Ausstellung “StadtLand” zur IBA Thüringen

Die Ausstellung “StadtLand” läuft noch bis zum 29. September

Dieses Jahr zieht die Internationale Bauausstellung (IBA) Thüringen Zwischenbilanz. 2011 beschlossen und 2012 begründet, bearbeitet sie seit ihrem ersten Projektaufruf “Zukunft StadtLand” 2014 mittlerweile 28 IBA Vorhaben in ganz Thüringen. Die IBA Vorhaben sind so vielfältig wie das Land selbst, sie reichen vom Ferienhaus im XS-Format am Thüringer Meer bis zum Zukunftsstadtkonzept in Nordhausen, vom digitalen Blockbau vor dem Eiermannbau bis zu einem Land(wirt)schaftskonzept für 1 500 Hektar Feld in Kannawurf.

Mit der Ausstellung “StadtLand” werden im Eiermannbau Apolda die Projektschauplätze, innovative StadtLand Zukunftsideen und zahlreiche Projektakteure vorgestellt. In einem temporären Kinosaal zeigt ein eigens produzierter Film eine Annährung an den IBA Raum und die IBA Macher. Auf sieben Monitoren kommen nebenan 16 Projektakteure zu Wort. Außerdem laden “Thüringer Szenerien” aus großformatigen Standortaufnahmen und Projektsilhouetten die Besucher dazu ein, den Ist-Zustand und Zukunftsvisionen der IBA Vorhaben zu erleben. In Logbüchern wird jedes IBA Vorhaben eingehend erläutert und illustriert. Auf der zweiten Etage des Eiermannbaus kann der experimentelle Ausbau des IBA Büros mit seinen 14 Gewächshäusern nachvollzogen werden.

 

Die IBA Thüringen

Alle Fotos: Thomas Müller

Bis 2023 entwickelt die Internationale Bauausstellung (IBA) Thüringen mit ihren Partnern ressourcenbewusste Projekte mit gemeinwohlorientierten Werten in und für Thüringen: innovativ, experimentell, zum Nachahmen. “StadtLand” ist ihr Thema, es beschreibt die kleinteilige Siedlungsstruktur im Freistaat.

Die IBA Thüringen aktiviert Leerstände im Land – LeerGut umbauen. Sie unterstützt Raumunternehmer und neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft – SelbstLand aufbauen. Und sie realisiert experimentelle Neubauten und macht Baukultur zum Markenzeichen von Thüringen – ProvinzModerne neubauen.

Im Jahr 2014 startete die IBA Thüringen ihren ersten Projektaufruf, “Zukunft StadtLand!”. Auf Empfehlung des IBA Fachbeirats wurde damals auch die Projektidee “Resilientes Schwarzatal” zum IBA Kandidaten. Mittlerweile haben sich unter dieser Überschrift vier Arbeitsrichtungen herauskristallisiert: das Zukunftsfähige Landschaftsbild Schwarzatal als Klammeraussage, das Schloss Schwarzburg – Denkort für Demokratie im Zentrum, die Projektfamilie Sommerfrische Schwarzatal und der Bahnhof Rottenbach, ein Tor ins Schwarzatal.

Mehr Informationen zur Ausstellung “StadtLand” finden Sie hier.

Einen Bericht über die IBA-Projekte im Schwarzatal finden Sie in der G+L 07/2019.

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Planungsbeschleunigung ohne Qualitätsverlust – geht das?

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Eine verkehrsreiche Stadtstraße neben imposanten Hochhäusern, fotografiert von Bin White.

Planungsprozesse in Lichtgeschwindigkeit – und das ganz ohne Einbußen bei der Qualität? Wer davon träumt, landet schnell bei der Gretchenfrage: Kann man tatsächlich schneller planen, ohne dass am Ende die Sorgfalt, die Nachhaltigkeit oder gar die Akzeptanz auf der Strecke bleiben? Zwischen politischem Druck, digitaler Euphorie und klassischen Bedenken der Baukultur lotet dieser Beitrag aus, wie zeitgemäße Stadtentwicklung Prozesse beschleunigen kann – und was es braucht, damit das berühmte „Schneller, aber nicht schlechter“ mehr ist als nur ein politisches Lippenbekenntnis.

