Wie Bürger ihren Park selber bauten


Der Gemeindeverwaltung und den Bürgern der hessischen Kleinstadt Lich war schon länger klar, dass in ihrer Innenstadt ein attraktiver Spielplatz fehlt. Aktiv wurde niemand – bis Katharina Hillgärtner-Erll die Sache selbst in die Hand nahm, den Verein Bürgerpark Lich e.V. gründete und mit professioneller Unterstützung einen neuen Stadtpark umsetzte. Wir sprachen mit der Vorstandsvorsitzenden darüber, was heutzutage nötig ist, um ein partizipatives Bauprojekt zu stemmen. 

Bürgerpark Lich
Im Park kommen alle Altersgruppen zusammen (Foto: Burghammer Landschaftsarchitekten)


Frau Hillgärtner-Erll, wie kam es zu der Umsetzung des Bottom-Up Projekts Bürgerpark Lich? Wie fing alles an?
Die Idee ist während einer Podiumsdiskussion geboren. Hier wurde ich gefragt, was mir – Hebamme und Mutter von vier Kindern – in der Licher Innenstadt fehle. Die Antwort lag für mich auf der Hand: ein Spielplatz. Der Vorschlag wurde diskutiert, nach Hause ging ich allerdings mit dem Gefühl, dass sich ja doch nichts ändert. Ein paar Tage später kam eine Freundin auf mich zu, inspiriert von einem Beteiligungsprojekt des Nachbarorts. Gemeinsam entwickelten wir die Idee eines bürgergebauten Parks, fingen an Bekannte und Freunde anzusprechen, gründeten eine Bürgerinitiative und kamen mit Fachplanern und der Stadt Lich ins Gespräch. Der Bürgerverein Lich e.V. ist heute gute zwei Jahre alt, der Bürgerpark wurde im Juli 2016 eingeweiht.

Was waren die Herausforderungen?
Die größte Schwierigkeit stellte nicht die konkrete Umsetzung, sondern vielmehr die Bewilligung seitens Politik und Förderern dar. Einerseits brauchten wir die Mehrheit der politischen Gremien in der Stadt, andererseits mussten die EU-Fördergelder des LEADER-Programms beantragt und bewilligt werden – ein Kraftakt, bei dem der Bürgerverein, die Stadt Lich und die Fachplaner des Büros Burghammer Hand in Hand arbeiteten.

Welche Faktoren haben maßgeblich dazu beigetragen, dass das Projekt erfolgreich umgesetzt werden konnte?
Zentraler Baustein des Projekts war die freundliche und positive Rückmeldung unserer Sponsoren sowie das herausragende Engagement der aktiven Bürger. An nur drei Wochenenden wurde der Park mit über 400 Bürgern und Bürgerinnen gebaut. Dabei waren alle Altersgruppen vertreten – vom Kleinkind bis zum Rentner. Mit Fertigstellung des Parks waren viele traurig, dass es vorerst kein weiteres Bauwochenende geben wird.

Wie haben Sie die Bürger mit ins Boot bekommen? Wie haben Sie sie begeistert?
Bei unseren Werbeaktionen arbeiteten wir natürlich auch mit den gängigen Medien wie Zeitungsinseraten, Presseartikeln, aber auch Fernsehen und Radio wurden irgendwann auf uns aufmerksam. Besonders wichtig war für uns die persönliche Ansprache. Mit einer Vorstandsstärke von 13 Personen waren wir ständig unterwegs in Schulen und Kindergärten, haben Flyer verteilt und in Geschäften ausgelegt sowie Banner und Plakate aufgehängt. Und der persönliche Kontakt zahlte sich aus: Am ersten Bauwochenenden kamen über 100 Personen um den Bürgerpark mitzugestalten.

Welche Rolle spielte das beauftragte Landschaftsarchitekturbüro im Projektprozess?
Das Büro Burghammer Landschaftsarchitektur überzeugte uns von Anfang an mit seiner transparenten Arbeitsweise und sympathischen Art. Mit Hilfe des Büros konnten in zwei Workshops sowohl Ideen für den neuen Park gesammelt als auch der konkrete Plan entwickelt werden. Das Team um Matthias Burghammer griff dabei auf bereits gesammelte Bürgerbeteiligungs-Erfahrungen zurück und koordinierte auch die drei Bauwochenenden. Schon jetzt wird der dritte Workshop geplant: die Entwicklung einer Skaterbahn für den Bürgerpark Lich.

Welche Tipps können Sie anderen Organisationen weitergeben?
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei unserem Projekt die Kooperation mit der Gemeinde besonders wichtig war. Ebenso zentral ist die breite Aufstellung unseres Vereinsvorstands – im Verein Bürgerpark Lich sind Juristen, Presseleute aber ebenso alle Altersstufen vertreten. So kann man im Bürgerpark Lich e.V. ab 14 Jahren in den Vorstand gewählt werden. Die persönliche Ansprache von zentralen Akteuren, Fachleuten und Bürgern kann ich nur empfehlen – so entsteht neben dem Kontakt ebenso die persönliche Verbindung zum Projekt. Unverzichtbar sind natürlich ein langer Atem, viel Geduld und vielfältige Ideen in den unterschiedlichsten Bereichen.

Mehr über den Bürgerpark Lich lesen Sie in der Garten+Landschaft 10/2016 – Parks neu denken.