Kontra im Park

Das Schloss Grafenegg in Niederösterreich hat sich in den letzten Jahren von einer historischen Kulisse zum Treffpunkt für zeitgenössische Architektur, Kunst und Musik gewandelt. Dieses Jahr ergänzen drei temporäre Installationen von Ende Mai bis Ende Oktober 2018 sieben permanente Kunstwerke im Schlosspark.  

Unweit von Wien, circa 60 Kilometer entfernt, liegt das Schloss Grafenegg. Der Schlossherr ließ es 1858 im Stil des romantischen Historismus umbauen. 2007 fing ein erneuter Wandel des 32 Hektar großen Schlossparks an. Die Freiluftbühne Wolkenturm von TNE Architekten und der Konzertsaal der Architekten Schröder Schulte-Ladbeck und Dieter Irresberger eröffnete. Vor dieser Kulisse findet jährlich das Grafenegg Festival statt. Wie auch schon im Vorjahr ergänzen drei temporäre Installationen die zehn permanenten Skulpturen des Parks. Die drei diesjährigen Installationen thematisieren eine Kompositionstechnik: Den „Kontrapunkt“, eine mehrstimmige Musik. Die Künstler Edith Dekyndt, Ines Doujak und Britschka/Eberle/Reissner/Stickney materialisieren das Prinzip, in dem sie Kontrapunkte – oder Gegenstimmen – zur Umgebung bilden. Die drei Installationen nehmen Bezug auf die Geschichte des Ortes, aktuelle Geschehnisse und die Geräuschkulisse. Sie regen zum Nachdenken auf, auch wenn die Bezüge auf den ersten Blick nicht gleich deutlich werden. 

Die Hunde der Schlossbesitzer

Die erste der drei temporären Installation, die Edith Dekyndt konzipiert hat, lässt eine überlieferte Geschichte im Park auferleben: Laut der Sage wollte ein Kommandant der sowjetischen Besatzung die Anlage in eine Agraranlage verwandeln. Doch eine Frau, die immer mit ihrem Hund durch den Park spazierte, hinderte ihn daran. In Anlehnung an die Dame und ihren Hund, die den Park gerettet haben, spaziert dieses Jahr ein Mann durch die Anlage, den Drohnen und projizierte Roboterhunde begleiten. 

Verschwindende Äpfel

Ein Lehrpfad der österreichischen Künstlerin Ines Doujak führt die Besucher durch unterschiedliche Apfelsorten. An Bäumen befestigt, hängen Tafeln mit Abbildungen der unterschiedlich alten Apfelsorten. Doch die Zitate über den Abbildungen enthüllen eine zweite Lesart, jenseits der Apfelkunde. Sie thematisieren die weltweite Vertreibung der ländlichen Bevölkerung: Von 2001 bis 2010 gingen etwa 230 Millionen Hektar Ackerland in Ländern des globalen Südens in unterschiedliche Hände. Der Landraub durch Konzerne, Staaten oder Investoren hat nicht nur Folgen für die Ernährung der lokalen Bevölkerung, sondern zerstört auch die Artenvielfalt. Darauf verweisen die vorgestellten Apfelsorten, die es zum Teil nicht mehr gibt.  

Musikalische Kontrapunkte

Die dritte Installation „Hamonmnemonics“ der Künstler Britschka, Ederle, Reissner und Stickney bewegt sich im musikalischen Raum. Die Klangskulptur gibt sonore Muster von sich, die sich wiederholen oder weiterentwickeln. 

Um ausführliche Einblicke zu den Werken und ihren Hintergrund zu erhalten, können Sie an einer Führung zur Kunst im Park und den Counterpoints am Sonntag dem 1. Juli 2018 um 14 Uhr teilnehmen.