Eine mutige Interpretation der Wettbewerbsauslobung für den größten Park in der aspern Seestadt verhalf dem Wiener Stadtentwicklungsgebiet zu einem Park mit drei starken Themen. Wir zeigen Bilder:














Eine mutige Interpretation der Wettbewerbsauslobung für den größten Park in der aspern Seestadt verhalf dem Wiener Stadtentwicklungsgebiet zu einem Park mit drei starken Themen. Wir zeigen Bilder:















AIV-Schinkel-Wettbewerb-2022 Auslobung: Überblick über Wettbewerbsgebiet in Rüdersdorf (Foto: Elisa Mado Lenius)
Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin (AIV) hat Ende September die Auslobung des Schinkel-Wettbewerb 2022 veröffentlicht. Junge Planer*innen und Künstler*innen bis 35 Jahre können an dem Ideen- und Förderwettbewerb teilnehmen. Der bekannte Schinkel-Wettbewerb 2022 läuft unter dem Titel „Ressource Rüdersdorf – neu aufgemischt.“ Die Widersprüche und Maßstabssprünge machen die Brandenburger Gemeinde reizvoll für die Aufgabenstellung.

Es ist Herbst – und das heißt, es ist wieder Zeit für den AIV-Schinkel-Wettbewerb. Wie jedes Jahr veröffentlicht der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin (AIV) kurz vor Semesterbeginn die Auslobung für seinen Ideen- und Förderwettbewerb. Dabei handelt es sich um einen Nachwuchspreis – einer der bekanntesten und ältesten in Deutschland.
Junge Planer*innen bis 35 sind dazu aufgerufen, ihre Ideen und Visionen zu präsentieren. Darunter fallen Angehörige aus den Bereichen Architektur, Bauingenieurwesen, Stadtplanung, Landschaftsarchitektur und Verkehrsplanung. Aber auch freie Künstler*innen sind im Aufruf eingeschlossen. Sie alle bewerben sich mit ihrer Teilnahme um Preisgelder im Gesamtwert von bis zu 30 000 Euro. Dafür reichen sie einen Entwurf ein, der das diesjährige Thema des AIV-Schinkel-Wettbewerbs bearbeitet: „Ressource Rüdersdorf – neu aufgemischt“.
Warum gerade Rüdersdorf? Gesche Erber und Ernst Wolf Abée, die Vorsitzenden des AIV-Schinkel-Ausschusses erklären die Entscheidung wie folgt: „Auf Rüdersdorf waren wir sehr neugierig. Nach dem ersten Gespräch mit der Bürgermeisterin und nach den Erkundungstouren waren wir schnell sicher, spannende Themen für unseren Wettbewerb zu finden. Neben dem Kalksteinbruch, den historischen Brennöfen und dem modernen Zementwerk haben sich Betriebe der Baustoff- und Logistikbranche angesiedelt. So hat sich eine Agglomeration vitaler Ortschaften entwickelt, durchsetzt mit Stätten industrieller Fertigung, teils hochaktiv, teils aufgegeben und ruinös. Und genau diese Widersprüche und Maßstabsprünge machen Rüdersdorf mit seinen verschiedenen Ortsteilen so reizvoll für unsere Aufgabenstellung.“
In Rüdersdorf gab es früher eine Futterphosphatfabrik. Seit diese stillgelegt wurde, ist mit dem Areal jedoch nur wenig passiert. Alle Materialien, bei denen die Möglichkeit bestand, sie wiederzuverwerten, wurden außerdem demontiert und entfernt. Die einst imposanten Gebäude und Strukturen stehen verlassen und als leere Hüllen da. Dennoch regen sie die Fantasie an: Volumen, Struktur und die Raumordnung der Hallen und Siloanlagen erinnern an die Gemälde von Giorgio De Chirico. Der italienische Maler prägte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Strömung der „Metaphysischen Malerei“. Hier können Sie einige Beispiele betrachten.
Der Zustand bleibt aber vielleicht nicht bestehen. Laut Gerber und Abée steht der Abriss der Betonstrukturen zur Diskussion, um Baufläche zu schaffen. Das bedeutet, dass es unsicher ist, dass das Ensemble so noch steht, wenn die Teilnehmer*innen des AIV-Schinkel-Wettbewerbs 2022 ihre Entwürfe einreichen. Dennoch meinen die beiden AIV-Vorsitzenden: „Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse noch rechtzeitig kommen, um die Diskussion über die Zukunft des Standorts zu bereichern.“
Wie immer spricht die Auslobung des AIV-Schinkel-Wettbewerb 2022 auch dieses Jahr die verschiedenen Fachsparten mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen an. Unter anderem sind folgende Entwürfe gefordert:
Die genauen Auschreibungsunterlagen der Auslobung des AIV-Schinkel-Wettbewerb 2022 finden sich hier. Die Anmeldung zum Wettbewerb erfolgt schließlich über die Plattform von „Wettbewerbe aktuell“. Hier finden Sie die entsprechende Seite.
Hier können Sie das Bildmaterial zur Wettbewerbsregion herunterladen.
Dies sind die weiteren Termine des AIV- Schinkel-Wettbewerb 2022:
Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg hat das Ziel, die Berliner und die Brandenburger Baukultur zu fördern. D.h. zum Selbstverständnis seiner Aufgaben gehört es unter anderem, Stellung zu aktuellen Planungsvorgängen zu beziehen. Damit möchte der Verein Einfluss auf die Entwicklungen in wichtigen Teilen der Metropolregion Berlin nehmen. Dafür analysiert der AIV Etappen und Projekte und liefert eine Einschätzung dazu. Außerdem stellt er Diskussionsansätze für die zukünftige Stadt- und Metropolenentwicklung vor. So begleitet er die Bau- und Kulturgeschichte von Berlin und Brandenburg kritisch. Jedes Jahr schreibt der AIV den Schinkel-Wettbewerb aus. Übrigens: Der AIV ist der älteste noch bestehende Verein Berlins.
Auf dem Berliner Großmarkt werden Lebensmittel und andere Waren umgeschlagen und an Supermärkte und Gastronomiebetriebe verteilt. Berliner*innen finden sich ohne berufliche Beweggründe kaum auf dem Areal ein. Und das, obwohl es genügend Fläche für dringend benötigte Freiräume bieten würde. Aus diesem Grund wählte der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg den Großmarkt als Projektgebiet für den diesjährigen Schinkel-Wettbewerb aus. Jonathan Hertling, Arne Markuske (BTU Cottbus-Senftenberg) und Robert Ritzel (TU Berlin) überzeugten mit ihrer städtebaulichen Vision und erhielten den Schinkelpreis in der Kategorie Städtebau. Hertling, Markuske und Ritzel stellen in der G+L 09/21 ihren Entwurf vor und erklären, wie sie das Gebiet mit Hochstegen und einem neuen Warenverteilsystem zugänglich gestalten.


