Nominierung Tourismus, Freizeit, Spiel und Sport – Bayerischer Landschaftsarchitektur-Preis 2022

Die Nominierten des Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preis stehen fest. Noch bis zum 12. August 2022 können bdla-Mitglieder über die Gewinner*innen abstimmen. Auf Garten + Landschaft werden wir Ihnen die 15 Projekte in Kurzportraits vorstellen. Im Folgenden: die zwei Nominierten in der Kategorie Tourismus, Freizeit, Spiel und Sport.

Update: Das Voting wurde verlängert. bdla-Mitglieder können noch bis zum 16. September, 18:00 Uhr, hier abstimmen.

In der Kategorie Tourismus, Freizeit, Spiel und Sport würdigt der bdla Bayern Freiräume, die Freizeitangebote in den Fokus rücken. Spiel- und Sportflächen sind schließlich für unsere Städte unabdingbar. Die Jury des Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preises nominierte für die Kategorie folgende zwei Projekte:

  • Landschaftspark Paul-Gerhardt-Allee in München Pasing/Obermenzing, lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh sowie
  • Park an der Hochäckerstraße in München Perlach, ver.de Landschaftsarchitekten Stadtplaner Kröniger Rümpelein Wenk PartG mbB

Nominiert in der Kategorie Tourismus, Freizeit, Spiel und Sport

Landschaftspark Paul-Gerhardt-Allee in München

Auf einem rund 38 Hektar großen Areal in München Pasing/Obermenzing ist ein eigenständiges Stadtquartier mit Wohnungen, Einkaufsmöglichkeiten, Dienstleistungen, sozialen Einrichtungen sowie Freizeitangeboten für circa 5 000 Bewohner*innen entstanden. Das heutige Quartier befindet sich auf ehemaligen Gewerbeflächen zwischen den Bahnlinien Laim-Pasing und Laim-Obermenzing. lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gestalteten für das Quartier einen circa acht Hektar großen Landschaftspark.

Er verbindet nicht nur die Neubebauung mit seiner Umgebung, sondern auch den Stadtteil Pasing/Obermenzing mit der Münchner Innenstadt. Darüber hinaus vernetzt der Landschaftspark aufgrund seiner Lage entlang der Bahngleise einzelne Bahnbiotope untereinander. Neben seiner naturschutzfachlichen und seiner Erschließungsfunktion bietet der Park weitere Nutzungen: allen voran Spiel und Sport. Zum Beispiel laden am „Spiel der Lüfte“ ein Ballon als Klettergerüst sowie ein Ufo-Karussell zum Spielen in luftiger Höhe ein. Ein weiterer Spielplatz widmet sich dem Element „Wasser“. Dort können Kinder am Wasser schaukeln und wippen. Ältere können sich hinter dem Rodelhügel auspowern: Dort befinden sich ein Bolzplatz, ein Streetballfeld und Tischtennisplatten.

Park an der Hochäckerstraße in München

Das neue Wohnquartier an der Hochäckerstraße in München Perlach durchzieht ein großflächiger Park, der sich in sechs Teilbereiche unterteilt. Sie alle rahmen Baumreihen in einer gemeinsamen Leitbaumart sowie Heckensequenzen. Ball- und Bewegungsspiele sind auf Rasenflächen möglich. Sie wechseln sich mit extensiven, artenreichen Blumenwiesen ab. Für die sechs Teilbereiche diente die vormalige Nutzung des Areals als Gemüseanbaufläche mit linearer Feldstruktur als Inspiration.

Im ersten Teilabschnitt türmen sich zum Beispiel Obst- und Gemüsekisten zu einer Parkour-Anlage, die erste öffentliche Anlage ihrer Art in München. Der dritte Quartierteilpark nimmt Bezug zu der mittelalterlichen Bewirtschaftungsform Hochäcker mit ihren wellenförmigen Vertiefungen. Ver.de Landschaftsarchitektur gestaltete dort eine Wellenlandschaft zum Spielen und Toben. Den östlichen Parkabschluss bildet eine markante Erdskulptur, der als „Apfelberg“ an die Schüttkegel aus der Obstverwertung erinnern soll und im Winter als Rodelberg dient. Ein weiterer Teil des Quartierparks bietet Flächen für Urban Gardening. Insgesamt befinden sich auf einer Fläche von circa 1 670 Quadratmeter und an vier Standorten im Park vielfältige Spielangebote.

