Unterstützung für Visionäre

Am 18. März 2019 startete die fünfzehnte Ausgabe des EUROPAN-Wettbewerbs. Der Ideenwettbewerb fordert eine Auseinandersetzung mit der produktiven Stadt der Zukunft. Der Fokus liegt dabei auf den Bereichen Ressourcen, Mobilität und Fairness. Architekten und Planer sind dazu aufgerufen, ihre Beiträge bis zum 28. Juli einzureichen.

 

Bereits im vergangenen Jahr beschäftigten sich die Teilnehmer des EUROPAN 14-Wettbewerbs mit der Produktivität von Städten. Das Thema wurde für die 15. Ausgabe des Ideenwettbewerbs um den Faktor Ökologie ergänzt. Teilnehmer sollen Synergien zwischen Ökosystemen, Menschen und der gebauten Umwelt beachten und daraus gemeinschaftliche Lösungsansätze erarbeiten. Die Architekten und Planer müssen so ihre Verantwortung der Umwelt gegenüber wahrnehmen und in die Entwürfe einfließen lassen. Die Teilnehmer sollen dabei besonders drei Bereiche ökologischer Überlegungen berücksichtigen: Ressourcen, Mobilität und Fairness.

Für den aktuellen Wettbewerb stehen den Teilnehmern 47 Standorte in 12 Ländern zu Verfügung, anhand derer sie ihre Konzepte erarbeiten können. Die verschiedenen Standorte bringen individuelle Herausforderungen mit sich, die es zu lösen gilt und bieten einen wertvollen Praxisbezug. In Deutschland können die Architekten und Planer ihre Entwürfe für die Stadt Selb oder die bergische Kooperation Hilden, Ratingen, Solingen und Wülfrath erstellen.

Der EUROPAN-Wettbewerb findet 2019 zum 15. Mal statt. Der Ideenwettbewerb, der sich an junge Architekten und Stadtplaner richtet, wird von EUROPAN veranstaltet. EUROPAN ist eine Organisation, die es sich zum Ziel gemacht hat, den Austausch von Ideen zwischen den verschiedenen Ländern Europas zu fördern. Außerdem möchte EUROPAN junge Architekten und Planer dabei unterstützen, Visionen zu entwickeln und sich professionell einen Namen zu machen. Nach der Auszeichnung unterstützen die Organisatoren des EUROPAN-Wettbewerbs die Gewinner dabei, zu erwirken, dass ihre Beiträge umgesetzt werden.

Teilnehmende müssen unter 40 Jahre alt sein und entweder in Europa arbeiten oder ihre Ausbildung in Europa gemacht haben. Sie können ihre Entwürfe sowohl alleine als auch in Teams erarbeiten. Die Beiträge müssen bis zum 28. Juli 2019 eingereicht werden. Die Ergebnisse werden am 2. Dezember 2019 veröffentlicht.

Weitere Informationen zum Wettbewerb finden Sie hier.

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Neue Plastik Ausstellung im Vitra Design Museum

Key Visual zur Ausstellung »Plastik. Die Welt neu denken« © Vitra Design Museum (Illustration: Daniel Streat

Key Visual zur Ausstellung »Plastik. Die Welt neu denken« © Vitra Design Museum (Illustration: Daniel Streat

Living in a plastic world? Vom 26. März bis 4. September 2022 läuft im Vitra Design Museum die Ausstellung „Plastik. Die Welt neu denken”. 

Plastik ist ein kontroverses Material. Einst galt es als neuartiger Kunststoff, der nicht nur in der Verpackungsindustrie, sondern auch im Design eine Vielzahl an Verwendungsmöglichkeiten eröffnete. Dieser unbeschwerte Umgang im 20. Jahrhundert hat bis heute Auswirkungen. Der regelrechte Kunststoff-Boom brachte drastische Umweltbelastungen mit sich. Um diese weiß man heute. Und versucht Lösungsansätze für nachhaltige Alternativen und einen gemäßigteren Umgang zu finden. Die neue Ausstellung „Plastik. Die Welt neu denken“ beleuchtet in vielfältiger Weise das Thema. Sie eröffnete am 26. März im Vitra Design Museum in Weil am Rhein. Dort ist sie bis zum 4. September zu sehen. Anschließend wird sie im V&A Dundee und im maat, Lissabon gezeigt. Gezeigt werden darin Objekte aus verschiedenen Jahrzehnten. Gleichzeitig wird die Entwicklung von Ideen und Idealen im Laufe der Zeit thematisiert. Insgesamt soll so eine kritische und differenzierte Auseinandersetzung entstehen. Mit einem Material und den komplexen Zusammenhängen, in denen es steht.

