Wir, die G+L Redaktion, haben ab sofort einen Spotify-Account, mit dem wir unseren Musikgeschmack mit den G+L Lesern teilen möchten. Stellen Sie sich auf Ohrwürmer ein, die gute Laune machen und die die perfekte Hintergrundmusik beim Lesen der neuen G+L-Lektüre sind. Warum ein jedes Heft eine eigene Playlist verdient und welche Gesangstalente sich hinter der G+L Redaktion verstecken, das erklärt uns hier G+L Redakteurin Theresa Ramisch.
Es ist 21 Uhr in der G+L Redaktion. Wir sind mitten in der Abgabe, es fehlen noch Layouts, einzelne Bilder sitzen nicht und wir müssen nochmal final über sämtliche Überschriften drüber gehen. Das machen wir immer als allerletztes. Dafür muss man in der richtigen Stimmung sein. Oder ordentlich Zeitdruck haben, je nachdem. Und auch wenn meine Kolleginnen und ich Freude an diesen gemeinschaftlichen, kreativen Abendschichten finden – müde werden wir trotzdem irgendwann. Was dann hilft, ist Musik und ein Glas Prosecco.
Musik und die G+L Redaktion, das ist eh so eine Sache. Irgendwie sind wir musikaffin. Und mit „irgendwie“ meine ich nicht, dass wir wirklich informiert sind, Musik „verstehen“, den Bass raushören oder einen Akkordwechsel bemerken. Das überlassen wir lieber den Kollegen vom Rolling Stone. Aber wir assoziieren mit den Heften, die wir machen, und mit den Themen, die wir bearbeiten, auffällig häufig Lieder.
Das sieht so aus: Wir sitzen an unseren Schreibtischen in der Redaktion und einer fängt an, mehr oder weniger schräg (keiner von uns kann gut singen…) den Refrain eines Liedes vor sich her zu summen. Die anderen steigen ein. Beim Straßenheft, der Oktober 2018 Ausgabe, hatten wir ein Cover, das die Champs-Elysee zeigte. Der neue Redaktions-Ohrwurm war „Aux-Champs-Élysées“ von Joe Dassin, neben „Where the streets have no name“ von U2 oder „Looking for freedom“ von David Hasselhoff. Und so zieht sich das durch unsere Arbeit mit Artikeln, Bilderstrecken, Themen.
Hier geht’s zur ersten Playlist
Wir haben beschlossen, künftig zu jedem unserer Hefte eine Spotify-Playliste mit den Liedern anzulegen, die uns in der Redaktion beim Heftprozess begleitet haben, die man gut bei der Lektüre hören kann oder die einfach gute Laune machen (bei Nachtschichten beispielsweise). Diese möchten wir natürlich mit unseren Lesern teilen. Wir starten mit einer Playlist zum aktuellen Titelthema „Tourismus“ (Garten + Landschaft 05/19). Und sorry vorab für die diversen Ohrwürmer.
2023 findet wieder der „Sommer am Main“ statt, für den der Mainkai für den Verkehr unzugänglich ist. Foto: Jo Heubeck, Domi Pfenninger via Unsplash
Auch in diesem Sommer soll der Mainkai Frankfurt wieder für den motorisierten Verkehr gesperrt werden. Der Erfolg der ersten Aktion „Sommer am Main“ 2022, den Mainkai als temporäre Fahrrad- und Fußgänger*innenzone umzunutzen, ist dafür Grundlage. Was letztes Jahr beim Festival stattfand und wie es dieses Jahr gestaltet wird, lesen Sie hier.
Bereits im vergangenen Jahr bewies Frankfurt am Main mit der temporären Umwidmung des Mainkais, welche Qualität innerstädtische Straßenzüge bergen. Für acht Wochen hatte die Stadt damals den Abschnitt zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke für den Autoverkehr gesperrt. Hinter der erneuten Sperrung steht die Idee, nicht nur ein temporäres Event rund um die Sommerferien auszurichten. Vielmehr verfolgt die Stadt auf lange Sicht eine komplette Umnutzung der Straße. Die Sperrung dient als Real-Experiment, um die Möglichkeiten der zukünftigen Entwicklung auszuloten. Aus den Erfahrungen im vergangenen Jahr habe man bereits einiges gelernt, so die Verantwortlichen. „Der ‚Sommer am Main‘ hat aus unserer Sicht sehr gut funktioniert“, resümierte Ulrike Gaube, Referentin des Mobilitätsdezernats unter Stefan Maier von den Grünen. Das Projekt versteht sich als bürger*innennahes Stadtraum-Festival. Die Sperrung für den Verkehr wurde dazu sowohl durch ein reichhaltiges Programm mit Sportereignissen und Tanzanlässen begleitet als auch durch eine farbige Intervention im Straßenraum deutlich markiert.
Künstlerische Intervention im Stadtraum durch TAB e.V.
