Berlin-Brandenburg 2070: Sieger*innen des Ideenwettbewerbs

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Die meisten Entwürfe des Städtebaulichen Ideenwettbewerbs Berlin-Brandenburg 2070 denken die Region von Berlin her – und bleiben aber leider am sogenannten Speckgürtel hängen. Der Siegerentwurf von Bernd Albers, Silvia Malcovati und Günther Vogt allerdings überzeugt durch seine Weitsicht.

Corona und die Erfahrungen, dass Bildschirmarbeit auch zu Hause möglich ist, haben in Berlin dem alten Traum vom Leben im Grünen neue Nahrung gegeben. Waren schon 2019 die Grundstückspreise im sogenannten Speckgürtel und darüber hinaus auf Rekordhöhe gestiegen, hat das Coronajahr 2020 auch die Brandenburger Peripherie erreicht. Im Landkreis Oder-Spree etwa sind zuletzt auch die Bodenpreise in Fürstenwalde und Beeskow gestiegen. Die Giga-Factory von Tesla, in der einmal 12 000 Menschen arbeiten sollen, ist da noch gar nicht mit eingerechnet.

Berlin-Brandenburg 2070 – 100 Jahre Groß-Berlin

Berlin boomt, Berlin strahlt aus. Kommt die gemeinsame Planung beider Bundesländer aber dem Trend hinterher? Welche planerischen Herausforderungen und Ideen sind damit verbunden? Und wie lässt sich die Peripherie jenseits des Speckgürtels folgerichtig einbinden? Groß denken also, diese Aufgabe hat sich der Architekten- und Ingenieurverein Berlin-Brandenburg (AIV) gestellt. Zum hundertsten Jubiläum der Gründung Groß-Berlins 1920 hat der AIV deshalb einen Städtebaulichen Ideenwettbewerb Berlin-Brandenburg ausgelobt, der einen ähnlich großen Wurf hervorbringen soll – also einen Plan für die Hauptstadtregion für das Jahr 2070.

Mehr zu aktuellen Entwicklungen in der Hauptstadt lesen Sie hier.

Berlin-Brandenburg 2070: die Gewinner

Mit anderen zivilgesellschaftlichen Initiativen lobte der AIV 2019 den offenen, zweiphasigen „Internationalen Städtebaulichen Ideenwettbewerb Berlin-Brandenburg 2070“ aus. Das Ziel waren laut offizieller Stelle städtebauliche Visionen für die Zukunft der Hauptstadtregion, die das Leitbild des „Siedlungssterns“ der Gemeinsamen Landesplanung zum städtebaulichen Thema machen. Die Bekanntgabe der Gewinnerentwürfe erfolgte am 16. Juli 2020.

1. Preis: Zusammenwachsen Landschaft(f)tStadt

2. Preis: Stadtlandschaft Brandenburg-Berlin 2070 – Kontur eines Übergangs-Gesellschaft

 

Bildrechte: Bernd Albers Gesellschaft von Architekten mbH, Vogt Landschaft GmbH, Arup Deutschland GmbH

3. Preis: Sternarchipel Berlin-Brandenburg

 

Bildrechte: Kopperroth / SMAQ / Alex Wall (Berlin und Cambridge, USA), Dipl.-Ing. Stefan Tischer, freischaffender Landschaftsarchitekt, Office MMK – Urban Technologies

4. Preis: Landschaft der Unterschiede

 

Bildrechte: Jordi & Keller Architekten / Pellnitz Architektur und Städtebau (Berlin), Christina Kautz Landschaftsarchitektur, Ludwig Krause Stadtplaner

5. Preis: Archipel – Labor: Ein Atlas von urbanen Inseln für Berlin

 

Bildrechte: Thomas Stellmach Planning and Architecture / fabulism GbR (Berlin), Lysann Schmidt Landschaftsarchitektur, Melissa Gómez (Beraterin für nachhaltige Mobilität und urbane Innovation), Marcus Andreas (Berater für Nachhaltigkeit), Florian Strange (Berater für Urbanismus & Design Prozesse)

