Nominierung Experimentelle Landschaftsarchitektur, Bauen im Detail – Bayerischer Landschaftsarchitektur-Preis 2022

Die Nominierten des Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preis stehen fest. Noch bis zum 12. August 2022 können bdla-Mitglieder über die Gewinner*innen abstimmen. Auf Garten + Landschaft werden wir Ihnen die 15 Projekte in Kurzportraits vorstellen. Im Folgenden: die drei Nominierten in der Kategorie Experimentelle Landschaftsarchitektur und Bauen im Detail.

Update: Das Voting wurde verlängert. bdla-Mitglieder können noch bis zum 16. September, 18:00 Uhr, hier abstimmen.

Der Bayerische Landschaftsarchitektur-Preis 2022 lobte Anfang des Jahres 2022 einen Hauptpreis sowie Auszeichnungen in fünf Kategorien aus. Die Kategorie Experimentelle Landschaftsarchitektur und Bauen im Detail kürt Projekte, die unter anderem neue Herangehensweisen zeigen und / oder mit dem Bestehenden experimentell umgehen. Für die Kategorie sind die folgenden drei Projekte nominiert:

  • Taxispark in München, Jühling & Köppel Landschaftsarchitekten GmbH,
  • Rhönexpress Bahnradweg, TOPONEO Engel & Schneider Landschaftsarchitekten PartG mbB sowie
  • Container Collective in München, Jühling & Köppel Landschaftsarchitekten GmbH

Nominiert in der Kategorie Experimentelle Landschaftsarchitektur, Bauen im Detail

Taxispark in München

Der heutige Taxispark war ab 1919 ein Erholungspark für Kriegsbeschädigte. Ab 2007 lag das Areal in Gern, München, jedoch brach. Jühling & Köppel Landschaftsarchitekten gestalteten im Zeitraum von 2015 bis 2018 einen Park, der die ehemalige Nutzung berücksichtigt. Die Planer*innen integrierten zum Beispiel den alten Brunnen, das Denkmal für Kriegsbeschädigte sowie einen Wassertank des ehemaligen Schwimmbeckens in die Neugestaltung. Anstelle der alten Umkleiden erinnert heute eine Pergola an die ursprüngliche Nutzung. Ein wesentlicher Aspekt war außerdem der Schutz des wertvollen Baumbestands. Die Wege sind deswegen so angelegt, dass diese einen möglichst großen Abstand zu den Bäumen haben. Das Konzept entwickelten die Planer*innen in einem umfangreichen Bürgerbeteiligungsverfahren.

Rhönexpress Bahnradweg von Zeitlofs bis Wildflecken

Aus einer stillgelegenen Eisenbahnstrecke von Zeitlofs bis Wildflecken entstand ein Radweg. Er trägt den Namen „Rhönexpress Bahn-Radweg“ und ist ein touristischer Themenradweg. Auf einer Strecke von 26 Kilometern erwarten den Radfahrenden verschiedene Landart-Elemente: Schienenlinierung auf dem Asphalt erinnern an die ehemaligen Bahngleise. Birken mit mitwachsendem roten Textilgewebe sollen die Rückeroberung der Bahnstrecke durch die Natur symbolisieren. In Kombination zu den Birken begleiten den Radweg Skulpturen in Form von Andreaskreuzen in Grün-weiß. Außerdem erhielten die Planer*innen von TOPONEO Engel & Schneider Landschaftsarchitekten entlang der Strecke Bahnübergangshäuschen, die heute Ereignisse der Bahngeschichte in Form von Graffiti-Darstellungen dokumentieren. Zum Beispiel die Besuche von König Ludwig I., Kaiserin Elisabeth von Österreich und Elvis Presley.

Container Collective in München

Das Container Collecitve ist eine Art „Pop Up City“. Auf dem ehemaligen Anlieferhof der Pfanni-Werke am Münchner Ostbahnhof entwickelte sich eine temporär genutzte Fläche mit Schiffscontainern, Holzkisten als mobile Pflanztröge sowie Holzpaletten und bunt gewürfelten Stühlen. Die Planer*innen von Jühling & Köppel Landschaftsarchitekten gestalteten einen urbanen Platz, der mit seinen Elementen Bezug zu den Pfanni-Werken nimmt und zudem den stetigen Veränderungen vor Ort Raum bietet. Die Ausstattung kann zum Beispiel kurzerhand für Veranstaltungen umrangiert werden.

Das Pflanzkonzept stellt eine schnelle und temporäre „low budget“-Begrünung dar. In manchen Bereichen wurde lediglich der Bestandsasphalt aufgeschnitten und schnellwachsende Pioniergehölze gepflanzt. Die Pflanztröge beinhalten Sträucher, Stauden und Gräser sowie Kräuter, Obstgehölze und Beerensträucher zum Naschen. Circa 25 Pflanztröge nutzt der Werksgarten-Verein für den Gemüseanbau. Der Austausch zwischen den lokalen Akteur*innen wie Künstler*innen und Handwerker*innen und Landschaftsarchitekt*innen war von Anfang an ein wichtiger Teil des Projekts.