Abstimmung noch bis zum 12. August 16. September

Zum zweiten Mal findet der Bayerische Landschaftsarchitektur-Preis statt. Der Preis möchte die Bedeutung der Landschaftsarchitektur für die Gesellschaft zeigen und die Profession in der Öffentlichkeit präsentieren. Die Gewinner*innen werden im Rahmen der Preisverleihung des Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preises am 11. November 2022 bekannt gegeben. Bis zum 12. August 16. September, 18:00 Uhr – Update: das Voting wurde verlängert – können bdla-Mitglieder noch über die Gewinner-Projekte für den Hauptpreis sowie in den fünf folgenden Kategorien abstimmen:

  • Bauwerksbegrünung und Biodiversität,
  • Blaue und Grüne Infrastruktur,
  • Urbanität, Bestand, Stadt und Platz,
  • Tourismus, Freizeit, Spiel und Sport sowie
  • Experimentelle Landschaftsarchitektur und Bauen im Detail

Zum Mitglieder-Voting geht es hier.

Mehr zum Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preis: Hier geht es zu den nominierten Projekten in der Kategorie Experimentelle Landschaftsarchitektur und Bauen im Detail.

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Nachhaltige Kaufhaus-Umnutzung: Ehemalige Handelsgebäude werden zu lebendigen, multifunktionalen Zentren für Wohnen, Kultur und Begegnung. Grafik: via pixabay
Nachhaltige Kaufhaus-Umnutzung: Ehemalige Handelsgebäude werden zu lebendigen, multifunktionalen Zentren für Wohnen, Kultur und Begegnung. Grafik: via pixabay

Geschlossene Kaufhäuser prägen zunehmend das Bild vieler Innenstädte. Dennoch bieten gerade diese Immobilien mit den richtigen Konzepten eine seltene Gelegenheit, um Nachhaltigkeit und innovative Stadtplanung miteinander zu verbinden.

Kaufhäuser, einst die Magneten des innerstädtischen Einzelhandels, verlieren durch den Boom des Onlinehandels und verändertes Einkaufsverhalten zunehmend ihre Bedeutung. Doch anstatt diese Gebäude ihrem Schicksal zu überlassen, könnten sie mit kreativen Lösungen zu zentralen Orten der Stadtentwicklung werden. So eröffnen sie Perspektiven, die sowohl ökologische als auch soziale Vorteile bieten.

Wandel und Leerstand

Die Schließung von Kaufhäusern ist keine plötzliche Erscheinung, sondern eine direkte Folge des Strukturwandels im Einzelhandel. Schon seit den 1990er-Jahren wurden hunderte Standorte geschlossen, während sich gleichzeitig der Fokus immer stärker auf den Onlinehandel verlagerte. Besonders betroffen sind Mittelstädte, aber auch in Großstädten nimmt der Leerstand spürbar zu. Diese Entwicklung belastet nicht nur das Stadtbild, sondern wirkt sich auch negativ auf die Attraktivität und Funktionalität der Innenstädte aus.

Chancen der Kaufhaus-Umnutzung

Statt Abriss und Neubau, die erhebliche Ressourcen verschlingen, bietet die Umnutzung von Kaufhäusern eine umweltfreundliche Alternative. Diese Gebäude binden durch ihren soliden Bestand graue Energie und integrieren gleichzeitig neue Nutzungsformen. Dadurch profitieren Umwelt, Baukultur und die Städte, da multifunktionale Konzepte verschiedene Zielgruppen anziehen und die Lebendigkeit fördern.

Erfolgreiche Beispiele

Es gibt zahlreiche gelungene Beispiele, die zeigen, wie Kaufhäuser kreativ und sinnvoll umgenutzt werden können:

  • Kultur und Kreativität: So wurden etwa ehemalige Kaufhäuser wie das „Soho House“ in Berlin in Hotels oder Kreativzentren umgewandelt.
  • Bildung und Soziales: In Lübeck wird ein Karstadt-Gebäude zum „Haus der Bildung“ umgestaltet, das vielfältige Bildungsangebote vereint.
  • Mixed-Use-Konzepte: Noch vielseitiger sind Konzepte, die Wohnen, Gastronomie und Büroflächen kombinieren. Diese schaffen nicht nur Synergien, sondern sie sprechen auch unterschiedliche Zielgruppen an und verlängern die Nutzungszeiten.

Herausforderungen

Trotz aller Chancen sind Umnutzungen keine leichte Aufgabe. Oft stehen strenge baurechtliche Vorgaben, hohe Umbaukosten oder komplexe Eigentumsverhältnisse einer schnellen Umsetzung im Weg. Zudem erfordert die Transformation nicht nur technisches Know-how, sondern auch eine enge Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Investoren und Architekten. Nur wenn diese Akteure gut kooperieren, lassen sich tragfähige und langfristige Lösungen finden.