Weitere Entwürfe von Berlin-Brandenburg 2070

 

Bildrechte: Pedro Pitarch (Madrid)

Die Entwürfe wurden im Rahmen der Ausstellung „Unvollendete Metropole“ bis zum Lockdown im Kronprinzenpalais gezeigt. Folgt man einigen der mehr als 50 eingereichten Arbeiten, ist Brandenburg in der Fläche allerdings nicht selten zu wenig ausgeleuchtet. So konzentriert sich der Entwurf „Landschaft des Wassers“ des Prager Büros gogolák + grasse alleine schon in der Auswahl der drei geforderten Vertiefungsbereiche auf Berlin und sein unmittelbares Umland. Näher untersucht werden also Hellersdorf-Hönow, Köpenick und die Jungfernheide. Dabei hätte die Grundannahme des Büros ohne Probleme auch die Mark mitdenken können. Im Begleittext heißt es: „Die Topografie des Berliner Gebiets ist durch die Gletscherverschiebung und durch Flussläufe geprägt worden.“ Die Hauptstadtregion zwischen Elbe und Oder mit „Spreeathen“ in der Mitte, dazu die Fragen von Klimawandel, Dürre und Wasserhaushalt: Das hätte was werden können. Sollte es aber nicht, denn die Fixierung auf Berlin ist dem Entwurf eingeschrieben. Folglich: Berlin pur, Brandenburg außen vor.

Brandenburg – der weiße Fleck

Etwas weiter reicht der Horizont des Wettbewerbsbeitrags „Die Weiterentwicklung der Region im europäischen Kontext“. Allerdings legt er sein Augenmerk einzig und alleine auf die von West nach Ost verlaufende Achse der A2, des südlichen Berliner Rings A10 und der A12. Es ist die südlich von Berlin verlaufende Autobahntrasse nach Moskau – woher das Büro RTDA, dessen Entwurf es ist, kommt. Auch hier reichen die geforderten Teilbereiche einer planerischen Vertiefung nicht über Berlin und sein engeres Umland hinaus. Sie betreffen in Potsdam die Sanierung des Zentrums Ost, in Berlin die Entwicklung des Kraftwerks Klingenberg zu einem mischgenutzten Wohnquartier sowie die Untersuchung eines Areals am neuen Hauptstadtflughafen BER. Der Rest Brandenburgs bleibt planerisch ein weißer Fleck.

Jordi & Keller mit Christina Kautz

Ganz anders dagegen operiert der Entwurf „Sternarchipel Berlin-Brandenburg“ von Jordi & Keller Architekten/Pellnitz Architektur und Städtebau in Zusammenarbeit mit Christina Kautz Landschaftsarchitektur und dem Verkehrs- und Stadtplaner Ludwig Krause. Er wurde von der Jury mit dem dritten Platz ausgezeichnet und untersucht nicht nur die Potenziale von Brandenburg an der Havel, immerhin eine Stadt in zweiter Reihe, sondern denkt auch den Siedlungsstern weiter – jene Urbanisierungsstruktur des Großraums Berlins entlang der Radialen der Bahn, die schon vor der Gründung von Groß-Berlin 1920 entstanden war und bis heute auch die Grünräume der Region prägt.

Adieu Grün?

Denn die Zwischenräume zwischen den sternförmig ins Umland zeigenden Fingern haben keine Schwimmhaut bekommen, sie blieben meistens frei vom Neubebauung. Zum Siedlungsstern gehören also auch die Grünkeile dazwischen. Leider schüttet der Entwurf auf Berliner Territorium das Kind mit dem Bade aus, geht es ihm dort vor allem um die kritische Rekonstruktion und damit die Bebauung jener Freiräume im Zentrum, die die sozialistische Moderne der vereinigten Stadt hinterlassen hat. Draußen Grün, in der Stadt dagegen kann es weg.

