Haldenwang

Ein neues Gebäude mit einem Dorfladen und Wohnungen soll den ehemaligen Gasthof Hirsch ersetzten. Zeichnung: Stautner und Schäf Landschaftsarchitekten

Im Ortskern der Gemeinde Haldenwang stehen Veränderungen an. Dazu gehört die Neubebauung eines Grundstücks inmitten des Ortes. In einem Wettbewerb haben 13 Architektur- und Landschaftsarchitekturbüros nun ihre Entwürfe für das Gelände des ehemaligen Gasthof Hirsch eingereicht. Jetzt stehen die Sieger*innen fest.

Gegenstand des Wettbewerbs

Die Mitte des kleinen Ortes Haldenwang im Allgäu liegt brach. Dort wo jahrelang der Gasthof Hirsch einlud, braucht es einen Neuanfang. Die kleine Gemeinde mit ihren knapp 4 000 Einwohner*innen hat sich für einen Wettbewerb entschieden. Darin haben Hochbau- und Landschaftsarchitekt*innen überlegt, wer dem Hirschen nachfolgen kann. Nun ist der Siegerentwurf ausgewählt. Er schlägt einen Neubau mit Einzelhandel und Wohnen vor. Außerdem skizziert er Ideen, wie die umgebenen Freiräume gestaltet und an das Dorfzentrum angebunden werden können

Unterhalb der leicht erhöht, über dem Dorf wachenden Kirche lag in Haldenwang früher ein Gasthof. Der soll nun durch ein neues Gebäude mit einem Dorfladen und Wohnungen ersetzt werden. Darüber hinaus bedürfen die den Neubau umgebenen Freiflächen einer neuen Gestaltung. Ebenso ist die Gemeinde Haldenwang bestrebt, den alten Dorfplatz zu sanieren. Er liegt, genau wie die Kirche, leicht erhöht über dem Niveau der durch das Dorf führenden Straßen. Mit diesen Aufgaben haben sich 13 Architektur- und Landschaftsarchitekturbüros auseinandergesetzt. Im Rahmen eines Wettbewerbs erarbeiteten sie Konzepte für eine neue Ortsmitte von Haldenwang. Die Aufgabe lag im Entwurf eines realisierbaren Hochbaus sowie städtebaulicher Ideen für die Gestaltung der Frei- und Straßenräume von Haldenwang.

Seit 2014 wird in Haldenwang geplant

Die Planungen zur Sanierung des Ortskerns von Haldenwang laufen seit 2014. Im Jahr 2016 erwarb die Gemeinde das Grundstück des ehemaligen Gasthof Hirsch. Im Laufe der Jahre fanden dann mehrere Bürgerwerkstätten statt. In diesen und vielen Sitzungen des Gemeinderats von Haldenwang wurde gemeinsam diskutiert, wie das zentral gelegene Areal neu gestaltet wird. Nun liegen die Entwürfe zur Lösung dieser Aufgabe vor. Aus 13 Einreichungen hat das Preisgericht den Beitrag vom Team aus bogevischs buero architekten und Stautner und Schäf Landschaftsarchitekten zum Sieger ausgewählt. Um den Weg weiter gemeinsam mit der Öffentlichkeit zu gehen, sind die Wettbewerbsergebnisse im Rathaus in Haldenwang ausgestellt.

Neuer Kubus im Zentrum von Haldenwang

Der Siegerentwurf schlägt anstelle des Gasthof Hirsch einen polygonal geformten, kompakten Baukörper vor. Er gibt der Ortsmitte von Haldenwang eine klare, neue Identität. Dieser in Stahlbeton und Holz konstruierte Kubus bekommt eine vorgehängte, hinterlüftete Holzfassade. Im Erdgeschoss des Neubaus finden ein Dorfladen mit einem Café Platz. Aber auch Parkmöglichkeiten und ein ebenerdig zu erreichendes Warenlager sind integriert. An seiner Ostseite setzt sich das Gebäude von der Durchgangsstraße zurück. Dadurch entsteht vor dem Eingang des künftigen Dorfladens eine langgezogene Freifläche. Sie ist mit Bänken, Leuchten und Handläufen ausgestattet. Um hier, direkt an der Straße ausreichend Aufenthaltsqualität zu schaffen, soll das Tempo des Verkehrs auf 30 km/h entschleunigt werden. In den Obergeschossen des Neubaus finden elf Wohnungen unterschiedlicher Größe Raum. Jede von ihnen bekommt eine eingeschnittene Loggia. Die große Gemeinschaftsterrasse ergänzt die privaten Freibereiche an der Nord-West-Ecke des Hauses. Im Untergeschoss bietet eine Tiefgarage Stellplätze für die Bewohner*innen des Hauses.