Denn auf rund 300 Metern der insgesamt 700 Meter langen gesperrten Fläche realisierte das Kollektiv TAB.e.V. damals eine großformatige farbige Bemalung. Gerade diese habe ein deutliches Umdenken in der Nutzung bewirkt. Waren die Fußgänger*innen im Jahr 2019 bei einer vorangegangenen Sperrung ohne derartige Gestaltung noch auf den Gehsteigen verblieben, eigneten sie sich die Fläche nun selbstverständlich an. Die Bemalung ist Teil einer partizipativen Stadtgestaltung. So wurde das Projekt vom Kollektiv TAB e.V. initiiert, aber mithilfe von jungen Schüler*innen umgesetzt. Das Street-Art-Kunstwerk beinhaltete Schachbretter und Spielfelder für Fuß- und Streetball. Weiterhin setzte es aber beispielsweise ein künstlerisches Statement für den damaligen Sieg der Eintracht Frankfurt in der Europa-League, welcher stadtweit für Hochgefühle und ausgelassene Stimmung gesorgt hat. Die bunte Interpretation eines sommerlich urbanen Lebensgefühls aktivierte den Stadtraum auf einzigartige Weise. Zahlreiche Besucher*innen tummelten sich auf dem bunten Straßenstreifen.
Hinter TAB e.V. verbirgt sich eine 2015 gegründete Initiative aus Kreativen, Gastronom*innen und Engagierten, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, das Bahnhofsviertel in Frankfurt gestalterisch aufzuwerten. Mittlerweile sind die Mitglieder*innen auch an anderen Standorten in der Stadt aktiv. Durch kreative Impulse versuchen sie Orten zu einem neuen Raumverständnis zu verhelfen. Neben künstlerischen Interventionen wirken sie dabei beispielsweise auch am Massiv Central mit – einer zum Kultur und Begegnungsort umgenutzten ehemaligen Druckerei. Die Arbeit mit dem Temporären ist dem Kollektiv also bestens vertraut. Schon früh waren sie an die Stadt mit ihrer Idee herangetreten und finanzierten damit den Hauptanziehungspunkt des „Sommers am Main“. Mit den Worten des TAB e.V. Mitglieds und Artist-Managers Florian Joeckel: „Unser Antrieb ist, das Stadtbild aktiv geiler zu machen: Aus der leeren Straße ist etwas Lebendiges geworden, mit einer Aufmerksamkeit, einer Streitbarkeit, und so funktioniert Intervention“
Die Vision wurde wohlwollend angenommen. Und so fordern die Verantwortlichen der Stadt für den Mainkai 2023 eine Ausweitung der Bemalung auf die gesamte gesperrte Fläche, damit der „Sommer am Main“ künftig die kompletten 700 Meter aktiv bespiele. Auch weitere Erkenntnisse konnten aus der Aktion im vergangenen Sommer gewonnen werden. So soll diesjährig eine Verschattung der Fläche mit geplant werden, denn der Mainkai liegt exponiert und die Asphaltflächen heizen sich im Sommer stark auf. Katharina Knacker, die mobilitätspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, kündigte für die ferne Zukunft bereits an, den Beton ganz entfernen lassen zu wollen. Dann könnte entlang des Flusses ein dauerhaft qualitativer Aufenthaltsraum entstehen. Bis dahin sind jedoch noch einige Hürden zu nehmen, weil zur kompletten Umgestaltung ein Entwidmungsverfahren notwendig ist. In diesem förmlichen Verfahren muss die Stadt nachweisen, dass die umliegenden Straßen den durch die Sperrung anfallenden Mehrverkehr verkraften können. Ist dies nicht der Fall, müssten sie gegebenenfalls ausgebaut werden.
Wohin mit den PKWs?
Ulrike Gaubers ließ nach dem „Sommer am Main“ 2022 jedoch verlauten, man habe hinsichtlich des Verkehrs positive Erfahrungen sammeln können. Die Stadt hatte dazu ein Umfahrungskonzept ausgearbeitet, um die Straßenzüge auf der gegenüberliegenden Flussseite in Sachsenhausen zu entlasten. Immerhin bis zu 12 000 Fahrzeuge frequentieren den Mainkai jeden Tag. Im Vorfeld der Sperrung war es deshalb vor allem von Anwohner*innen der benachbarten Quartiere zu Beschwerden gekommen. Eine Bürger*innen-Initiative unter dem Namen „Sachsenhausen wehrt sich“ hatte gegen die Mehrbelastung protestiert. Im Zuge einer vorangegangenen Verkehrsplanung wurden 2022 alternative Routen ausgeschildert. Dadurch verringerte sich das Stauaufkommen zu den Stoßzeiten im Vergleich zur Sperrung im Jahr 2019 deutlich. Und auch im Vergleich zum Zustand ohne Sperrung hatten die Autofahrer*innen nur eine verlängerte Fahrzeit um rund ein bis drei Minuten gehabt.
Ein autofreier Mainkai in Frankfurt?