Berlin vs. Siedlungsbrei

Verpflichtend für die Teilnahme aller 56 eingereichten Arbeiten war der von den Landesregierungen in Berlin und Brandenburg abgestimmte Landesentwicklungsplan (LEP) Hauptstadtregion. Dieser besagt, dass das Wachstum im Umland, aber auch darüber hinaus, auch bis 2070 entlang der Siedlungssterne konzentriert werden soll. Die Brandenburger CDU, die den LEP noch im Wahlkampf 2019 bekämpft hatte, trägt ihn nun im Rahmen der Kenia-Koalition mit SPD und Grünen mit. Es ist damit politischer Konsens sowohl des Berliner Senats als auch der Landesregierung in Potsdam, dass auch in einer Phase anhaltenden Wachstums in der Hauptstadtregion kein Siedlungsbrei entstehen soll.

Zum 2. Preis von Berlin-Brandenburg 2070

Zum 1. Preis von Berlin-Brandenburg 2070

 

Bildrechte: Kopperroth / SMAQ / Alex Wall (Berlin und Cambridge, USA), Dipl.-Ing. Stefan Tischer, freischaffender Landschaftsarchitekt, Office MMK – Urban Technologies

Dieser Vorgabe für den Wettbewerb Berlin Brandenburg 2070 trägt der zweitplatzierte Entwurf Rechnung. Er stammt vom Büro Kopperroth/Smaq/Alex Wall und stellt den Begriff der Stadtlandschaft in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. Denn die Lösung der Zukunftsfragen ist für die Verfasser*innen nicht die Verstädterung des Umlands, sondern der Grundgedanke, „dass eine zukunftsfähige Metropole nur aus der Landschaft entwickelt werden kann“. Am Beispiel der Siedlungsachse Pankow-Buch-Bernau-Barnim deklinieren sie ein intellektuell ebenso aufregendes wie spielerisches Modell einer kleinräumigen Parzellierung der Landschaft durch. So existieren bald erstens städtische wie ländliche Nutzungen nebeneinander und zweitens bilden ein neues Gewebe am Übergang von Berlin in sein Umland und andersherum.

Siegerentwurf Berlin-Brandenburg 2070 mit Weitblick

 

Bildrechte: Bernd Albers Gesellschaft von Architekten mbH, Vogt Landschaft GmbH, Arup Deutschland GmbH

Während dem zweiplatzierten Entwurf allerdings das Potenzial fehlt, in reale Planung umgesetzt zu werden, sucht die Nummer eins von Bernd Albers, Silvia Malcovati und Günther Vogt nicht so sehr das Experiment, sondern setzt auf Altbewährtes. Dazu zählt etwa der Vertiefungsraum Tempelhof-Südkreuz mit einer Blockrandbebauung entlang der Stadtautobahn und, auch wenn das aber für Kontroversen sorgen dürfte, am Rand des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Ein zweiter Verdichtungsstandort ist Bernau bei Berlin. Hier setzen Albers, Malcovati und Vogt ebenfalls auf eine Reurbanisierung ehemaliger Bahnflächen. So soll es nördlich und südlich der Bahntrasse eine dicht bebaute Blockstruktur geben, ähnlich wie bei den Potsdamer Bahnhofspassagen. Nach Nordosten hin sollen darüber hinaus U-förmige Gebäude entstehen, die sich zum Pankepark auf der gegenüberliegenden Seite der Bahntrasse öffnen.

Das wichtigste Element des Entwurfs ist aber die Planung für Schwedt. Anders als etwa Eberswalde, Brandenburg an der Havel, Fürstenwalde oder Luckenwalde gehört die Oderstadt nicht zu den Städten der zweiten Reihe, denen der Landesentwicklungsplan einen neuen Schub geben soll, sondern zum äußeren Verflechtungsraum, wie es das im Planerdeutsch einmal hieß, um nicht Peripherie sagen zu müssen. Allerdings ist Schwedt, wo die Pommersche Medizinische Akademie Stettin (PAM) im Uckermarck-Klinikum ein Lehrkrankenhaus betreibt, aber auch Teil der Entwicklungsachse zwischen Berlin und dem Oberzentrum der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Die Wahl, einen der Vertiefungsbereiche Schwedt zu widmen, ist also ein Hinweis auf den Weitblick, den der Siegerentwurf von Albers, Malcovati und Vogt wagt.