  • Was hinter dem Begriff Planungsbeschleunigung steckt und warum er aktueller denn je ist
  • Die größten Hemmnisse im deutschen Planungsalltag – zwischen Bürokratie, Beteiligung und Ressourcenmangel
  • Innovative Werkzeuge: Von agilen Methoden über digitale Zwillinge bis zu Open Urban Platforms
  • Risiken der Beschleunigung: Qualitätseinbußen, Projektakzeptanz, Nachhaltigkeit und Rechtssicherheit
  • Best-Practice-Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Die Rolle von Governance, Kollaboration und Partizipation für gelingende Beschleunigung
  • Wie Planer, Verwaltungen und Politik gemeinsam an einem Strang ziehen können
  • Praktische Tipps für den eigenen Berufsalltag
  • Ein Blick nach vorn: Beschleunigung als Chance für einen neuen Planungsbegriff

Planungsbeschleunigung: Wunschtraum, Zwang oder Meilenstein?

Planungsbeschleunigung ist längst mehr als ein politisches Schlagwort – sie ist zu einer Grundforderung unserer Zeit geworden. Angesichts des wachsenden Wohnraumbedarfs, der Klimakrise, der Transformation von Mobilität und Energie und nicht zuletzt des gesellschaftlichen Wandels steht die Stadtplanung unter enormem Druck. Städte sollen heute nicht nur schneller und effizienter, sondern auch nachhaltiger, resilienter und lebenswerter werden. Doch wie lässt sich dieser Spagat meistern, ohne dass die Qualität der gebauten Umwelt auf der Strecke bleibt?

Der Ruf nach schnelleren Prozessen hallt durch alle Planungsebenen: Von der Quartiersentwicklung bis zur Infrastruktur, von der Baugenehmigung bis zum öffentlichen Raum. Politik fordert zügige Lösungen, Bürger sehnen sich nach sichtbaren Veränderungen, Investoren erwarten Planungssicherheit. Gleichzeitig wächst die Komplexität der Anforderungen: Klimaanpassung, soziale Integration, Digitalisierung, Mobilitätswende – alle wollen mitreden, jeder Aspekt will bedacht sein. In dieser Gemengelage droht die Planung gelegentlich zum Flaschenhals zu werden, der Fortschritt ausbremst und den Wandel lähmt.

Doch ist die Sehnsucht nach Beschleunigung berechtigt oder gar gefährlich? Kritiker warnen, dass Zeitdruck zu Fehlern, mangelnder Beteiligung und oberflächlichen Lösungen führen könne. Planen, so das klassische Credo, brauche eben Gründlichkeit, Abwägung, Sorgfalt. Wer rast, der patzt – und schafft keine qualitätsvolle, nachhaltige Stadtentwicklung. Doch diese Sicht blendet aus, dass langwierige Verfahren nicht automatisch zu besseren Ergebnissen führen. Im Gegenteil: Oft stehen unnötige Bürokratien, veraltete Routinen oder mangelnde Kooperation auf der Bremse.

Planungsbeschleunigung ist also kein Ziel an sich, sondern eine Herausforderung, die klug gestaltet werden muss. Die Kunst besteht darin, Prozesse zu verschlanken, ohne an Tiefe zu verlieren. Es geht darum, Prioritäten zu setzen, Schnittstellen zu optimieren und neue Wege der Zusammenarbeit zu erschließen. Dabei steht nicht Geschwindigkeit gegen Qualität, sondern beides muss sich gegenseitig bedingen. Wer schneller plant, muss auch besser planen – und umgekehrt.

Die Debatte um Planungsbeschleunigung ist daher auch eine Debatte um ein neues Verständnis von Planungskultur. Sie fordert ein Umdenken im Umgang mit Komplexität, Partizipation und Verantwortung. Sie verlangt nach Experimentierfreude, Mut und einer klaren Haltung: Qualität darf kein Luxus sein, sondern muss integraler Bestandteil jeder Beschleunigung sein. Nur dann wird aus dem Wunschtraum ein echter Meilenstein der Stadtentwicklung.

