In der Pogromnacht vom 9. auf 10. November 1938 zerstörten die Nationalsozialisten den Turnertempel, der als drittgrößte Synagoge Wiens in den Jahren 1871 und 1872 nach Plänen des Architekten Karl König erbaut wurde. „… Die Feuerwehr, ja, die ist nicht gekommen. Dann hat der ganze Tempel gebrannt. Und dann ist die Feuerwehr doch gekommen und hat nur mehr darauf geachtet, dass die Nebenhäuser nicht zu brennen beginnen. Somit ist der Tempel abgebrannt – Fensterkrachen, alles, was es nur gibt. Manche haben einen begeisterten Tanz aufgeführt, mit einer Begeisterung wie die Indianer, wenn sie rund ums Feuer hüpfen …“, schildert eine Zeitzeugin drastisch die Ereignisse der Pogromnacht. Das Symbol der Eigenständigkeit der jüdischen Gemeinde im 15. Wiener Gemeindebezirk brannte bis auf die Grundmauern ab. 73 Jahre später, am 10. November 2011, wurde eine -Gedenkstätte an dem Ort eingeweiht, wo früher das Bethaus stand.

Initiiert wurde der Erinnerungsort vom Projekt „Herklotzgasse 21“. Die Initiatoren erforschten die Spuren jüdischen Lebens in ihrem Grätzel, wie die Wiener ihre Quartiere nennen. Die Gestaltung des Platzes geht auf einen künstlerischen Wettbewerb im Jahr 2010 zurück, den Irs Andraschek und Hubert Lobnig zusammen mit dem Landschaftsarchitekturbüro Auböck + Kárász gewonnen hatten. Schwarze Betonbalken erinnern an den herabgestürzten Dachstuhl der Synagoge. Die dunklen, grafischen Strukturen dienen einerseits als Wege auf den Platz, andererseits ragen sie als Sitzbänke aus der wassergebundenen Decke. Betonstufen führen von der Straße auf den erhöhten Gedenkort. Bunte Mosaiken zeigen Früchte aus dem Süden, die in der Thora erwähnt werden und im religiösen jüdischen Jahreskreis eine Rolle spielen. Sie verweisen einerseits auf die jüdische Geschichte und sollen andererseits Menschen verschiedener Herkunft und Religion zu einem neuen Miteinander laden.


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Turnertempel - Erinnerungsort

Die neue Gestaltung schafft nicht nur einen würdigen Gedenkort, sondern auch die besten Voraussetzungen für einen lebendigen Treffpunkt im dichten gründerzeitlichen Stadtteil.


Turnertempel - Erinnerungsort

Fotos: © Stephan Wyckoff 2011

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„Wir wünschen uns, dass jemand Ecken und Kanten hat“

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Seit 1985 plant das Büro TB MARKERT Stadtplaner * Landschaftsarchitekt haupt­sächlich für kommunale und private Auftraggeber*innen. Von Nürnberg aus arbeiten Teams aus Landschaftsarchitekt*innen und Stadtplaner*innen überwiegend an Projekten in Bayern. New Monday sprach mit Teamleiter und Büropartner Rainer Brahm über Herausforderungen im Homeoffice und die Arbeitskultur bei TB MARKERT.

Ecken und Kanten

Was ist für Sie wichtiger – Anschreiben, Lebenslauf oder Portfolio?

Es ist schwierig, da eine Abstufung zu finden. Das Portfolio ist jedoch gerade
bei Absolvent*innen weniger aussagekräftig, da diese häufig noch nicht so viel vorzuweisen haben. Der Lebenslauf ist wichtig, um zu sehen, wie die Bewerber*innen an dem Punkt angelangt sind, sich bei uns zu bewerben und was sie bisher gemacht haben. 

Gibt es beim Lebenslauf besondere Erfahrungen oder Kriterien, die den Bewerbenden für Sie besonders interessant machen?

Tatsächlich ist es häufig so, dass es die Brüche im Lebenslauf sind, die uns interessieren. Bewerber*innen, die eine glatte Laufbahn haben und zwischen Schule, Universität und ersten Berufserfahrungen nahtlos übergegangen sind, sind häufig weniger spannend. Wir möchten sehen, ob und wie jemand seine Persönlichkeit im Laufe seiner Vita entwickelt hat. Und dazu gehören häufig unkonven­tionellere Lebenswege. 

Was ist für Sie beim Bewerbungsgespräch wichtig?

Hauptsächlich geht es darum, dass sich Bewerber*innen authentisch darstellen. Diejenigen, die ehrlich und offen herüberkommen, bleiben am meisten im Gedächtnis und interessieren uns dadurch besonders. Wir wünschen uns, dass jemand Ecken und Kanten hat – und diese auch zeigt. 

TB MARKERT hat eine ausgeprägte Gesprächskultur

Thema Homeoffice: War das schon vor Corona üblich bei Ihnen?

Homeoffice war bei uns eher ein Randthema. Es gab natürlich Mitarbeiter*innen, die auch schon vor dem Lockdown im Homeoffice gearbeitet haben. Aber die meisten wollten das gar nicht. Und das merken wir auch jetzt: Fast alle unserer Mit­arbeiter*innen bedauern es, dass sie derzeit nicht ins Büro kommen können. Mich schließe ich da ein. 

Was macht Ihre Arbeitskultur aus?

