Vor einiger Zeit war der blühende Gemeinschaftsgarten in Barcelona „Hort de la Font Trobada“ noch eine verlassene Brache. Jetzt pflegen 90 Familien und elf weitere Parteien ihre Beete, sodass ungefähr 200 Menschen den Garten gemeinsam nutzen und genießen. „Braucht ihr Tomaten? Wir haben Setzlinge aus Galizien!“, ruft jemand, der gerade eine Gießkanne an der Font Trobade auffüllt, einem der Quellen in der Gegend, nach dem der Garten benannt ist.

Olympischer Wandel

Die Gegend, die eingebettet zwischen dem Stadtteil Poble Sec und dem Berg Montjuïc liegt und über eine Reihe natürlicher Quellen verfügt, wird schon seit dem 15. Jahrhundert landwirtschaftlich genutzt und wurde später ein beliebter Ort für Wochenendausflüge. Während des 20. Jahrhunderts war der Berg die meiste Zeit von sogenannten Barracas – illegal errichteten Häusern – bedeckt. Das änderte sich, als die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele begannen. Die Gärten und Quellen verschwanden bis die Stadtverwaltung einer Petition für einen selbstverwalteten Gemeinschaftsgarten stattgab und die Quelle instand setzte.

Die Pflege des Gemeinschaftsgartens erfolgt nach streng ökologischen Gesichtspunkten und orientiert sich an der aus Mallorca stammenden Methode der Parades en Crestall, die es erlaubt, kleine Landstücke in Regionen mit heißem Klima effizient zu bewirtschaften. Eine dünne Schicht aus Humus und Laub hält die Feuchtigkeit im Boden.

Der Großstadt entkommen

Neben dem Anbau von Nahrungsmitteln und dem ökologischen Aspekt erfüllt der Gemeinschaftsgarten auch eine wichtige soziale und pädagogische Rolle. Mitglieder von La Rimaieta und El Petit Molinet, zwei selbstverwalteten Familien- und Kinderzentren, die sich aktiv im Garten beteiligen, erklären, wie wichtig es für Kinder und Erwachsene ist, sich auch mal die Hände schmutzig zu machen, sich durch seine Arbeit in die Gemeinschaft einzubringen, Essen und Erfahrungen zu teilen und ganz direkt alles über den Wachstumsprozess der Pflanzen zu lernen. So ist durch gemeinschaftliche Anstrengung eine grüne Insel entstanden, in der man zwischen Bienen und Schmetterlingen der Großstadt entkommen kann.

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Religion und Stadt

Religion ist in die öffentliche Debatte zurückgekehrt. Kruzifixe gehören – zumindest in Bayern– auch in öffentlichen Gebäuden zum Inventar. Gleichzeitig lehnen manche Bürger Religionen, wie den Islam, als Teil der modernen deutschen Identität ab. Mit diesen Debatten muss sich die Architektur moderner Sakralbauten auseinandersetzen.

Religion beeinflusst seit je Stadtbilder auf der ganzen Welt. Heute prägen vor allem mehrere Religionszugehörigkeiten die deutschen Großstädte. Diese sind nicht mehr zwingend mit geografischen Gegebenheiten oder nationale Grenzen verknüpft. Bewohner sehen bestehende Sakralbauten als gegebener Teil des Stadtbildes, als angenommen Realität. Neue Sakralbauten hingegen, wie die „Zentralmoschee“ in Köln, lösen nicht selten hitzige gesellschaftliche und politische Debatten aus. Ein günstiger Moment also, für eine Publikation, die den Zusammenhang zwischen Religion und Stadt erörtert.

Ein persönlicher Sichtwinkel

In dem Buch „Religion und Stadt“ stellen die Leipziger Architekten Ansgar und Benedikt Schulz fünf Positionen zeitgenössischer Sakralbauten in Deutschland vor. Dafür führen sie Gespräche mit den Architekten Paul Böhm, Jost Haberland, Wilfried Kühn und Andreas Meck. Ein persönliches Vorwort der beiden Herausgeber leitet die Auswahl ein und beschreibt ihren Weg zu „Religion und Stadt“. Die Architekten sprechen über ihre Kindheit in einer katholischen Gemeinde und über professionelle Erfolge, wie die Realisierung der Probsteikirche in Leipzig 2015. Ansgar und Benedikt Schulz kommen unter anderem zu dem Schluss, dass das Sakrale innerhalb eines Typus nicht eindeutig bestimmbar ist. Stattdessen haben alle untersuchten Projekte ein gemeinsames Merkmal: Sie spielen eine bedeutende Rolle für Geschichte und Identität der jeweiligen Stadt.

Verschiedene Gotteshäuser

Anschaulich führen Ansgar und Benedikt Schulz den Leser anhand von Visualisierungen und Zeichnungen von Kuehn Malvezzi’s religionsübergreifendes Konzept „House of One“, welches in Berlin Mitte realisiert werden soll. Außerdem stellen sie die Kirche „Seliger Rupert Mayer“ in Poing bei München von Meck Architekten vor. Außerdem wird das nicht realisierte Projekt „Neue Synagoge“ in Potsdam des Berliner Büros Haberland Architekten vorgestellt, sowie kürzlich viel diskutierte „Zentralmoschee“ der Architekten Gottfried und Peter Böhm in Köln. Auch die „Probsteikirche“ in Leipzig, geplant von Ansgar und Benedikt Schulz selbst, findet mit einem anerkennenden Beitrag des Schweizer Architekt Mario Botta seinen Weg in das Buch.