Neben den Auswirkungen auf die PKW erfasste die Stadt noch weitere relevante Daten. So zählten sie in Höhe Eiserner Steg 25 Prozent mehr Radfahrer*innen als gewöhnlich. Eine erfreuliche Entwicklung, die zeigt, dass alternative Mobilitätsformen durchaus Anklang finden, wenn ihnen im Stadtraum mehr Platz und sichere Routen gewährt werden. Die Verastalter*innen des „Sommers am Main“ sind mit den Erkenntnissen zufrieden. Und mit der erneuten Bespielung im Sommer 2023 wird ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Umnutzung des Mainkais genommen. Ulrike Gaude betont, dass man sich dabei auf dem besten Wege befinde: „Mit den aktuellen Entwicklungen ist ein permanentes Umnutzen bereits vorstellbar“.
Temporäre Projekte im Stadtraum gibt es nicht nur in Frankfurt. Doch was taugen diese Zwischennutzungen wirklich und inwiefern profitiert die lokale Stadtentwicklung davon?
Sie zählt immer noch zu einer der Paradedisziplinen der Freiraumplanung: die Außenraumgestaltung von Kindergärten und Krippen. In der Märzausgabe stellen wir die derzeit spannendsten Projekte von nationalen und internationalen Kindertagesstätten vor und definieren mit diesen, was eine zeitgemäße Kita heute können muss – und stellen in den Fokus, welche Geräte und Assets dabei auf keinen Fall fehlen dürfen.
Mittendrin im Kollaps
Seit zehn Jahren haben Kinder in Deutschland ab dem ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Kindertagesstätten-Platz und damit auf frühkindliche Bildung. Es fehlen jedoch aktuell bundesweit 430 000 Kitaplätze: 385 900 Plätze in Westdeutschland, 44 700 Plätze in Ostdeutschland. Das ergaben die neusten Berechnungen der Bertelsmann Stiftung im November 2023.
Beim Kita-Mangel hakt es vor allem am Personal. Laut Bertelsmann Stiftung müssten 100 000 Stellen neu besetzt werden. Würde man den wissenschaftlichen Empfehlungen optimaler Personalschlüssel folgen, benötige es gar 300 000 zusätzliche Fachkräfte. Über Jahre hinweg wurden viel zu wenige Erzieher*innen ausgebildet. Die Ausbildung war außerdem denkbar unattraktiv – vergleichsweise lang und unbezahlt –, und auch die Löhne der fertigen Erzieher*innen standen immer wieder in der Kritik. Im Zuge der letzten Tarifeinigung konnten sich jedoch Erzieher*innen im Tarifvertrag über eine nun zum 1. März 2024 umgesetzte zehnprozentige Gehaltserhöhung freuen. Den Kollaps hält das jedoch nicht mehr auf. Wir befänden uns mittendrin, so Anette Stein von der Bertelsmann Stiftung.
Kita-Notstand
Ja, die Zahlen zum Kita-Mangel tun weh. Aber kein Kind, kein Problem, oder? Doch. Der Kita-Notstand trifft uns alle. Uns als Kolleg*innen und Arbeitgeber*innen, die nicht ständig auf Mütter und Väter verzichten können (und wollen), und uns als Gesellschaft, die sich den Schutz von Kinderrechten auf die Fahnen schreibt, die lautstark einfordert, Mütter sollen schnell wieder in den Job finden können, und die vehement für mehr Gleichberechtigung im System eintritt. Die dramatische Situation in den Kitas zeigt: Gesellschaft und Politik haben – auch in diesem Bereich – viel zu spät reagiert, die Augen verschlossen vor sich verändernden Bedürfnissen bei Eltern und Kindern, aber auch vor denen der Erzieher*innen.
Nacharbeiten angesagt
Und dennoch hilft nur der Blick nach vorne und die Frage: Was nun? Die Bertelsmann Stiftung schlägt vor, die Betreuungszeit gesamthaft auf sechs Stunden am Tag zu reduzieren. Das wäre eine drastische, aber sehr effektive Maßnahme, um in Zukunft allen Kindern den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz gewährleisten zu können. Bundesfamilienministerin Lisa Paus hat wiederum Anfang 2023 das sogenannte Kita-Qualitätsgesetz mit vier Milliarden Euro für die Bundesländer auf den Weg gebracht. Damit ist laut BMFSFJ- Webseite die Schaffung von „bis zu 90 000 neuen Betreuungsplätzen in Kitas und der Kindertagespflege möglich“. Nach Adam Riese fehlen dann nur noch 340 000 weitere Plätze. Hier ist also Nacharbeiten angesagt, werte Frau Paus.
Und was können wir Planer*innen tun? Nicht so arrogant sein zu denken, dass wir immer noch wissen, was eine zeitgemäße Kita braucht. Sondern zuhören, beobachten und versuchen, ökonomische Lösungen zu finden, die den Einrichtungsablauf sowie die frühkindliche Bildung fördern – nicht torpedieren. Und wir können im Berufsalltag unsere Kolleg*innen und Mitarbeiter*innen mit Kindern nochmal zusätzlich unterstützen. Indem wir mit auffangen und Verständnis zeigen. So gut es eben geht.