Azubis mit blühenden Aussichten

Besonderes Erlebnis für vier Lehrlinge

In Cervia in Italien findet jedes Jahr die internationale Blumen- und Gartenschau “Maggio in Fiore” statt. Mehr als 50 Kommunen und Organisationen beteiligten sich daran, darunter auch die Hauptabteilung Gartenbau des Münchner Baureferats. Besonderes Highlight war die Blumen- und Gartenschau für vier Lehrlinge des Baureferats: Als Jahrgangsbeste durften sie den Münchner Beitrag mitgestalten.

 

Vier Auszubildende der Hauptabteilung Gartenbau des Baureferats haben mit erfahrenen Kollegen im italienischen Cervia den Münchner Beitrag zur internationalen Blumen- und Gartenschau „Maggio in Fiore“ („blühender Mai“) gestaltet. Der Badeort an der Adria veranstaltet seit 1972 jährlich die große Open-Air-Gartenschau. 2019 haben sich mehr als 50 Kommunen und Organisationen mit eigenen Beiträgen beteiligt, darunter Metropolen wie Mailand, Prag, Budapest und Wien. Seit 1998 nimmt auch die Hauptabteilung Gartenbau des Münchner Baureferats aktiv an der Blumen- und Gartenschau teil.

In diesem Jahr war der Beitrag eine Vorstellung typischer landschaftsgärtnerischer Arbeiten wie Pflanzen, Heckenschneiden und Pflastern. Diese erlernen Azubis im Rahmen der Ausbildung zu angehenden Landschaftsgärtnerinnen und -gärtnern. Das Baureferat ist deutschlandweit der größte Ausbildungsbetrieb für den Fachbereich Garten- und Landschaftsbau. Es wurde im Mai vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mit dem Staatsehrenpreis Vorbildliche Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau 2019 ausgezeichnet. Seit 1968 wurden nahezu 500 Lehrlinge in diesem Bereich ausgebildet. Derzeit stehen 32 Ausbildungsplätze zur Verfügung. Weitere 22 Ausbildungsplätze gibt es in den Fachrichtungen Baumschule, Staudengärtnerei, Floristik und Zierpflanzenbau.

 

Die Internationale Blumen- und Gartenschau dient dem regen Erfahrungsaustausch mit anderen europäischen Gartenämtern. Außerdem liefert sie den Fachleuten jedes Jahr unter anderem wertvolle Anregungen. Zum Beispiel für den Blumenschmuck und die Gestaltung von Grünflächen im öffentlichen Raum. Ein besonderes Erlebnis ist die Blumenschau für die vier besten Lehrlinge des Garten- und Landschaftsbaus beim Baureferat: als Jahrgangsbeste durften sie vor Ort mitwirken.

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Ungenutzte Brückenkonstruktionen können im urbanen Umfeld ungeahnte Möglichkeiten bieten. Berühmtestes Vorbild für eine aufgeständerte Nachnutzung ist wohl der New Yorker High Line Park, gelegen auf einer stillgelegten Hochbahntrasse. Eine ähnliche Strategie verfolgt die Stadtverwaltung von Seoul: ein groß angelegtes Stadtentwicklungsprogramm soll die Stadt grüner und für Fußgänger attraktiver gestalten. Herzstück der Planung ist dabei der kürzlich eröffnete Seoullo 7017 Skygarden von MVRDV.

Transformation einer Hochstraße zum Park

Freiräume sind in Seoul ein seltenes Gut. Die Bevölkerungsdichte ist rund viermal so hoch wie in Berlin und das Zentrum ist von versiegelten Verkehrsflächen geprägt. Nach der Umsetzung des städtischen Programms, wurde eine rund einen Kilometer lange Hochstraße vom Verkehr befreit. Die Architekten des niederländischen Büros MVRDV gewannen die Ausschreibung im Jahr 2015 und verwandelten die ehemalige Stadtautobahn in einen attraktiven städtischen Park. Das verästelte, geschwungene Brückenbauwerk stellt damit eine wichtige Fußgängerverbindung im unmittelbaren Umfeld des Hauptbahnhofs dar.

Pflanzenbibliothek aus 24 000 Pflanzen

Der Seoullo 7017 Skygarden zieht seine Besucher in erster Linie durch seine einzigartigen Blickbeziehungen aus 16 Metern Höhe an. 228 verschiedenen Pflanzenarten sind nach dem südkoreanischen Alphabet sortiert und verdeutlichen die Vielfalt heimischer Gewächse. Die insgesamt 24 000 Pflanzen sind in mehreren kleinen Gärten zusammengefasst, welche jeweils einen eigenen Charakter haben. Die Zahlenkombination „7017“ bezieht sich auf die Eröffnungsjahre der Stadtautobahn 1970 und des Parks 2017.

