„Der Rheinuferweg ist praktisch und unglaublich schön“

Der Rheinuferweg als Teilprojekt der IBA Rheinliebe

Eine neue Fuß- und Radverbindung, die die Schweiz entlang des Rheins mit Frankreich verbindet. Das war die Vision des IBA Basel Projekts „Rheinuferweg St. Johann Basel – Huningue“. Kritik ließ nicht lange auf sich warten: Für 600 Meter Weg würden die Schweizer Steuerzahler mit 28 Millionen Schweizer Franken zur Kasse gebeten, während es vor allem die Franzosen seien, die davon profitierten. Seit wenigen Monaten steht der Weg allen Grenzgängern vollumfänglich zur Verfügung. Wir sprachen mit Hans-Peter Wessels, Basler Regierungsrat und Präsident der IBA Basel 2020, über die Vorwürfe der Finanzierung und die Rolle des Pharmakonzerns Novartis in der Projektumsetzung.


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Dr. Hans-Peter Wessels ist Basler Regierungsrat und Präsident der IBA Basel 2020 ©IBA Basel/Foto: Martin Friedli

 

Die Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz entlang des Rheins zu überqueren, war lange nicht möglich: Das Hafenareal des Basler Stadtteils St. Johann und das umliegende Industriegebiet waren für die Öffentlichkeit nicht passierbar. 2010 legte der Kanton Basel-Stadt den Hafenteil still. Heute steht dort der Novartis Campus. Mit der Verlagerung des Hafens bestand erstmals die Möglichkeit, eine länderübergreifende Verbindung über das Rheinufer zu schaffen. Im Rahmen der IBA Basel entstand das Projekt „Rheinuferweg St. Johann Basel – Huningue“: Heute führt ein Rad- und Fußweg entlang des Rheins von Basel, Schweiz nach Huningue, Frankreich.

Am Projekt beteiligt war auch der Pharmakonzern Novartis. Wo einst ein Teil des Basler Rheinhafens war, befindet sich heute der sogenannte Novartis Campus. Der Kanton Basel-Stadt und das Unternehmen unterschrieben hierfür 2005 eine Grundsatzvereinbarung: Die Novartis durfte sich ausdehnen und den Novartis Campus bauen. Der Kanton sorgte dafür, dass der Hafenteil verlegt wurde. Gleichzeitig versprach Novartis, die Schaffung eines großzügigen Streifens öffentliche Fläche zwischen dem Novartis-Areal und dem Rhein für einen Rad- und Fußweg und beteiligte sich mit 100 Millionen Franken an den Kosten der öffentlichen Hand.

„Wir haben praktisch jeden Quadratzentimeter mit der Novartis verhandelt.“

Fotos: IBA Basel/Daniel Spehr

 

Das IBA Basel Projekt „Rheinuferweg“ ist ein Teilprojekt der IBA Projektgruppe „Rheinliebe“, deren Ziel es ist, die Attraktivität der Flussufer zu steigern und die Verbindung zwischen der Stadt und dem Rhein zu fördern. Die Wegverbindung zeigt, wie die beiden Städte gemeinsam über Grenzen hinweg planen können und wie die Bevölkerung davon profitiert. Wir sprachen mit Hans-Peter Wessels, Präsident der IBA Basel 2020, Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt und Vorsteher des Bau- und Verkehrsdepartements über grenzüberschreitende Zusammenarbeit und die Rolle der Novartis im Projekt.

 

 

Hans-Peter Wessels, welche Bedeutung hat der Rheinuferweg für Sie persönlich?

Früher war es nicht möglich, das Gebiet überhaupt zu betreten. Im Rahmen der IBA konnten wir es für die Bevölkerung öffnen. Der kombinierte Rad- und Fußweg ist Arbeitsweg und Freizeitgebiet zugleich. Das finde ich nicht nur praktisch, sondern auch unglaublich schön.

Der Weg ist seit einigen Monaten rund um die Uhr begeh- und befahrbar. Davor war er über mehrere Jahre nur am Wochenende geöffnet. Wieso?

Es handelt sich bei dem Gebiet um das älteste Industrieareal Basels, und wie bei allen alten Industriegebieten gab es Altlasten. Auf der französischen Seite dauerte es sehr viel länger als gedacht, diese zu entsorgen und den Boden zu reinigen. Erst 2016 war es uns möglich, den Rheinuferweg zu öffnen. Jedoch nur an den Wochenenden, wenn die Arbeiten pausierten.

