Landesgartenschau Bad Gandersheim 2023 lockt mit Sole-Naturbad

Auf der Landesgartenschau in Bad Gandersheim ist das neue Naturfreibad zu sehen. Foto:Frank Terhorst/LAGA
Das neue Naturfreibad für Bad Gandersheim ist 2023 auf der LAGA zu sehen. Foto: Frank Terhorst

Schwimmende Gärten, eine englische Kleinstadt gleich um die Ecke und als Highlight ein Freibad: Vom 14. April bis zum 15. Oktober 2023 findet in die Landesgartenschau Bad Gandersheim statt.

Nur jedes vierte Jahr richten Länder Landesgartenschauen aus. In Niedersachsen fällt in diesem Jahr die Wahl auf Bad Gandersheim im Süden des Bundeslandes. Ein Fest für alle Generationen soll die Schau für Garten- und Blumenfreunde werden. Neben vielen Veranstaltungen zum Zeitpunkt der Landesgartenschau gibt es auch Gelegenheit, neuen Anlagen zu begutachten, die selbst zum Schauplatz vieler Programmpunkte werden sollen. Diese sollen darüber hinaus zur nachhaltigen Stadtentwicklung beitragen.

Ein Steg im Auepark als Teil der Landesgartenschau 2023 in Bad Gandersheim. Foto: Adrian Schulze
Ein Steg im Auepark als Teil der Landesgartenschau 2023 in Bad Gandersheim. Foto: Adrian Schulze

Sole-Naturbad mit Sandstrand

„Einen absoluten Höhepunkt zu bestimmen, fällt mir schwer“, sagt Frank Terhorst, Pressesprecher der Landesgartenschau Bad Gandersheim, „aber da wir die einzige Landesgartenschau mit einem Freibad sind, ist wohl das Sole-Naturbad eines der absoluten Highlights“. Das neue Außenschwimmbad soll mit Naturschwimmbecken, Sandstrand und Naturwiesen künftig in der niedersächsischen Kleinstadt für Urlaubsfeeling sorgen. Laut Terhorst ist es eine Investition, von der Einheimische und Besucher des Ortes mit knapp 10 000 Einwohner*innen noch langfristig etwas haben werden.

Das Gelände der Laga erstreckt sich auf etwa 40 Hektar in der Form eines Sterns. Es dehnt sich von der historischen Innenstadt bis hin zu den Flüssen Gande und Eterna über die Osterbergseen bis hin zu einer Auenlandschaft aus.

Schwimmende Gärten auf dem Osterbergsee

Blumenfans und Gartenfreude kommen mit Mustergärten und Blumenschauen außerdem auf ihre Kosten. Der zweite Osterbergsee ist Schauplatz von ganz speziellen Grünflächen: Schwimmende Gärten. In einer mehrtägigen Aktion wurde diese bereits an den Rand des Gewässers gebracht, um in den nächsten Wochen schwimmend ihren Bestimmungsort in der Mitte des Sees zu erreichen. Im Rahmen eines Nachwuchswettbewerbes wurden sie als Installation „Wenn Wasser auf Wasser trifft“ von Dorothee Harms, Teelke Limbeck und Lina Anna Harders-Sistig entworfen und umgesetzt. Als Inspiration für die ringförmigen Gärten diente den Absolventinnen der Hochschule Osnabrück ein Wassertropfen, der beim Fall ins kühle Nass ringförmige Kreise bildet. Bepflanzt sind sie üppig und vielfältig mit Wasserdost, Schachbrettblumen aus der Familie der Liliengewächse, Schwertlilien, Blutweiderich, Mädesüß sowie Sumpfdotterblume und Schildblatt. Zudem wird auf ihnen im Mai Bach-Ehrenpreis erblühen. Es handelt sich um eine Wasserpflanze mit blauen Blüten.

Beet, das für die Landesgartenschau Bad Gandersheim zum „schwimmenden Garten“ werden soll. Foto: Frank Tersdorf
Beet, das für die Landesgartenschau Bad Gandersheim zum „schwimmenden Garten“ werden soll. Foto: Frank Tersdorf

Küstenstadt Skegness in Bad Gantersheim

Auch Kunst gehört zur Landesgartenschau Bad Gandersheim. Die britische Küstenstadt Skegness ist seit 1979 eine Partnerstadt des niedersächsichen Bad Gantersheims. Der Künstler John Byford hat diese hinter einer Hecke des Roswithaparks mit lebensgroßen Fotos sowie 40 bis 50 Quadratmeter Sandstrand nachgebaut. Besuchende können also ihre Füße in den Sand strecken, während sie sich ein Bild von der Partnerstadt machen. Außerdem wird Byford eine Bank aufstellen, auf der sich Besucher*innen mit ihm unterhalten können. Skegness ist die Heimat des Künstlers. Er erhofft sich mit der Aktion, Interesse für das weitere Pflegen der Städtepartnerschaft zu wecken.

