Ernten was wir säen

Vor 18 Monaten, war der blühende Gemeinschaftsgarten in Barcelona „Hort de la Font Trobada“ eine verlassene Brache. Jetzt pflegen 90 Familien und elf weitere Parteien ihre Beete, sodass ungefähr 200 Menschen den Garten gemeinsam nutzen und genießen. „Braucht ihr Tomaten? Wir haben Setzlinge aus Galizien!“, ruft jemand, der gerade eine Gießkanne an der Font Trobade auffüllt, einem der Quellen in der Gegend, nach dem der Garten benannt ist.

Hort de la Font Trobada – Blick von oben
Hort de la Font Trobada – Blick von oben © Sigrid Ehrmann

Olympischer Wandel

Die Gegend, die eingebettet zwischen dem Stadtteil Poble Sec und dem Berg Montjuïc liegt und über eine Reihe natürlicher Quellen verfügt, wird schon seit dem 15. Jahrhundert landwirtschaftlich genutzt und wurde später ein beliebter Ort für Wochenendausflüge. Während des 20. Jahrhunderts war der Berg die meiste Zeit von sogenannten Barracas – illegal errichteten Häusern – bedeckt. Das änderte sich, als die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele begannen. Die Gärten und Quellen verschwanden bis die Stadtverwaltung einer Petition für einen selbstverwalteten Gemeinschaftsgarten stattgab und die Quelle instand setzte.

Die Pflege des Gemeinschaftsgartens erfolgt nach streng ökologischen Gesichtspunkten und orientiert sich an der aus Mallorca stammenden Methode der Parades en Crestall, die es erlaubt, kleine Landstücke in Regionen mit heißem Klima effizient zu bewirtschaften. Eine dünne Schicht aus Humus und Laub hält die Feuchtigkeit im Boden.

Der Großstadt entkommen

Neben dem Anbau von Nahrungsmitteln und dem ökologischen Aspekt erfüllt der Gemeinschaftsgarten auch eine wichtige soziale und pädagogische Rolle. Mitglieder von La Rimaieta und El Petit Molinet, zwei selbstverwalteten Familien- und Kinderzentren, die sich aktiv im Garten beteiligen, erklären, wie wichtig es für Kinder und Erwachsene ist, sich auch mal die Hände schmutzig zu machen, sich durch seine Arbeit in die Gemeinschaft einzubringen, Essen und Erfahrungen zu teilen und ganz direkt alles über den Wachstumsprozess der Pflanzen zu lernen. So ist durch gemeinschaftliche Anstrengung eine grüne Insel entstanden, in der man zwischen Bienen und Schmetterlingen der Großstadt entkommen kann.