Paris neues Begrünungsprogramm für ein besseres Stadtklima stützt sich auf Fassadengrün.
Paris hat ein ehrgeiziges Begrünungsprogramm verabschiedet. Bis 2020 sollen eine Million Quadratmeter Dach- und Fassadengrün installiert, 30 Hektar neue Grünflächen geschaffen und 20.000 neue Bäume gepflanzt werden.
Das Besondere am Konzept: Ein Drittel der Fassadenbegrünung ist für Urban-Gardening reserviert. Jede Schule soll einen Obst- oder Gemüsegarten bekommen, es wird eine Stadtimkerei geben. Die Stadtverwaltung will beweisen, dass städtische Landwirtschaft möglich ist. Schon im Rahmen des Projektes „Du vert près de chez moi“ („Das Grün in meiner Nähe“) konnte die Pariser Bevölkerung mitentscheiden. Ein Drittel von ihnen sprach sich für Fassadenbegrünung aus.
Öffentliche Gebäude werden grün
200.000 Quadratmeter Dach- und Fassadengrün wird sich an kommunalen Gebäuden finden. Bei jedem städtischen Neubau soll die Begrünung automatisch in den Bauplan einfließen. Eine Herausforderung , wenn es um historische Fassaden geht – mit wohl weitreichenden Folgen für den Denkmalschutz.
Mit dem Projekt geht Paris auch gegen den städtischen Wärmeinsel-Effekt vor. Im Hitzesommer 2003 lag die Nachttemperatur in Paris zum Beispiel um acht Grad höher als im Umland. Mit Hilfe des Begrünungsprogramms soll ein besseres Stadtklima geschaffen werden. Die positive Wirkung von Fassadengrün zum Beispielauf die Sauberkeit der Luft hatte schon 2014 eine Studie des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) erwiesen.
Über das Begrünungsprogramm hinaus ist derzeit auch über eine Zoneneinteilung für Niederschlagswasser im Gespräch. Dann wären Grundstücksbesitzer in der Pflicht, einen Teil des Regens etwa durch Dachbegrünung zurückzuhalten.
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Bis zum 31. Juli tagte die UNESCO und entschied über die neuen Welterbestätten 2021. Das Komitee zeichnete dabei in Deutschland die drei Kurorte Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen sowie die Mathildenhöhe in Darmstadt aus. Aber es gab auch Verlierer. Zum dritten Mal in der Geschichte hat die UN-Organisation den Titel einer Stadt entzogen – und zwar Liverpool. Alles zu den UNESCO Welterbestätten 2021 finden Sie hier.
Das UNESCO Welterbekomitee tagte 2021 vom 16. bis 31. Juli. Die insgesamt 44. Sitzung leiteten dieses Jahr die Verantwortlichen in Fuzhou, China. Die Tagung wurde live im Internet übertragen. Themen und Verantwortlichkeiten des Komitees sind erstens die Nominierungen für die Welterbeliste, zweitens der Erhaltungszustand und Schutz zahlreicher Stätten sowie drittens die Weiterentwicklung des Welterbeprogramms. 2021 waren mehr als 40 Stätten nominiert. Hierunter befanden sich zum Beispiel die Regenwälder und Feuchtgebiete der Region Kolchis in Georgien, aber auch die Bergbaulandschaft von Roșia Montană in Rumänien und zudem das Anwesen des Landschaftsarchitekten Roberto Burle Marx in Rio de Janeiro, Brasilien. Deutschland war hingegen mit diesen fünf Nominierungen beteiligt:
Zudem überprüfte das Komitee den Erhaltungszustand von 258 Welterbestätten. 53 Stätten hiervon zählen zum offiziell gefährdeten Welterbe. Bewaffnete Konflikte, der Klimawandel, Naturkatastrophen oder Baumaßnahmen bedrohen die Welterbestätten der Vereinten Nationen. Das Komitee beriet deshalb über Einzelmaßnahmen, Programme und internationale Finanzierungsprojekte, um diese Welterbestätten zu unterstützen.