Laufbahn und Trainingsanlage

Auch denen, die die Bewegung lieben, möchte die Landesgartenschau mit einer langfristigen Anlage entgegen kommen: Es wird ein Sport- und Spielpark auf dem LAGA-Gelände errichtet, der auf einer etwa 700 Meter roten, langen Laufbahn, laufend, gehend, rennend, hüpfend oder Rad schlagend umrundet werden kann. Auf dem Sport- und Spielpark selbst findet sich außerdem eine Trainingsanlage, sowie Platz für Yoga und Volleyball. Weitere neue Plätze für sportliches Vergnügen sind eine Seilbahn sowie ein Platz für Boule.

Eine 700 Meter lange Laufbahn in Rot auf dem Gelände der Landesgartenschau Bad Gandersheim. Foto: Frank Tersdorf
Eine 700 Meter lange Laufbahn in Rot auf dem Gelände der Landesgartenschau Bad Gandersheim. Foto: Frank Tersdorf

Veranstaltungen auf See- und Parkbühne

Zahlreiche Veranstaltungen sind ein weiterer Grund, die Landesgartenschau vom 14. April bis zum 15. Oktober 2023 zu besuchen. Darunter finden sich Höhepunkte wie zum Beispiel das Theater der Nacht oder eine Slacklineshow, musikalische Führungen und der „Pavillon der Regionen“, in dem sich unter anderem das Rosarium Sangershausen präsentieren wird. Außerdem werden Musikführungen das Programm abrunden.

Die Seebühne am Osterbergsee wird dabei zur Kulisse für Musik, regionale Kunst, aber auch Schauspielende und Musicaldarsteller der Domfestspiele. Auf der dazugehörigen Tribüne ist Platz für 250 Personen. Neben Präsentationen und Shows wird es Konzerte in den Genres Schlager, Jazz, Rock, Pop und Tributes-Bands geben.

Neben der Seebühne bietet auch die Parkbühne im Roswithapark eine regelmäßige Spielstätte für Kindertheater und Kleinkunst, Lesungen und Matinees sowie Platz für regionale Musikvereine, Chöre und Künstler*innen. Auch das neue Sole-Naturschwimmbad soll neben seiner Funktion als Freibad mit einer Beach Bar als Kulisse für einzelne Special-Events in Szene gesetzt werden. Alle Veranstaltungen finden Sie im Veranstaltungskalender zusammengefasst.

Eines der Beete nahe des Osterbergsee. Foto: Frank Terhorst
Eines der Beete nahe des Osterbergsee. Foto: Frank Terhorst

Zusatzinfos

Geplant wurde das Event bereits für das Jahr 2021, wegen Material und Personalmangel ist die Landesgartenschau Bad Gandersheim jedoch auf 2023 verschoben wurden. Bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit.

Tickets kaufen können alle, die kommen wollen in der Tourist-Information in Bad Gandersheim. Wer bereits über Dauerkarten-Voucher verfügt, kann sie dort auch gegen personalisierte Dauerkarten eintauschen. Hierfür ist zu beachten, dass dafür ein Foto notwendig ist. Tagestickets sind außerdem in den Orten Einbeck, Lamspringe, Northeim und Seesen zu bekommen, die ebenfalls in der Region liegen.

Mehr über alle Bundes- und Landesgartenschauen 2023 lesen Sie hier.

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Nominierung Experimentelle Landschaftsarchitektur, Bauen im Detail – Bayerischer Landschaftsarchitektur-Preis 2022

Die Nominierten des Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preis stehen fest. Noch bis zum 12. August 2022 können bdla-Mitglieder über die Gewinner*innen abstimmen. Auf Garten + Landschaft werden wir Ihnen die 15 Projekte in Kurzportraits vorstellen. Im Folgenden: die drei Nominierten in der Kategorie Experimentelle Landschaftsarchitektur und Bauen im Detail.

