Gartentier des Jahres 2021 gesucht

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Gartentier des Jahres 2021: Die Kanditat*innen

Sechs tierische Kandidat*innen stehen dieses Jahr zur Wahl für das Gartentier des Jahres 2021. Wer es wird, können Sie bis zum 13. Juni 2021 in einer Onlineabstimmung mitentscheiden. Alle zur Wahl stehenden Tiere stellen wir im Artikel kurz vor.

Seit 2010 vergibt die Heinz Sielmann Stiftung den Titel „Gartentier des Jahres“ an ein einheimisches Tier – so auch 2021. Mit der jährlichen Wahl des Gartentiers will die vom bekannten Tierfilmer und seiner Frau Inge Sielmann gegründete Stiftung auf die Wichtigkeit naturnaher Gärten für die Tierwelt aufmerksam machen. Wer mitwählt, hat dieses Jahr zudem die Chance auf eines von 60 Naturbüchern aus dem Kosmos Verlag.

Die 2021 zur Wahl stehenden Gartentiere sind, bis auf lokale Ausnahmen, noch keine ausgesprochen seltenen Besucher*innen in unseren Gärten geworden. Ihre Lebensräume werden jedoch immer kleiner und einige von ihnen haben bereits den Weg auf die Rote Liste gefährdeter Arten gefunden.

Hier sind die sechs zur Wahl stehenden Arten zum Gartentier des Jahres 2021 kurz für Sie vorgestellt:

Maulwurf (Talpa europaea)

Alfred Brehm beschrieb ihm in „Brehms Tierleben“ als „wahrhaft furchtbares Raubtier“ und sein Ruf konnte sich bis heute, trotz der lange ausgestrahlten Kinderserie „Der kleine Maulwurf“, nicht erholen. Seine Grabetätigkeit und die sich daraus ergebenden Erdhügel sorgen vielfach für Unmut bei Gartenbesitzer*innen und Nutzer*innen von Park- und Sportanlagen. Da er Fleischfresser und praktisch immer hungrig ist, begünstigt die Bekämpfung des Maulwurfs jedoch die Population von Schnecken und Engerlingen.

 

Garten-Wollbiene (Anthidium manicatum)

Sie ist auch als Große Wollbiene bekannt und legt als Solitärbiene in geeigneten Hohlräumen in Holz, Mauern oder der Erde Brutzellen an. Ihren Namen verdankt sie ihrer Eigenschaft, diese Brutzellen mit Pflanzenwolle zu tapezieren, die sie von flaumigen Blättern und Stängeln absammelt. Anschließend werden die Brutzellen durch Material wie Blättchen und Steinchen getarnt. Wie alle weiblichen Bienen trägt auch die Garten-Wollbiene einen Wehrstachel, der allerdings zu schwach ist, um menschliche Haut zu durchdringen.

 

Stieglitz (Carduelis carduelis)

Auch bekannt als Distelfink, fällt der Stieglitz durch seine markante rote Gesichtsmaske auf. Er nutzt eine große Vielfalt an Sämereien für seine Ernährung und macht zeitweise auch nicht vor Blattläusen halt. In seiner Spezialisierung aufs Samenfressen hat er ein breites Repertoire an Techniken entwickelt, mit denen er geschickt an die Samenstände der verschiedensten Pflanzen gelangt. Bereits am Boden liegende Samen verschmäht er. Seine Nahrungspflanzen gelten als „Unkraut“, die Brachen, auf denen sie wachsen, als „unordentlich“.

 

Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata)

Der vielleicht bekannteste Käfer überhaupt, jedenfalls aber die bekannteste Art des Marienkäfers. Der Siebenpunkt gilt mit seinen sieben schwarzen Punkten auf den Deckflügeln als Glücksbringer und wird seit Aufkommen des invasiven Asiatischen Marienkäfers seit den 80ern immer mehr aus seinen Lebensräumen verdrängt. Wegen seines großen Hungers auf Blattläuse sind er und seine Larven vor allem bei Gärtner*innen gern gesehene Gäste. Entgegen der weit verbreiteten Legende hat die Anzahl der Punkte eines Marienkäfers mit seinem Alter nichts zu tun.

 

Schwalbenschwanz (Papillo machaon)

Mit bis zu acht Zentimetern Flügelspannweite ist der Schwalbenschwanz einer der größten und auffälligsten Schmetterlinge Deutschlands. Bis zu drei Generationen kann er pro Jahr hervorbringen. Er meidet monotone Ackerflächen und bevorzugt Magerwiesen und Trockenrasen mit vereinzelt stehenden Futterpflanzen. Auch im Garten lässt er sich an Dill und Fenchel sehen. Seine prächtigen Raupen sind weniger populär, als der adulte Falter, zeichnen sie sich doch durch ihren großen Appetit auf Blattgrün aus. Werden sie bekämpft, leiden darunter aber Vögel und Kleinsäuger, die sie zur Ernährung ihrer Jungtiere benötigen.

