Hauptrolle für den Hamburger Hafen

An prominenter Stelle hat Hamburg ein neues Stadtmöbelstück mit spektakulärer Beleuchtung bekommen: eine Hafenpromenade als Hochwasserschutzanlage von den Landungsbrücken bis zur Speicherstadt. Das Lichtkonzept zu der prägnanten Architektur von Zaha Hadid Architekten stammt vom Planungsbüro Schlotfeldt Licht. 

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Auffällige Architektur an exponierter Stelle: Wie aus einem Amphitheater heraus öffnet sich der Blick aufs Wasser. Foto: Martin Zitzlaff

Es sieht heute leer aus im Hamburger Hafen. Noch vor wenigen Jahrzehnten tummelten sich auf der Norderelbe Boote, Schlepper, Frachter und Passagierschiffe – jetzt parken hier vor allem  Museums- und Ausflugsschiffe. Das Leben am Nordufer des Flusses hat sich verändert. In den frühen 1930er-Jahren diente das Elbufer an den Vorsetzen in Hamburg dem Güterumschlag. Zwischen Hochbahnviadukt und Kaimauer standen Schuppen und Kräne, wirkten See- und Schauerleute. Hier gab es dunkle Räume und dunkle Gestalten, aber auch lichte Momente und jeden Tag Lohn für Handarbeit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und zwei verheerenden Sturmfluten 1961 und 1978 schloss lange Zeit eine Hochwasserschutzanlage die Stadt vom Hafen und vom Wasser ab. Im Hafen war die Arbeit schmutzig und ölig – in der Stadt wich die produzierende immer mehr der administrativen Arbeit. Seit Container außerhalb des Stadtzentrums umgeschlagen werden und der Stückgutverkehr fast keine Rolle mehr spielt, die Freihafengrenze verlegt ist und die HafenCity mit großen Schritten wächst, gehören auch die alten Hafengebiete am Nordufer der Elbe zur Stadt. Sie wandelten sich vom Hinterhof zum Salon. Die Einfahrt der großen Kreuzfahrt- und Frachtschiffe ist eine Attraktion geworden und längst kein Tagesgeschäft mehr.

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Der Entwurf von Zaha Hadid Architects ging aus einem Wettbewerb als Sieger hervor. Foto: Zaha Hadid Architects

Stadt und Hafen

Die Flutschutzanlage hat den Charakter der Grenzlinie eingebüßt. Die Sportboote, Restaurants, Museumsschiffe und Musical-Theater am Südufer der Norderelbe gehören mehr zur Stadt als zum Hafenbetrieb. Dieser ist südlich der Norderelbe förmlich in den Hintergrund getreten. Spätestens 2006, als die Flutschutzanlage im Rahmen einer „Architektur Olympiade“ unter vielen Projekten in der Stadt zum Gegenstand einer architektonischen Neuinterpretation werden sollte, war klar, dass es hier zu einem signifikanten Wandel kommen musste. Zaha Hadid Architekten stellten sich der Aufgabe. Mit den für ihr Büro obligatorisch gerundeten Formen entwarf Hadid eine neue Promenade, die nicht nur flussauf- und -abwärts beschritten, sondern auch gequert werden kann. Der erste Bauabschnitt der Hafenpromenade – in unmittelbarer Nähe der Elbphilharmonie – ist jetzt fertig gestellt worden. Auf der Stadt- wie auf der Hafenseite sind Treppen wie Theaterforen ausgebildet.

Die Stadt hat in ihrem Wohnzimmer ein neues Möbelstück bekommen, dessen Stufen sich zum Sitzen eignen. Stadtflaneure können hier wie auf einem überdimensionierten Sofa verweilen und entweder das Stadtleben oder das Hafengeschehen wie auf einer Bühne verfolgen. Mit dem Unterschied, dass dieses Schauspiel nicht inszeniert wird – jedenfalls nicht im Regelfall. Spätestens bei einer Sturmflut dürften sich die Plätze in der ersten Reihe als ungemütlich erweisen. Die Assoziation vom Wasser ausgespülter Buchten, die dem Entwurfsgedanken der Treppenanlagen zugrunde liegt, fordert das Sicherheitsbedürfnis und die Angst vor der Flut heraus, die hinter dem Bau der Anlage stehen.

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Hamburg erneuert schrittweise seine Hochwasserschutzanlagen am Hafen. Visualisierung: On3Studio

In jedem Fall ist hier ein vielfältig kommunikativer Raum entstanden, der Stadt- und Wasserseite miteinander verbindet und als Promenade gut funktioniert. Fast nebenbei dient das Bauwerk dem Hochwasserschutz. […]

Wie die Lichtplanung den Entwurf maßgeblich beeinflusste lesen Sie in Garten+Landschaft 03/2016 – Licht im Freiraum.

Promenade Niederhafen Hamburg
Bauherr: Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer, Hamburg
Architektur: Zaha Hadid Architects, London
Lichtplanung: Schlotfeldt Licht, Hamburg
Zeitraum: 2006 – 2015
Fläche: 625 Quadratmeter