Update: Das Voting wurde verlängert. bdla-Mitglieder können noch bis zum 16. September, 18:00 Uhr, hier abstimmen.

Der Bayerische Landschaftsarchitektur-Preis 2022 lobte Anfang des Jahres 2022 einen Hauptpreis sowie Auszeichnungen in fünf Kategorien aus. Die Kategorie Experimentelle Landschaftsarchitektur und Bauen im Detail kürt Projekte, die unter anderem neue Herangehensweisen zeigen und / oder mit dem Bestehenden experimentell umgehen. Für die Kategorie sind die folgenden drei Projekte nominiert:

  • Taxispark in München, Jühling & Köppel Landschaftsarchitekten GmbH,
  • Rhönexpress Bahnradweg, TOPONEO Engel & Schneider Landschaftsarchitekten PartG mbB sowie
  • Container Collective in München, Jühling & Köppel Landschaftsarchitekten GmbH

Nominiert in der Kategorie Experimentelle Landschaftsarchitektur, Bauen im Detail

Taxispark in München

Der heutige Taxispark war ab 1919 ein Erholungspark für Kriegsbeschädigte. Ab 2007 lag das Areal in Gern, München, jedoch brach. Jühling & Köppel Landschaftsarchitekten gestalteten im Zeitraum von 2015 bis 2018 einen Park, der die ehemalige Nutzung berücksichtigt. Die Planer*innen integrierten zum Beispiel den alten Brunnen, das Denkmal für Kriegsbeschädigte sowie einen Wassertank des ehemaligen Schwimmbeckens in die Neugestaltung. Anstelle der alten Umkleiden erinnert heute eine Pergola an die ursprüngliche Nutzung. Ein wesentlicher Aspekt war außerdem der Schutz des wertvollen Baumbestands. Die Wege sind deswegen so angelegt, dass diese einen möglichst großen Abstand zu den Bäumen haben. Das Konzept entwickelten die Planer*innen in einem umfangreichen Bürgerbeteiligungsverfahren.

Rhönexpress Bahnradweg von Zeitlofs bis Wildflecken

Aus einer stillgelegenen Eisenbahnstrecke von Zeitlofs bis Wildflecken entstand ein Radweg. Er trägt den Namen „Rhönexpress Bahn-Radweg“ und ist ein touristischer Themenradweg. Auf einer Strecke von 26 Kilometern erwarten den Radfahrenden verschiedene Landart-Elemente: Schienenlinierung auf dem Asphalt erinnern an die ehemaligen Bahngleise. Birken mit mitwachsendem roten Textilgewebe sollen die Rückeroberung der Bahnstrecke durch die Natur symbolisieren. In Kombination zu den Birken begleiten den Radweg Skulpturen in Form von Andreaskreuzen in Grün-weiß. Außerdem erhielten die Planer*innen von TOPONEO Engel & Schneider Landschaftsarchitekten entlang der Strecke Bahnübergangshäuschen, die heute Ereignisse der Bahngeschichte in Form von Graffiti-Darstellungen dokumentieren. Zum Beispiel die Besuche von König Ludwig I., Kaiserin Elisabeth von Österreich und Elvis Presley.

Container Collective in München

Das Container Collecitve ist eine Art „Pop Up City“. Auf dem ehemaligen Anlieferhof der Pfanni-Werke am Münchner Ostbahnhof entwickelte sich eine temporär genutzte Fläche mit Schiffscontainern, Holzkisten als mobile Pflanztröge sowie Holzpaletten und bunt gewürfelten Stühlen. Die Planer*innen von Jühling & Köppel Landschaftsarchitekten gestalteten einen urbanen Platz, der mit seinen Elementen Bezug zu den Pfanni-Werken nimmt und zudem den stetigen Veränderungen vor Ort Raum bietet. Die Ausstattung kann zum Beispiel kurzerhand für Veranstaltungen umrangiert werden.

Das Pflanzkonzept stellt eine schnelle und temporäre „low budget“-Begrünung dar. In manchen Bereichen wurde lediglich der Bestandsasphalt aufgeschnitten und schnellwachsende Pioniergehölze gepflanzt. Die Pflanztröge beinhalten Sträucher, Stauden und Gräser sowie Kräuter, Obstgehölze und Beerensträucher zum Naschen. Circa 25 Pflanztröge nutzt der Werksgarten-Verein für den Gemüseanbau. Der Austausch zwischen den lokalen Akteur*innen wie Künstler*innen und Handwerker*innen und Landschaftsarchitekt*innen war von Anfang an ein wichtiger Teil des Projekts.

