbarerer Wohnraum und Stadt-Umland-Verflechtungen stehen auch in Stuttgart auf der Agenda.
Bildnachweis: Andreas Praefcke (CC BY 3.0)
Das könnte Sie auch interessieren
Finnisches Grünkäppchen
Dublin kombiniert KI mit Real-Time-Mapping im Stadtverkehr
Resilienz versus Flexibilität – was muss Stadtplanung in Zukunft leisten?
Aufbruch für das Rother Neuland: Siegerentwurf
Was ist ein Attention-Mechanismus? – Fokus bei Sprachmodellen erklärt
Paris 2024 – Die G+L im Februar 2024
LAP 2021 vergeben
Warum wir über Boden reden müssen – Stadtplanung und Bodenspekulation
Follow me!
Kollektive Planung neu denken – Quartiersentwicklung mit Communities
Bis zum 31. Juli tagte die UNESCO und entschied über die neuen Welterbestätten 2021. Das Komitee zeichnete dabei in Deutschland die drei Kurorte Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen sowie die Mathildenhöhe in Darmstadt aus. Aber es gab auch Verlierer. Zum dritten Mal in der Geschichte hat die UN-Organisation den Titel einer Stadt entzogen – und zwar Liverpool. Alles zu den UNESCO Welterbestätten 2021 finden Sie hier.
Das UNESCO Welterbekomitee tagte 2021 vom 16. bis 31. Juli. Die insgesamt 44. Sitzung leiteten dieses Jahr die Verantwortlichen in Fuzhou, China. Die Tagung wurde live im Internet übertragen. Themen und Verantwortlichkeiten des Komitees sind erstens die Nominierungen für die Welterbeliste, zweitens der Erhaltungszustand und Schutz zahlreicher Stätten sowie drittens die Weiterentwicklung des Welterbeprogramms. 2021 waren mehr als 40 Stätten nominiert. Hierunter befanden sich zum Beispiel die Regenwälder und Feuchtgebiete der Region Kolchis in Georgien, aber auch die Bergbaulandschaft von Roșia Montană in Rumänien und zudem das Anwesen des Landschaftsarchitekten Roberto Burle Marx in Rio de Janeiro, Brasilien. Deutschland war hingegen mit diesen fünf Nominierungen beteiligt:
Zudem überprüfte das Komitee den Erhaltungszustand von 258 Welterbestätten. 53 Stätten hiervon zählen zum offiziell gefährdeten Welterbe. Bewaffnete Konflikte, der Klimawandel, Naturkatastrophen oder Baumaßnahmen bedrohen die Welterbestätten der Vereinten Nationen. Das Komitee beriet deshalb über Einzelmaßnahmen, Programme und internationale Finanzierungsprojekte, um diese Welterbestätten zu unterstützen.
Das Welterbekomitee diskutierte die Situation der folgenden Stätten:
Zudem befasst sich das Komitee mit der Frage, ob das Wildreservat Selous (Tansania) und die maritime Handelsstadt von Liverpool von der Welterbeliste gestrichen wird.
Die neuen UNESCO Welterbestätten in der Übersicht
Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas (Bosnien und Herzegowina, Frankreich, Italien, Montenegro, Nordmazedonien, Polen, Schweiz, Serbien, Slowakei, Tschechien)
Archäoastronomischer Komplex von Chanquillo (Peru)
Arslan Tepe (Türkei)
As-Salt – Ort der Toleranz und der urbanen Gastfreundschaft (Jordanien)
Bergbaulandschaft Roșia Montană (Rumänien)
Das Werk von Jože Plečnik in Ljubljana – am Menschen orientierte Stadtgestaltung (Slowenien)
Dholavira: Eine Stadt der Harappan Kultur (Indien)
Die Arkadengänge Bolognas (Italien)
Die Ingenieurbaukunst von Eladio Dieste: Kirche von Atlántida (Uruguay)
Die Inseln Amami-Oshima, Tokunoshima, Iriomote und nördlicher Teil der Insel Okinawa (Japan)
Franziskanermissionen in der Sierra Gorda in Querétaro (Mexiko)
Getbol, die koreanischen Wattflächen (Republik Korea)
Grenzen des Römischen Reichs – Niedergermanischer Limes (Deutschland, Niederlande)
Paduas Freskenzyklen aus dem 14. Jahrhundert (Italien)
Paseo del Prado und Buen Retiro, Landschaft der Künste und der Wissenschaften (Spanien)
Prähistorische Stätten der Jomon in Nordjapan (Japan)
SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz (Deutschland)
Spa (Belgien), Bad Ems, Baden-Baden und Bad Kissingen (Deutschland), Vichy (Frankreich), Montecatini Terme (Italien), Baden bei Wien (Österreich), Karlovy Vary, Františkovy Lázně und Mariánské Lázně (Tschechien) sowie Bath (Vereinigtes Königreich).
