Neues von der ASLA

Irgendwie beruhigend: Es gibt noch ein anderes Amerika als das des populistisch agitierenden Donald Trump. Eines, in dem man über Obdachlosigkeit redet und über Wege zu mehr gesellschaftlichem Zusammenhalt. Diese Themen jedenfalls wurden auf der gerade zu Ende gegangenen Jahreskonferenz der American Society of Landscape Architects (ASLA) in Philadelphia intensiv verhandelt. Es ging viel um Politik, wenn auch meist ohne expliziten Trump-Bezug.

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Detail aus der Show „Pen to Paper: Urban Scetching in Philadelphia“, welche die Vorträge und die Produktmesse der ASLA-Konferenz begleitete.

Daneben spielte im etwas monströsen Philadelphia Convention Center natürlich auch Technologie eine Rolle. Über Artificial Intelligence (AI) wurde viel diskutiert, auch über autonomes Fahren. Ansonsten debattierten die Landschaftsarchitekten in Philadelphia häufig, wie man Grenzen zwischen unterschiedlichen Disziplinen aufbrechen kann.

Für mehr Interdisziplinarität

Zum Beispiel jene zwischen Architektur, Landschaftsgestaltung und Interior. Dass diese Grenzen geschliffen werden müssen, davon ist zum Beispiel der Designer Richard H. Lanning (Daroff Design) überzeugt. Gerade die Architektur müsse hier umdenken und auf die Landschaftsarchitektur zugehen. „Wer Gebäude offener macht, schafft eine Chance auf mehr Nutzungsvielfalt“, so Lanning. Offene Räume seien flexibler und widerstandsfähiger bei sich änderndem Nutzungsverhalten.

Als Beispiele sieht Lanning nicht zuletzt Architekturklassiker Frank Lloyd Wrights „Fallingwater“ oder manche Umsetzungen des jeweils temporären Serpentine Pavillons in London. Dass es auch dauerhafte zeitgenössische Beispiele gibt, illustrierte in Philadelphia Todd Hill (DTJ Design). Neben dem Großprojekt „Amazon Spheres“ in Seattle zog er vor allem dem Moskauer Zaryadye-Park als passendes Exempel heran. Hier sei es den Planern (Hargreaves Associates, Diller Scofidio + Renfro, Citymakers) gelungen, ein im Wortsinn integratives Projekt zu schaffen.

Neue Technologien in der Landschaftsarchitektur

Interessant an Hills Präsentation war der Optimismus, mit dem er die Rolle neuer Technologien bei der Integration unterschiedlicher Zugänge zu Räumlichkeit sah. „Technologie erleichtert Landschaftsarchitekten, Architekten und Planern die Kooperation“, so Hill. Dieser Optimismus zog sich insgesamt durch die ASLA-Konferenz. Selbst das ominöse „Business Information Modeling“ (BIM) scheinen die US-Landschaftsarchitekten inzwischen positiv zu sehen. Bei einer Spontanumfrage auf einem einschlägigen Panel meldeten jedenfalls mehr als zwei von drei Befragten an, künftig mit BIM planen zu wollen. Was logischerweise auch die zuhörenden Unternehmensvertreter freute, die für das BIM-Event reihenweise aus der parallel stattfindenden Produktmesse zu dem Vortrag erschienen waren. Zufrieden kehrten sie nach dem 90-minütigen BIM-Feuerwerk wieder ein Stockwerk höher zu ihren Messeständen zurück.

Politische Landschaftsarchitektur

Alles Techno-Futurismus also in Philadelphia? Nicht ganz. Mitunter leisteten sich Referenten auch einen Blick in die Vergangenheit. So versuchten die Wissenschaftlerinnen Catherine Seavitt Nordenson und Anita Berrizbeitia, den Nachkriegsstar Roberto Burle Marx einer politbezogenen Neuinterpretation zu unterziehen. Burle Marx als linker Politaktivist? Einigermaßen stimmig war dieses Bild, das die Akademikerinnen zeichneten, schon – und zwar trotz der mitunter problematischen Nähe Burle Marx‘ zu den in den 1960er Jahren herrschenden brasilianischen Militärs.