Abstimmung noch bis zum 12. August 16. September

Zum zweiten Mal findet der Bayerische Landschaftsarchitektur-Preis statt. Der Preis möchte die Bedeutung der Landschaftsarchitektur für die Gesellschaft zeigen sowie die Profession in der Öffentlichkeit präsentieren. Die Gewinner*innen werden im Rahmen der Preisverleihung des Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preises am 11. November 2022 bekannt gegeben. Bis zum 12. August 16. September, 18:00 Uhr – Update: das Voting wurde verlängert – können bdla-Mitglieder noch über die Gewinner-Projekte für den Hauptpreis sowie in den fünf folgenden Kategorien abstimmen:

  • Bauwerksbegrünung und Biodiversität,
  • Blaue und Grüne Infrastruktur,
  • Urbanität, Bestand, Stadt und Platz,
  • Tourismus, Freizeit, Spiel und Sport sowie
  • Experimentelle Landschaftsarchitektur und Bauen im Detail

Zum Mitglieder-Voting geht es hier.

Mehr zum Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preis: Hier geht es zu den nominierten Projekten in der Kategorie Blaue und Grüne Infrastruktur.

Fahrradständer: Vier Punkte, die Sie beim öffentlichen Einsatz beachten sollten

Das Fahrrad gilt als Schlüsselfaktor für das Gelingen der Verkehrswende in unseren Städten. Es hilft, Klima und Umwelt zu schonen, spart Platz und ist leise. Darüber hinaus trägt es durch die erforderliche körperliche Aktivität auch noch zur Gesundheit seiner Nutzer*innen bei. Doch damit der Umstieg vom Auto auf das Fahrrad möglichst leichtfällt, braucht es durchdachte Infrastruktur – und dabei sind nicht nur sinnvoll geplante und gut gepflegte Fahrradwege gemeint. Schließlich muss ein Fahrrad am Ende einer Fahrt auch sicher abgestellt werden können. Was hier beachtet werden muss, ist nur auf den ersten Blick trivial.

Im Gespräch mit dem Münchner Fahrradständerspezialisten Gronard finden wir im ersten Teil dieser fünfteiligen Serie heraus, worauf es wirklich ankommt, wenn Sie öffentliche Fahrradständer in Ihrer Kommune anbieten wollen. Für G+L nahm sich Lothar Gronard, Senior-Geschäftsführer des Familienunternehmens, Zeit, um uns vier wichtige Aspekte zur Planung von Fahrradständern, Abstellanlagen und Co. auf den Weg zu geben.

Punkt 1: Das Regelwerk

Geht es an die Planung einer Fahrradabstellanlage, gehören selbstverständlich zunächst das Bauplanungs- und Bauordnungrecht sowie spezifische kommunale Satzungen geprüft. Sogenannte Fahrradabstellanlagen- oder Fahrradabstellplatzsatzungen geben Aufschluss über die geforderte Größe, Beschaffenheit und Mindestanzahl von Abstellplätzen, aber auch deren Abstand zueinander und zu anschließenden Verkehrsflächen. Ergänzend dazu stehen technische Regelwerke und Richtlinien hilfreich bei der Planung zur Seite. Hier seien die ADFC-Richtlinie TR6102 und die aus ihr hervorgegangene DIN-Norm 79008 genannt.

Ein empfehlenswertes Nachschlagewerk ist die Publikation „Hinweise zum Fahrradparken“ der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen FGSV. Sie enthält unter anderem Handreichungen zur Bedarfsermittlung, Finanzierung und rechtlichen Aspekten im Zusammenhang mit der Planung und dem Betrieb von Fahrradabstellanlagen.

Zu berücksichtigen ist, dass Verordnungen für Fahrradabstellanlagen nur bei Neu- und Umbauten, nicht jedoch im Bestand Gültigkeit haben. Zudem hat jedes Bundesland seine eigene Landesbauordnung, die zu beachten ist. Mit einer eigenen Stellplatzsatzung können Städte und Gemeinden spezifische Richtlinien für ihre örtlichen Bedürfnisse erlassen und dadurch gezielten Einfluss auf die Verkehrsentwicklung vor Ort nehmen. Im Gegensatz zu bundeseinheitlichen Regelungen lassen sich kommunale Stellplatzsatzungen viel differenzierter auf den jeweiligen Einzelfall und die lokale Strategie für das Mobilitätsmanagement anpassen.