Abstimmung noch bis zum 12. August 16. September

Zum zweiten Mal findet der Bayerische Landschaftsarchitektur-Preis statt. Der Preis möchte die Bedeutung der Landschaftsarchitektur für die Gesellschaft zeigen sowie die Profession in der Öffentlichkeit präsentieren. Die Gewinner*innen werden im Rahmen der Preisverleihung des Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preises am 11. November 2022 bekannt gegeben. Bis zum 12. August 16. September, 18:00 Uhr – Update: das Voting wurde verlängert – können bdla-Mitglieder noch über die Gewinner-Projekte für den Hauptpreis sowie in den fünf folgenden Kategorien abstimmen:

  • Bauwerksbegrünung und Biodiversität,
  • Blaue und Grüne Infrastruktur,
  • Urbanität, Bestand, Stadt und Platz,
  • Tourismus, Freizeit, Spiel und Sport sowie
  • Experimentelle Landschaftsarchitektur und Bauen im Detail

Zum Mitglieder-Voting geht es hier.

Mehr zum Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preis: Hier geht es zu den nominierten Projekten in der Kategorie Blaue und Grüne Infrastruktur.

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Barbara Steiner wechselt zu Bauhaus-Stiftung

Barbara Steiner Portraet

Porträt von Barbara Steiner (Foto: J.J. Kucek)

Gemeinsam mit Topotek 1 gastkuratierte Barbara Steiner vergangenes Jahr die Juliausgabe der Garten + Landschaft. Nun verkündete die Stiftung Bauhaus Dessau: Ab dem 1. September übernimmt Barbara Steiner die Position als Direktorin und Vorstand der Stiftung. Was Sie über die promovierte Kunsthistorikerin wissen sollten, das lesen Sie hier.

Bei der Bewerbung als neue Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau setzte sich die Österreicherin Barbara Steiner gegen 32 internationale Bewerber*innen durch. Im offiziellen Statement beschreibt der Stiftungsratsvorsitzende Rainer Robra die promovierte Kunsthistorikerin als „herausragende Persönlichkeit mit profundem Wissen über die Auseinandersetzung mit der Moderne“. Er betont ihre langjährige Leitungserfahrung in Kultureinrichtungen sowie auch ihre Praxiserfahrungen in Ostdeutschland. Kulturminister des Landes Sachsen-Anhalt Robra traue ihr zu, „lokal relevante Themen an globale Diskurse zu knüpfen und damit die Stiftung Bauhaus Dessau und den Kulturstandort Sachsen-Anhalt weiterzuentwickeln.“

Barbara Steiner will Stiftungsarbeit ausbauen

Barbara Steiner wird ihre neue Position zum 1. September 2021 antreten. Sie gibt damit ihre aktuelle Position als Direktorin des Kunsthauses Graz auf. Sie hat diese inzwischen seit 2016 inne. Zuvor arbeitete sie zwei Jahre als Vertretungsprofessorin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig für den Master „Kulturen des Kuratorischen“. In den 1990er- und 2000-Jahren leitete sie Kunstvereine in Ludwigsburg und Wolfsburg. Ebenso war sie für die Stiftung Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) in Leipzig aktiv. Zudem bringt sie mehrjährige Lehrerfahrung aus Lehrtätigkeiten in Linz, Kopenhagen und Wien mit. Studiert hat Barbara Steiner außerdem Kunstgeschichte und Politikwissenschaften an der Universität Wien. Sie promovierte zur „Ideologie des weißen Ausstellungsraumes“.
Sie selber freue sich auf die neue Aufgabe, so Steiner und darauf, die bislang geleistete hervorragende Arbeit der Stiftung Bauhaus Dessau weiterzuführen beziehungsweise auszubauen.

„Feine Sahne Fischfilet“-Diskussion 2018

Apropos bislang geleistete Arbeit: Barbara Steiner folgt in ihrer neuen Position im Übrigen auf Dr. Claudia Perren. Die Stelle war damit knapp ein Jahr vakant. Perren war von 2014 bis 2020 Direktorin der Stiftung Bauhaus-Dessau. Sie verließ die Stiftung zum 31. Juli 2020 auf eigenen Wunsch. Dr. Perren ist vermutlich vielen noch ein Begriff. Die deutsche Architekturtheoretikerin stand 2018 im Fokus einer Debatte zwischen Rechts- und Linksextremismus sowie der Frage, wie politisch das Bauhaus sei. Unter Perrens Leitung hatte die Stiftung Bauhaus Dessau den Auftritt der Band „Feine Sahne Fischfilet“ abgesagt. Dieser sollte in der Konzertreihe zdf@bauhaus auf der Bauhaus-Bühne stattfinden. Im Oktober 2018 interviewten die Kolleg*innen von der ZEIT Claudia Perren hierzu. Inzwischen ist Perren seit dem August 2020 Direktorin der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel.