Kritische Stimmen in der Bevölkerung bezeichnen das Projekt als teure, videoüberwachte Betonwüste, bezahlt von Schweizer Steuergeldern.

„Der teuerste Radweg der Welt“ wurde der Rheinuferweg genannt. Jedoch ist das Gegenteil der Fall: Es ist eher einer der billigsten Radwege, denn er hat den Steuerzahler nichts gekostet. Der Weg wurde vollumfänglich aus dem Novartis-Beitrag finanziert.

Das erklärt dann auch die Videoüberwachung vor Ort?

Das Novartis-Areal ist sensibel und muss geschützt werden. Dort, wo die Novartis-Grenzen nah am Rheinuferweg verlaufen, macht die Überwachung Sinn. Der Rheinuferweg verfügt jedoch auch über öffentliche Flächen. Wir haben praktisch jeden Quadratzentimeter mit der Novartis verhandelt. Der öffentliche Raum ist größtenteils nicht überwacht, aber es gibt spezifische Situationen, wo sich Wände im öffentlichen Raum befinden, die sowohl Novartis als auch der Kanton schützen wollen, etwa vor Sprayern. Dort ist eine Überwachung möglich.

 

„Grenzüberschreitenden Zusammenarbeit braucht sehr viel Aufmerksamkeit“

 

Überwacht oder nicht – der Rheinuferweg verbindet Basel mit Huningue. Die deutsche Grenze bleibt bisher außen vor. Arbeiten Sie daran eine direkte Strecke nach Weil am Rhein in den Weg zu integrieren?

Ja. Im Rahmen eines weiteren IBA Projekts, dem 3Land, möchten wir eine Hafenbrücke für Radfahrer und Fußgänger bauen, die diese Lücke schließt. Die Brücke führt vom Dreiländereck nach Weil am Rhein, sie bleibt auf der gleichen Rheinseite und überquert das Hafenbecken. Wir haben die Projektskizzen und ein Vorprojekt läuft gerade. Ich rechne damit, dass wir dieses oder nächstes Jahr den entsprechenden Kreditantrag stellen können.

Was haben Sie aus der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Rahmen der IBA Basel mitgenommen?

Dass sie sehr viel Aufmerksamkeit braucht.Grenzüberschreitende Projekte müssen intensiver bearbeitet und gepflegt werden, sind anstrengender und komplizierter. Aber es ist sehr befriedigend, wenn man das Ergebnis sieht, weil man weiß, welche Arbeit darin steckt. Die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen hinter der Grenze ist oft mühselig – aber es ist so lohnenswert, wenn es dann klappt.

„Wir sind die ersten, die eine Tramlinie von der einen Sprachregion in die andere organisiert haben.“

 

Die Zusammenarbeit ist mühselig – warum?

Das liegt an strukturellen Differenzen. Die politische Entscheidungsfindung ist in Frankreich eine ganz andere als in der Schweiz: Die Entscheidungen werden an anderen Stellen getroffen, die Finanzierung oder die vertragliche Situation sind in den Ländern anders geregelt. Und der Aufwand für die jeweiligen Kontrollinstanzen summiert sich immens. Teilweise widersprechen sich auch das Schweizer und das französische Recht, da muss man kreativ werden und Lösungen finden.

Wie sieht das aus?

Ein Beispiel, das nichts mit dem Rheinuferweg zu tun hat, aber die Problematik versinnbildlicht, wäre die Tramlinie 3, die von Basel nach Frankreich fährt. Nach französischem Verkehrsrecht muss der Tramführer oder die Tramführerin Französisch sprechen, damit er oder sie sich mit den Fahrgästen oder im Falle eines Unfalls mit der Polizei, der Feuerwehr oder Rettungskräften verständigen kann. Da die Basler Verkehrsbetriebe jedoch nicht nur zweisprachige Tramführerinnen für diese Linie einteilen können, mussten wir uns mit der französischen Eisenbahnbehörde in Paris zusammensetzen und einen Minimalwortschatz definieren, den Tramführer der Linie 3 nachweislich beherrschen müssen. Wir sind die ersten, die eine Tramlinie von der einen Sprachregion in die andere organisiert haben – das war davor nie vorgesehen. Zahllose ähnliche Kleinigkeiten mussten verhandelt werden.

Von der Geburtsstunde der IBA an haben Sie das Sonderformat begleitet und sind seit jeher Teil des IBA Präsidiums. Hand aufs Herz: Würden Sie die IBA nochmal machen?