Bei der Planung einer Fahrradabstellanlage müssen entsprechende Baurechte und lokale Satzungen befolgt werden. Darüber hinaus helfen Richtlinien und Normen wie die Technische Richtlinie 6102 des ADFC oder die DIN-Norm 79008 dabei, Fahrradabstellanlagen sinnvoll zu konzipieren. Foto: Gronard
Bei der Planung einer Fahrradabstellanlage müssen entsprechende Baurechte und lokale Satzungen befolgt werden. Darüber hinaus helfen Richtlinien und Normen wie die Technische Richtlinie 6102 des ADFC oder die DIN-Norm 79008 dabei, Fahrradabstellanlagen sinnvoll zu konzipieren. Foto: Gronard

Punkt 2: Räder- und Nutzungsmix

Eine detaillierte Bedarfsanalyse für den vorgesehenen Standort sollte ebenso selbstverständlich sein wie das gründliche Studium örtlicher Vorgaben. Nur, wenn Sie wissen, welches Aufkommen von Fahrrädern zu erwarten ist, wie lang die Abstellzeiten bei unterschiedlichen Nutzungsprofilen sind und welche Bedürfnisse die Nutzer*innen haben, können Sie die Komponenten Ihrer Abstellanlage auch sinnvoll zusammenstellen und dimensionieren.

Wer also wird die Abstellanlage künftig nutzen? Wie viele Kurzzeitparkende wird es im Vergleich zu denjenigen geben, die ihr Rad für längere Zeit abstellen? Welche Art von Fahrrädern wird abgestellt? Die Antworten auf diese Fragen geben Ihnen wertvolle Anhaltspunkte, um ihre Anlage nutzer*innengerecht auszustatten. Auf dem Markt gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Stellkonzepte fürs Rad. Beachten Sie hier in erster Linie die Bedürfnisse der Nutzer*innen und lassen Sie sich weniger von optischen Überlegungen leiten. Entscheidend für die Akzeptanz einer Fahrradabstellanlage ist deren Nutzwert. Generell sollte daher auf Fahrradständer zurückgegriffen werden, die es durch entsprechende Bügel erlauben, auch den Rahmen mitanzuschließen. Ein weiteres Detail ist die maximale Reifenbreite, die in den Fahrradständer passt. Dem Trend zu immer breiteren Reifen am Fahrrad sollten Abstellanlagen entsprechend Rechnung tragen. Ebenso im Trend: das elektrifizierte Fahrrad. Für die Nutzer*innen von E-Bikes ist es ein besonderes Komfortmerkmal, wenn Lademöglichkeiten in der Abstellanlage zur Verfügung stehen. Wer ein teures E-Bike für längere Zeit abstellen möchte, freut sich darüber hinaus über die zusätzliche Sicherheit, die abschließbare Fahrradboxen oder auch Fahrradhäuser bieten.

Zwar beliebt, aber weniger gut geeignet sind Fahrradanlehnen – also meist aus Flachstahl bestehende, ungefähr hüfthohe, auf dem Kopf stehende U-Profile. Sie sind je nach Ausführung zwar schick, weil sie schlicht sind und nicht sofort als Fahrradständer ins Auge fallen. Doch ihr Nutzwert ist deutlich geringer als der anderer Ständerformen. Dadurch, dass das Fahrrad an solchen Anlagen nur mäßig gegen Umstoßen und Hin- und Herrollen gesichert ist, ist etwa ist das Risiko von Beschädigungen besonders an Rahmen und Lenker erhöht. Dazu kommt, dass diese Art von Fahrradständern nur für ein Rad zur gleichen Zeit geeignet ist. In der Praxis kommt es jedoch häufig zu einer Doppel- oder sogar Dreifachbelegung. Die Folge: Lenker und Kabel verheddern sich oder es wird versehentlich das Nachbarrad mitangeschlossen.

Gut konzipierte Fahrradständer erlauben nicht nur das Anschließen des Vorderrads, sondern auch des Rahmens – etwa wie hier am Beispiel des Fahrradständers "Felix" von Gronard.
Gut konzipierte Fahrradständer erlauben nicht nur das Anschließen des Vorderrads, sondern auch des Rahmens – etwa wie hier am Beispiel des Fahrradständers "Felix" von Gronard.