Das Welterbekomitee diskutierte die Situation der folgenden Stätten:
Zudem befasst sich das Komitee mit der Frage, ob das Wildreservat Selous (Tansania) und die maritime Handelsstadt von Liverpool von der Welterbeliste gestrichen wird.
Die neuen UNESCO Welterbestätten in der Übersicht
Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas (Bosnien und Herzegowina, Frankreich, Italien, Montenegro, Nordmazedonien, Polen, Schweiz, Serbien, Slowakei, Tschechien)
Archäoastronomischer Komplex von Chanquillo (Peru)
Arslan Tepe (Türkei)
As-Salt – Ort der Toleranz und der urbanen Gastfreundschaft (Jordanien)
Bergbaulandschaft Roșia Montană (Rumänien)
Das Werk von Jože Plečnik in Ljubljana – am Menschen orientierte Stadtgestaltung (Slowenien)
Dholavira: Eine Stadt der Harappan Kultur (Indien)
Die Arkadengänge Bolognas (Italien)
Die Ingenieurbaukunst von Eladio Dieste: Kirche von Atlántida (Uruguay)
Die Inseln Amami-Oshima, Tokunoshima, Iriomote und nördlicher Teil der Insel Okinawa (Japan)
Franziskanermissionen in der Sierra Gorda in Querétaro (Mexiko)
Getbol, die koreanischen Wattflächen (Republik Korea)
Grenzen des Römischen Reichs – Niedergermanischer Limes (Deutschland, Niederlande)
Paduas Freskenzyklen aus dem 14. Jahrhundert (Italien)
Paseo del Prado und Buen Retiro, Landschaft der Künste und der Wissenschaften (Spanien)
Prähistorische Stätten der Jomon in Nordjapan (Japan)
SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz (Deutschland)
Spa (Belgien), Bad Ems, Baden-Baden und Bad Kissingen (Deutschland), Vichy (Frankreich), Montecatini Terme (Italien), Baden bei Wien (Österreich), Karlovy Vary, Františkovy Lázně und Mariánské Lázně (Tschechien) sowie Bath (Vereinigtes Königreich).
Tempel von Kakatiya Rudreshwara (Ramappa), Telangana (Indien)
Transiranische Eisenbahn (Iran)
Waldkomplex Kaeng Krachan (Thailand)
Felsbilder am Onegasee und am Weißen Meer (Russische Föderation)
Kulturraum von Ḥimā (Saudi-Arabien)
Quanzhou: Markt- und Handelsplatz der Song-Yuan-Dynastie (China)
Kolchische Regenwälder und Feuchtgebiete (Georgien)
Kolonien der Barmherzigkeit (Belgien, Niederlande)
Schieferlandschaft von Nordwestwales (Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland)
Niedergermanischer Limes
Siedlungen und künstliche Mumifizierung der Chinchorro-Kultur in Arica y Parinacota (Chile)
Roberto-Burle-Marx-Stätte (Brasilien)
Kulturlandschaft Hawraman/Uramanat (Iran)
Moscheen im sudanesischen Stil an der nördlichen Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire)
UNESCO Welterbe: Bedeutende Kurstädte Europas
Insgesamt sind es elf europäische Städte, die nun die UNESCO 2021 mit dem neuen Titel „Bedeutende Kurstädte Europas“ in die Liste des UNESCO Welterbes aufgenommen hat. Ihre besondere Bedeutung erlangen sie durch die in die Vollen gegriffene architektonische Opulenz und Materialwahl, die heute den Rahmen eines städtebaulichen Typs der Kurstadt vorgibt. Rund um Heilquellen entwickelten sich Orte, die heute Zeitzeugen einer ehemals aufblühenden Bäderkultur sind. Wir stellen Ihnen die Orte in diesem Artikel vor und werfen zudem einen Blick auf weitere Städte, die den Titel UNESCO Welterbe tragen dürfen.