G+L arbeitete 2020 mit Barbara Steiner und Topotek 1 zusammen

Uns, in der G+L Redaktion, freut die neue Besetzung der Bauhaus-Direktion sehr. Gemeinsam mit Topotek 1 gastkuratierte Barbara Steiner die Juliausgabe 2020 der Garten + Landschaft. Das Heftthema: die Kunst. Mit Barbara Steiner holten sich die beiden Büropartner Martin Rein-Cano und Lorenz Dexler Unterstützung hierfür. Gemeinsam mit ihr hatten sie bereits unter anderem die Monografie „Creative Infidelities“ entwickelt und geschrieben. Diese entstand anlässlich des 20-jährigen Bürojubiläums von Topotek 1 im Jahr 2016 .
Kunst spielt in der Arbeit der Berliner Landschaftsarchitekt*innen seit Beginn an auch eine bedeutende Rolle. Kunst und die regelmäßige Zusammenarbeit mit Künstler*innen inspiriert zudem Topotek 1.  So entstand auch die Idee, die Ausgabe gemeinsam mit der Direktorin des Kunsthaus Graz, Barbara Steiner, zu machen.

Topotek 1 im Gespräch mit Barbara Steiner

Bereits bei den ersten Redaktionsterminen in Graz Anfang 2020 konnte die G+L Redaktion miterleben, mit welcher Intensität Barbara Steiner und Martin Rein-Cano über das Verhältnis, die Gemeinsamkeiten, aber auch die Missverständnisse zwischen Landschaftsarchitektur und Kunst diskutierten. Die Idee lag nahe, ein ganzes Heft mit einem Gespräch zwischen den beiden zu füllen. Sie diskutieren im Heft darüber, was Martin Rein-Cano stellvertretend für Topotek 1 an der Kunst fasziniert und in der Landschaftsarchitektur fehlt.

Das Ergebnis ist ein Gespräch zwischen Martin Rein-Cano und Barbara Steiner, das sich durch das komplette Heft zieht. Die beiden diskutieren hier, wie gefakte und tatsächliche Realität zueinanderstehen. Sie sprechen darüber, wo die Landschaftsarchitektur ins Spiel kommt und wie unehrlich der Englische Landschaftsgarten ist.

Ein Plädoyer in Pink

Martin Rein-Cano und Barbara Steiner besprechen auch Gleichungen wie Barock=Bauhaus. Sie diskutieren Rein-Canos Bedürfnis nach einer „Grundnervosität“. Sie philosophieren das Projekt „Bahn­deckel Theresienhöhe“, das Topotek 1 gemeinsam mit der Künstlerin Rosemarie Trockel umsetzten.

Das Endprodukt des ersten gastkuratierten Ausgabe der Garten+Landschaft? Ein Plädoyer für mehr Freiheit und weniger Utilitarismus in der Planung. Ein Plädoyer für den Mut, Widersprüche zu erzeugen und auch einmal zu scheitern. In Pink. Hier können Sie das Heft im Shop erwerben.

bauchplan ).( folgt auf Topotek 1

Die nächste gastkuratierte Garten + Landschaft erscheint im Übrigen mit der Juli-Ausgabe 2021 unter Federführung des Planungs-Kollektivs bauchplan).(. Mehr zu der G+L kuratiert von bauchplan).( lesen Sie hier.

Das Kollektiv machte mit Projekten wie dem Wohnbauprojekt „wagnisART“ in München oder seinem Entwurf für den Londoner Highline-Park auf sich aufmerksam. Es kann national und international, den kleinen wie auch großen Maßstab, Landschaftsarchitektur wie auch Stadtplanung.

bauchplan).( lässt sich in keine Schublade packen. Vielmehr stehen das Büro und sein vielseitiges Projektportfolio für intelligente Ansätze. Das Kollektiv findet stets raumplanerische und lokalspezifische Lösungen auf aktuelle Herausforderungen wie Klimawende, Inklusion oder Flächenkonkurrenz.

Und wir, wir sind gespannt, was dann die neue Bauhaus-Direktorin Barbara Steiner zur bauchplan-G+L sagen wird. Sie auch?

Mit einem Bundesverdienstkreuz am Bande wurde die Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard in München ausgezeichnet.

Seit vielen Jahren setzt sich die Landschaftsarchitektin als Mitglied und Vorsitzende in verschiedenen Gremien für Stadtentwicklung, Landschaftsarchitektur und Landschaftsökologie ein. Sie leitete im Planungsreferat der Stadt München die Abteilung Grünplanung und arbeitete als Geschäftsführerin der BUGA 2005 GmbH das Konzept der Bundesgartenschau für die Messestadt Riem erfolgreich mit aus. Dabei waren die Aspekte Ökologie, Ökonomie und Soziales für Sie stets ein zentrales Thema.
Darüber hinaus fördert sie Städtebau und Landesplanung in Wissenschaft und Praxis. Beispielsweise im Stiftungsrat der Bundesstiftung Baukultur, im Bundeskongress zur Nationalen Stadtentwicklungspolitik des Bundesbauministeriums oder als Vorsitzende der Landesgruppe Bayern der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL).