Wie viel Freiraum braucht der Preis?

In der Mai-Ausgabe diskutiert der Landschaftsarchitekt und Sachverständige Dieter Pfrommer, was passieren würde, sollte die Europäische Kommission die HOAI kippen. Er ist sich sicher, die Landschaftsarchitektur stünde bei einem Wegfall der Gebührenordnung vor einem Umbruch. Wir fragten Landschaftsarchitekten zu ihren Einschätzungen und Erwartungen, hier sind ihre Statements:

Christian Burkhardt von Burkhardt Sandler Landschaftsarchitekten: Wir betrachten eine allfällige Abschaffung der HOAI als sehr kritisch. Ohne HOAI keine definierten Leistungen. Dies führt zur Unsicherheit auf beiden Seiten, was zu tun und was zu verlangen ist. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das ohne HOAI als Grundlage funktionieren soll. Machen die Auftraggeber ihre eigenen individuellen Bestimmungen, mit denen sich dann der Auftragnehmer jedes Mal auf ein Neues auseinandersetzen muss, oder machen die Auftragnehmer ihre eigenen Bestimmungen, mit denen sich dann der Bauherr beschäftigen muss?

Michael Heinze von landschaftDrei: Wenn die HOAI gekippt wird, ist zu befürchten, dass unsere Leistungen ausschließlich über den Preis definiert  werden. Man kann sich leicht ausmalen wozu das führt. Dumpingpreise auf breiter Front, was eine qualitätsorientierte Arbeit enorm erschwert, wenn nicht unmöglich macht. Es wird unsere Aufgabe sein, die künftigen Auftraggeber davon zu überzeugen, dass Qualität seinen Preis hat.

Jens Rossa von r+b Landschaftsarchitektur: Besorgniserregend! Wir betrachte die HOAI unter anderem als wesentliches Qualitätssiegel für eine nachhaltige Baukultur! Es darf auf keinen Fall das Primat des Preises über das der Qualität gestellt werden. Betrachtet man die Kosten für den Landschaftsarchitekten, so machen diese nur einen einstelligen Prozentbetrag der Kosten des Bauwerks im Lebenszyklus aus. Demotivation aufgrund nicht auskömmlicher Honorare schadet langfristig nicht nur den Planern, sondern vielmehr den Bauherren, der viel beschworenen Baukunst sowie den zahlreichen Nachhaltigkeitsaspekten, die für Stabilität und die natürlichen Regenerationsfähigkeiten des jeweiligen Systems stehen.

Tilman Latz von Latz+Partner: Tja, ein Wegfall wird das Geschäft in Deutschland dramatisch verändern. Bisher konnten wir mit den errechneten Honoraren hohe Qualitäten realisieren, auch wenn der/die Bauherr/en weniger Interesse daran hatte/n. Das würde in Zukunft oft nur noch durch Selbstausbeutung möglich, denn die immer mehr zur Regel werdenden VOF-Verfahren – auch im Anschluss an Wettbewerbsverfahren die angeblich „höchste Qualität“ wollen, belohnen im Großen und Ganzen nur Dumping.

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Zum Tod von Hans Luz

Am 9. April ist der Garten- und Landschaftsarchitekt Hans Luz mit knapp 90 Jahren verstorben. Lebens- und Arbeitsmittelpunkt war zeitlebens seine Heimatstadt Stuttgart. Nach einer Lehre als Landschaftsgärtner folgte von 1953 bis 1955 die Weiterbildung zum Gartenarchitekten bei Otto Valentien. 1956 tritt Hans Luz in die Fußstapfen seines Vaters, Karl Luz, und wird freischaffender Landschaftsarchitekt.

Seinen ersten öffentlichen Auftrag erhielt er 1961 im Zuge der Bundesgartenschau in Stuttgart womit er den Schwerpunkt seiner Arbeit vom Privatgarten in den öffentlichen Freiraum verlagerte. Außenanlagen von Wohnsiedlungen, Hochschulen und Krankenhäusern zählten in den Folgejahren ebenso zu seinen Projekten wie Friedhöfe und Stadtgärten. Das Grüne U in Stuttgart aber ist zweifelsohne eines seiner bekanntesten Werke: Das verknüpfende Parkband in Form eines „U“ entstand anlässlich der IGA 1993 und erstreckt sich über acht Kilometer von den Schlossgärten bis zum Höhenpark Killesberg und fand 2012 mit der Grünen Fuge seinen Abschluss.

Für sein Gesamtwerk erhielt Hans Luz 1993 den ersten Landschaftsarchitektur-Preis des BDLA, 1997 folgte die Auszeichnung mit dem­ Friedrich-Ludwig-von-Sckell-Ehrenring. 1998 wurde Luz+Partner zu Luz Landschaftsarchitektur, das Büro wird inzwischen von seinem Sohn Christof Luz geleitet.

Ein Denkmal für Euthanasie-Opfer

70 Jahre nach den sogenannten Euthanasie-Morden der Nationalsozialisten wird es nun endlich einen würdigen Gedenk- und Informationsort in Berlin geben. Bei der “Aktion T4” (benannt nach der Adresse der damaligen Planungszentrale in der Berliner Tiergartenstraße 4) wurden zwischen 1940 und 1941 mehr als 70.000 Psychiatrie-Patienten und behinderte Menschen durch SS-Ärzte und Pflegekräfte ermordet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese Taten als Euthanasiemorde bezeichnet.

Die Arbeitsgemeinschaft der Berliner Architektin Ursula Wilms, dea Konzeptkünstlers Nikolaus Koliusis aus Stuttgart und des Landschaftsarchitekten Heinz W. Hallmann aus Aachen hat nach der Juryentscheidung vom 23. November mit ihrem Konzept den 1. Preis des Gestaltungswettbewerbs gewonnen.

Mit einer 31 Meter langen und 3,10 Meter hohen transparenten und hellblau eingefärbten Glaswand möchte die Arbeitsgemeinschaft auf einer schiefen Fläche aus anthrazitfarbenen Betonplatten an die Opfer der NS-Euthanasie erinnern. Eine 40 Meter lange Sitzbank verbindet die Tiergartenstraße mit dem Denkmal. Die nach Westen ausgerichtete, schräg gestellte Betonwand dient als Grundkonstruktion für ein durchlaufendes Informationspult in 13 Elementen. Dieses soll Opferbiographien beispielhaft präsentieren und 13 Medienstationen aufnehmen.

Das Preisgericht hob hervor, dass der Gedenk- und Informationsort sich  nicht aufdränge und doch, durch die lange hellblaue Wand, ein markantes Zeichen setze.
Den Wettbewerb „Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen ‘Euthanasie’-Morde am Ort der Planungszentrale, Tiergartenstraße 4 in Berlin“ hatten das Land Berlin und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien ausgelobt. Die Realisierung und Fertigstellung ist für 2013 geplant, die Mittel in Höhe von bis zu 500.000 Euro stellt der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien zur Verfügung. Am 10. November 2011 hatte der Deutsche Bundestag beschlossen, auf dem historischen Areal der Berliner Tiergartenstraße 4, dem heutigen Vorplatz der Philharmonie, einen „Gedenkort für die Opfer der NS-Euthanasie-Morde” zu errichten.
Der zweite Preis ging an Yves Dreier von Dreier Frenzel Architektur + Kommunikation aus Lausanne, die Künstlerin Susanne Muller und k1 Landschaftsarchitekten, beide aus Berlin.