Bauen für die nächste Generation

Thema Nachhaltigkeit beim 15. Steinforum von braun-steine

Bis zu 13 000 Fahrzeuge ertrug der baden-württembergische Ort Rudersberg noch vor wenigen Jahren. Mittlerweile konnte das Städtchen entlastet werden, dank einer neuen Ortsmitte, in der die verschiedenen Verkehrsteilnehmer nahezu gleichberechtig sind. Der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde berichtete auf dem 15. Steinforum von braun-steine in Neu-Ulm.

„Zu Beginn gab es die grundsätzliche Frage: Soll eine Umfahrung die Lösung sein, die wertvolle Streuobstwiesen in der Umgebung zerstören wird? Oder sollen die Autos weiterhin durch Rudersberg fahren, aber mit einem neuen Straßenkonzept?“, so Martin G. Kaufmann, ehemaliger Bürgermeister von Rudersberg, heute Oberbürgermeister der Stadt Leonberg. In Anlehnung an die Idee von Shared Space entschieden sich die Bürger für einen Umbau ihrer Ortsmitte. Shared Space – auf deutsch „Geteilter Raum“ – ist ein Konzept für öffentliche Räume, in denen alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtig sind. Auf eine Verkehrsregelung verzichtet man hier weitestgehend.

Idee von Shared Space als Lösung

Zweieinhalb Jahre war Rudersberg eine Baustelle, um das „Park Avenue-Konzept“ von braun-steine umzusetzen – Gehwege wurden verbreitert, Bordsteinkanten abgesenkt. Anstelle von Asphaltflächen verlegte man vornehmlich Pflastersteine, sowohl auf der Straße als auch auf dem Gehweg. Die Straßenleuchten stehen dicht an beiden Fahrbahnrändern und eingelassenen LED-Lichtern zeichnen einen ehemaligen Bachverlauf nach.

Lärm- und Verkehrsabnahme

Im Ergebnis minderte  die diagonale Verlegung der Pflastersteine den Lärmpegel. Außerdem wirkt die Ortsmitte attraktiver und aufgeräumter, weil es nicht mehr so viele Straßenschilder gibt. Nach einer Zählung im Mai 2016 fahren nun 32 Prozent weniger Autos durch Rudersberg. „Das liegt aber vor allem daran, dass durch die Komplettsperrung die Autofahrer andere Wege gewählt haben. Das hat sich dann wohl über die Zeit eingebürgert“, so Kaufmann.

Wälder als CO2-Speicher

Mit seiner neuen Ortsmitte ist Rudersberg sicherlich ein gutes Beispiel für eine nachhaltige Stadtentwicklung – passend dazu referierte Franz-Josef Radermacher – Mitglied des Club of Rome – am Ende des 15. Steinforums über die Folgen der Klimakatastrophe und wie man sie nachhaltig lösen könne. „Statt immer nur den CO2-Wert abzudrehen, sollten wir den vorhandenen Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre ziehen“, weiß Radermacher. Mit der Aufforstung von neuen Wäldern, die das COspeichern, könne das gelingen. „Negativemissionen erzeugen“, nennt er das und nannte das Paradebeispiel vom Trillion Trees-Projekt. Ziel der Initiative ist es, die von WWF, BirdLife International und Wildlife Conservation Society getragen wird, bis Mitte des Jahrhunderts eine Billion Bäume gepflanzt zu haben.

Mehr zu Klimaschutz in Städten gibt es in der kommenden Garten + Landschaft 5/2018: Das Heft beschäftigt sich mit dem Klima in den Städten von heute und morgen.