Die Industrie-Landschaft im Blick

Am 30. Oktober wurde Peter Latz für sein Lebenswerk mit dem Sckell-Ehrenring 2014 ausgezeichnet. Der nach Friedrich-Ludwig von Sckell (1750-1823), dem Schöpfer des Englischen Gartens in München, benannte Ring wird seit 1967 von der Bayerischen Akademie der Schönen Künste verliehen an herausragende Gartenhistoriker, Landschaftsarchitekten und verwandte Berufe. Der Ehrenring gilt als die höchste deutsche Auszeichnung für Landschaftsarchitekten. In diesem Jahr erhielt Peter Latz aus Kranzberg bei Freising den Ring. Damit wird auch hierzulande sein Werk gewürdigt, das bereits zahlreiche internationale Anerkennungen erhalten hat. Die Jury betonte, dass Latz es verstehe, aktuelle soziale Fragen des Urbanismus mit den komplexen ökologischen Zusammenhängen industrieller Landschaften zu verknüpfen und diskursiv zu vermitteln.

Seiner Arbeitsweise liegt ein „syntaktisches Entwurfskonzept“ zugrunde. Seine Haltung zeichnet vor allem die Auseinandersetzung mit dem Ort und dem Kontext aus. Lokale Gegebenheiten zu berücksichtigen sowie mit minimalen Eingriffen ökologische und soziale Prozesse zu initiieren, sind ihm wichtiger als einen wiedererkennbaren Entwurfsstil zu prägen. „Es ist sicher meine ganz feste Grundüberzeugung, dass im Zweifelsfall die Struktur wichtiger ist als die Gestalt“, meint Latz.

Peter Latz beeinflusste Landschaftsarchitekten weltweit. Vor allem das Projekt Landschaftspark Duisburg-Nord gilt als Ikone der Konversion von Industriebrachen. Mit diesem Projekt setzte Latz wesentliche Maßstäbe für die Gestaltung und Nutzung vormals industrieller Orte. Außerdem bereichern Latz‘ Überlegungen zum ehemaligen Stahlwerk die Diskussion, was ein Park im beginnenden 21. Jahrhundert leisten muss. Dies studieren nun Planer aus aller Welt, für die der Industriepark als ein Mekka der Konversion darstellt.

Der Erfolg dieses Projektes basiert unter anderem auf zwei Prinzipien, die die Arbeit von Peter Latz von Beginn an begleiteten, wie der Sckell-Preisträger in seinem Vortrag nochmals hervorhob. Wie bei Sckell selbst, der in Parkanlagen von Schwetzingen bis Nymphenburg Bestehendes mit neuen, landschaftlichen Schichten überlagerte, so versteht Latz sein Konzept der Landschaft als Akzeptieren unterschiedlicher Schichten und Komponenten, wo Harmonisches und Störendes zusammengehen. Dazu kommt die Suche nach zeitloser Qualität im Freiraum: „Man benötigt in der ästhetischen Sprache und in den dazugehörigen Elementen eine ganze Menge von Informationen, die längere Zeiten überstehen“.

Diese Haltung lässt sich überprüfen an Projekten, die ebenfalls internationale Bekanntheit erlangten wie der Bürgerpark auf der Hafeninsel in Saarbrücken, der Parco Dora in Turin oder die Umgestaltung der ehemaligen Mülldeponie Hiriya in Tel Aviv.

Neben seiner Tätigkeit als praktizierender Landschaftsarchitekt prägte er auch Generationen von Studierenden durch seine Lehrtätigkeit als Professor, zuerst an der Gesamthochschule Kassel, später an der TU München-Weihenstephan. Latz unterrichtete auch an Hochschulen weltweit, unter anderem als Gastprofessor an der Harvard Graduate School of Design und als Adjunct Professor an der University of Pennsylvania.

Über das Schaffen von Latz und Partner hat 2008 Udo Weilacher das Buch „Syntax der Landschaft“ veröffentlicht, quasi das Standardwerk über den bekannten Landschaftsarchitekten. Topos zeichnete Peter Latz 2013 mit dem Topos Landscape Award aus und widmete dem Geehrten 24 lesenswerte Seiten in der Ausgabe 84 (Urban Strategies).

Maria Auböck, die Peter und Anneliese Latz seit Jahrzehnten kennt, fasste in ihrer Laudatio beim Festakt in der Akademie die Wirkung des Werkes mit dem Begriff „all inclusive“ zusammen: Aspekte der Raumtheorie, des Strukturalismus, der reflektierten Gartengeschichte. „Davon ausgehend ist Peter Latz als Vertreter deutscher Kultur weltweit bekannt: mit konsequentem Einsatz für die Ökologie, durch die Arbeiten für zukünftige Lebensräume mit Bejahung der Potentiale technischer Erfindungen.“