Tempel von Kakatiya Rudreshwara (Ramappa), Telangana (Indien)
Transiranische Eisenbahn (Iran)
Waldkomplex Kaeng Krachan (Thailand)
Felsbilder am Onegasee und am Weißen Meer (Russische Föderation)
Kulturraum von Ḥimā (Saudi-Arabien)
Quanzhou: Markt- und Handelsplatz der Song-Yuan-Dynastie (China)
Kolchische Regenwälder und Feuchtgebiete (Georgien)
Kolonien der Barmherzigkeit (Belgien, Niederlande)
Schieferlandschaft von Nordwestwales (Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland)
Niedergermanischer Limes
Siedlungen und künstliche Mumifizierung der Chinchorro-Kultur in Arica y Parinacota (Chile)
Roberto-Burle-Marx-Stätte (Brasilien)
Kulturlandschaft Hawraman/Uramanat (Iran)
Moscheen im sudanesischen Stil an der nördlichen Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire)
UNESCO Welterbe: Bedeutende Kurstädte Europas
Insgesamt sind es elf europäische Städte, die nun die UNESCO 2021 mit dem neuen Titel „Bedeutende Kurstädte Europas“ in die Liste des UNESCO Welterbes aufgenommen hat. Ihre besondere Bedeutung erlangen sie durch die in die Vollen gegriffene architektonische Opulenz und Materialwahl, die heute den Rahmen eines städtebaulichen Typs der Kurstadt vorgibt. Rund um Heilquellen entwickelten sich Orte, die heute Zeitzeugen einer ehemals aufblühenden Bäderkultur sind. Wir stellen Ihnen die Orte in diesem Artikel vor und werfen zudem einen Blick auf weitere Städte, die den Titel UNESCO Welterbe tragen dürfen.
Bad Ems
Die Rheinland-Pfälzische Stadt an der Lahn galt einst als einer der berühmtesten Badeorte Deutschlands. Zar Alexander II. und der spätere deutsche Kaiser Wilhelm I. sind daher zwei der illustren Gäste, die hier ihre Uniformen gegen das Badegewand tauschten. Wie hingegossen reihen sich die Insignien der Kurstadt – Kurhaus, Kolonnaden, Kursaal, Casino und Kurpark – am Ufer der Lahn auf, so lässt es sich entsprechend bei der UN-Organisation lesen.
Baden-Baden
Imposante Gebäude von herausragender Bedeutung für die Kurarchitektur wurden zur Blütezeit der Bäderkultur in der Stadt an der Oos errichtet. Zu ihnen gehören die Trinkhalle nach den Plänen von Heinrich Hübsch mit ihrer reich verzierten Wandelhalle. Auch das im französischen Neobarock neu gestaltete Casino vom Mäzen Jacques Bénazet im 19. Jahrhundert gehört dazu. Die Zuwendungen der Familie Bénazet machten aus Baden-Baden ihrerzeit „die Sommerhauptstadt Europas“, so Lisa Poetschki, die Site Managerin des Welterbes.
