Baden im Kupfergraben

Für die berauschende Schwimmlandschaft ist Berlin nicht gerade bekannt. 2025 soll sich das ändern: Zwischen Schlossplatz und Bode-Museum im historischen Herzen der Hauptstadt soll ein stillgelegter Arm der Spree, der Kupfergraben, in ein öffentliches Flussbad verwandelt werden.

Das derzeit stark verschmutzte Wasser der Spree soll wie ein Schwimmteich durch einen mit Schilf bepflanzten Kiesfilter gereinigt werden, die Planer gehen davon aus, dass er das Wasser des gesamten Abschnitts innerhalb eines Tages austauschen können wird. Ab diesem Sommer soll das Filterprinzip nahe des Auswärtigen Amts getestet werden, dann kann der Entwurf besser angepasst werden. Drei Ingenieurbüros aus München, Berlin und Hoppegarten planen an dem 840 Meter langem Flussbad.

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Mit BMW-Großaktionärin Susanne Klatten zur Smart City?

Die Unternehmerin Susanne Klatten bei der Eröffnung von „Munich Urban Colab“. Foto: Munich Urban Colab, Bert Willer
Die Unternehmerin Susanne Klatten bei der Eröffnung von „Munich Urban Colab“. Foto: Munich Urban Colab, Bert Willer

Gemeinsam mit der Landeshauptstadt München, der Technischen Universität sowie Wirtschaftsvertreter*innen hat die BMW-Großaktionärin Susanne Klatten ein kreatives Gründerzentrum gegründet. Das „Munich Urban Colab“ soll München zu einer der zehn grünsten Städte der Welt machen. Alles dazu hier.

Zwei Jahre dauerte der Bau des Gebäudes, in dem das neue, von der Unternehmerin Susanne Klatten mitinitiierte, kreative Gründerzentrum „Munich Urban Colab“ untergebracht ist. Ende Juli diesen Jahres wurde das Munich Urban Colab offiziell eröffnet. In dem vom Münchner Büro steidler architekten entworfenen, fünfstöckigen Gebäude nahe der Tonnen- und Jutierhalle sollen nun innovative Antworten auf die Fragen des modernen urbanen Lebens gefunden werden.

Susanne Klatten investiert über 30 Millionen Euro 

Startups, Wissenschaft und kreative Wirtschaft sollen im Munich Urban Colab unter einem gemeinsamen Dach arbeiten und Lösungen für die Zukunft einer lebenswerten Stadt finden. Über 30 Millionen Euro lässt Susanne Klatten über ihr in Garching bei München liegendes Gründungs- und Innovationszentrum UnternehmerTUM in das Projekt fließen. Das Areal an der Freddie-Mercury-Straße 5 in Schwabing, ein ehemaliges Kasernengelände, wird von der Stadt München per Erbbaurecht zur Verfügung gestellt.

Auf über 11 000 Quadratmetern Nutzfläche bietet das Munich Urban Colab Büroflächen, Co-Working-Spaces, Seminar- und Veranstaltungsräume für bis zu 300 Personen, Living Labs. Hier können die Besucher*innen Apps und Haushaltsgeräte anwendungsnah testen. Auch eine Prototypenwerkstatt, ein Café, zwei Wintergärten und ein Sport- und Fitnessraum befinden sich hier. Für ihr Projekt konnte Susanne Klatten zahlreiche renommierte Unternehmen wie Siemens, SAP, BMW oder Infineon an Bord holen, die bereits ihre Mietzusagen für eine Anzahl der angebotenen Büroräume gegeben haben. So möchte sie für neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Startups und etablierten Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Disziplinen sorgen. Das Ziel: international skalierbare und nachhaltige Lösungen für die Stadt der Zukunft zu finden.

Munich Urban Colab im Zentrum des Kreativquartiers

Bewusst siedelte Susanne Klatten das Munich Urban Colab mitten im Münchner Kreativquartier an. Auf den etwa fünf Hektar Fläche der einstigen Luitpoldkaserne zwischen Schwabing, Innenstadt und Neuhausen wird seit Jahren ein buntes und lebhaftes Quartier entwickelt. Vielfältige kreative Freiräume stehen zur Verfügung. Hier lassen sich Kunstateliers ebenso nieder wie Designstudios oder offene Werkstätten. Im Kreativquartier finden Veranstaltungen und Ausstellungen statt, mit deren Themen das herkömmliche Münchner Kulturprogramm sich nur selten auseinandersetzt. In direkter Nachbarschaft zum Munich Urban Colab befinden sich zudem die Hochschule für Design, die Hochschule für Film- und Fernsehen, das Goethe-Institut und eine vielzahl kreativer Einrichtungen. Durch seine heterogene Beschaffenheit bietet das Areal also ideale lokale Voraussetzungen für einen regen Austausch zwischen Designer*innen, Künstler*innen und Kreativen.