Bad Ems
Die Rheinland-Pfälzische Stadt an der Lahn galt einst als einer der berühmtesten Badeorte Deutschlands. Zar Alexander II. und der spätere deutsche Kaiser Wilhelm I. sind daher zwei der illustren Gäste, die hier ihre Uniformen gegen das Badegewand tauschten. Wie hingegossen reihen sich die Insignien der Kurstadt – Kurhaus, Kolonnaden, Kursaal, Casino und Kurpark – am Ufer der Lahn auf, so lässt es sich entsprechend bei der UN-Organisation lesen.
Baden-Baden
Imposante Gebäude von herausragender Bedeutung für die Kurarchitektur wurden zur Blütezeit der Bäderkultur in der Stadt an der Oos errichtet. Zu ihnen gehören die Trinkhalle nach den Plänen von Heinrich Hübsch mit ihrer reich verzierten Wandelhalle. Auch das im französischen Neobarock neu gestaltete Casino vom Mäzen Jacques Bénazet im 19. Jahrhundert gehört dazu. Die Zuwendungen der Familie Bénazet machten aus Baden-Baden ihrerzeit „die Sommerhauptstadt Europas“, so Lisa Poetschki, die Site Managerin des Welterbes.
Bad-Kissingen
Ähnlich wie beim Betreten einer Kirche verlangsame sich der Schritt ob der Erhabenheit von Max Littmanns Trink- und Wandelhalle, schreibt die UN-Organisation. Der Bau sprengt demzufolge gleich ein paar der damaligen Superlative. Er war schließlich das größte Stahlbetongebäude seiner Art, die erste geschlossene Trinkhalle. Noch bis heute ist sie die größte Trinkhalle Europas. Das zentrale Wahrzeichen der Stadt und weiterer Beleg für die Bäderkultur des 20. Jahrhunderts ist der Regentenbau, das prachtvollste Gebäude von Bad Kissingen.
Unter den elf Bedeutenden Kurstädten Europas der UNESCO befinden sich auch Baden bei Wien in Österreich, Bath in England, Montecatini in Italien, Vichy in Frankreich, Spa in Belgien, sowie die Tschechischen Städte Karlsbad, Franzensbad und Marienbad.
Weitere künstlerisch und architektonisch bedeutende Städte in Deutschland wurden zudem mit dem UNESCO Siegel ausgezeichnet:
Darmstadt
Liverpool verliert UNESCO-Titel
Auf einer Erhebung am Rande der Darmstädter Innenstadt befindet sich ein Ensemble des frühen 20. Jahrhunderts. Die von Künstler*innen errichteten Gebäude werden vom Direktor des Instituts Mathildenhöhe Darmstadt als „Wiege des Bauhauses“ bezeichnet. Zwischen 1901 und 1914 gingen von der Mathildenhöhe international prägende Impulse in der Architektur und modernen Kunst aus. Hier in Darmstadt standen die ersten Gebäude, die sich vom an Ornamenten reichen Jugendstil lösten. Klare Linien und reduzierter Schmuck führte folglich den Weg in ein neues Architekturzeitalter.
SchUM-Städte am Rhein
Wegen ihrer herausragenden Bedeutung für das europäische Judentum im Mittelalter, wurden die Städte Speyer, Worms und Mainz, auf Hebräisch Schpira, Warmaisa und Magenza, von der UNESCO zum Welterbe erklärt. Hier lassen sich mitunter die ältesten Belege jüdischen Lebens in Deutschland finden. Bis in das 10. Jahrhundert reicht die Geschichte der Synagogen, Talmudschulen, Frauenschuln, Ritualbädern und Friedhöfen in den SchUM-Städten. Die Gestaltung der Gebäude prägte die Architektur jüdischer Gebäude in großen Teilen Europas.