Bürokratie, Beteiligung, Bedenken: Die wahren Bremsklötze im Planungsalltag

Wer den Alltag deutscher, österreichischer oder Schweizer Planungsämter kennt, weiß: Dass Verfahren heute oft zu lange dauern, liegt nicht am fehlenden Willen, sondern an einer Vielzahl von Hemmnissen. Ein wesentliches Problem ist die Bürokratie. Unzählige Vorschriften, Zuständigkeiten, Schnittstellen und Genehmigungswege machen aus dem Planungsprozess ein komplexes Labyrinth. Jede neue Regelung, jede zusätzliche Prüfung, jedes weitere Gutachten verlängert die Zeit vom Entwurf bis zur Umsetzung. Die berühmte „German Angst“ vor Fehlern, Klagen und Haftung tut ihr Übriges: Lieber ein Gutachten zu viel als ein Risiko zu wenig.

Doch Bürokratie ist nur die eine Seite der Medaille. Ein zweiter Bremsklotz ist die Beteiligung. In den letzten Jahren sind die Anforderungen an Transparenz, Mitwirkung und Akzeptanz erheblich gestiegen. Bürger wollen mitreden, Umweltverbände pochen auf Mitsprache, Nachbarn fürchten um ihre Lebensqualität. All das ist legitim und wichtig – doch wenn Beteiligung schlecht organisiert, intransparent oder zu spät erfolgt, wird sie zum Dauerbremser. Statt konstruktiver Mitgestaltung regiert dann der Widerspruch, statt Konsens herrscht Konflikt.

Hinzu kommt der Ressourcenmangel. Viele Planungsämter arbeiten am Limit, Fachkräfte sind rar, Digitalisierung ist noch nicht flächendeckend angekommen. Wer mit veralteten IT-Systemen, zu wenigen Mitarbeitenden und mangelnden Weiterbildungen jongliert, kann keine Wunder vollbringen. Die Folge: Abstimmungsfehler, Stockungen, Frust – und noch mehr Zeitverlust. Gerade in kleineren Kommunen verschärft sich dieses Problem, da die Anforderungen stetig steigen, die Mittel aber oft stagnieren.

Ein weiterer Faktor ist die mangelnde Koordination zwischen den verschiedenen Ebenen und Akteuren. Planung ist immer ein Gemeinschaftswerk aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und externen Experten. Doch hier regieren oft Silos, Ressortdenken und Kompetenzstreitigkeiten. Wer nicht miteinander spricht, sondern gegeneinander arbeitet, verliert wertvolle Zeit. Entscheidungen werden vertagt, Zuständigkeiten unklar, Prozesse verworren. Die vielbeschworene „Planung aus einer Hand“ bleibt meist ein frommer Wunsch.

Zuletzt sind auch rechtliche Unsicherheiten ein Hemmschuh. Unklare Zuständigkeiten, widersprüchliche Gesetze, laufende Klageverfahren und laufend neue Vorgaben sorgen für Unsicherheit. Wer plant, will Rechtssicherheit – doch die ist in vielen Verfahren alles andere als gegeben. Das Risiko, dass ein Projekt am Ende vor Gericht scheitert, lähmt Innovation und bremst Mut. Kurzum: Die Bremsklötze sind vielschichtig – und verlangen nach ebenso vielschichtigen Lösungen.

Innovationsschub gefällig? Wie digitale Werkzeuge und neue Methoden Prozesse beschleunigen

Wer die Planungswelt beschleunigen will, muss auf Innovation setzen. Digitale Technologien, agile Methoden und neue Governance-Modelle bieten enorme Chancen, Prozesse zu verschlanken und zugleich die Qualität zu sichern. Besonders im Fokus stehen dabei Urban Digital Twins – digitale Abbilder der realen Stadt, die Planungsprozesse mit Echtzeitdaten, Simulationen und Prognosen unterstützen. Sie ermöglichen es, Szenarien blitzschnell durchzuspielen, Infrastrukturfolgen zu kalkulieren, Risiken zu erkennen und Varianten transparent zu vergleichen. Städte wie Wien, Zürich und Singapur zeigen, wie Urban Digital Twins die Planung revolutionieren: von der Verkehrssteuerung über das Wassermanagement bis zur Bürgerbeteiligung.

Doch nicht nur digitale Zwillinge treiben die Beschleunigung voran. Auch Building Information Modeling (BIM), intelligente GIS-Systeme und kollaborative Plattformen wie Open Urban Platforms verändern die Arbeit grundlegend. Sie ermöglichen, dass alle Beteiligten – von der Verwaltung über Planer bis zu Bürgern – auf einer gemeinsamen Datenbasis arbeiten, Informationen austauschen und Prozesse synchronisieren. Das reduziert Fehler, beschleunigt Abstimmungen und erhöht die Transparenz. Wer hier investiert, spart am Ende Zeit – und vermeidet teure Nachbesserungen.

