Grüne Lunge rund um Eiffelturm

Die Umgestaltung betrifft das Gebiet um die Trocadéro-Gärten und den Champ de Mars sowie den Turm selbst und seine Promenade (Bild: Gustafson Porter + Bowman)

Der Eiffelturm soll eine neue Umgebung erhalten. Die Sehenswürdigkeit, die das Wahrzeichen von Paris ist und jährlich mehrere Millionen Besucher empfängt, hat mit dem Touristenaufkommen zu kämpfen: Die Infrastruktur des Geländes ist nicht darauf ausgerichtet. Aus diesem Grund schrieb die Stadt 2018 einen Wettbewerb für die Neugestaltung aus. Dieser ist nun entschieden.

Bürgerbeteiligung

Das Londoner Landschaftsarchitekturbüro Gustafson Porter + Bowman hat die Ausschreibung für die Neugestaltung des Geländes rund um den Eiffelturm gewonnen. Davon betroffen sind das Gebiet um die Trocadéro-Gärten und den Champ de Mars sowie den Turm selbst und seine Promenade.

Der Entwurf von Gustafson Porter + Bowman lässt Fußgängern mehr Platz und sorgt dafür, dass es weniger Verkehr rund um den Eiffelturm gibt. Stattdessen soll eine bessere Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel dafür sorgen, dass Touristen die Sehenswürdigkeit besuchen, ohne dabei für ein größeres Verkehrsaufkommen zu sorgen. Damit unterstützt das Londoner Büro auch das Vorhaben, die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Sie möchten damit ihren Beitrag dazu leisten, eine „grüne Lunge“ für Paris zu schaffen. Dafür schließen sie die Pont d’Iéna für den Autoverkehr.

Auch die Pariser dürfen bei der Revitalisierung ihrer größten Sehenswürdigkeit mitreden: In einer einmonatigen Ausstellung stellt das Gewinner-Team seinen Entwurf aus. Die Bevölkerung ist dazu aufgefordert, ihre Meinung kundzutun und Rückmeldung zu geben. Das Feedback wird in die Pläne von Gustafson Porter + Bowman einfließen.

Es ist das Ziel der Stadt und des Büros bis 2020 die Baugenehmigung zu erhalten, sodass das Gelände pünktlich zu den Olympischen Sommerspielen 2024 in neuem Glanz erstrahlt.

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Weltweit nutzen immer mehr Städte ihre Fußgängerzonen, um die innerstädtische Lebensqualität aufzuwerten. Ein neues und farbenfrohes Beispiel zu dieser Herangehensweise ist Santiagos Bandera Street. Sie wurde nicht nur von einer überfüllten Hauptstraße in eine Fußgängerzone transformiert, der Künstler Dasic Fernández verwandelte die Straße auch in eine 365 Meter lange Kunstausstellung. Zahlreiche Gemälde und Kunstwerke schmücken derzeit eine der kultigsten Straßen der chilenischen Hauptstadt. Ursprünglich planten die Behörden, die Bandera Street Ende August 2018 wieder für den Verkehr zu öffnen, dagegen wird aber ein breiter Widerstand erwartet.

Von Straßensperre zum Kunstwerk

Als die Behörden beschlossen, einen Teil der Straße für die Bauarbeiten an der U-Bahn von Santiago zu schließen, hatten sie eine brillante Idee: Sie engagierten den Architekten Juan Carlos López und den Streetartkünstler Dasic Fernández für die Umgestaltung der Bandera Street. Nachdem sie den Bürgermeister überzeugen konnten, dauerte es nur drei Monate das Konzept zu realisieren. Die Idee der Transformation besteht darin, beide Disziplinen, Kunst und Architektur, für die Aufwertung eines Stadtraums zu vereinen. Mit Hilfe von 120 Künstlern realisierte Fernández das Projekt in nur 30 Tagen. Das Kunstwerk ist in drei Abschnitte unterteilt: Der erste Teil spiegelt die vorspanische Vergangenheit Chiles wider, der zweite Abschnitt ist von der aktuellen Vielfalt des Landes inspiriert, die Zuwanderung und kulturelle Entwicklungen hervorriefen, und das dritte zeigt ein futuristisches Thema.