Ich habe die IBA als ein unkonventionelles und zeitaufwändiges Projekt erlebt, aber für mich als Bau- und Verkehrsdirektor in Basel-Stadt war die IBA eine unglaubliche Bereicherung meiner Arbeit. Ich habe enge Kontakte in der unmittelbaren Umgebung knüpfen können und einen wunderschönen Erfahrungsschatz gewonnen. Was ich mitnehme ist, dass die Stärke der IBA aus ihren Projekten kommt: Je konkreter diese sind, desto besser ist auch die Zusammenarbeit. Es sind nicht die Strukturen in der trinationalen Zusammenarbeit entscheidend, sondern, dass man Nägel mit Köpfen macht.

Dr. Hans-Peter Wessels studierte an der ETH Zürich und schloss mit einem Doktorat in Biochemie am Biozentrum der Universität Basel ab. Von 2006 bis zu seiner Wahl in den Regierungsrat war er Wirtschaftsförderer der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft. Seit 2009 ist er Vorsteher des Bau- und Verkehrsdepartementes im Kanton Basel-Stadt. Wessels ist seit 35 Jahren in der Sozialdemokratischen Partei (SP) zuhause. Dem Grossen Rat gehörte er insgesamt 11 Jahre an. Seit 30 Jahren wohnt Wessels mit seiner Familie in Basel.

Warum wir eine IBA-Basel-Serie gestartet haben? Das lesen Sie hier.

Sämtliche Beiträge zur IBA Basel 2020 finden Sie hier.

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Antje Stokman wurde auf die neue Professur „Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung“ an der HafenCity Universität in Hamburg berufen. Hier lesen Sie alles zur Person und zu ihrem Fachgebiet.

Prof. Antje Stokman ist Landschafsarchitektin mit einem Fokus auf klimaangepasste Gestaltung von lebenswerten, biodiversen Stadt- und Landschaftsräumen. Von 2018 bis 2022 hatte sie bereits eine befristete Professur für das Fachgebiet „Architektur und Landschaft“ an der HafenCity Universität in Hamburg inne.

„Wichtiger Eckpfeiler und eine inspirierende Persönlichkeit“

Prof. Dr. Jörg Müller-Lietzkow, Präsident der HafenCity Universität Hamburg, sagte dem Informationsdienst Wissenschaft: „Wir freuen uns sehr, dass Prof. Antje Stokman der HCU weiterhin erhalten bleibt. Frau Stokman ist ein wichtiger Eckpfeiler und eine inspirierende Persönlichkeit in der Architektur und Stadtplanung in den Themenfeldern Klima und Nachhaltigkeit. Darüber hinaus freuen wir uns, dass sie ab sofort die Position der Studiendekanin Architektur (Master) übernimmt.“

 

Vita von Antje Stokman

Vor ihrer Zeit an der HafenCity Universität in Hamburg war Prof. Antje Stokman Juniorprofessorin an der Leibniz Universität Hannover (2005-2010). Dann folgte eine Berufung als Professorin an der Fakultät für Architektur und Stadtplanung der Universität Stuttgart. Dort war sie zugleich von 2010 bis 2017 Leiterin des Instituts für Landschaftsplanung und Ökologie.

Im Jahr 2009 wurde Antje Stokman für ihre Arbeiten mit dem Wissenschaftspreis des Landes Niedersachsen ausgezeichnet. Im Folgejahr erhielt sie dann den internationalen Topos Landscape Award. Ihre Projekte wurden im Rahmen internationaler Ausstellungen gezeigt. Dazu gehören die Internationalen Architekturbiennale São Paulo 2009, die Architekturbiennale Rotterdam 2014 und die Pinakothek der Moderne München (2017).

Die Forschungsschwerpunkte von Antje Stokman sind biodiverse und grüne Städte, blau-grüne Infrastrukturen, Schwammstädte und urbane Agrikultur sowie produktive Stadtlandschaften. Sie lehrt und forscht zu verwandten Themen in Architektur und Stadtplanung.

An der HafenCity Universität leitet die Professorin zudem den kooperativen Forschungsverbund LILAS, der die Transformation von grauen linearen Infrastrukturen zu blau-grünen und klimaangepassten Infrastrukturen erforscht. Darüber hinaus ist sie Mitglied der Forschungsinitiative Architektur, die sich seit Anfang 2018 der wissenschaftlich-künstlerischen Forschung in der Architektur an der HCU widmet.