Begleitet von anschaulichen Perspektiven, technischen Zeichnungen und Fotografien gibt das Buch einen spannenden Einblick in die Vielfalt zeitgenössischer Sakralbauten in Deutschland. Ansgar und Benedikt Schulz illustrieren einprägsam, wie Architektur dazu beitragen kann, Religion wieder zu einem öffentlichen Thema zu machen. Die Projekte prägen auf verschiedene Arten die Identität ihrer Städte. So vollendet die Kirche „Seliger Rupert Mayer“ in Poing das Bild eines neuen Ortszentrums und wird zu einem beliebten Anlaufpunkt der Ortschaft. Weniger städtebaulich als symbolisch prägt die „Zentralmoschee“ in Köln städtische Identität. Der Bau einer Moschee in Innenstadtlage wird zu einem Symbol für den Beginn, weitere Religionen in die lokale Identität zu integrieren. Grund genug, dass Mario Botta moderne Sakralbauten ganz anders bezeichnet: „Zeichen unserer Zeit“ eben.

Planung im September: alle News

Alles im Überblick – Die Planungsnews im September,
Alles im Überblick – Die Planungsnews im September, Foto: Mailchip via Unsplash / Laura Celine Heinemann

Fehlt Ihnen manchmal der Überblick? Das passiert uns auch. Deswegen finden Sie hier News, Diskussionen sowie Projekte aus der Planung gut sortiert. Der September 2022 im Rückblick.

Wir beginnen mit einer erfreulichen Nachricht: Im September 2022 veröffentlichte der bdla ein Pixi-Buch zur Landschaftsarchitektur „Landschaftsarchitektin Lena plant einen Park für alle“. Auf 24 Seiten wird in dem Buch vor allem der Beruf Landschaftsarchitektin vorgestellt.

Veranstaltungen für die Planung

Im September fand außerdem zum ersten Mal die Biennale der urbanen Landschaft im Wissenschaftspark Gelsenkirchen statt. Über zwei Wochen kamen verschiedene Akteur*innen zusammen, die sich für die Zukunft der urbanen Landschaft in der Metropole Ruhr interessieren. Das Besondere: Vor über 30 Jahren startete am selben Ort die IBA Emscher Park.

Im September 2023 findet wieder die IAA in München statt. Seit 2021 präsentiert sich die ehemalige Automobilmesse als große Mobilitätsveranstaltung. Das neue Messekonzept stößt allerdings nicht nur auf Lob. Hier erfahren Sie mehr über die Diskussionen rund um die IAA 2023.

Außerdem interessant: Der bdla veranstaltet Anfang Oktober zwei interessante Veranstaltungen. Die bdla-Entwerfertage in Berlin sowie die Fachtagung Nachhaltigkeit und Klimaanpassung.

Der Park(ing) Day eroberte im September öffentliche Parkplätze in deutschen Städten. Die jährlich wiederkehrende Veranstaltung möchte Bürger*innen auf das Flächenverhältnis zwischen Lebensraum für Menschen und Pkw-Stellplätzen aufmerksam machen. 

Parkplätze besetzen, Sitzmöglichkeiten schaffen. In Melbourne haben Forscher*innen der RMIT University ein nicht-kommerzielles Parklet entwickelt. Es trägt den Namen „playful parklet“.

Projekte und Wettbewerbe

Ein besonderer Wettbewerb: Das Umfeld von Notre-Dame soll umgestaltet werden. Zwei Jahre nach dem Brand der berühmten Kathedrale lobte die Stadt Paris einen Wettbewerb aus. Bureau Bas Smets aus Brüssel konnte zusammen mit weiteren Planungsbüros die Jury überzeugen. 

Die Calder Gardens ist ein spannendes Projekt in der Mache. Herzog & de Meuro und Piet Oudolf planen die Galerie mit Garten für die Werke des Künstlers Alexaner Calder.

Energiekrise: Wie ist der Stand bei den Erneuerbaren?

Ebenfalls interessant: Wasserkraft wird als erneuerbare Energiequelle geschätzt. Zugleich gibt es auch Kritik an den Folgen, die Wasserkraftwerke mit sich bringen. Hier erfahren Sie mehr über die Vor- und Nachteile.

Gute Nachrichten angesichts der Energiekrise: In diesem Sommer ist in der EU so viel Solarstrom produziert worden wie in keinem Sommer zuvor. 99,4 Terrawattstunden waren es zwischen Mai und August 2022. Das hat die Denkfabrik Ember City Climate ausgerechnet.

Ein wenig abseits der Planung

Mit Build the Change will das Unternehmen LEGO Kinder für nachhaltige Bauweise und Städteplanung begeistern. Mehr über die Nachhaltigkeitsinitiativen von LEGO erfahren Sie hier.

Außerdem: Die aktuelle G+L über Lichtplanung erhalten Sie hier.