G+L im August 2019: Artenvielfalt

Nach Bayern zieht jetzt auch Baden-Württemberg mit einem Volksbegehren zur Artenvielfalt nach. In dieser Ausgabe der G+L beschäftigen wir uns mit der Frage, wie wir Landschaftsarchitekten durch den richtigen Einsatz von Pflanzen zur Artenvielfalt in Stadt und Land beitragen können. Redakteurin Anja Koller erklärt die G+L im August.

ARTENVIELFALT NEU BEACKERN: WIE WIR PLANER BIODIVERSITÄT FÖRDERN (Foto: Marion Lang)

Um es heutzutage in die Nachrichten zu schaffen, kann man entweder hinter einer Maske versteckt singen und tanzen, ein Land regieren und gleichzeitig rassistische Reden schwingen, freitags nicht mehr in die Schule gehen und streiken oder einfach aussterben. Letzteres droht zahlreichen Tier- und Pflanzenarten weltweit. Im Mai veröffentlichte der Weltbiodiversitätsrat der Vereinten Nationen einen Bericht zur Artenvielfalt und resümierte: Die Zahl der Arten nimmt drastisch ab. Schuld daran ist der Mensch. Das Medienecho war überwältigend. Somit landete das Thema Biodiversität und damit der Schwund der Artenvielfalt ganz oben auf der Medienagenda und kämpfte sich durch Meldungen zu kriegerischen Auseinandersetzungen, Wahlen, Prominentengeburts- und Todestagen sowie Wohnungsnotstands- und Nachverdichtungsdebatten hindurch.

Als Hauptursache hat man laut Studie den Landnutzungswandel ausgemacht und die mit ihr einhergehende Monotisierung und Intensivierung der Flächen. Die konventionelle Landwirtschaft und ebenso die Art und Weise wie wir Gewässer, Wälder, rurale und urbane Räume behandeln und bewirtschaften steht in der Kritik. Auch der Klimawandel ist für den Rückgang der Biodiversität mitverantwortlich, wenn auch (noch) nicht in der Intensität wie die Landnutzung. Die negativen Veränderungen werden nach und nach vor allem in den ländlichen Gebieten sichtbar.

Artenschutz ist unsere Aufgabe

Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, einer der Co-Vorsitzenden des Berichts des Weltbiodiversitätsrats, sagt, dass die Stadt eine Art Arche Noah für einige Pflanzen- und Tierarten geworden sei. Doch urbane Regionen könnten den Verlust an Biodiversität im Ruralen nicht ausgleichen. Es ist nicht so, dass wir uns der Brisanz nicht bewusst wären. Das Thema ist in der Gesellschaft angekommen: Denken wir an das Volksbegehren zum Schutz der Artenvielfalt in Bayern, die Fridays-for-Future-Demonstrationen. Selbst in der Belletristik beschreibt Autorin Maja Lunde in „Die Geschichte der Bienen“ eine dystopische Welt ohne Bienen.

Aber was reicht aus, was müssen wir eigentlich tun, um gegenzusteuern? Die Welt ist nicht schwarz-weiß, Lösungen liegen auch nicht auf dem erstbesten Präsentierteller, wie es manche Partei gerne dem Wähler weiß machen möchte. Wir alle würden sicherlich gerne fragen: Gibt es hier jemanden, der sich damit auskennt? Vielleicht ist es gerade unsere Profession, die sich energisch zu Wort melden muss?  Vielleicht sollten wir uns das Thema Biodiversität und Artenvielfalt noch viel mehr zu eigen machen? Johannes Gnädinger und Markus Schäf – beide Landschaftsarchitekten – gehen in unserem Kommentar sogar so weit und sagen: Artenschutz ist unsere Aufgabe.

Es gibt viel zu lernen

So oder so – wir müssen noch viel lernen; es gibt zahlreiche Möglichkeiten als Landschaftsarchitekt, Freiraumplaner oder Landschaftsplaner zur Förderung der Biodiversität beizutragen. Wie man Pflanzen, die auf der roten Liste stehen, wieder auf bayerischen Äckern ansiedelt, wie Hamburg zur Modellstadt der Biodiversität wird und wie man Naturschutz mitten in einem Wohngebiet in München betreibt – das lesen Sie in der vorliegenden Ausgabe. Allesamt ambitionierte Projekte und Beispiele, die es aufgrund ihres Nachrichtenwerts ins Heft geschafft haben. Dabei musste auch keiner der Beteiligten eine Maske tragen und wild umhertanzen. Ehrlich.

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