 

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Über die Professur Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung

Das Gebiet der Landschaftsarchitektur und -planung an der HafenCity Universität Hamburg ist nach eigenen Angaben damit befasst, landschaftsbezogene und klimagerechte Strategien des Bauens und der Metropolenentwicklung zu erforschen und zu gestalten. Dabei stehen das Entwerfen und die kooperative Entwicklung und Umsetzung von Strategien, um Architektur und Stadt in natürliche, landschaftliche und stoffliche Ressourcenzusammenhänge einzubetten, im Zentrum von Lehre und Forschung. Dies ist ein starker Gegensatz zu den letzten Jahrhunderten, in denen Stadt und Natur in Lehre und Praxis häufig voneinander entkoppelt waren.

Zu den Themen des Fachbereichs gehören regionale Raumbilder, strategische Stadt- und Freiraumentwicklungskonzepte und landschaftsarchitektonische Entwürfe. Studierende lernen anhand prototypischer 1:1-Realisierungen und räumlicher Interventionen, ihr Wissen in die Praxis umzusetzen. Darüber hinaus organisiert der Fachbereich von Antje Stokman zahlreiche Reallabore, Experimente, Workshops, Vortragsreihen, Symposien, Ausstellungen und Veröffentlichungen.

 

Zum Thema Ladschaftsarchitektur hat der bdla Landesverband Baden-Württemberg das erste Mal einen Preis vergeben: Lesen Sie hier mehr über den Landschaftsarchitekturpreis Baden-Württemberg 2022.

Perspektive mit Baumhain links und offenem Platz im Zentrum. Im Hintergrund eine begrünte Pergola.
Vision für den Europaplatz Süd. credits: Rehwaldt Landschaftsarchitekten, via Senatsverwaltung für Stadt­ent­wicklung, Bauen und Wohnen

Der Europaplatz Süd, der Vorplatz des Hauptbahnhofs in Berlin, wird umgestaltet. Nun prämierte die Jury den Entwurf von Rehwaldt Landschaftsarchitekten mit dem 1. Preis. Mehr dazu lesen Sie hier.

Verbesserung der Aufenthaltsqualität

Der Europaplatz Süd übernimmt als Vorplatz des wichtigsten Bahnhofs von Berlin eine wichtige Rolle im Stadtgefüge. Hier kommen Reisende zuerst an, wenn sie die Stadt erreichen. Er macht somit einen wichtigen Teil des ersten Eindrucks aus, den die Hauptstadt vermittelt. Neben dieser repräsentativen Funktion kommt noch der logistische Faktor hinzu. Besucher*innen des Bahnhofs sollte der Vorplatz Orientierung bieten und sie auf dem Weg zum richtigen Gleis subtil leiten. Nach Abstimmung zwischen dem Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klima- und Umweltschutz, dem Bezirk Mitte von Berlin und der Deutschen Bahn AG wird nun eine Umgestaltung eben dieses besonderen Platzes angestrebt. Davon erhoffen sich die Verantwortlichen eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität und der Umsteigebeziehungen.

Wettbewerb zur Umgestaltung entschieden

Um das Bestreben in die Tat umzusetzen, wurden zuletzt vier Landschaftsarchitekturbüros mit der Erarbeitung eines Vorschlages beauftragt. Anfang Oktober diesen Jahres tagte nun die achtköpfige Jury aus Vertreter*innen des Landes Berlin und der Deutschen Bahn AG mit fachlicher Unterstützung durch vier Landschaftsarchitekt*innen und wählte den erstprämierten Entwurf. Durchsetzen konnte sich dabei das Büro Rehwaldt Landschaftsarchitekten aus Dresden. Manja Schreiner, Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, sagte nach Bekanntgabe der Juryentscheidung, sie freue sich, dass der jetzt noch sehr unübersichtliche Ort durch den Entwurf zu einem einladenden Entrée Berlins werden könne.

Des prämierte Entwurf im Detail

Rehwaldt Landschaftsarchitekten orientieren sich grundsätzlich am städtebaulichen Raum. Unter dem Leitbild „Entrée Berlin“ schlagen sie einen urbanen, einladenden Platzraum in der Mitte der Stadt vor, der eine gute Orientierung sowie atmosphärische Aufenthaltsorte bieten soll. Dazu setzen sie vorrangig auf eine großzügige, offene Platzfläche, durch welche sich die ankommenden Reisenden direkt in der Stadt Willkommen fühlten. Diese Platzfläche erstreckt sich vom Bahnhofsgebäude bis zur Invalidenstraße als durchgängige Oberfläche ohne Stufen oder Bordanlagen. Als Material wird ein Asphalt mit geschliffener Oberfläche vorgeschlagen. Dieser soll nicht nur einen hohen Komfort bieten, sondern in seiner Farbgebung mittels heller Zuschlagstoffe auch einen warmen und gleichsam lebhaften Gesamteindruck schaffen. Rehwaldt Landschaftsarchitekten ließen sich in der Gestaltung dabei von Terrazzobelag inspirieren.