Punkt 3: Wohin mit den Fahrradständern?

Akzeptanz und Nutzung von Fahrradständern sinken bei gestressten Pendler*innen rapide, wenn sie nicht nah genug am nächsten Verkehrsmittel sind. Wer am frühen Morgen zur Arbeit muss, hat in der Regel wenig Lust, noch mehrere hundert Meter vom Fahrradständer zum Zug zu rennen. Deswegen sollten Fahrradabstellanlagen möglichst nah an den Abgängen eines Bahnhofs und generell eines Gebäudes geplant werden. Für Langzeitparker*innen hingegen liegt die Priorität eher auf der Sicherheit des Abstellplatzes. Dazu gehört etwa eine gute Beleuchtung, aber auch eine Überdachung, die überdies die grundsätzliche Akzeptanz einer Fahrradabstellanlage drastisch erhöht. Es ist eine gute Praxis, eine Anlage an Orten mit viel Passant*innenverkehr zu platzieren, denn das senkt durch die soziale Kontrolle die Wahrscheinlichkeit von Vandalismus.
Die Anlage sollte außerdem barrierefrei zugänglich sein. Schon scheinbar kleine Absätze oder etwas zu steile Rampen können den Zugang zur Anlage für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen deutlich erschweren. Mit Schließfächern und Servicestationen für Reifenluft und kleinere Reparaturen runden Sie die Infrastruktur Ihrer Anlage fahrradfreundlich ab.

Auch wenn Sie mit Platzmangel zu kämpfen haben, gibt es eine Lösung: Mit Doppelstockparkern bringen Sie auf der gleichen Stellfläche doppelt so viele Fahrräder unter. Beachten Sie dabei aber, dass die Verkehrsraumbreite bei Doppelstockparkern geringfügig größer sein muss, um das problemlose Hantieren mit der oberen Parkschiene zu ermöglichen. Denken Sie auch an den Platz, den etwa Lastenfahrräder oder Fahrräder mit Anhänger benötigen. Zwar brauchen diese Arten von Fahrrädern normalerweise keinen Umfallschutz, aber deutlich breitere Fahrwege.

Dort wo der Platz knapp ist und Bauvolumen teuer, helfen Doppelstockparker bei der optimalen Platzausnutzung. Foto: Gronard
Dort wo der Platz knapp ist und Bauvolumen teuer, helfen Doppelstockparker bei der optimalen Platzausnutzung. Foto: Gronard

Punkt 4: Qualität lohnt sich

Billige Fahrradständer mögen eine attraktive Option sein, um den Haushalt zu schonen. Häufig machen sie optisch kaum einen Unterschied zu teureren Produkten. Die Reue kommt dann allerdings bereits nach wenigen Jahren, wenn das billige Produkt so verrostet ist, dass niemand mehr sein Rad hineinstellt. Oder auch schon deutlich früher, wenn die Funktionalität nicht gegeben ist. Wie erwähnt, sollten Bedienung und Funktion bei der Wahl von Fahrradständern oberste Priorität haben; ganz nach dem Motto „form follows function“. Moderne Fahrradständer hoher Qualität und Funktionalität haben ihren Preis. Dafür können Sie sich gut und gerne die nächsten 20 bis 30 Jahre auf deren problemlose Funktion verlassen. Das relativiert den Anschaffungspreis im Vergleich zum billigen Produkt, das im selben Zeitraum unter Umständen mehrmals neu angeschafft werden muss.

Achten Sie darauf, dass die Fahrradständer, die Sie anschaffen, nach DIN 79008 geprüft sind. Damit stellen Sie sicher, dass diese sinnvollen und durchdachten Anforderungen an deren Funktion und Sicherheit entsprechen.

Zertifizierte Qualitätsfahrradständer mögen bei der Anschaffung kostenintensiver sein, als Billigware. Auf die gesamte Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren gesehen, kommt Qualitätsware wegen der hervorragenden Haltbarkeit jedoch in der Regel günstiger. Foto: Gronard
Zertifizierte Qualitätsfahrradständer mögen bei der Anschaffung kostenintensiver sein, als Billigware. Auf die gesamte Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren gesehen, kommt Qualitätsware wegen der hervorragenden Haltbarkeit jedoch in der Regel günstiger. Foto: Gronard
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