Perspektiven für die Stadtentwicklung

Die Kaufhaus-Umnutzung definiert Innenstädte völlig neu. Multifunktionale Konzepte, die Handel, Kultur, Wohnen und Freizeitangebote kombinieren, beseitigen Leerstände und sorgen langfristig für ein lebendiges und vielfältiges Stadtbild. Solche Ansätze fördern soziale Begegnungen und gewinnen Innenstädte als attraktive Lebensräume zurück.

Kaufhäuser als urbane Impulsgeber

Leerstehende Kaufhäuser sind mehr als nur ein Symbol für den Wandel im Einzelhandel – sie sind eine Chance. Denn mit der richtigen Planung und kreativen Ansätzen können diese Immobilien zu lebendigen Ankerpunkten in Innenstädten werden. Statt Verfall und Abriss können nachhaltige Lösungen geschaffen werden, die bestehende Ressourcen nutzen und das Stadtbild aufwerten.

Die Umsetzung solcher Projekte erfordert jedoch Engagement und Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Planern, Investoren und der Bevölkerung. Wenn es gelingt, die vielfältigen Herausforderungen zu meistern, können multifunktionale Zentren entstehen, die Handel, Kultur, Wohnen und Begegnung verbinden. Auf diese Weise tragen sie nicht nur zur Belebung der Innenstädte bei, sondern schaffen auch Orte mit neuer Identität und Strahlkraft.

 

 

Erfahren Sie mehr über die Studie „Obsolete Stadt“ und das Potenzial leerstehender Flächen für Wohnbebauung in unserem Artikel hier.

Bezahlbar Wohnen in Deutschland

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Mit fast zehn Sozialwohnungen pro 1 000 Einwohner*innen steht Hamburg im bundesweiten Vergleich von 26 Städten laut einer Studie von Bulwiengesa ganz vorn da. Doch Sozialwohnungen werden in Deutschland trotzdem in erstaunlicher Geschwindigkeit knapper und immer weniger Menschen können sich Wohnraum in Ballungsgebieten leisten. So hat sich sozialer Wohnungsbau in Deutschland verändert.

Sozialer Wohnungsbau: frühes Vorbild Deutschland

 

2002 lag die Zahl der Sozialwohnungen in Deutschland ungefähr bei 2,6 Millionen. 2018 waren es nur noch etwa 1,2 Millionen, also weniger als die Hälfte. Das hat der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen in einer Auswertung 2019 festgestellt.

Mit anderen Worten: Zwischen 2002 und 2018 verloren jeden Tag durchschnittlich rund 230 Wohnungen ihren Status als Sozialwohnung. Netto, trotz Neubauten. Ihre Vermieter*innen unterliegen dann nicht mehr der Bindung an staatlich vorgeschriebene Mietpreise und lassen sich mit Mieterhöhungen – verständlicherweise – nicht lange bitten. Unterm Strich geht es mit Deutschlands Sozialwohnungen also abwärts. Nicht gerade rühmlich, wenn man bedenkt, das Deutschland früher als internationaler Spitzenreiter sozialen Wohnungsbaus galt.

Vor etwa 100 Jahren befand sich Deutschland in der Zeit der Novemberrevolution. Der erste Weltkrieg neigte sich dem Ende, die Deutschen stürzten ihre Monarchie und riefen die Republik aus. Auf ihre schlechte Wohnsituation versuchten sie schon in der Kaiserzeit, mitunter in Krawallen auswachsend, aufmerksam zu machen. Doch erstmals in der Zeit der Weimarer Republik fanden die Stimmen der Arbeiterbewegung das Gehör und die Bereitschaft vor, jenen mit kleinen Einkommen bezahlbaren und lebenswürdigen Wohnraum zu schaffen.

Die Berliner Hufeisensiedlung ging als vielleicht bekanntestes Beispiel aus dieser Epoche hervor. Sie ist heute UNESCO-Welterbe und architektonische Ikone. Allein im damaligen Groß-Berlin entstanden in den 20er-Jahren insgesamt 17 solcher verdichteter Sozialwohnsiedlungen, die optisch nicht alle so herausragen mögen wie die Hufeisensiedlung, aber ein gemeinsames Ziel verfolgten: leistbaren Wohnraum guter Qualität zu schaffen.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs sorgten in Schutt liegende Städte und die zurückkehrenden Heimatvertriebenen für eine grassierende Wohnungsnot, auf den in sowohl in Ost als auch in West mit dem Bau staatlich finanzierter Wohnungen begegnet wurde. Der Trend zum öffentlichen Wohnungsbau fand schließlich ab den 80er-Jahren seine Wende, als der Staat sich aus dessen Finanzierung zurückzog und immer mehr Kommunen aus Geldmangel damit begannen, ihre geförderten Wohnflächen zu privatisieren.