Ein neues Kapitel für die Infrastruktur

Geradezu visionär wird es aber, wenn die drei Planer*innen den Vorschlag eines neuen Kapitels in der Geschichte der Infrastruktur in der Hauptstadtregion unterbreiten. So soll es neben dem S-Bahn-Ring und um den Bahnring um Berlin herum außerdem einen neuen, dritten Eisenbahnring geben. Er würde folglich erstens Oranienburg, Bernau, Erkner, Königs Wusterhausen, Zossen und Trebbin miteinander verbinden und zweitens diesen Städten als Knotenpunkten im Netz Aufschwung verschaffen.

Ein 3. Ring für Berlin

„Durch den 3. Ring wird die Mobilität im Berliner Umland wesentlich erhöht und die Abhängigkeit der Städte von Berlin reduziert“, schreiben die Autor*innen des erstplatzierten Entwurfs. Platz für eine Million Menschen soll er schaffen, ohne dabei aber die Konzentration auf den Siedlungsstern aufzuweichen. Ach ja, der dritte Eisenbahnring soll auch noch nachhaltig gebaut werden: „Zur Schonung von Kulturlandschaft, Landwirtschaft und Tierwelt wird der 3. Ring als Hochbahn konzipiert. Damit werden auch Kreuzungen mit Straßen, Autobahnen und Flüssen vereinfacht. Eine leichte Bautechnologie befördert das harmonische Verhältnis zu Natur und Landwirtschaft. Die erhöhte Sicht aus dem Zug schenkt de Reisenden ein Landschaftserlebnis, die Bahnhöfe in den Städten werden zu attraktiven Orten.“

Gewappnet für die Corona-Stadtflucht

Mag letzteres nun doch wie ein schönes Bild daherkommen, in seiner Gesamtheit ist der Entwurf von Albers, Malcovati und Vogt aber zurecht zum Sieger gekürt worden. Und er ist der einzige, der Brandenburg erstens nicht aus Berlin heraus entwickelt, und zweitens beide Teilregionen der Hauptstadtregion gleichberechtigt denkt. Mit ihm wäre die Region also gut für die Corona-Stadtflucht gewappnet und den Treibern der Suburbanisierung, die noch folgen. Die Zukunft kann deswegen kommen.

Interessiert an mehr Themen aus der Hauptstadt? Hier finden Sie einen Übersichtsartikel zum Mietendeckel Berlin.

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Rigole: Innovative Entwässerungskonzepte

Rigolen dienen als unterirdische Speicherstrukturen, die das Regenwasser aufnehmen und langsam wieder abgeben. Credit: Wikicommons

Die zunehmende Urbanisierung und der Klimawandel stellen Städte weltweit vor enorme Herausforderungen im Bereich der Entwässerung. Starkregenereignisse und steigende Fluten gefährden die Infrastruktur und die Lebensqualität der Bewohner. Eine innovative Lösung zur Bewältigung dieser Herausforderungen sind Rigolen, die sich immer mehr als nachhaltige Entwässerungslösungen etablieren. Sie bieten eine umweltfreundliche Möglichkeit, überschüssiges Regenwasser zu speichern und kontrolliert abzuleiten.

Was sind Rigolen?

Rigolen sind unterirdische Speicherstrukturen, die überschüssiges Regenwasser aufnehmen, speichern und langsam wieder abgeben. Sie bestehen aus einer Schicht von durchlässigem Material, das es dem Wasser ermöglicht, in den Boden zu versickern, statt es in die Kanalisation zu leiten. In vielen Fällen sind Rigolen als Teil eines versickerungsfähigen Entwässerungssystems konzipiert, das auch natürliche Ressourcen wie Boden und Pflanzen in den Wasserhaushalt mit einbezieht.

Im Wesentlichen handelt es sich bei Rigolen um versickerungsfähige Regenwasserspeicher, die in städtischen Gebieten als effiziente Lösung zur Entwässerung und Flutprävention dienen. Sie bestehen typischerweise aus folgenden Bestandteilen:

  1. Einlasssysteme: Diese leiten das Regenwasser in die Rigole. Das kann über Rinnen, Schachtabdeckungen oder Kanäle geschehen.
  2. Speicherbereich: Dieser Teil der Rigole besteht aus einem durchlässigen Material wie Schotter oder Kies, das das Wasser speichert und für die Versickerung vorbereitet.
  3. Filter- oder Geotextilschicht: Diese Schicht verhindert das Eindringen von Schmutz oder Sedimenten, die das System verstopfen könnten.
  4. Auslasssystem: Ein kontrollierter Ablauf ermöglicht die langsame und dosierte Abgabe des Wassers in den Boden oder in die Kanalisation, um Überlastungen zu vermeiden.

Wie funktionieren Rigolen?

Rigolen arbeiten nach einem einfachen, aber effektiven Prinzip: Sie sammeln überschüssiges Regenwasser und leiten es in den Boden, wo es entweder versickern kann oder nach und nach in das Grundwasser abfließt. Das Prinzip basiert auf der natürlichen Fähigkeit des Bodens, Wasser zu filtern und zu speichern.

  1. Wasseraufnahme: Regenwasser wird über die Einlasssysteme in die Rigole geleitet.
  2. Speicherung: Das Wasser wird in den durchlässigen Speicherschichten der Rigole gesammelt, die es vorübergehend speichern, während es auf die Versickerung wartet.
  3. Versickerung: Das Wasser versickert langsam in den Boden, wodurch der Druck auf die Kanalisation und die Gefahr von Überschwemmungen reduziert wird.
  4. Langsame Abgabe: Falls die Speicherkapazität der Rigole überschritten wird, sorgt der Auslass dafür, dass das überschüssige Wasser kontrolliert abfließt.

Die Geschwindigkeit der Versickerung hängt von der Bodenbeschaffenheit und der Kapazität der Rigole ab. Durch diese langsame und gezielte Abgabe wird der Wassermengenabfluss reguliert und gleichzeitig das Risiko von Erosion und Überschwemmungen minimiert.

Vorteile von Rigolen für die nachhaltige Entwässerung

Die Nutzung von Rigolen zur Entwässerung städtischer Gebiete bietet zahlreiche Vorteile:

  1. Vermeidung von Überschwemmungen: Rigolen verringern die Belastung der städtischen Kanalisation, da sie einen Teil des Regenwassers aufnehmen und die Abflüsse verzögern. Dadurch wird das Risiko von Überschwemmungen nach Starkregenereignissen verringert.
  2. Förderung der Grundwasserneubildung: Durch die Versickerung des Regenwassers wird das Grundwasser aufgefüllt, was besonders in Gebieten mit Wasserknappheit von Bedeutung ist.
  3. Reduzierung der Belastung für die Kanalisation: Rigolen verringern die Notwendigkeit, teure und energieintensive Abwassersysteme auszubauen, da sie den Wasserabfluss effizient steuern und die Belastung der Kanäle mindern.
  4. Förderung der Biodiversität: Die Speicherung von Regenwasser kann zur Begrünung von städtischen Flächen und zur Förderung von Grünflächen führen, was das Stadtklima verbessert, und die Lebensqualität erhöht.
  5. Kosteneffizienz: Im Vergleich zu herkömmlichen Entwässerungssystemen sind Rigolen kostengünstiger, da sie wenig Wartung benötigen und einfach in städtische Infrastrukturen integriert werden können.

Integration von Rigolen in den urbanen Raum

Die Integration von Rigolen in den urbanen Raum erfordert eine sorgfältige Planung und Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten. In Städten, in denen der Boden wenig durchlässig ist oder in denen der Platz begrenzt ist, müssen alternative Lösungen wie Rigolen mit wasserdurchlässigen Betonplatten oder speziellen Materialien erwogen werden, die eine gute Wasseraufnahme ermöglichen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Kooperation zwischen Stadtplanern, Ingenieuren und der Bevölkerung. Oftmals müssen Rigolen in Kombination mit anderen nachhaltigen Entwässerungslösungen wie Gründächern, Regentonnen oder Versickerungsmulden eingesetzt werden, um eine umfassende Lösung für die Regenwassernutzung zu schaffen.