Bad-Kissingen
Ähnlich wie beim Betreten einer Kirche verlangsame sich der Schritt ob der Erhabenheit von Max Littmanns Trink- und Wandelhalle, schreibt die UN-Organisation. Der Bau sprengt demzufolge gleich ein paar der damaligen Superlative. Er war schließlich das größte Stahlbetongebäude seiner Art, die erste geschlossene Trinkhalle. Noch bis heute ist sie die größte Trinkhalle Europas. Das zentrale Wahrzeichen der Stadt und weiterer Beleg für die Bäderkultur des 20. Jahrhunderts ist der Regentenbau, das prachtvollste Gebäude von Bad Kissingen.
Unter den elf Bedeutenden Kurstädten Europas der UNESCO befinden sich auch Baden bei Wien in Österreich, Bath in England, Montecatini in Italien, Vichy in Frankreich, Spa in Belgien, sowie die Tschechischen Städte Karlsbad, Franzensbad und Marienbad.
Weitere künstlerisch und architektonisch bedeutende Städte in Deutschland wurden zudem mit dem UNESCO Siegel ausgezeichnet:
Darmstadt
Liverpool verliert UNESCO-Titel
Auf einer Erhebung am Rande der Darmstädter Innenstadt befindet sich ein Ensemble des frühen 20. Jahrhunderts. Die von Künstler*innen errichteten Gebäude werden vom Direktor des Instituts Mathildenhöhe Darmstadt als „Wiege des Bauhauses“ bezeichnet. Zwischen 1901 und 1914 gingen von der Mathildenhöhe international prägende Impulse in der Architektur und modernen Kunst aus. Hier in Darmstadt standen die ersten Gebäude, die sich vom an Ornamenten reichen Jugendstil lösten. Klare Linien und reduzierter Schmuck führte folglich den Weg in ein neues Architekturzeitalter.
SchUM-Städte am Rhein
Wegen ihrer herausragenden Bedeutung für das europäische Judentum im Mittelalter, wurden die Städte Speyer, Worms und Mainz, auf Hebräisch Schpira, Warmaisa und Magenza, von der UNESCO zum Welterbe erklärt. Hier lassen sich mitunter die ältesten Belege jüdischen Lebens in Deutschland finden. Bis in das 10. Jahrhundert reicht die Geschichte der Synagogen, Talmudschulen, Frauenschuln, Ritualbädern und Friedhöfen in den SchUM-Städten. Die Gestaltung der Gebäude prägte die Architektur jüdischer Gebäude in großen Teilen Europas.
Die historische Hafenstadt von Liverpool hingegen darf sich seit der letzten Sitzung des UNESCO Welterbekomitees nicht mehr als Weltkulturerbe bezeichnen. Zu stark würden geplante Bauprojekte wie „Liverpool Waters“ und die Entwicklung des Bramley-Moore-Docks seit der Ernennung im Jahr 2004 den historischen Charakter des Hafenareals gefährden. In der Geschichte der UNESCO Welterben ist ein Entzug des Titels zuvor erst zwei Mal vorgekommen: 2007 flog der Oman für die Verkleinerung eines Antilopenschutzgebiets um 90 Prozent von der Liste, 2009 die Kulturlandschaft Dresdner Elbtal, wegen Errichtung der Waldschlösschenbrücke.
Auch interessant: Warum der geplante Autobahntunnel unter einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Großbritanniens – das UNESCO-Welterbe Stonehenge – nicht gebaut wird, erfahren Sie hier.
Zukunft Stadt@GRÜNBAU“ heißt der Kongress, mit dem die Messe Berlin und Garten + Landschaft am 16. April in Berlin ein Forum für die zukunftsfähige Stadtentwicklung bieten. Im Mittelpunkt des Kongresses stehen praxisnahe Antworten auf die planerischen Herausforderungen in der Stadt im Mittelpunkt.