Agile Methoden, etwa aus der Softwareentwicklung entlehnt, halten ebenfalls Einzug in die Stadtplanung. Sie setzen auf kurze Planungszyklen, iterative Entwicklung und schnelle Rückkopplung. Statt monatelanger Vorstudien und starrer Fahrpläne steht das Prinzip „Testen, Lernen, Anpassen“ im Mittelpunkt. Das bedeutet nicht, alles auf den Kopf zu stellen – sondern gezielt Experimentierräume zu schaffen, Prototypen zu testen und Feedback frühzeitig einzuholen. So lassen sich Fehler schneller erkennen und beheben, bevor sie zum Flaschenhals werden.

Innovationen erfordern aber auch einen Wandel in der Zusammenarbeit. Interdisziplinäre Teams, offene Schnittstellen und klare Verantwortlichkeiten sind gefragt. Wer Planung als Teamaufgabe begreift und alle Akteure von Anfang an einbindet, vermeidet endlose Abstimmungsschleifen. Hier können Governance-Modelle wie integrierte Projektsteuerung oder Public-Private-Partnerships helfen, die Komplexität zu meistern und Ressourcen zu bündeln. Entscheidungsprozesse werden klarer, Zuständigkeiten eindeutiger und die Motivation aller Beteiligten steigt.

Wichtig ist: Innovation darf kein Selbstzweck sein. Technologien und Methoden müssen auf die jeweiligen Rahmenbedingungen zugeschnitten und sinnvoll eingesetzt werden. Es geht nicht darum, das Rad neu zu erfinden, sondern darum, die vorhandenen Werkzeuge klug zu kombinieren und weiterzuentwickeln. Nur so gelingt es, Prozesse zu beschleunigen – und dabei die Qualität sogar zu steigern.

Schneller, aber nicht schlechter: Wie bleibt die Qualität auf der Strecke – oder gerade nicht?

Die größte Sorge bei aller Beschleunigung bleibt die Qualität. Kritiker befürchten, dass unter Zeitdruck Fehler gemacht, Umweltbelange übergangen, soziale Aspekte vernachlässigt werden. Tatsächlich gibt es zahlreiche Negativbeispiele, bei denen Schnellschüsse zu schlechten Ergebnissen, mangelnder Akzeptanz oder gar Rechtsstreitigkeiten geführt haben. Doch der Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit und Qualität ist nicht zwangsläufig negativ. Im Gegenteil: Mit den richtigen Methoden kann Beschleunigung sogar dazu beitragen, die Qualität zu sichern oder gar zu erhöhen.

Ein Schlüssel ist die frühzeitige und transparente Einbindung aller relevanten Akteure. Wer Beteiligung nicht als lästige Pflichtübung, sondern als Ressource begreift, schafft Akzeptanz und verringert das Risiko späterer Einsprüche. Digitale Beteiligungsplattformen, Visualisierungen und Simulationen machen komplexe Sachverhalte verständlich und ermöglichen konstruktiven Dialog. So lassen sich Konflikte frühzeitig erkennen und lösen, ehe sie das Verfahren verzögern oder blockieren.

Auch die systematische Anwendung von Qualitätsmanagement sichert die Standards. Checklisten, Peer Reviews, Benchmarking und externe Gutachten helfen, die Sorgfalt zu wahren und Fehler zu vermeiden. Moderne digitale Werkzeuge bieten zudem die Chance, Planungsfehler frühzeitig zu erkennen und Varianten zu optimieren. Simulationen, Szenarien und Prognosen machen die Folgen von Entscheidungen transparent und ermöglichen es, die beste Lösung zu finden – schnell und fundiert zugleich.

Ein weiterer Faktor ist die kontinuierliche Weiterbildung der beteiligten Fachkräfte. Wer mit aktuellen Methoden, Technologien und rechtlichen Rahmenbedingungen vertraut ist, kann schneller und sicherer entscheiden. Fortbildungen, Workshops und der Austausch mit anderen Kommunen und Projekten sind daher unerlässlich. Gerade im digitalen Zeitalter gilt: Wer stehen bleibt, verliert – auch in Sachen Qualität.