Vom Wandel in der Wahrnehmung

Die Ausstellung im Vitra Design Museum vermittelt die Thematik über diverse (audio)visuelle Darstellungsmethoden. Gleich am Eingang zeigt eine großformatige Filminstallation Sequenzen zu Konflikten, die aus der Plastikproduktion und -nutzung hervorgehen. Videoimpressionen der unberührten Natur stehen den Entwicklungen in der Produktion gegenüber. Dabei wird die Unverhältnismäßigkeit des zeitlichen Horizonts deutlich. Die Entstehung der fossilen Rohstoffe Kohle und Erdöl dauerte über 200 Millionen Jahre. Innerhalb nur eines Jahrhunderts generierten Menschen durch die daraus hergestellten synthetischen Kunststoffe dann eines der größten Umweltprobleme der heutigen Welt. Die industriellen Herstellung ermöglichte über Jahrzehnte einen steigenden Materialabsatz. 100 Jahre lang galt das Mantra von schnell und günstig als Optimum.  Erst in den letzten Jahren setzt ein Umdenken ein. Diese Entwicklung und den Wandel in der Wahrnehmung will die Ausstellung in Weil am Rhein vermitteln.

Zelluloid statt Elfenbein – Die Anfänge des Materials Plastik

Dazu informiert sie zunächst detailliert über die historischen Abläufe in der Entwicklung des Materials. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts stellten vereinzelte Erfinder*innen den heute allgegenwärtigen Kunststoff her. Zuvor nutzten die Menschen diverse andere pflanzliche und tierischer Rohstoffe in unterschiedlichsten Ausprägungen. Trinkgefäße oder Besteck wurde so beispielsweise jahrhundertelang aus Horn oder Schildpatt gefertigt. Zur Herstellung von Dekorationsobjekten, aber zum Beispiel auch zur Isolierung von Seekabeln, fand der eingedickte Saft des Guttapercha Baumes Verwendung. 1860 erfand John Wesley Hyatt dann zunächst das Zelluloid. 1907 schließlich entwickelte Leo Baekeland den ersten vollsynthetischen Kunststoff mit dem Namen Bakelit. Es verfügte über gute Isoliereigenschaften und fand vielfach Verwendung in Lichtschaltern, Steckdosen oder Radios. Baekelands Erfindung trug damit wesentlich zur flächendeckenden Elektrifizierung bei. Schnell wurde der Kunststoff als Material der unbegrenzten Möglichkeiten gefeiert. Bis in die 1920er Jahre blieb es allerdings zunächst bei den Erfindungen einzelner Tüftler*innen.

Vom Fallschirm zur Barbiepuppe – Eine Erfolgsgeschichte nimmt ihren Lauf

Danach sollte die Epoche der „Petromoderne“ beginnen. Große Chemiekonzerne stiegen in die Entwicklung ein. Ab den 1930er Jahren trat dann die Berufsgruppe der Industriedesigner*innen auf den Plan. Sie feilten an Möglichkeiten zur Nutzung des neuen Materials. Mit dem Beginn des zweiten Weltkrieges entstand ein weiterer Absatzmarkt für die wachsende Kunststoffindustrie. Plötzlich waren Plexiglas für Flugzeugcockpits oder Nylon für Fallschirme gefragt und mit der Nachfrage stieg das Angebot. Nach 1945 wurden die entwickelten Materialien für den häuslichen Bedarf umgedeutet. Plastikgeschirr, Tupperware aber auch Spielzeuge wie die Lego-Bauklötze oder die Barbiepuppe waren begehrt. 1957 errichtete dann eine Gruppe Architekt*innen im Disneyland Monsanto ein Haus, welches komplett aus Plastik bestand. Sie nannten es „House oft the Future“.  Und zeichneten damit bereits eine utopische Zukunftsvision aus Plastik. Die wachsende Faszination für die Raumfahrt schlug sich in futuristischen Formen und Wohnkonzepten nieder, die durch den synthetischen Kunststoff realisiert werden konnten.

Ein Umdenken ist gefragt

Zeitgleich tüftelte die Verpackungsindustrie an einem weiteren Coup. Die Plastiktüte wurde erfunden. Sie gilt bis heute als Synonym für eine zeitgleich einsetzende Wegwerfmentalität. Während der Ölkrise 1973 wurde Erdöl kurzzeitig knapp und teurer. Die Plastikindustrie litt darunter nur kurzfristig. Auch die Endlichkeit von Rohstoffen, gelangte trotz der Krise nicht nennenswert ins allgemeine Bewusstsein. Bestrebungen zur Vermeidung von Plastikmüll kamen nur langsam auf. Nur vereinzelt experimentierten Designer*innen in ihren Arbeiten in den 1990er Jahre mit recycelten Kunststoffen. Heute sind die Fragen nach einem Umgang mit Plastik und Plastikmüll drängender denn je. Einerseits sind durch das Material in vielen Bereichen zuvor undenkbare Produktionsmöglichkeiten entstanden – etwa im Gesundheitsbereich. Andererseits stehen diesen durchaus geschätzten Nutzungen dramatische, negative Auswirkungen entgegen. Die Plastik Ausstellung verdeutlicht, wie der Planet und die Menschheit von Mikroplastik und Bergen von Verpackungsmüll bedroht sind. Und fordert einen anderen Umgang mit Kunststoff.