Das Wohnungsangebot

 

Während die Jury in der vorgeschlagenen Gestaltung der Freiräume Verbesserungsbedarf sieht, loben sie das vorgeschlagene Wohnungsangebot. Sowohl die angemessene Anzahl der Einheiten, als auch der breite Wohnungsmix und deren räumliche Qualität beeindrucken. Von einem zentralen polygonalen Treppenhaus sind jeweils fünf bzw. sechs Wohnungen erschlossen. Die Struktur der Grundrisse geht von einem dienenden Sanitär- und Erschließungsbereich am Treppenhaus aus. Dieser ermöglicht attraktive Raumzuschnitte mit eingeschnittenen Loggien nach Süden, Westen und Osten. Die klare robuste Raumstruktur unterstützt das Spiel verschiedener Wohnungszuschnitte. Die privaten Wohnbereiche finden eine wichtige Ergänzung in einer großzügigen Gemeinschaftsterrasse. Die bricht die größten Wandhöhen an der Nord-West-Ecke des Gebäudes und öffnet einen freien Blick gen Westen über Haldenwang. Mit dieser Gemeinschaftsterrasse werden die eher kleinen privaten Loggien an den Wohnungen durch eine attraktiven Freiraum ergänzt. Die Gemeinschaftsterrasse leistet einen wertvollen Beitrag zum sozialen Miteinander inmitten von Haldenwang.

Wie es in Haldenwang weitergeht

 

Die Wettbewerbsjury sieht in dem von bogevischs buero architekten und Stautner und Schäf Landschaftsarchitekten erarbeitetem Konzept einen attraktiven Vorschlag zur städtebaulichen Neuordnung von Haldenwang. Das vorgeschlagene Gebäude bietet einen attraktiven Standort für den Dorfladen und zeigt qualitätvolle, zeitgemäße Wohnungen. Die Ideen für die Gestaltung der Freiflächen bedürfen jedoch einer Überarbeitung. Aber die stehen ohnehin an. Denn die Gemeinde Haldenwang geht nun in Vertragsverhandlungen mit den drei Siegerteams des Wettbewerbs. Erst wenn ein Vertrag mit einem Team geschlossen ist, wird die Vorentwurfsplanung weiterentwickelt. Sicher ist aber bereits, dass das Projekt aus Fördertöpfen unterstützt wird. Gelder kommen aus dem Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramm „Kleinere Städte und Gemeinden“ und aus dem Kommunalen Wohnungsbauförderungsprogramm des Freistaates Bayern. Darüber hinaus wirkt das Amt für ländliche Entwicklung bei der Errichtung des Dorfladens mit.

Nicht ganz der Ortskern, aber nah dran: Für die Sanierung des Münchner Viktualienmarkts beschäftigen sich bogevischs buero architekten mit dem Bestand und der Bausubstanz. Welche Sanierung am Viktualienmarkt geplant ist und welche Planungsbüros noch involviert sind, haben wir für Sie zusammengefasst.

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Formeln gegen den Regen

In der südchinesischen Küstenstadt Shenzhen wurden noch bis 1980 Fische gezüchtet und Reis angebaut. Doch dann entstand, in unmittelbarer Nähe zu Hong Kong, Chinas erste Sonderwirtschaftszone. Die gesamte Zone wurde in kürzester Zeit bebaut, und auch das Umland urbanisierte sich – allerdings trotz zahlreicher Masterpläne informell und ungeplant. Heute, nicht mal dreißig Jahre nach Gründung der Sonderwirtschaftszone, zählen Shenzhen und die angrenzenden Städte im südchinesischen Perlflussdelta zu den größten und am schnellsten wachsenden urbanisierten Regionen der Welt.