Letztlich ist Qualität kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis guter Planungskultur. Sie entsteht, wenn alle an einem Strang ziehen, Prozesse klar strukturiert sind und das Ziel klar definiert ist. Planungsbeschleunigung gelingt dann, wenn sie von einer Kultur des Vertrauens, der Zusammenarbeit und der Innovationsfreude getragen wird. Geschwindigkeit und Qualität müssen keine Gegensätze sein – sie können sich gegenseitig bedingen und verstärken.

Best-Practices, Perspektiven und ein Ausblick: Was lernen wir für die Zukunft?

Ein Blick in die Praxis zeigt: Es gibt zahlreiche Beispiele, wie Planungsbeschleunigung ohne Qualitätsverlust gelingen kann. In Wien etwa wurde die Entwicklung neuer Stadtteile durch den Einsatz digitaler Zwillinge und frühzeitiger Bürgerbeteiligung deutlich gestrafft – und zugleich qualitativ vorbildlich umgesetzt. In Zürich sorgt ein agiles Planungsmanagement für kurze Entscheidungswege und hohe Transparenz. In Hamburg werden durch die Kombination aus BIM, interdisziplinären Teams und klarer Governance große Infrastrukturprojekte schneller und sicherer realisiert.

Auch kleinere Städte und Gemeinden profitieren von innovativen Ansätzen. In der Schweiz setzen viele Kommunen auf Open Government Data, um Planungsprozesse transparent und nachvollziehbar zu machen. In Deutschland ermöglichen Förderprogramme wie „Smart City Modellprojekte“ oder „Digitale Städte und Regionen“ den Einstieg in digitale Planungswerkzeuge und neue Kooperationsformen. Entscheidend ist dabei weniger die Größe der Stadt als vielmehr die Bereitschaft, Neues zu wagen und alte Routinen zu hinterfragen.

Die Erfahrungen zeigen: Beschleunigung gelingt dort am besten, wo Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft an einem Strang ziehen. Klare Ziele, offene Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen sind die Grundlage. Externe Moderation, Mediation und Prozessberatung helfen, Konflikte zu vermeiden und Konsens zu schaffen. Wer die richtigen Partner an Bord holt und von anderen lernt, spart wertvolle Zeit – und steigert die Qualität.

Für die Zukunft braucht es einen Paradigmenwechsel im Planungsverständnis. Planung darf nicht länger als linearer, starrer Prozess verstanden werden, sondern als dynamisches, lernendes System. Flexibilität, Iteration und Anpassungsfähigkeit sind gefragt. Digitale Technologien und agile Methoden bieten dafür die Werkzeuge – doch sie müssen klug eingesetzt werden. Nicht Technik, sondern Haltung entscheidet, ob Beschleunigung gelingt.

Der Blick nach vorn ist ermutigend: Mit Mut, Innovationsfreude und einer klaren Qualitätsorientierung kann die Planungswelt nicht nur schneller, sondern auch besser werden. Die Stadt der Zukunft entsteht nicht im Zeitlupentempo – sondern im Takt einer neuen, kooperativen Planungskultur.

Fazit

Planungsbeschleunigung ohne Qualitätsverlust – das ist kein Ding der Unmöglichkeit, sondern eine Frage der richtigen Herangehensweise. Es braucht den Mut, alte Routinen zu hinterfragen, innovative Werkzeuge zu nutzen und neue Formen der Zusammenarbeit zu wagen. Geschwindigkeit und Qualität sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Wer die Chancen der Digitalisierung, der agilen Methoden und der kooperativen Governance klug nutzt, kann Prozesse straffen, Fehler vermeiden und bessere, nachhaltigere Ergebnisse erzielen. Entscheidend ist ein neues Planungsverständnis: Planung als lernender, dynamischer Prozess, der alle Akteure einbindet und auf Transparenz, Vertrauen und Qualität setzt. Dann wird aus dem Schlagwort Planungsbeschleunigung ein echter Fortschritt – für Städte, Gemeinden und die gebaute Umwelt.

Kaiser-Josef-Platz (Foto: Christian Pichlkastner)
Kaiser-Josef-Platz (Foto: Christian Pichlkastner)

Das atelier dede für Landschaftsarchitektur und Steinkogler Aigner Architekten haben einen klimafitten Busbahnhof für die österreichische Stadt Wels entworfen. Alles zu dem Projekt lesen Sie hier.