Die Redaktion hat Herbert Dreiseitl gefragt: Wie kann sich die Profession über das Thema Klimawandel stärker in der Öffentlichkeit positionieren? Hier ist seine Antwort.
Als ich Anfang dieses Jahres in Boston, USA vor unser neu gegründetes Büro trat, stand das Meerwasser einen halben Meter über der Uferstraße. Doch nicht nur das: Es war so kalt, dass stehen gebliebene Autos im Meerwasser einfroren. Diese Bilder gingen um die Welt und der Präsident der USA twitterte polemisch „Jetzt könnten wir Global Warming gebrauchen“. Die Wärme wurde im Laufe des Jahres leider zu viel – neue Hitzerekorde, Feuer und Dürre gingen dieses Mal durch die Presse. Und nicht nur in Kalifornien, auch hier in Deutschland. Wer meint diese Wetterextreme seien ein einmaliges Ereignis gewesen, ignoriert alle Beobachtungen und Forschungsergebnisse. Doch welche sind die Handlungsräume der Landschaftsarchitektur und wie nutzen wir diese?
Seit nunmehr vier Jahrzehnten arbeite ich mit internationalen Kollegen an einer nachhaltigen und resilienten urbanen Landschaftsarchitektur. Wasser ist bei allen Fragen des Klimaausgleiches der zentrale Schlüssel. Sowohl in überregionalen Maßstäben als auch in scheinbar zu vernachlässigenden kleinen Details. Wir wissen in unserer Profession, wie grüne und blau-grüne Infrastruktur wirkt. Und wir wissen, dass es notwendig ist, diese bereits sehr früh durch multifunktionale Abstimmungsprozesse in den Städten und im Landschaftsbau zu integrieren.
Die Realität sieht jedoch leider anders aus. Gerade jetzt wo die Konjunktur auf Hochtouren läuft und der Bausektor boomt – im Wohnungsbau, Gewerbe und in Infrastrukturen der Mobilität und Energieversorgung – werden viele Chancen den Wasserhaushalt zu stabilisieren und Vegetation in neuen Formen einzubringen vergessen, vertan und nicht genutzt. Ist die Branche der grünen Berufe trotz einiger Aktiven wiedermal unfähig, zu leise, zu spät, zu verschlafen? Es ist beschämend, wenn das Thema von anderen Berufsgruppen wie Tiefbauingenieuren, Hochbauarchitekten, Stadtplanern, Soziologen oder Ärzten vermehrt aufgegriffen wird und sich in öffentlichen Debatten eher Vertreter aus Wissenschaft, Politik und aus den „Grauen Berufen“ zu Wort melden.
Dabei hätten gerade Landschaftsarchitekten, Ökologen und Gestalter der Grünbereiche die besten Argumente. Wenn, ja wenn, sie die Wertgewinne und die Kapitalbildung resilienter und als ökologisch nachhaltige Maßnahmen herausstellen. Es geht darum in der Herausforderung, eine Chance zu sehen. Eine Chance für einen gesellschaftlichen Gewinn. Kaum einer weiß, dass wir durch Maßnahmen wie Forest Bathing und Biophilia-Effekte auch die Gesundheit der Menschen fördern, zu mehr Bewegung animieren sowie zur Prävention von Burn-out und Depression beisteuern können. Wir als Landschaftsarchitekten aber wissen es. Würden wir den regenerativen Mehrwert grüner Projekte besser kommunizieren, würden wir mehr gehört und hätten einen größeren Impact. Das betrifft ebenso Kostenvergleiche. Denn die Kosten steigen extrem, wenn wir jetzt nicht handeln.
Wir müssen Farbe bekennen. Das heißt, sich öffentlich zu äußern, aber auch fachlich besser aufgestellt sein und gut gebaute Zeichen setzen, die Vertrauen schaffen und Mut machen. Dazu zählt auch die Ausbildung der nächsten Generationen in kreativer Adaption an den Klimawandel sowie die Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen zu verbessern. Letztendlich geht es darum, statt Bürokratie und Normenverwaltung die Bürger mitzunehmen und den gesunden Menschenverstand wieder zu fördern.