Transformation der Landschaft

Dieser Urbanisierungsprozess veränderte die Morphologie und die Wassersysteme der ursprünglichen Landschaft drastisch. Flüsse wurden kanalisiert und unter die Oberfläche verlegt, das hügelige Terrain eingeebnet. An der Küste und zur Grenze Hong Kongs drängen sich die Gebäude dicht an dicht. Weil es keine bebaubaren Flächen mehr gibt, wurde an der Küste Land aufgeschüttet. Steigende Wohnungspreise treiben diese Entwicklung immer weiter voran. Schon lange können die natürlichen Flussläufe den Wasserbedarf der Städte im Perlflussdelta nicht mehr decken. Niederschläge gäbe es genug, doch die Wasserqualität der Flüsse ist zu schlecht. Daher wurden an den Ausläufern der großen, noch bestehenden Berge große Wasserreservoirs gebaut, um die Menschen mit ausreichend Trinkwasser zu versorgen.

Städtebaulicher Wandel

In den Stadtteilen Bao’an und Longgang prägten zunächst kleinere Fabriken und sogenannte Urban Villages das Stadtbild. Häuser stehen dort so dicht, dass man auch von „Handshake-Buildings“ spricht. Nur selten findet man in diesen Vierteln unbebaute Restflächen, auf denen Platz für einen Baum oder zumindest eine Palme wäre. Je nach Entwicklungsstatus der Villages fehlt den Bewohnern jeglicher Komfort. Viele der Wohnungen sind schlecht belüftet, bieten wenig Licht und sind überbelegt. Da das Kanalsystem nicht ausreicht, stehen die Viertel bei Starkregen sofort unter Wasser. Bisher sind die Urban Villages daher fast ausschließlich Wohnort der Armen, der Wanderarbeiter, die ihr Geld für ihre Familien in der Heimat benötigen. Häufig leben in den Urban Villages größere Gruppen von Menschen, die aus dem gleichen Dorf stammen. Die Urban Villages sind zwar die erste Anlaufstelle, doch aufgrund der Lebensverhältnisse meist nur als Übergangslösung vorgesehen. Zu den Vierteln selbst bestehen nur selten Bindungen, stattdessen wünscht man sich den sozialen Aufstieg und eine Wohnung in einem der neuen Wohnhochhäuser.

Trend: Gated Communities

Diese neuen Wohntürme mit fünfzehn bis fünfzig Stockwerken, findet man überall in der Stadt. Meistens sind mehrere Türme zu einer Gated Community zusammengeschlossen – große, unzugängliche Inseln der Mittelschicht. Während ältere Gebiete durch Mauern vom Stadtraum abgeschottet sind, stehen neuere auf erhöhten Erdgeschossplatten, die neben der Tiefgarage bei entsprechend guter Lage auch Supermärkte und Restaurants bieten. Derartige Gated Communties und hochwertige Wohnhochhäuser entstanden in Bao’an und Longgang erst nach 2005. Doch seitdem entstehen sie überall. Zeitgleich werden die Stadtstraßen ausgebaut. Zog Shenzhen zuvor vor allem Wanderarbeiter an, hat sich die Stadt mittlerweile zu einem wichtigen Standort für große Firmen entwickelt, die gut ausgebildetes Fachpersonal benötigen. Für die Mittelschicht bietet die Innenstadt der ersten Sonderwirtschaftszone nicht mehr genügend bezahlbaren Wohnraum. Große Immobilienentwickler drängen immer stärker in die bisherigen Randlagen. Urban Villages und Fabriken werden zugunsten von Großprojekten abgerissen, man schafft Platz für neue Gated Communities und neue Vehrkehrsachsen. Weil die Gated Communities privaten Rückzugsbereiche sind, verkommt der verbleibende Freiraum zu rein funktionalen Bereichen ohne eigene Qualität.

Viele der Fabriken wandern in günstigere Randlagen oder in Nachbarländer ab. Wenn aber Urban Villages abgerissen werden, hat das zugleich einen Verlust günstigen Wohnraums zur Folge. Haus- oder Wohnungsbesitzer erhalten zwar in einem der neuen Wohntürme eine Ersatzwohnung und werden finanziell entschädigt. Die Mieter jedoch, die Wanderarbeiter, werden aus dem Stadtteil verdrängt. Viele haben inzwischen einen Job in Restaurants, in einer der zahlreichen Shopping Malls oder bei den Immobilienentwicklern. Sie werden lange Pendelwege auf sich nehmen müssen. Denn sie werden immer weiter an den Stadtrand gedrängt, während die Mittelschicht in den neuen Wohnkomplexen lebt. Der Stadtumbau führt letztendlich zu einer Segregation der Stadtgesellschaft.