Ein neuer Verkehrsknotenpunkt für Wels

Mit etwa 60 000 Einwohner*innen ist Wels die achtgrößte Stadt in Österreich. Ihr zentraler Verkehrsknotenpunkt, der Kaiser-Josef-Platz, wurde zwischen 2020 und 2021 neu gestaltet. Am 10. September 2021 eröffnete der umgebaute Platz. Insgesamt 15 verschiedene Entwürfe wurden dafür von europäischen Bewerber*innen eingereicht. Am Ende gewann der Entwurf vom Büro Steinkogler Aigner Architekten ZT GmbH aus Wien (Generalplanung), der gemeinsam mit dem atelier dede (Landschaftsarchitektur) umgesetzt wurde.

Der neue, knapp 7 Millionen Euro teure Kaiser-Josef-Platz zeichnet sich durch viel Grün, Wasserspiele und eine neue Bedachung aus. Zwei große Dächer überspannen dabei die Gehsteige auf beiden Seiten der Straße. In acht Metern Höhe dienen sie zudem als Gärten. Nachts wird der Platz mit LED beleuchtet, um für mehr Sicherheit zu sorgen. Mehrere grüne Inseln mit Wasserspielen sowie eine grüne Oase am Platz vor dem Semperit-Hochhaus, wo das Kaiser-Josef-Denkmal steht, sorgen dafür, dass der Platz inzwischen einem Park ähnelt.

 

Landschaftsgeschichte und Urbanität vereint

Der Entwurf von atelier dede bildet die Einflüsse des Umlands und die Landschaftsgeschichte ab. Auf historischen Aufnahmen von Fels ist eine von Flüssen dominierte Landschaft zu sehen. Auch die Welser Heide war prägend für das Umland. Früher war der Kaiser-Josef-Platz ein großer Vorstadtplatz, der Stadt und Land miteinander verband. Diese Einflüsse sind in dem neugestalteten Platz deutlich zu sehen.

Zugleich ist der neue Kaiser-Josef-Platz aber ein sehr urbaner, moderner Platz. Kühlende, klimafitte Bäume und Landschaftsinseln bilden einen Rahmen für den Stadtraum. Somit ist der Platz nicht nur dynamisch, sondern bietet auch Raum zum Verweilen.

Abends kreiert die Beleuchtung des Kaiser-Josef-Platzes ein freundliches, avantgardistisches Ambiente. Die Lichteffekte sind unter dem Dach, den Bänken und den Betonpflanzinseln angebracht, um für ein besonders Erscheinungsbild zu sorgen.

Kühlende, klimafitte Bäume und Landschaftsinseln bilden einen Rahmen für den Stadtraum des Kaiser-Josef-Platzes. Am Abends kreiert die Beleuchtung ein freundliches, avantgardistisches Ambiente. Foto: Christian Pichlkastner
Kühlende, klimafitte Bäume und Landschaftsinseln bilden einen Rahmen für den Stadtraum des Kaiser-Josef-Platzes. Am Abends kreiert die Beleuchtung ein freundliches, avantgardistisches Ambiente. Foto: Christian Pichlkastner

Fokus auf Passant*innen

Zudem bietet der Kaiser-Josef-Platz nun mehr Platz für Fußgänger*innen. Sie sollen laut atelier dede am meisten von der Neugestaltung profitieren. Dafür wurde der Platz zu einer Begegnungszone gemacht. Sowohl die Randbereiche als auch die Bus-Insel wurden vergrößert, um flanierenden Menschen mehr Platz zu bieten.

Die Mündung einer der wichtigsten Einkaufsstraßen der Stadt auf den Kaiser-Josef-Platz in Wels ist durch die Weiterführung des Pflasters als „Teppich“ aus hellem Granitstein zu erkennen. Somit werden Fußgänger*innenbereiche und Fahrbahn voneinander abgegrenzt. Gemeinsam mit den verbindenden Dachkonstruktionen, die Schutz vor der Witterung bieten, soll dieser optische Schutz von Fußgänger*innen für eine neue, lebenswertere Identität des Platzes sorgen.

Die größte Herausforderung für die Planer*innen von atelier dede und Steinkogler Aigner Architekten war die Neugestaltung der „Rendezvous-Haltestelle“ auf dem Kaiser-Josef-Platz. Sie bietet Raum für acht gleichzeitig haltende, jeweils 18 Meter lange Gelenkbusse. Busnutzer*innen können unter den drei unterschiedlich großen Dächern des Platzes warten, die an heißen Tagen durch Dachbegrünung und Holz als natürliches Baumaterial Schatten und Kühlung bieten.