Die Tagesveranstaltung im Marschall-Haus auf dem Berliner Messegelände beginnt mit einem Vortrag des Stadtplaners Gregor H. Mews über mehr Risikokompetenz beim Spielen Spielraum. Anschließend stellt der frühere Sozialpädagogik-Professor Bernhard Meyer zwei Beispiele vor, wie Städte den öffentlichen Raum für Ältere Menschen und Kinder zurückgewonnen haben.
Mit der Vision einer inklusiven Gesellschaft befasst sich die Landschaftsarchitektin und Professorin an der TU Dresden Irene Lohaus aus Hannover. Sie hat zusammen mit weiteren Fachleuten den „Leitfaden Barrierefreies Bauen“ entwickelt, der beim Bau von Gebäuden und Außenanlagen des Bundes zu berücksichtigen ist. Angesprochen werden auch die Neuerungen der DIN 18040-3, die Planer und Kommunen vor große Herausforderungen stellt.
Der Nachmittag beginnt mit zwei Vorträgen zu Bäumen in der Stadt. Während Philipp Schönfeld von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim die richtige Planung zur Größe der Baumgruben, zum Substrat, der Artenauswahl, Pflanzung und Pflege nach den Regelwerken der FLL und ZTV-Vegtra-Mü erläutert, stellt die Landschaftsarchitektin Kerstin Abicht von der Baumschule Lorenz von Ehren bislang noch größtenteils unbekannte Allee-Baumarten für die Stadt und ihre Ansprüche vor.
Zum Abschluss stellt Dieter Grau vom Atelier Dreiseitl aus Überlingen das Forschungsprojekt Kuras, Konzepte für urbane Regenwasserbewirtschaftung und Abwassersysteme, vor. Ziel des Projektes ist es, integrierte Konzepte eines nachhaltigen Umgangs mit Abwasser und Regenwasser für städtische Standorte zu entwickeln. Dazu sollen für Abwasserentsorger und Kommunen mit gefällearmen Kanalnetzen Handlungsempfehlungen erarbeitet werden, um mit dieser Unterstützung die vorhandene technische Abwasserinfrastruktur langfristig zukunftsorientiert betreiben, erweitern und verändern zu können. Weiterhin sollen Konzepte für eine nachhaltige Regenwasserbewirtschaftung an städtischen Standorten entwickelt werden.
Die Teilnahme an dem Kongress ist kostenlos. Die Veranstaltung ist bei der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen als anerkannte Fortbildung beantragt. Anmeldung unter www.gruenbau-berlin.de möglich.
Zeitplan Zukunft Stadt @Grünbau, 16. April
9.45 Begrüßung
10.00 Risikokompetenz im Spielraum (Gregor H. Mews, Manager Projektentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit, SIK-Holzgestaltungs GmbH)
10.45 Der öffentliche Raum als multifunktioneller Ort – die Besitzbare und die Bespielbare Stadt (Bernhard Meyer, emeritierter Professor für Sozialpädagogik an der Ev. Hochschule Darmstadt)
11.30 – 11.45 Pause
11.45 Barrierefrei planen und bauen – die Vision einer inklusiven Gesellschaft (Irene Lohaus, LohausCarl Landschaftsarchitektur, Hannover)
12.30 Kurzvorträge von Unternehmen zur zukunftsfähigen Stadt im Pecha Kucha Format
13.00 – 14.00 Mittagspause
14.00 Den Bäumen eine guten Start geben – Straßenbaumpflanzung nach den Regelwerken der FLL und ZTV-Vegtra-Mü, (Philipp Schönfeld, Sachgebietsleiter Pflanzenökologie und Pflanzenverwendung, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim)
14.45 Stadtbäume der Zukunft – mehr Artenvielfalt für unsere Städte (Kerstin Abicht, Landschaftsarchitektin, Baumschule Lorenz von Ehren, Hamburg)
15.30 – 15.45 Kaffeepause
15.45 Kurzvorträge von Unternehmen zur zukunftsfähigen Stadt im Pecha Kucha Format
16.00 Regen bringt Segen – intelligente Netzbewirtschaftung von Regenwasser und Abwasser (Dieter Grau, Atelier Dreiseitl, Überlingen)