Gegentrend: Erhalten

Doch es gibt einen Gegentrend: das Urban Village Restoration Programm. Urban Villages sind zu einer Eigenart Shenzhens geworden, die durch die Tabula-Rasa-Planungen verlorengeht. Dynamisch gewachsene Strukturen wie die der Urban Villages ermöglichen ein punktuelles Um- und Anbauen, weil sie im Gegensatz zu den Typologien der großen Wohnungsbauunternehmen kleinteilig und erweiterbar sind. Sie bieten auch kleinen selbstständigen Betrieben gute Geschäftslagen. Auf lange Sicht könnten sie sich in beliebte Viertel wandeln. Beispiele dafür sind der studentische Global Schindler Award 2015 oder der Urban Regeneration Masterplan of Sungang and Qingshuihe von KCAP. Auch Projekte der Shenzhen Bi-City Biennale of Urbanism/Architecture zeigen unter dem Motto „Re-Living the City“, dass ein Umbau ressourcenschonender ist als Neubau und nach Jahren des Wachstums nun vor allem der Bestand aufgewertet werden muss. Das ist ein wichtiger Schritt, damit die Stadt eine Art von Permanenz entwickeln kann und ihre historischen Schichten ablesbar bleiben. Auch den alten Dorfkernen in Shenzhen, die heute oft unbeachtet verfallen, könnte bald schon wieder zu neuer Prominenz verholfen werden. Durch behutsame Erneuerungsprojekte im Bestand und Nachverdichtungsmöglichkeiten in ehemaligen Fabrikarealen kann Shenzhen eine stärkere Eigenart entwickeln als bisher, die eine eigene Form von Urbanität hervorbringt.

Mehr zum Thema lesen Sie in Garten+Landschaft 11/2016 – Planen mit Regenwasser.

In Chicago, the new Maggie Daley Park and Chicago Riverwalk exemplify the trend for cities to build high-profile works of landscape architecture to spur reinvestment in historic urban cores. In this era of decreased federal and municipal funding for such projects, private investment is increasingly called upon. As a result, and as a range of new spaces in Chicago demonstrate, the landscape architect has emerged as a mediator between commercial interests and civic responsibilities. 

High-profile landscape architecture projects are by now obligatory tools for American municipal governments seeking to attract investment dollars and jobs. The narrative of outmoded infrastructure or former industrial land turned park is by now well established and the discipline of landscape architecture has emerged as a leader in their design. Catalyzed by these new public spaces, American downtowns and nearby neighborhoods are experiencing what the popular press and scholars alike herald as a “return to the city” or an “urban renaissance.”

But whose renaissance is it? Who is returning? It is urgent to frame these spaces historically and geographically to take stock of the effects recent works are having on the spatial, social, and ecological dimensions of American cities. Reframing the urban as a multi-scalar process producing historically specific moments of urbanization, not just a politically bounded aggregation of individual objects, helps productively complicate this popular narrative.

The Right to Open Space

Chicago typifies the aforementioned changes. However, when considered against the backdrop of the city’s civic-minded 19th- and 20th-century public open space and infrastructure projects, its recent landscape transformations beg questions regarding agency, equity, and design. From the city’s very inception, Chicago’s citizens and civic leaders demonstrated a precocious awareness of the value of open space. On an 1839 map drawn up by Canal Commissioners, a portion of the Lake Michigan lakefront was set aside as open space and labeled “Public ground forever to remain vacant of buildings.”

It eventually became Grant Park and its status as an open and free space is protected by law. Likewise, an ethos of publicness pervades Burnham and Bennett’s 1909 Plan of Chicago, which to this day has an astonishing influence on local planning and design decisions.

With its legacy of equitable open space and strong record of consistently building infrastructure, parkland, and architecture of significance, the latest era of Chicago parks is a locally specific version of national trends. […]

Read more in Topos 94 – City Visions.