Unter drei unterschiedlich großen Dächern des Platzes können Busnutzer*innen warten. An heißen Tagen bieten diese Dächer durch Begrünung und Holz Schatten und Kühlung. Foto: Christian Pichlkastner
Unter drei unterschiedlich großen Dächern des Platzes können Busnutzer*innen warten. An heißen Tagen bieten diese Dächer durch Begrünung und Holz Schatten und Kühlung. Foto: Christian Pichlkastner

Klimafitte Bepflanzung und zukunftsweisendes Design auf dem Kaiser-Josef-Platz

Die neuen Bäume auf dem Kaiser-Josef-Platz sollen laut atelier dede für eine neue Ära der Stadtgestaltung in Wels stehen, bei der „das Grün“ relevanter wird. Denn durch die Pflanzungen in erhöhten Inseln wird der Nutzungsdruck auf Leitungen in der Erde erhöht. Die Bäume und Stauden wurden so weit wie möglich regional ausgewählt, um zugleich als Bienen- sowie Insektenweide zu dienen.

David Dobetsberger, Gestalter und Geschäftsführer von atelier dede, beschreibt den gestalterischen Arbeitsprozess rund um den Kaiser-Josef-Platz wie folgt: „Die Klimaveränderung ist deutlich spürbar. Sie verlangt planerische Umdenkprozesse, die die grünen Disziplinen der Außenraumgestaltung fordert. Landschaftsarchitektur braucht mehr. Sie muss Geschichte, Menschen und die geografischen Besonderheiten verbinden.“

Auch die Nutzungsoffenheit des neuen Kaiser-Josef-Platzes ist zukunftsweisend. Die beleuchteten Brunnenanlagen laden zur Unterhaltung und Entspannung ein, während zusätzliche Sitzgelegenheiten und Fahrradabstellplätze das Leben im Stadtzentrum fördern. In Kooperation mit dem oberösterreichischen Blindenverband wurde zudem eine umfassende Inklusionsplanung umgesetzt.

Der neue, knapp 7 Millionen Euro teure Kaiser-Josef-Platz zeichnet sich durch viel Grün, Wasserspiele und eine neue Bedachung aus, die in acht Metern Höhe als Gärten dienen. Foto: Christian Pichlkastner
Der neue, knapp 7 Millionen Euro teure Kaiser-Josef-Platz zeichnet sich durch viel Grün, Wasserspiele und eine neue Bedachung aus, die in acht Metern Höhe als Gärten dienen. Foto: Christian Pichlkastner

Die Architekt*innen des neuen Platzes

Atelier dede wurde im Jahr 2017 von David Dobetsberger gegründet. Der gebürtige Welser war davor bei europaweit tätigen Büros angestellt. In seinen unterschiedlichen Konzepten arbeitet er stets mit einer Formensprache, die die Historie des Ortes und der Menschen reflektiert. Zudem achtet Dobetsberger in seiner Landschaftsarchitektur darauf, ökologische und technische Aspekte voranzutreiben. Zu den anderen Projekten von atelier dede gehören die Umgestaltung der Ortsmitte Hörsching, die Begegnungszone in Lunz am See, der Garten Pegi und die Domgasse Linz.

Die Steinkogler Aigner Architekten mit Sitz in Wien bearbeiten seit 2015 eigenständig Projekte in unterschiedlichen Größen. Dabei gehen sie stets behutsam vor, um Architektur an die Umgebung, den lokalen Maßstab, die Stadtlandschaft und auf traditionelle Bauweisen und Bauformen anzupassen. Letztere werden dabei zeitgenössisch umgesetzt. Dazu gehört zum Beispiel eine adäquate Wahl der Baustoffe, die nachhaltig und verantwortungsvoll eingesetzt werden. So schaffen die Architekten von Steinkogler und Aigner Gebäude, die über ihren Zweck hinaus soziale Werte in die Praxis umsetzen.

Auch der Bereich um den Bahnhof in Helsinki wurde erneuert. Als Gewinner eines Wettbewerbs verband das Architekturbüro Snøhetta dort ein nachhaltiges Konzept mit modernem Design.