 

Teilnahme an der Wahl zum Gartentier des Jahres 2021:

Gartenspitzmaus (Crocidura suaveolens)

Lassen Sie sich vom Namen der Gartenspitzmaus nicht in die Irre führen, denn sie gehört nicht wie die Maus zur Ordnung der Nagetiere, sondern zur Ordnung der Insektenfresser und ist so eher mit dem Maulwurf verwandt. Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 8 Zentimetern und einem Gewicht von 7,5 Gramm ist sie allerdings wesentlich kleiner und leichter. Sie lässt gerne sich in offenem Gelände wie an Feldrändern, Brachflächen und Gärten nieder. In dichten Wäldern und Feuchtflächen ist sie nicht anzutreffen. Auf ihrem Speiseplan stehen Insekten, Spinnen und Schnecken. Ihre Lebensräume sind durch zunehmend extensive Landwirtschaft gefährdet.

Die Teilnahme ist kostenlos und kann durch jede natürliche Person in mit Wohnsitz in Deutschland, Österreich oder der Schweiz über ein Online-Formular erfolgen.

Mehr Informationen zur Wahl des Gartentier des Jahres 2021 und das Abstimmungsformular gibt es hier.

 

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Dirk Schelhorn war gelernter Bildhauer, machte sich als Landschaftsarchitekt selbstständig und führte bis 2020 sein Planungsbüro LS2. Foto: Sandra Escher

Landschaftsarchitekt Dirk Schelhorn realisierte Spiel- und Bewegungsräume; die Beteiligung von Nutzer*innen – besonders von Kindern und Jugendlichen – war ihm ein großes Anliegen. Auch im Bereich der Stadtplanung war seine Expertise gefragt, so beim Masterplan für urbane Bewegungsräume Stuttgart. Anfang September ist Dirk Schelhorn nun verstorben. Ein Nachruf.

Fordernde und fördernde Freiräume und Spielräume schaffen

Das Büro LS2 trauert um seinen Geschäftspartner Landschaftsarchitekt Dipl.-Ing. Dirk Schelhorn. Der am 28. Februar 1956 geborene gelernte Bildhauer studierte in Berlin und machte sich dann als Landschaftsarchitekt in Frankfurt am Main selbständig. Sein Planungsbüro führte er bis zum Jahr 2020, bevor es Anfang 2021 in die Partnerschaftsgesellschaft LS2 Schelhorn, Lukowski, Schnabel überging. Bis zuletzt war er als Berater, Ideengeber und „Netzwerker“ für das Büro tätig.

Sein umfassendes Wissen zum Thema Bewegung und Spiel war enorm. Die Beteiligung und Einbindung von Nutzerinnen und Nutzern, insbesondere von Kindern und Jugendlichen in Planungsprozesse waren ihm ein Herzensanliegen. Unzählige Partizipationsprozesse hat er angeleitet und moderiert und dabei die Kreativität und die Ästhetik nie aus den Augen verloren. „Haben Sie jemals ihrem Kind mindestens drei Stunden beim Spielen zugesehen, ohne einzugreifen?“ Das war eine seiner zentralen Fragen an Erwachsene, um die Bedürfnisse der Kinder in den Fokus zu rücken.

Bis an die Grenzen gehen, Herausforderungen bieten, fordernde und fördernde Freiräume und Spielräume schaffen, das konnte Dirk Schelhorn wie wenige andere. Denn Dirk war der Meinung: „Fallen lernt man nur durch Fallen“ und „Lebe wild und gefährlich“.

Bewegungsanlagen sollten immer auch Begegnungsanlagen sein

Beständig hat er die Idee von Spiel- und Bewegungsräumen weiterentwickelt und dabei etliche neue Spielgeräte und Spielstrukturen entworfen. Sein Knowhow war auch im Bereich der Stadtplanung gefragt. So hat er unter anderem am Masterplan für urbane Bewegungsräume Stuttgart erfolgreich mitgearbeitet. Darüber hinaus hat er, selbst „Extremsportler“ und Teilnehmer an Ultra-Bergläufen, sich intensiv mit der Verknüpfung der Themen Spiel und Sport befasst und sich als Autodidakt im Bereich Sportwissenschaften umfassende Kenntnisse angeeignet. Das führte ihn sogar als Referent auf einen Ärztekongress, bei dem er über Gesundheitsförderung durch Bewegung informierte.

Die Entwicklung des Konzepts für die „alla-hopp-Bewegungsanlagen“ der Dietmar-Hopp- Stiftung und die Erstellung von sechs der insgesamt 19 im Rhein-Neckar-Raum geschaffenen Anlagen waren Highlights seiner beruflichen Laufbahn. Die von ihm geplanten Bewegungsanlagen sollten immer auch Begegnungsanlagen sein. Attraktive Orte, an denen Menschen aller Altersgruppen zusammenkommen können.

Herzensprojekt Sport- und Bildungscampus Bürstadt

Am 22. September 2023 wurde der Sport- und Bildungscampus Bürstadt feierlich eröffnet. Seit 2015 hatte er gemeinsam mit der Bürgermeisterin Barbara Schader für dieses „Herzensprojekt“ und seine Realisierung gekämpft. Die Vision eines Sport- und Bildungscampus, nutzbar für alle Bürgerinnen und Bürger, konnte wohl kaum jemand so großartig in Worte fassen, überzeugend beschreiben und umsetzen wie Dirk Schelhorn.