Beispiele erfolgreicher Rigolen-Installationen

  1. Köln, Deutschland: In Köln wurden Rigolen in verschiedenen Stadtteilen installiert, um die Kanalisation zu entlasten und Überschwemmungen bei Starkregen zu verhindern. Ein besonders erfolgreiches Beispiel ist das „Grüne Band“ in Köln, wo Rigolen Teil eines umfassenden Entwässerungskonzepts sind, das auch Grünflächen und nachhaltige Stadtentwicklung berücksichtigt.
  2. New York City, USA: In New York wurden Rigolen in mehreren Stadtteilen als Teil des Projekts „Green Infrastructure“ integriert. Dies hat zu einer erheblichen Reduzierung der Oberflächenabflüsse geführt und dabei geholfen, die Kanalisation in Spitzenzeiten zu entlasten.
  3. London, Großbritannien: In London wurde das „Sustainable Drainage Systems (SuDS)“-Programm ins Leben gerufen, bei dem Rigolen in mehreren Neubaugebieten und öffentlichen Plätzen installiert wurden. Dies trägt dazu bei, den Wasserabfluss zu steuern und die Auswirkungen von Starkregen zu mildern.
  4. Singapur: Singapur hat Rigolen als Teil seiner umfassenden Strategie zur Verbesserung des urbanen Wassermanagements eingeführt. Hier werden Rigolen oft mit anderen Lösungen wie Regenwasserspeichern und Gründächern kombiniert, um die Stadt gegen Überschwemmungen zu wappnen.

Fazit

Rigolen sind eine vielversprechende Lösung für die nachhaltige Entwässerung von Städten, die durch Starkregen und Urbanisierung zunehmend mit Überschwemmungen zu kämpfen haben. Sie bieten nicht nur ökologische Vorteile, indem sie die Wasseraufnahme und -speicherung im Boden fördern, sondern tragen auch zur Verringerung der Belastung von Kanalisation und Infrastruktur bei. Die Integration von Rigolen in städtische Entwässerungssysteme ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer nachhaltigen und klimaresilienten Stadtentwicklung.

Mehr zum Thema und unserer Kampagne STOP THE FLOOD hier. 

„The Invisible Street“ von Vogt Landschaftsarchitekten

Ausstellungseröffnung am 5. Mai

Ausstellungseröffnung am 5. Mai (Foto: © Till Budde)

Vogt Landschaftsarchitekten kuratieren Ausstellung in Berlin: In der Architektur Galerie Berlin findet noch bis zum 11. Juni die Ausstellung „The Invisible Street“ statt. Die große Frage der Ausstellung lautet: Was ist eine Straße? Präsentiert werden Ergebnisse explorativer Erkundungen in Paris, Berlin, London und Zürich.

Die Straße ist ein öffentlicher Raum des Alltags. Jeden Tag nutzen ihn tausende Menschen auf vielfältige Weise. Dabei ist die Straße weit mehr als nur eine verknüpfende Linie von A nach B. Auch wenn sie beim täglichen Gang zur Arbeit – gerade im motorisierten Straßenverkehr – diese Transitfunktion einnehmen mag. Die Bedeutung der Straße für das Stadtbild und somit auch für das soziale Gefüge einer Stadt wird auf vielen Ebenen unterschätzt. Vogt Landschaftsarchitekten wollen das mir ihrer Ausstellung „Die unsichtbare Straße“ ändern. Darin tragen sie Kamera- und Tonaufnahmen zusammen, aus denen die Komplexität des Systems Straße sich zusammensetzt. Es wird die wechselseitige Beziehung diverser Faktoren wie Flora, Fauna, Geräusch und Geruch beleuchtet. Die Eröffnung der Sammlung fand am Donnerstag, den 05. Mai, mit einer Einführung durch den Soziologen und Stadtforscher der ETH Zürich, Christian Schmid, statt. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum Samstag, den 11. Juni in der Architektur Galerie Berlin.

