Citizen Science

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in "Citizen Science" plädiert Peter Finke für die Anerkennung von Laienwissen.

 

Nicht nur in Planerkreisen ist Bürgerbetei­ligung in ­aller Munde. Dabei geht es nicht darum, dass Bürger generell besser in der Lage ­wären Projekte umzusetzen. Sondern, dass die Bürger lokales Wissen, gesammelte Erfahrungen und Wünsche zu Orten einbringen. Darüber können die Bauherren, Planer und andere Projektbeteiligte in vergleichbarem Maße unmöglich verfügen.

Genauso verhält es sich mit dem „unterschätzten Wissen der Laien“, dem sich der Wissenschaftstheoretiker Peter Finke in seinem Buch „Citizen Science“ widmet. Es trägt diesen englischen Titel, da ein gleichwertiger deutscher Begriff nicht existiere, sagt Finke. Es geht ihm, selber Professor und im Wissenschaftsbetrieb reussiert, nicht darum, die professionellen Wissenschaften und Wissenschaftler für überflüssig zu erklären. So sieht er die professionellen Wissenschaftler als die wenigen Gipfelstürmer, die den Gipfel eines Achttausenders erklimmen können, das aber nie ohne die zahlreichen Helfer im Basislager schaffen würden.

Breite Basis für Exzellenz nötig
Ähnlich wie der Breitensport die Basis für erfolgreichen Spitzensport sei, müsse auch Spitzenwissenschaft auf einer breiten Basis gründen. Er plädiert dafür, das mit dem weltweiten Internet und der Digitalisierung noch leichter zugängliche Wissen aller anzuerkennen und zu nutzen. Denn das Wissen von Laien ist per se nicht besser oder schlechter als das professioneller Wissenschaftler, es wird vor allem aus einer anderen Motivation heraus generiert sowie auf andere Weise gesammelt und verknüpft. Denn Universitäten und Forschungsinstitute sind oft angewiesen auf Drittmittel, hinter denen Geldgeber mit bestimmten Interessen stehen und daher auch „nur“ Interesse an bestimmten Forschungsthemen haben. ­

Dahingegen beginnen Laien meist aus sehr praktischen Gründen, sich für bestimmte Fragestellungen ihres Alltags zu interessieren und Wissen dazu zusammenzutragen. Zudem steht für sie die Relevanz der Inhalte im Vordergrund, wohingegen die Profis größten Wert auf Exaktheit und Unanfechtbarkeit legen. Ob ihr Forschen an Spezial­gebieten ­eine große Relvanz für die Mehrheit hat, ist nachrangig.

Wissensfelder statt Spezialdisziplinen
Einen Mehrwert bei den Ergebnissen von Laien sieht Finke darin, dass sie sich für Wissensfelder interessieren und so Erkenntnisse aus verschiedenen Disziplinen verknüpfen. Wissenschaftler bleiben dagegen meist strikt innerhalb ihrer angestammten Dis­ziplin, auf anderen Feldern droht Glatteis, dafür sind sie ja nicht die ­Experten.

Natürlich lauern auch bei dieser „demokratischeren“ Art der Erkenntnissuche Fallstricke: So bergen auch Gemeinschaftsprojekte wie etwa Wikipedia die Gefahr, dass dort Scharlatane ihr Wissen verbreiten und sich hervortun. Den mündigen Laien komme nicht zuletzt ­eine Kontrollfunktion der Wissenschaft und der Bildungspolitik zu. Um diese erfüllen zu können, sei es notwendig, sich weltweit aus­zutauschen und den Dialog zu suchen.

 

Peter Finke (Hrsg.): Citizen Science – Das unterschätzte Wissen der Laien, 240 Seiten, oekom verlag München 2014, ISBN: 978-3865814661, 19,95 Euro