Landschaft kann man nicht nur sehen, sondern auch hören. Für unser Wohlbefinden ist die klang-räumliche Qualität eines Ortes von grundlegender Bedeutung. Wie sich Klänge in der Landschaftsarchitektur gewinnbringend einsetzen lassen, lesen Sie im Februarheft der Garten + Landschaft “Über Landschaft” ab Seite 24. Begleitend zu ihrem Heftbeitrag “Stadt und Landschaft hören”, präsentiert Nadine Schütz, Assistentin am Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur von Christophe Girot an der ETH Zürich, auf unserem Blog zwei Klang-Beispiele.

Der Neptunbrunnen im Garten der Villa d’Este in Tivoli. Das Rauschen des Wassers erzeugt Klänge, die die Wahrnehmung des Ortes beeinflussen. Fotos: Nadine Schütz

Anders als im Konzertsaal, wo man Musik möglichst rein von anderen Reizen und höchstens von dem hustenden Nachbarn abgelenkt zu hören bekommt, ist das Auditive in der Landschaft immer Teil einer grundlegenden ästhetischen Erfahrung, welche aus der Überlagerung mannigfaltiger Eindrücke gebildet wird. Die akustischen Qualitäten in ihrer Wechselwirkung mit anderen Aspekten der Landschaftswahrnehmung zu verstehen, ist eine wichtige Voraussetzung für die Integration dieser Qualitäten bei der Gestaltung von Landschaft. Die Arbeit mit Aufnahme- und Montagetechniken erlaubt eine vorübergehende Trennung der auditiven und visuellen Ebenen und trägt dazu bei, ihre jeweilige und gegenseitige Bedeutung für die Bewertung der Landschaft zu verstehen. So wird zum Beispiel dasselbe Rauschen, das mit einer unweit gelegenen Autobahn oder einem kaputten Radiosender in Verbindung gebracht und als unangenehmer „Lärm“ wahrgenommenen werden kann, durch das Sehen und Wissen, dass es von einem mächtigen wasserfallähnlichen Brunnen in einem Garten herrührt, zum erwünschten (Natur-)„Klang“. Umgekehrt zeigt eine Konfrontation des zunächst klanglosen postkartenträchtigen Blicks über den Zürichsee mit seiner realen akustischen Umgebung, wie maßgeblich das Gehörte die Gesamtwahrnehmung eines Ortes beeinflusst – durch subtile Lebendigkeit bereichernd oder durch ohrenbetäubendes Getöse überschreibend.

Da die Tonqualität oft wesentlich besser ist als bei integrierten Computerlautsprechern, wird empfohlen, den Klangbeispielen über Kopfhörer zu lauschen.

Rauschen hören und sehen; der Neptunbrunnen im Garten der Villa d’Este in Tivoli beeinflusst die Wahrnehmung, indem er etwa Geräusche anderer Besucher überdeckt. Montage von Nadine Schütz.

“Étude Noir“ – Ausschnitt aus einer Arbeit zur klanglichen Umgebung des Zürichseeufers von Korbinian Kainz und Bärbel Zindler, Studierende am Raum-Klang-Labor, Professur für Landschaftsarchitektur Christophe Girot, ETH Zürich.

Nadine Schütz, die Autorin des Beitrags, arbeitet derzeit an der ETH Zürich an ihrer Dissertation zum Thema “The Acoustic Dimension of Landscape Architecture”.

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Die Macht der Zeichnung

 

Laurie Olin ist einer der wichtigsten Landschaftsarchitekten der USA. Im Video erklärt der 78-Jährige, was es brauche um ein guter Landschaftsarchitekt zu sein. Das wichtigste Arbeitsmaterial sind für ihn nach wie vor Zettel und Stift. Die Zeichnung ermögliche es, den Raum genau wahrzunehmen und zu analysieren, zum Zeichnen brauche es räumliches Verständnis. In seinem Architekturbüro Olin würden nach wie vor Zeichnungen genutzt, um Konzepte besser zu verstehen und Dinge auszuloten, erst dann würden die Visualisierungen gemacht. Zum Schluss erläutert er die drei Grundfähigkeiten, die einen guten Landschaftsarchitekten ausmachen: „Write, speak and draw well!“ Damit bringt Olin auf den Punkt, wie wichtig es ist, darüber nachzudenken, was man will und wie man es am besten kommuniziert.

Olin unterrichtete unter anderem an der Harvard University in Cambridge. Neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen wurde er 2013 von President Barack Obama mit der National Medal of Arts geehrt. Sein Büro Olin gründete er 1976 zusammen mit Robert Hanna in Philadelphia, inzwischen gibt es eine weitere Dependance in Los Angeles. Das Büro zeichnet sich unter anderem für den Bryant Park und den Columbus Circle in New York City und die Washington Monument Grounds in Washington D.C. verantwortlich.

Ein Denkmal für Euthanasie-Opfer

70 Jahre nach den sogenannten Euthanasie-Morden der Nationalsozialisten wird es nun endlich einen würdigen Gedenk- und Informationsort in Berlin geben. Bei der “Aktion T4” (benannt nach der Adresse der damaligen Planungszentrale in der Berliner Tiergartenstraße 4) wurden zwischen 1940 und 1941 mehr als 70.000 Psychiatrie-Patienten und behinderte Menschen durch SS-Ärzte und Pflegekräfte ermordet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese Taten als Euthanasiemorde bezeichnet.

Die Arbeitsgemeinschaft der Berliner Architektin Ursula Wilms, dea Konzeptkünstlers Nikolaus Koliusis aus Stuttgart und des Landschaftsarchitekten Heinz W. Hallmann aus Aachen hat nach der Juryentscheidung vom 23. November mit ihrem Konzept den 1. Preis des Gestaltungswettbewerbs gewonnen.

Mit einer 31 Meter langen und 3,10 Meter hohen transparenten und hellblau eingefärbten Glaswand möchte die Arbeitsgemeinschaft auf einer schiefen Fläche aus anthrazitfarbenen Betonplatten an die Opfer der NS-Euthanasie erinnern. Eine 40 Meter lange Sitzbank verbindet die Tiergartenstraße mit dem Denkmal. Die nach Westen ausgerichtete, schräg gestellte Betonwand dient als Grundkonstruktion für ein durchlaufendes Informationspult in 13 Elementen. Dieses soll Opferbiographien beispielhaft präsentieren und 13 Medienstationen aufnehmen.

Das Preisgericht hob hervor, dass der Gedenk- und Informationsort sich  nicht aufdränge und doch, durch die lange hellblaue Wand, ein markantes Zeichen setze.
Den Wettbewerb „Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen ‘Euthanasie’-Morde am Ort der Planungszentrale, Tiergartenstraße 4 in Berlin“ hatten das Land Berlin und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien ausgelobt. Die Realisierung und Fertigstellung ist für 2013 geplant, die Mittel in Höhe von bis zu 500.000 Euro stellt der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien zur Verfügung. Am 10. November 2011 hatte der Deutsche Bundestag beschlossen, auf dem historischen Areal der Berliner Tiergartenstraße 4, dem heutigen Vorplatz der Philharmonie, einen „Gedenkort für die Opfer der NS-Euthanasie-Morde” zu errichten.
Der zweite Preis ging an Yves Dreier von Dreier Frenzel Architektur + Kommunikation aus Lausanne, die Künstlerin Susanne Muller und k1 Landschaftsarchitekten, beide aus Berlin.