Explorationen in Paris, London, Zürich und Berlin

Um sich dem Thema anzunähern, wählten Vogt Landschaftsarchitekten vier exemplarische Untersuchungsräume aus, die sie anschließend bis ins kleinste Detail zu erfassen versuchten. Die Standorte liegen in den Hauptstädten Frankreichs, Großbritanniens, der Schweiz und Deutschlands. Die Auswahl kommt dabei nicht von ungefähr. In allen Städten unterhält Vogt Landschaftsarchitekten Büroniederlassungen. Vor Ort wählten sie bekannte Straßenzüge aus, die sie mit Lupe, Fernrohr, Kamera und Mikrofon im Sinne eines Field-Trips dokumentierten. Vogt Landschaftsarchitekten spricht von einer provokativen Exploration des Straßenraumes. Und auch Besucher*innen in der Ausstellung können die Avenue des Champs-Élysées in Paris, die Whitechapel Road in London, die Bahnhofstrasse in Zürich und die Karl-Marx-Allee in Berlin auf ungewöhnliche Art und Weise erfahren. Im wahrsten Sinne des Wortes soll das Publikum einen Blick hinter den Vorhang werfen, um so das primär nicht Sichtbare selbst zu entdecken. Die Herangehensweise und der Ausstellungsaufbau verdeutlichen die Haltung und Arbeitsweise von Vogt Landschaftsarchitekten.

Fusion von Wissenschaft und Gestaltung

Dabei steht der Austausch zwischen verschiedenen Disziplinen ebenso im Vordergrund wie ein wissensbasierter Entwurfsprozess. Seit 2005 lehrt und forscht Günther Vogt an der ETH Zürich. Die Zusammenkunft von Wissenschaft und Praxis im Büro verleiht Projekten eine sinnhafte Tiefe. Im Vogt Case Studio finden Forschung und Ausstellung zueinander. In der Vergangenheit konnten bereits andere spannende Expositionen kuratiert werden. Die neue Ausstellung will nun ein Licht auf den Paradigmenwechsel in der Wahrnehmung des Straßenraumes werfen. Obwohl die Straße einst als Repräsentation der Vielseitigkeit und Intensität des urbanen Lebens galt, fände sie in der zeitgenössischen Planung kaum mehr Beachtung. Nach 1945 lag der Fokus auf dem Wiederaufbau, daran anschließend kam das Paradigma der autogerechten Stadt auf.  Die Gestaltung und Nutzbarkeit für den Menschen außerhalb des Automobils war dabei Nebensache. Nun sei die Zeit gekommen, den Raum neu zu bewerten. Als wesentliches Element der Stadt müssten die innewohnenden Potentiale zukünftig deutlich mehr ausgeschöpft werden.

Vogt Landschaftsarchitekten wollen Wahrnehmung schärfen

Der Straße sollten wieder die Aufgaben eines sozialen Raumes zugestanden werden.  Das Freiraumgefüge der Stadt besteht schließlich nicht nur aus Parks, Grünanlagen und Plätzen. Das feine Netz aus Wegen, das alle diese Komponenten verbindet, ist ebenso bedeutsam. Die Ausstellung versucht, den Besucher*innen diese Bedeutsamkeit wieder bewusst zu machen. Klimangepasste Planung sieht Vogt Landschaftsarchitekten dabei als wesentliches Schlagwort. Nur durch einen Wandel in der Ausgestaltung des Straßenraumes könne das Ziel einer nachhaltigen und lebenswerten Stadt erreicht werden. Die Position des Büros vertritt Günther Vogt auch bei einer Diskussion vor Ort, am Donnerstag, den 09. Juni, gemeinsam mit der Architektin Silvia Malcovati von der FH Potsdam und dem Verleger Lars Müller. Ein Besuch der Ausstellung ist Dienstag bis Freitag von 14 bis 19 Uhr und Samstags von 12 bis 18 Uhr möglich. Zeit, sich selbst ein Bild zu machen und die unsichtbare Straße in der eigenen Wahrnehmung um das primär nicht Sichtbare zu erweitern.

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