Und auch die Bürger*innen sind eingeladen, wie Susanne Klatten gegenüber dem Stadtportal „muenchen.de“ wissen lässt: „Im Munich Urban Colab wird das Miteinander gelebt. Stadt, Forschung, Wirtschaft und Bürgerinnen und Bürger vereint. Die Architektur des Gebäudes strahlt bewusst Transparenz aus. Wir laden alle Münchnerinnen und Münchner ein, uns zu besuchen; im Café etwas zu trinken, sich die Werkstätten anzuschauen. Mitten in der Stadt bauen wir Prototypen. Wir wollen zeigen, dass die Menschen unsere Entwicklungen gebrauchen können. Und laden zum Mitwirken ein. Lebenswerte, nachhaltige Städte brauchen Konzepte, an denen sich die Bürgerinnen und Bürger beteiligen können.“

München soll eine der weltweit grünsten Städte werden

Die Initiatoren des Projekts rund um Susanne Klatten erhoffen sich, im Munich Urban Colab zukunftsträchtige Ideen zu nachhaltigen, grünen und smarten Mobilitäts- und Städtebaukonzepten zu entwickeln, vor Ort zu erproben und anschließend international anzuwenden. Das neue Gebäude soll durch seine Transparenz den kollaborativen Ansatz auch architektonisch unterstreichen. Die Transparenz rührt einerseits von der großflächigen Verglasung des Gebäudes, die viel Licht hineinlässt. Andererseits wird die Transparenz auch noch durch die großzügigen Raumhöhen und -flächen verstärkt. So ergeben sich vielen Möglichkeiten zum interdisziplinären Austausch im Inneren.

Wie wollen wir künftig leben? Wie wollen wir Münchens Menschlichkeit wahren? Sie empfinde sich in einer Verantwortung und wolle einen Beitrag zur Beantwortung dieser Fragen leisten, sagte Susanne Klatten bei der Eröffnungsveranstaltung des Munich Urban Colabs. München solle, das ist das langfristige Ziel, künftig einen Platz auf der Liste der zehn grünsten Städte der Welt einnehmen. Hamburg wolle man im Ranking überholen. Die Elbstadt gilt als grünste Stadt Deutschlands und belegt international Rang neun.

Zur Webseite des Munich Urban Colabs gelangen Sie hier.

Auch der Münchener Nordosten entwickelt sowie verändert sich. Dort plant die Stadt neuen Raum für Wohnungen und Arbeitsplätze. Mehr dazu lesen Sie hier.

Das neue Papierwerd-Areal in Zürich

So sah das Papierwerd-Areal im Jahr 2016 aus. Bildquelle: Amt für Städtebau
So sah das Papierwerd-Areal im Jahr 2016 aus. Bildquelle: Amt für Städtebau

Seit Jahrzehnten diskutiert die Stadt Zürich über die Nutzung des Globus-Provisoriums beim Hauptbahnhof. 1961 eröffnete das Warenhaus Globus den Bau – auf fünf Jahre angelegt. Jetzt ist das Gebäude Standort einer Coop-Filiale und Büros der Stadtverwaltung. Das Dialogverfahren „Forum Papierwerd“ thematisierte nicht nur den Bau, sondern umfassend die künftige Nutzung des Papierwerd-Areals. Welche zentralen Aussagen als wichtige Grundlage für die zukünftige Entwicklung des Papierwerd-Areals entstanden, stellen wir hier vor.

Grundlagen für die Entwicklung des Papierwerd-Areals

In Zürich wird schon lange über die Nutzung des Globus-Baus auf dem Papierwerd-Areal diskutiert. Denn der ursprünglich als temporär angelegte Bau entspricht nicht mehr den modernen Ansprüchen der Stadtplanung. Gemeinsam mit den Bürger*innen entscheidet der Stadtrat nun über die Zukunft des Areals. Dafür hat die Stadt Zürich einen mehrstufigen Strategieprozess entwickelt, der die Grundlagen für das weitere Vorgehen definiert. Noch bis zum 21. Dezember 2022 können Bürger*innen an der Online-Umfrage zum Forum Papierwerd teilnehmen.

Damit nimmt die Stadt Zürich eine grundlegende Auslegeordnung für das Globusprovisorium vor. Bauliche Entwicklungsrichtungen von Erhalt über Neubau, Freiraum oder Platz bis hin zu einer Kombination dieser Vorhaben kommen in Frage. Da das zentral gelegene Areal sehr bedeutend für Zürich ist, nimmt sich die Stadt die Zeit, einen mehrstufigen Prozess durchzuführen.

Limmatquai, Niederdorf, ohne Datierung. Bildquelle: Baugeschichtliches Archiv
Limmatquai, Niederdorf, ohne Datierung. Bildquelle: Baugeschichtliches Archiv

Das Areal mit dem Globusprovisorium

Das heutige Globusprovisorium befindet sich auf dem Züricher Papierwerd-Areal zwischen Hauptbahnhof und Limmatquai auf einer ehemaligen Insel in der Limmat. Der Name kommt von einer Papiermühle, die 500 Jahre lang auf dieser Insel stand. Seit 1961 ist dort das Globusprovisorium zu finden. Es stellte zunächst eine Übergangslösung dar, solange der Neubau des Warenhauses an der Pestalozziwiese stattfand. Dies war möglich, da die Zürichsee-Regulierung die Ufermauer beim Bahnhofquai mit einer neuen Straßenführung umgestaltete. Dabei kam es zu der bis heute bestehenden Bahnhofquai-Unterführung.