Ungewisse Zukunft

Trotz breiter Unterstützung der Öffentlichkeit und des Bürgermeisters bleibt die Zukunft einer verkehrsberuhigten Bandera Street ungewiss. Das chilenische Verkehrsministerium gab aufgrund eines möglichen Verkehrskollapses an, dass sie die Straße nach Abschluss der Bauarbeiten wieder für den Verkehr freigegeben müssen. Beispiele wie die Londoner Oxford Street zeigen jedoch die grundsätzliche Möglichkeit eine überlastete Straße in eine Fußgängerzone umzuwandeln. Insbesondere wenn Pendler auf Alternativen wie öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen können.

 

„In London bauten wir für die Zukunft.”

“Die Schönheit des Ortes wird bleiben, auch nach dem Event“, so George Hargreaves, Design Director bei Hargreaves Associates. Die US-amerikanischen Landschaftsarchitekten sind Spezialisten in Sachen Olympische Spiele: Sie entwickelten bereits vor fast zwei Jahrzehnten den Masterplan für das Areal für Olympia in Sydney. 2012 realisierten sie den Olympischen Park in London. Ein Rückblick auf zwei unvergleichliche Großevents.

Garten + Landschaft: Wie war die planerische Erfahrung in London rückblickend?

George Hargreaves: Schwierige Frage. Es war eine sehr komplexe, vielschichtige Aufgabe. Das Areal musste einerseits der explosionsartigen Nutzung während der Spiele standhalten, andererseits biologische Vielfalt hervorbringen. Diese Balance zu kreieren, ist hart.

G + L: Was zeichnet das Olympia-Gelände in London aus? Was macht es so einzigartig?

G H: Der Fluss, der sich durch das Gebiet schlängelt, war vor unserem Eingriff ein unansehnlicher Graben. Wir taten zwei Dinge, die meiner Meinung nach entscheidend waren: Erstens verbreiterten wir das Flussbett und schufen Sumpfgebiet entlang des Flusses. Durch dieses Erweitern kreierten wir eine übersichtlichere Flusslandschaft, die heute zum Verweilen einlädt. Zudem schütteten wir den Aushub an den Rändern auf und schufen dadurch kleinen Inseln, die der Landschaft eine plastische Wirkung verleihen.

G + L: Auch den Masterplan und Realisierung der gesamten Anlage für die Millenium-Olympiade in Sydney geht auf Ihr Konto. Inwieweit unterscheiden sich die Olympischen Spiele von anderen Großprojekten?

G H: Nicht so stark wie man meinen könnte. Auch andere Projekte wie städtische Plätze oder Uferpromenaden, ob in China oder den USA, sind starker Abnutzung ausgesetzt. Die Olympischen Spiele sind bloß noch intensiver und komprimierter. Während 200.000 Menschen jährlich einen Stadtpark aufsuchen, reisen zu Olympischen Spielen 500.000 Menschen an. Es handelt sich zwar um verschiedene Maßstäbe, doch ist das übergeordnete Ziel das Selbe: Menschen anlocken, zusammenbringen, begeistern und sie für ihre Umgebung sensibilisieren. Am Ende ist es die Landschaft, die zählt. Der Reichtum des Grüns, die Artenvielfalt und die Schönheit des Ortes werden bleiben – auch nach einem Großevent.

G + L: Hat sich die Planung von Sydney stark von der von London unterschieden?