Nur sechs Tage nach der Eröffnung, am 28. September 2023, starb Dirk Schelhorn nach schwerer Krankheit und hinterlässt fachlich, vor allem aber menschlich eine große Lücke. „Das geht nicht“, war ein Satz, der für Dirk nicht galt und der uns weiter bei der Fortführung seiner und unserer Arbeit begleiten wird. Wir haben einen außergewöhnlichen Menschen, Kollegen, Berater, Mentor und Vordenker verloren. Er war ein Macher, Gestalter, Ideengeber, Vorbild. Seine Tatkraft, seine mitreißende und begeisternde Art, sein grenzenloser Optimismus werden uns sehr fehlen.

Thesen zur Landschaftsarchitektur

Vor über 20 Jahren verfasste der Landschaftsarchitekt Dieter Kienast „10 Thesen zur Landschaftsarchitektur“. Das bewusst provokante Manifest hat nichts an Aktualität verloren, wie hier beispielhaft an zwei Thesen erläutert wird.

 

„Die Theorie gehört zum intellektuellen ­Teil unserer Arbeit. Wenn es nur darum geht, schöne Förmchen zu backen, brauche ich ­natürlich keine Theorie”, betonte Dieter Kienast und formulierte 1992 „10 Thesen zur Landschaftsarchitektur“ als „kleines theoretisches Fundament“ seiner landschaftsarchitektonischen Arbeit. Aus seiner Sicht war die Zeit reif für ein provokantes Manifest und ­eine kritische Auseinandersetzung mit dem konservativ-traditionell geprägten Selbst­verständnis seines Berufsstandes. In Kienasts Augen hatten sich die Landschaftsarchitekten viel zu bequem in ihren Rollen als ­Bewahrer, Verschönerer und Handwerker ­in Grün eingerichtet. Damit wurden sie aber ­ihrer Verantwortung für die Gestaltung ­moderner städtischer Lebensumwelten nicht mehr gerecht und gerieten bei wichtigen Diskussionen um die urbane Zukunft der Menschheit immer mehr in eine gefährliche Abseitsposition.

Die aktuellste Fassung der 10 Thesen erschien im November 1998 an der ETH Zürich, nur wenige Wochen vor Dieter Kienasts Tod. Sein fortschrittliches Natur- und Kultur­verständnis, basierend auf profundem Wissen in Ökologie und Gartenkunstgeschichte, die Begeisterung für die Heterogenität der Stadt und ihre soziokulturelle Vielfalt, das Bekenntnis zu aufgeschlossener Interdisziplinarität und der Respekt für den besonderen Ort – all das lässt das Manifest noch heute erstaunlich aktuell klingen, doch hier kann nur exemplarisch auf die ersten zwei Thesen eingegangen werden.

„1. Unsere Arbeit ist die Suche nach einer Natur der Stadt, deren Farbe nicht nur grün, sondern auch grau ist. Natur der Stadt heißt Baum, Hecke, Rasen, aber auch wasserdurchlässiger Belag, weiter Platz, strenger Kanal, hohe Mauer, offen gehaltene Frischluft- oder Sichtachse, das Zentrum und der Rand.“

Mit dieser Auffassung widersprach Dieter Kienast den gängigen Klischeevorstellungen von Natur, die vor allem in den frühen 80er-Jahren in der Landschaftsarchitektur verbreitet wurden. Nebenwirkungen der Ökologiebewegung waren eine ausgeprägte Stadtfeindlichkeit, Desinteresse an Gartenkunstgeschichte und die Ablehnung ­moderner Landschaftsarchitektur. Diese wurde prinzipiell als Missbrauch von Natur betrachtet. „Im Garten muss die Natur der Meister sein, und der Besitzer ist der Lehrling. Der Lehrling ist beim Meister zu ­Besuch. Als Gast unterwirft man sich den Regeln des Hauses.“ (Louis LeRoy)

Als Klaus Spitzer in seinem Handbuch „Grün in der Stadt“ 1981 für eine ökologische ­Ästhetik plädierte und gegen die „alten ­Regeln ­ästhetischer Gestaltung“ wetterte, argumentierte er auf der Basis eines normativen ökologischen Konzeptes. Im vorangegangenen Jahrzehnt hatte diese Ideologie bereits weltweit zu einem Paradigmenwechsel in Landschaftsarchitektur und
-planung geführt, unter anderem gefördert durch den Amerikaner Ian McHarg und den Niederländer Louis Le Roy, der 1973 forderte „let ­nature grow – nature will arrange things for herself”. In der europäischen Natur­gartenbewegung propagierte man die ­Verbannung fremdländischer Pflanzen aus Gärten und Parks.

 

Den ganzen Beitrag lesen Sie in Garten + Landschaft 9/2015. Heft hier bestellen.