Wir haben eine wertebasierte Unternehmenskultur. Bevor ich zu TB|MARKERT kam, habe ich selbst etliche Büros durchlaufen. Was mir hier gefällt, sind die flachen Hierarchien: Wir sind in drei Teams organisiert, die jeweils von einem Teamleiter betreut werden, und das Büro wird von vier Partnern geleitet. Aber das spielt in der täglichen Praxis eigentlich gar keine Rolle, da wir innerhalb der Teams sehr eng zusammenarbeiten. Außerdem gefällt mir die ausgeprägte Gesprächskultur unter den Kolleg*innen. Auch teamübergreifend sprechen wir sehr viel miteinander und tauschen uns aus. Deshalb fällt uns wahrscheinlich das Homeoffice auch so schwer. Wir vermissen einfach den Austausch untereinander.

Assessment Center für Landschaftsarchitekt*innen? Yes please, sagen Gaus Architekten.

Hier finden Sie das Gespräch mit Eik Kammerl von kammerl + kammerl zum Thema Lebenslauf.

Mehr Einblicke in Planungsbüros finden Sie auf www.new-monday.de.

Fahrradschnellwege sind in vielen modernen Verkehrsplanungen längst inbegriffen. Auch in Berlin soll der Anteil der Radfahrer steigen. Trotzdem schlagen Ideen für die Umnutzung alter Bahngleise immer wieder fehl, Alternativprojekte kommen nur langsam in Gang. Ein Statement zum Stand der Dinge von Thomas Heilmann, Senator für Justiz und Verbraucherschutz in Berlin und Kreisvorsitzender der CDU Steglitz-Zehlendorf.

Viele skandinavische Metropolen beweisen bereits seit den 80er Jahren, dass durch die Förderung städtebaulicher Maßnahmen für einen sicheren und kreuzungsfreien Fahrradverkehr Auto-Staus oder überfüllte Busse und U-Bahnen der Vergangenheit angehören. Die Individualisierung von Verkehr entzerrt Konzentrationen zu den Stoßzeiten und verkürzt die jeweiligen Fahrtzeiten erheblich. Die CDU Steglitz-Zehlendorf will dieses Konzept nach Berlin holen und die Mobilität in einer jungen und kreativen Stadt zukunftsfähig machen.

Gerade in einem großflächigen Randbezirk im Südwesten Berlins ist die Wahlmöglichkeit zwischen attraktiven Verkehrsmitteln bisher begrenzt. Die S- und U-Bahndichte ist im Vergleich zu innerstädtischen Lagen gering und der Auto-Berufsverkehr konzentriert sich auf überlastete Ausfallstraßen. Nur durch eine Diversifizierung von Transportmöglichkeiten kann Berlin wachsen, ohne dabei Mobilitätseinbußen hinnehmen zu müssen.

Das Fahrradschnellwege-Konzept der CDU Steglitz-Zehlendorf greift auf stillgelegte Schienentrassen und Freiflächen zurück. Diese Freiflächen bilden bereits ein strahlenförmiges Netz, dessen Zentrum die Berliner Innenstadt bildet. Ziel ist es, einen räumlich völlig voneinander getrennten Auto- und Fahrradverkehr anzubieten. Alle Verkehrsmittel sollen gleichberechtigt und ohne Einschränkungen genutzt werden können. Ein einmaliger Vorteil, den Berlin wegen seiner vielen nicht bebauten Achsen leisten kann. Das Konzept will ganz bewusst nicht belehren, nicht bevorteilen, sondern die qualitativ bestmögliche Infrastruktur schaffen, bei der die Bürger selbst wählen, wie sie am besten von A nach B kommen.

Die konzeptualisierte Pilotstrecke von Zehlendorf bis zum Potsdamer Platz wird von der E-Bike- Schnellladestation über Fahrradservicepunkte bis hin zur sicheren und trockenen Abstellmöglichkeit für Rad und Ausrüstung mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet sein, die die bisherigen Nachteile des Fahrrads für Berufspendler marginalisieren. Im Gegensatz zu bisherigen Radwegen wird der Fahrradschnellweg Ampel- und Kreuzungsfrei sein. Ähnlich wie bei Autobahnen wird es Zufahrts- und Ausfahrtsrampen geben, die einen sicheren Verkehr für schnellerfahrende E-Bikes und langsamere Treträder gewährleisten.

Wichtig war der CDU, dass auch eine Wiederinbetriebnahme der sog. Stammbahn, der vormalig ersten Eisenbahnverbindung zwischen Potsdam und dem Potsdamer Platz trotz des Fahrradschnellwegs möglich bleibt. Diese Bahnverbindung könnte in 15 oder 20 Jahren noch einmal wichtig werden. An den meisten Streckenabschnitten ginge das gut nebeneinander. Dort wo der Platz fehlt, gibt es das Konzept, die Fahrradstrecke über der Bahnlinie – praktisch in der ersten Etage anzusiedeln. Damit kann langfristig beides realisiert werden: Stammbahn und Fahrradschnellweg.

Durch eine gemeinsame Finanzierung von öffentlicher und privater Hand können sowohl die Bereitstellung der Fahrradstrecke, wie auch der Unterhalt der Serviceangebote realisiert werden.

Nicht die künstliche Bevor- oder Benachteiligung einzelner Verkehrsmittel, sondern die freie Wahlmöglichkeit zwischen attraktiven und gleichberechtigten Angeboten sichern ein nachhaltiges Mobilitätskonzept für eine erfolgreiche Stadt.

Mehr über das Berliner Radwegeproblem lesen Sie in Garten+Landschaft 07/2016 – Die Rückkehr des Menschen.