G H: Sehr sogar, denn wir entwarfen und realisierten das Olympische Areal in Sydney von 1996 bis 1999. Vor zwei Jahrzehnten, vor dem 11. September. Das Sicherheitsbewusstsein war damals ein ganz anderes als heute und auch die Nachnutzung war noch nicht von großer Bedeutung. Wir sollten das Gebiet für die Spiele vorbereiten, weiter nichts. Man machte sich keine großen Gedanken über die Nachnutzung. In London allerdings sollten wir nicht nur den Park entwickeln, sondern auch die Transformation nach den Wettkämpfen im Blick haben. Wir bauten für die Zukunft.

G + L: Wie sehen die Parks heute aus? Wie verhält es sich mit der Nachnutzung?

G H: Einige der temporären Sportstätten wurden nach den Spielen zu Parkanlagen umgewandelt, die heute stark frequentiert werden. Andere Areale wiederum vollzogen durch umliegende Institutionen eine Nutzungsänderung. Die Universität wird zukünftig ehemalige Olympia-Flächen beanspruchen. Außerdem sind viele neue Wohngegenden entstanden. Im Gegensatz zu Sydney hatte London einen klar definierten Nachnutzungsplan. Beide Standorte sahen allerdings Wohn- und Entwicklungsgebiete vor, sobald die Massen wieder verschwunden waren. Für London wurde zum Teil ein neues Verkehrsnetz geschaffen, weshalb das Gebiet besser angebunden und dichter ist. Es eignet sich so besser als Entwicklungsareal.

G + L: Welche Wirkung haben Großevents auf den Freiraum? Was bedeuten Sie für eine Stadt?

G H: Für ein Event wie die Olympiade wird das Verkehrsnetz erweitert, ganze Viertel entstehen. Eine Stadt in der Stadt. Von dieser Entwicklung profitiert nachhaltig die Bevölkerung, denn der Freiraum bleibt. Er wird den Menschen nicht wieder genommen. Sie können sich den städtischen Raum aneignen und in ihrem Interesse ändern und gestalten. Er darf jedoch nicht überproportional groß sein, sondern muss dem Event und der Nachnutzung entsprechend bemessen sein.

G + L: Sind Großevents also eher Fluch oder eher Segen?

G H: Eine große Frage. Im Fall von London sicher ein Segen, denn es wurden ein neuer Bahnhof, ein Park, Grünflächen, Stadien geschaffen, die noch immer genutzt werden. Olympia war dort, doch irgendwie auch wieder nicht. Das Geld, das vor und während der Spiele geflossen ist, hätte bestimmt auch anderweitig verwendet werden können. Doch meiner Meinung nach sind besondere Orte, einzigartige Plätze entstanden. Ich konnte in Athen den grauenvollen Lauf der Dinge beobachten: Das Areal ist nach den Spielen in sich zusammengebrochen. Der Raum wurde nicht mehr genutzt, Brachfläche, die keiner mehr brauchte. Ähnlich erging es Barcelona. Die Nachnutzung ist ein wichtiger Aspekt.

G + L: Was halten Sie von den Plänen für Olympia 2016 in Rio?

G H: Ich weiß nicht viel darüber, doch ich habe meine Bedenken. Ich habe die Sorge, dass sich der Ablauf wie in Griechenland oder Barcelona wiederholen wird. Brasilien fehlt es an so vielen Ecken und Enden. Entwicklungsländer haben so viele andere Baustellen, die es zu beseitigen gilt. Sogar aufstrebende Länder wie China haben ihre Probleme ehemalige Olympia-Gelände zu bespielen. Das Stadion in Peking beispielsweise rostet vor sich hin, die Schwimmarena fällt in sich zusammen, weil sie nicht mehr gebraucht und unterhalten wird. Ich bin gespannt – ahne aber Böses.

Mehr über die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016 lesen Sie in Garten+Landschaft 06/2016 – Stadt und Spektakel.
Fotos: London Legacy Development Coporation

Auch spannend ist das Londoner Wembley Stadion, wo das Finale der EURO 2020 stattfand. Mehr bei unseren Kolleg*innen von Baumeister.