Aber auch lange nach Eröffnung blieb das ursprünglich nur provisorisch für fünf Jahre geplante Gebäude bestehen. Heute befinden sich darin ein Supermarkt und Büros. Um das Papierwerd-Areal besser zu nutzen, hat die Stadt Zürich den Strategieprozess ins Leben gerufen. Er besteht aus den folgenden vier Phasen:

  1. Vorbereitung: Ab dem Jahr 2020 wurde der Prozess vorbereitet und Rahmenbedingungen wurden geklärt.
  2. Konzeption: Von 2021 bis 2022 konzipierte die Stadt Zürich ein passendes Dialogverfahren und bereitete es entsprechend vor.
  3. Durchführung: Im Jahr 2022 wurde das „Forum Papierwerd“ durchgeführt. Dabei diskutierten die Expert*innen Fragen rund um die künftige Bedeutung, Nutzung, Funktion, bauliche Varianten und Potenziale des Areals.
  4. Bericht/Antrag: 2023 und 2024 werden die Ergebnisse des Forums dokumentiert und es entstehen Handlungsempfehlungen. Der Bericht soll die Grundlage für eine Interessensabwägung sowie für den Entscheid des Stadtrats über die Zukunft des Areals bilden.

Das Forum Papierwerd

Das Herzstück der Diskussionen ist dabei das Dialogverfahren „Forum Papierwerd“, das im November 2022 endete. Hier konnte sich die interessierte Öffentlichkeit bereits beteiligen. Im Anschluss geht es nun darum, einen Bericht mit Handlungsempfehlungen zu den vier möglichen baulichen Entwicklungsrichtungen zu erarbeiten und ihn dem Stadtrat zu unterbreiten.

Das Forum Papierwerd bestand aus Fachpersonen aus Stadtentwicklung und Soziologie, Städtebau und Architektur, Landschaftsarchitektur und Umwelt und Mobilität. Auch Vertretungen von Politik, Vereinen, Organisationen und Verbänden sowie Bewohner*innen von Zürich waren  eingeladen. In mehreren Veranstaltungen diskutierten die Teilnehmenden Szenarien für die Zukunft des Papierwerd-Areals .

Die Stadt Zürich lud zum Forum mit insgesamt vier Veranstaltungen ein und teilte die etwa 60 Teilnehmenden auf der Basis ihrer Profession und Rolle einer von sechs Gruppen zu. In wechselnder Zusammensetzung beantworteten die Gruppen Fragen zur künftigen Bedeutung des Areals und seiner Bebauung und Nutzung. Am 21. November 2022 wurde der Schlussbericht des Forums vorgestellt.

In elf zentralen Aussagen sind die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses festgehalten. Bildquelle: Stadt Zürich
In elf zentralen Aussagen sind die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses festgehalten. Bildquelle: Stadt Zürich

Die elf zentralen Aussagen

Im Rahmen des Strategieprozesses erarbeitet die Stadt Zürich gemeinsam mit breiter Unterstützung die folgenden zentralen Aussagen zur Zukunft des Papierwerd-Areals:

  1. Öffnung für die gesamte Bevölkerung
  2. Areal als Teil der Perlenkette von See bis Platzspitz
  3. Dynamische Beispielbarkeit
  4. Entwicklungsplattform im Dialog
  5. Teilrückbau
  6. Ausgedehnter Freiraum im Süden und Baumbestand über den ganzen Perimeter
  7. Mehr Geschosse als heute
  8. Offenes Erdgeschoss
  9. Ankernutzung im Untergeschoss
  10. Dach zugänglich und nutzbar
  11. Durisol-Panele erhaltenswert

Die obenstehende Zeichnung des künftigen Papierwerd-Areals zeigt, wie sich das Globus-Provisorium verändert und außerdem wie die elf zentralen Aussagen umgesetzt werden könnten. Jedoch stellt sich dabei nach wie vor die Frage, ob es sich um einen Neubau, um ein erhaltenes Gebäude, einen neuen Freiraum oder eine Kombination handeln wird. Dies wird voraussichtlich vom Züricher Stadtrat entschieden, sobald der Bericht zum Forum Papierwerd vorliegt.

Paralleler Prozess für den Raum rund um den Hauptbahnhof

Gleichzeitig zu den Plänen für das Papierwerd-Areal arbeitet die Stadt Zürich gemeinsam mit dem Tiefbauamt derzeit an einem Masterplan für den Hauptbahnhof und das Hotel Central. Dieser Plan soll ein Zukunftsbild für verkehrliche und stadträumliche Planungen bieten. Die Ideen zum Teilraum Papierwerd-Areal flossen als beispielhafte Vorschläge in die Diskussionen mit ein.

Übrigens: Mit dem „pinken Dschungel“ gab es auch 2018 interessante Ansätze in Zürich, um neue Stadtbilder zu schaffen.