Am 18. September hat der Berliner Senat beschlossen, die Tempelhofer Parklandschaft nicht wie ursprünglich geplant zu verwirklichen. Eine fragwürdige Entscheidung, meint Nicole Uhrig. Ende September wurden die Pläne der schottischen Landschaftsarchitekten Gross.Max für die Tempelhofer Parklandschaft gekippt. Was war passiert? Durch das Berliner Flughafendesaster war die auf 61,5 Millionen Euro bezifferte Finanzierung für den Park nicht mehr möglich. Schon im Vorfeld war das Geld knapp. Es war eine politische Entscheidung, die bisherige Parkplanung zugunsten punktuell implantierter Sitzbänke, Bäume und Kinderspielflächen aufzugeben.

 

Die vordergründige Argumentation zu dieser Entscheidung beruft sich auf den Volkswillen und lautet, „der Park sei in dieser Form nicht erwünscht (ernsthaft strittig war jedoch nur der Kletterfelsen) und man reagiere auf die „Ergebnisse einer Umfrage unter den Besuchern der Grünfläche“ (siehe Artikel “Bäume und Bänke – kein Kletterfelsen” in der Berliner Morgenpost). Dabei war der Entwurf aus jahrelangen umfassenden Bürgerbefragungen hervorgegangen. Diese methodisch gesammelten Erkenntnisse einer einzelnen Umfrage unter Besuchern gegenüberzustellen, ist ohne Frage unzulässig.

Die Argumentation einer einzelnen Interessengruppe für sich zu instrumentalisieren zeugt zudem von einem deutlichen Missbrauch des Instruments „Bürgerbeteiligung“. Neben der zusätzlichen Diskreditierung eines ganzen Berufsstandes durch den amtierenden Bürgermeister, der sich klar gegen den Park ausspricht „’für den Landschaftsarchitekten Preise gewinnen’, der aber nicht das ’Wohlfühl-Gefühl’ der Menschen verbessere“, werden vor allem die großen und international verfolgten Bemühungen um ein umfassendes partizipatives, demokratisches Planungsmodell bei lebendigem Leibe erstickt und vor aller Augen ad absurdum geführt. Das ist ein Imageverlust für Berlin sondergleichen.

 

Ohne das finanzielle Desaster am neuen Berliner Flughafen hätte man die Planung einfach weiterentwickelt, wenn auch bei knapp bemessener Kasse. Der Rahmen war gesetzt und die Entwicklungsstrategie hatte Raum für Kursänderungen vorgesehen. Möglicherweise hätte die Initiative „100 % Tempelhofer Feld“ noch Änderungen herbeiführen können, doch zu einem „fast Erhalt“ des Status quo wäre es nicht gekommen, denn der Bedarf an breiter gefächerten Nutzungsmöglichkeiten besteht nach wie vor.

 

Jetzt wird der Verwertungsdruck auf die Freifläche wieder zunehmen. Insbesondere angesichts des innerstädtischen Wohnraummangels, der die Wohnungsmieten in Berlin derzeit um bis zu elf Prozent ansteigen lässt. Hier muss die Lobby des Freiraums unbedingt aktiv werden und neue, bessere politische Allianzen schmieden, um den Wert und das große Image- und Marketingpotenzial der Grünflächen herauszustellen und um einen gesunden Interessenausgleich zu finden. Oder um die Prioritäten in der Stadtentwicklung neu zu verhandeln – der Wiederaufbau Stadtschlosses soll vergleichsweise 590 Millionen Euro kosten.

Vor allem darf jedoch die Chance auf eine große Idee nicht verspielt werden. Sie ist unentbehrlich und immer noch möglich, wenn auch unter anderen Vorzeichen. Um die Tempelhofer Freiheit erhalten zu können, wird es zwar Zugeständnisse geben müssen, doch bleibt zu hoffen, dass zumindest eine mittelgroße Freiheit realisiert werden kann, die gleichsam überzeugend ist. Die einen Konsens innerhalb eines starken gestalterischen Leitrahmens repräsentiert, der in demokratischer Manier die Träume und Visionen möglichst vieler Wirklichkeit werden lässt.

Dieser Text ist eine gekürzte Fassung des Beitrags “Tempelhofer Freiheit oder Marketingobjekt: Aktuelle Parkpolitik in Berlin“ aus:
Stefanie Hennecke, Regine Keller, Juliane Schneegans (Hg.): “Demokratisches Grün – Olympiapark München”, 224 Seiten, 28 Euro, ISBN 978-3-86859-230-6.