Der Offenheit steht als Kontrast und weiteres Element der „Grüne Schirm“ gegenüber. Als  unregelmäßige Pflanzung hochstämmiger Bäume bildet er sozusagen ein Gegenstück zum Bahnhofsgebäude. Durch die Aufastung der Gehölze bleibt einerseits ein durchlässiger Raum bestehen, während andererseits eine Abschirmung zur Invalidenstraße entsteht. Durch das lockere Blätterdach kann sich ein atmosphärischen Aufenthaltsort ausbilden.

Weiterhin fungiert der Bereich unter dem „Grünen Schirm“ als Speicherrigole. Das Regenwasser, das auf der Platzfläche anfällt, wird dazu in Schlitzrinnen aufgefangen und in den nördlichen Bereich geführt, wo es gesammelt werden kann. Die Bäume werden dann das Wasser über die Wurzeln aufnehmen und es über die Baumkronen wieder verdunsten. So kann zum einen ein angenehmer,  kühlender Effekt für die unmittelbare Umgebung entstehen. Zum anderen wird die Kanalisation entlastet und das Regenwasser vor Ort genutzt, statt es umgehend über Kanäle abzuführen. Für Dr. Almut Neumann, Bezirksstadträtin des Bezirks Mitte für Ordnung, Umwelt, Natur, Straßen und Grünflächen ein wichtiger Punkt: „In Zeiten der Klimakrise ist es besonders wichtig, dass wir das Regenwasser des Platzes sammeln und über Rigolen den neuen Bäumen zuleiten. Dazu liefert das Konzept innovative Ideen, die wir umsetzen wollen.“

Ergänzt wird die Gestaltung des Europaplatzes durch eine funktionale Ausstattung. Dazu werden Fahrradparken und die Jelbi-Station – eine Bündelung von Sharing-Angeboten –  sowie eine öffentliche Toilette am östlichen Platzrand situiert. Dort sind sie für Nutzer*innen gut sichtbar und verdecken den Bauzaun im Bestand. Das Gebäude mit begrüntem Dach soll dabei als einfache Konstruktion ausgeführt werden, die später ggf. demontier- und umsetzbar ist.

Lageplan des prämierten Entwurfes. credits: Rehwaldt Landschaftsarchitekten, via Senatsverwaltung für Stadt­ent­wicklung, Bauen und Wohnen
Lageplan des prämierten Entwurfes. credits: Rehwaldt Landschaftsarchitekten, via Senatsverwaltung für Stadt­ent­wicklung, Bauen und Wohnen

Stimmen des Preisgerichtes

Laut Senatsbaudirektorin Prof. Petra Kahlfeldt hätten die offene und einladende Geste, das grüne Baumdach entlang der Invalidenstraße und die klare Kante mit Fahrradabstellmöglichkeiten und weiterer Infrastruktur nach Osten hin die Jury überzeugt. Weiterhin sagt sie: „Der Entwurf zeigt, dass auch mit der Weiternutzung von vorhandenem Material nachhaltig, barrierefrei und mit einer guten Aufenthaltsqualität der Europaplatz Süd künftig das Entrée Berlins vom Hauptbahnhof werden kann.“ Auch Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ist überzeugt, nun den richtigen Entwurf gefunden zu haben: „Mit dieser Variante schaffen wir eine deutliche Aufwertung und mehr Struktur auf dem Bahnhofsvorplatz an der Invalidenstraße.“

Weitere Schritte

Nun gilt es, den Entwurf in die Realität zu übersetzen. Dafür wird das Büro Rehwaldt Landschaftsarchitekten mit der weiteren Planung beauftragt. Derzeit ist vorgesehen, die Planungen bis zum Sommer des kommenden Jahres abzuschließen und anschließend mit der baulichen Umsetzung zu beginnen. Wenn der Zeitplan wie angestrebt umgesetzt werden kann, dann könnte die Fertigstellung der anspruchsvollen Bauaufgabe bis Ende 2025 realisiert werden. Und damit zukünftig das Ankommen und Abreisen am Berliner Hauptbahnhof zu einem ganz anderen Erlebnis machen.

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