Die historische Hafenstadt von Liverpool hingegen darf sich seit der letzten Sitzung des UNESCO Welterbekomitees nicht mehr als Weltkulturerbe bezeichnen. Zu stark würden geplante Bauprojekte wie „Liverpool Waters“ und die Entwicklung des Bramley-Moore-Docks seit der Ernennung im Jahr 2004 den historischen Charakter des Hafenareals gefährden. In der Geschichte der UNESCO Welterben ist ein Entzug des Titels zuvor erst zwei Mal vorgekommen: 2007 flog der Oman für die Verkleinerung eines Antilopenschutzgebiets um 90 Prozent von der Liste, 2009 die Kulturlandschaft Dresdner Elbtal, wegen Errichtung der Waldschlösschenbrücke.
Auch interessant: Warum der geplante Autobahntunnel unter einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Großbritanniens – das UNESCO-Welterbe Stonehenge – nicht gebaut wird, erfahren Sie hier.
Jedes Jahr ist der zweite Juni-Sonntag den Gärten gewidmet: Es ist Tag des Gartens. Wenn man von Garten spricht, kann man so vieles meinen. Vom eigenen Garten vor dem Haus, einem angemieteten Schrebergarten, einem Gemeinschaftsbeet oder einer großen Gartenanlage ist alles denkbar. Alle diese Gartenformen verbindet eine Sache: Geselligkeit. Gärten sind Begegnungsorte. Noch dazu vermitteln sie einen wichtigen Bezug zur Natur. Trotzdem war die deutsche Gartenkultur im 20. Jahrhundert vergleichsweise wirkungslos, niemals so stark, um als Kunstform und gesellschaftspolitische Kraft unser Jahrhundert zu formen. Im 21. Jahrhundert erlebt der Garten jedoch seine Renaissance. Und diese Trendwende zeigt sich nicht nur in der Vielzahl der aktuellen Urban-Gardening-Projekte.
Hans von Trotha, Publizist, Gartentheoretiker und Gartenliebhaber, konstatiert die Renaissance des Gartens. Urban Gardening sei „weltweit eine Bewegung, die über gärtnerische Mittel gesellschaftlich etwas zum Ausdruck bringt“, sagte er jüngst in Berlin auf einer Diskussionsveranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL). Die Generation der Urban Gardener mache aus ihrer Share-Economy-Haltung heraus keinen Unterschied zwischen öffentlich und privat. Man teile sich Autos, Fahrräder, Wohnungen und Gärten.
Nehmen wir zum Beispiel das „Himmelbeet“ in Berlin. Der urbane Gemeinschaftsgarten heißt so, weil er bald auf das Dach einer entstehenden Turnhalle ziehen wird. Im Moment gärtnern auf dem Baugrundstück, mitten im krisenerprobten, sozial benachteiligten Berlin- Wedding, Hipster und türkische Nachbarn Seite an Seite, sachkundig von einer Landschaftsarchitektin und einer Gärtnerin unterstützt. Üppig bewachsene Beete, dazwischen ein schickes Café, preisgünstig errichtet in Selbstbauweise aus Palettenholz. Die Gärtner-Idylle lässt den Verkehrslärm und die Sorgen der Straße vergessen. Sie strahlt auf ihre unmittelbare Nachbarschaft aus.
Dort wirkt der vor drei Jahren landschaftsarchitektonisch überholte Leopoldplatz inzwischen wie ausgeliehen aus einem anderen hipperen Kiez und lockt an. Hier mischen sich die Schichten, vom berlinernden Rentner über die junge Kleinfamilie bis zu afrikanischen Kirchgängern. Somit bringt ausgerechnet das Urban Gardening, das anarchistische Gärtnern, das die Herzen vieler Städter und brachgefallene Orte im Sturm erobert, eine gesellschaftspolitische Kraft mit, die schon verloren schien. Folgen wir Hans von Trotha, konnte, bedingt durch die beiden Weltkriege, im „gartenfernen 20. Jahrhundert“ Gartenkultur im Fortschreiten der Gesellschaft, in der Auseinandersetzung um Werte und Wandel quasi keine wirkliche Rolle spielen.