Sozialer Wohnungsbau seit den 80ern privatisiert

Die neuen Eigentümer*innen wurden in Verträgen von üblicherweise 30 Jahren Dauer dazu verpflichtet, die Wohnungen als Sozialwohnungen für berechtigte Interessent*innen bereitzustellen und dafür vom Staat finanziell entschädigt. Nach diesen 30 Jahren entfällt dann die sogenannte Sozialbindung und die Eigentümer*innen dürfen die Wohnungen wieder am freien Markt anbieten. Die Renditen, die dort mittlerweile zu erzielen sind, lässt sich kaum jemand entgehen, der Wohnraum anzubieten hat. Wer sich heute eine Wohnung in Ballungsgebieten leisten will, muss häufig entweder weit über dem Durchschnitt verdienen, sich mit sehr wenig Platz zufriedengeben oder aber einen ungesunden Anteil des Haushaltseinkommens für die Wohnkosten einplanen.

Dennoch, das zeigt wie groß die Wohnungsnot anscheinend wieder geworden ist, finden sich heute in deutschen Großstädten schon mal 50 Bewerber*innen zur Massenbesichtigung des sanierungsbedürftigen Wohnklos ein und eine*r von ihnen darf sich anschließend der Ehren einer gepickten Rosine erfreuen.

Der jahrelang vernachlässigte soziale Wohnungsbau wird sich nicht schnell beheben lassen. Das liegt schon an der Gestaltung von Baugenehmigungsverfahren, die regelmäßig ein Vielfaches der reinen Bauzeit eines Objekts in Anspruch nehmen. Was heute angestoßen wird, kann, auch aufgrund des Mangels an Personal, das Bauverfahren in den Kommunen zu bearbeiten in der Lage ist, erst in Jahren zum ersten Spatenstich gelangen. Dazu kommt, dass erst einmal Baugrund vorhanden sein muss, und der wurde an vielen Orten während der Privatisierung verkauft.

Dass Hamburg jetzt statistisch gut dasteht im Bereich sozialer Wohnungsbau ist eine schöne Nachricht, aber die Tatsache, dass sich insgesamt viel zu wenig beim Thema tut, transportiert sie nicht. Immer noch, selbst einschließlich der geplanten Neubauten in den Bundesländern, werden Sozialwohnungen in den nächsten Jahren effektiv weniger werden und solange es sich für Investor*innen nicht lohnt, sie zu bauen, wird sich daran von selbst auch nichts ändern.

Mehr Initiative gefordert

Deutschland ist spät dran ist mit der Thematik, da hilft auch Meckern nichts mehr. Staat und Länder müssen jetzt aber weitaus unternehmen, als bisher. Das Hannoveraner pestel-Institut kam in einer Kurzstudie 2019 zum Fazit, dass der Bestand an Sozialwohnungen als „Minimalziel“ zur Entspannung deutscher Wohnungsmärkte bis 2030 wieder auf zwei Millionen angehoben werden sollte. Um das zu erreichen, schätzt das Institut einen Finanzbedarf von jährlich über sechs Milliarden Euro über mehr als zehn Jahre.

Das sind weit mehr, als die 2,4 Milliarden, die laut der Studie 2018 für den sozialen Wohnungsbau in den Haushalten des Bundes und der Länder bereitgestellt wurden. Auch die Finanzhilfen des Bundes für den sozialen Wohnungsbau, die 2020 mit einem Volumen von einer Milliarde Euro bis 2024 beschlossen wurden, sehen da eher aus wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

Vorschläge zur Bekämpfung der Wohnungskrise gibt es. Bundeseigene Liegenschaften wie Parkplätze an Bahnhöfen beispielsweise könnten den Baugrund für neuen Wohnraum darstellen. Auf Stelzen gebaut, wie nach einer Idee eines Bad Aiblinger Architekten, würden sie mit den parkenden Autos nicht einmal um den begehrten Platz konkurrieren. Um schneller auf den Bedarf reagieren zu können, wäre es aber auch nötig, das Baurecht zu verschlanken, und sozialen Wohnungsbauer*innen nicht noch zusätzliche Verwaltungsarbeit aufzubürden.

Über sozialen Wohnungsbau und über den Flächendruck in Berlin ganz allgemein sprachen wir mit Berlins Bausenator Sebastian Scheel im Interview.

Und alles zum Mietendeckel Berlin lesen Sie hier.