Ausstellungsschwerpunkt Recycling

Dazu widmet das Vitra Design Museum dem Thema Recycling einen eigenen Ausstellungsbereich. Und geht der Frage nach, welche Rolle – in Zusammenarbeit mit Industrie, Politik und Konsument*innen – Design spielt. Durch die Zusammenstellung an  geschichtlichen Inhalten und zukunftsweisenden Designansätzen wird ein umfassendes Bild gezeichnet. Beispielprojekte zeigen, wie ein inspirierter Umgang mit recyceltem Plastik aussieht. Design und Infrastrukturmaßnahmen gehen dabei oft Hand in Hand. Und Designansätze können politische Macht entfalten. Dazu wird das Projekt „FlipFlop“ in Kenia präsentiert. Aus recyceltem Kunststoff wurde dort ein traditionelles Dau Segelschiff aufgebaut. Dieses fungiert nun als mobiles Informationszentrum und versucht auf dringend notwendige Gesetzesänderungen hinzuwirken. Ein weiterer Lösungsansatz ist in der Rückbesinnung auf nachwachsende Rohstoffe zu erkennen. In der Ausstellung findet sich dazu eine Arbeit der niederländischen Designer Klarenbeek & Dros, die Algen-basiertes Bioplastik aus dem 3D-Drucker herstellen. In Interviews kommen Designer*innen, Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen zu Wort.

Nicht nur die Ausstellungen des Vitra Design Museums sind innovativ, auch der von Piet Oudolf gestaltete Campusgarten ist bemerkenswert.

Die Piazza del Campo in Siena

Die Piazza del Campo in Siena ist nur zu Fuß über kleine Gassen erreichbar. Bildquelle: Unsplash
Die Piazza del Campo in Siena ist nur zu Fuß über kleine Gassen erreichbar. Bildquelle: Unsplash

Die Piazza del Campo in Siena gilt als der Platz aller Plätze, als das Nonplusultra des europäischen Stadtplatzes und wird in Vorlesungen als städtebauliches Exempel definiert. Alles über den Stadtplatz in der Toskana erfahren Sie hier.

Die Piazza del Campo

Der Platz Piazza del Campo ist das Zentrum der italienischen Stadt Siena. Es handelt sich hier um einen der wichtigsten Plätze der Toskana oder sogar ganz Italiens. Berühmt ist die Piazza del Campo für ihre halbrunde Muschelform und beeindruckende Architektur. Sie stellt das politische Zentrum von Siena dar und beherbergt unter anderem das Rathaus.

Das Gelände der Piazza del Campo ist leicht abschüssig. An der niedrigsten Stelle liegt das Rathaus und bietet somit eine neutrale Lage zwischen den Hügeln der Stadt. Der benachbarte Turm, Torre del Mangia, ist relativ hoch und überragt die Stadt. An der höchsten Stelle der Piazza steht der Fonte Gaia oder „Brunnen der Freude“. Er markiert das Erfolgserlebnis aus dem 1342, als es Siena gelang, zum ersten Mal über eine 25 Kilometer lange Leitung Wasser in die Stadt zu transportieren.

Bemerkenswert ist auch die Pflasterung des Platzes. Sie ist in neun Segmente aufgeteilt, die an die frühere Herrschaft der Neun in Italien erinnern soll. Lange Linien markieren die Segmente.

Heute ist die Piazza nicht nur ein wichtiges politisches Zentrum und ein angenehmer Aufenthaltsort, sondern auch der Ort für das jährliche Pferderennen in Siena. Das sogenannte Palio de Siena findet zweimal im Jahr statt, am 2. Juli und am 16. August. 17 Contraden treten gegeneinander an, und das in einem der schwierigsten Pferderennen der Welt. Schon seit dem Mittelalter handelt es sich dabei um das wichtigste kulturelle Ereignis in der Stadt.

Die Piazza del Campo in Siena ist ein Paradebeispiel für attraktive Plätze in Europa. Bildquelle: Superchilum, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons
Die Piazza del Campo in Siena ist ein Paradebeispiel für attraktive Plätze in Europa. Bildquelle: Superchilum, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Geschichte

Früher war die Piazza del Campo ein sumpfiges Stück Land, in dem das Regenwasser abfloss. Im frühen Mittelalter entwickelte sich hier ein Marktplatz, denn zwei Fernstraßen kreuzten sich hier. So entstand die Piazza del Mercato. Vermutlich 1193 kam es dazu, dass die Stadt, die das Land besaß, den Platz mit einer Mauer in zwei Hälften teilte, um besser Wasser ableiten zu können.

Unter der Herrschaft der 24, die 1270 zu Ende ging, war die Piazza del Campo vor allem für Messen und Märkte wichtig. Sie entwickelte sich zu einem zweiten Stadtmittelpunkt. Der andere Mittelpunkt war der Dom mit seinem Platz. Dort fanden religiöse Feste statt, während Il Campo für Handel und weltliche Feste diente.

Im Jahr 1349 wurde das fischgrätenartige Pflastermuster der Piazza fertig. Es war schon damals in rotem Backstein gehalten und enthielt die acht Linien, die den Platz in neuen Sektionen teilen. Sie gehen alle vom zentralen Wasserabfluss vor dem Rathaus, dem Palazzo Pubblico, ab. Die Zahl 9 kommt von der Herrschaft der Neun (Noveschi), die von 1292 bis 1355 dauerte. In dieser Zeit erlebte Siena den Höhepunkt seiner mittelalterlichen Pracht. Aber bis heute ist der Platz das Zentrum des öffentlichen Lebens von Siena.

Der Vorläufer moderner Kommunalpolitik

Um ihre öffentlichen Infrastrukturarbeiten zu finanzieren, erfanden die Noveschi den Vorläufer der modernen Einkommenssteuer. Diese bestand in Einschätzungen des Eigentums und entsprechenden Steuern. Seit 1320 finanzierten sie so die Entwicklung der Stadt. Florenz folgte diesem Beispiel schnell. Auch eine Geldpolitik zu Krediten, aus der sich öffentliche Schulden entwickelten, war eine Innovation. Diese führte letztendlich zur Gründung der staatseigenen Bank Monte dei Paschi die Siena, die es bis heute gibt.

Heute haben die palazzi signorili oder Herrenhäuser rund um den Platz vereinheitlichte Höhen und Fassaden. Früher war dies nicht der Fall, aber in den letzten Jahrzehnten kam es vermehrt zu Versuchen, die Piazza noch schöner und harmonischer zu gestalten.

Der Turm des Rathauses wurde als höchster Punkt der Stadt angelegt. Bildquelle: Unsplash
Der Turm des Rathauses wurde als höchster Punkt der Stadt angelegt. Bildquelle: Unsplash

Die Bedeutung der Piazza del Campo

Die Piazza del Campo ist als einer von Europas schönsten mittelalterlichen Plätze bekannt. Sowohl seine Ästhetik als auch seine architektonische Integrität zeichnen ihn aus. Oft einfach als „Il Campo“ bezeichnet zieht der Platz sowohl Einheimische als auch Tourist*innen geradezu magisch an. Dies liegt unter anderem an der Ausgewogenheit und der Krümmung des muschelförmigen Platzes. Diese gleicht die Unebenheiten im Boden harmonisch aus.

Auch die umliegenden Gebäude, herrschaftliche Paläste sowie das Rathaus, sind harmonisch aufeinander abgestimmt. Der Platz ist nur für Fußgänger*innen zu erreichen. Schmale Gassen zwischen den Bauten führen auf die Piazza del Campo. Insgesamt steigt sie etwa zehn Meter an. Der oft sonngengewärmte Boden lädt dazu ein, sich hinzusetzen und die Atmosphäre zu genießen.

Der Platz ist ein kommunales Zentrum. Anders als sonst in Italien üblich hat er keine Kirche, sondern dreht sich ganz um die Politik. Die Pflasterung ist seit 1349 vorhanden. Schon früher fanden historisch und kulturell bedeutsame Ereignisse statt: Bereits 1260 feierte die Bevölkerung der Stadt hier den Sieg gegen Florenz.

Die Bedeutung der Piazza del Campo besteht darin, dass sie komplett den Menschen der Stadt gewidmet ist. Hier treffen Politik sowie Gesellschaft aufeinander, hier wird gefeiert, und hier lässt sich das Treiben bewundern. Hinzu kommt die Harmonie, die durch die immer wieder auftauchende Dreiteilung der Architektur unterstrichen wird.

Übrigens: 2021 erschien eine Studie über europäische Stadtplätze aus dem 21. Jahrhundert.