London braucht eine Antwort: Die Metropole wächst, und zwar so gut wie ungebremst. Wenn die Londoner morgens via Tube, Bus oder Auto zur Arbeit fahren, kommt das Verkehrsnetz schon jetzt regelmäßig zum Erliegen. Wie es in einigen Jahren sein wird, kann man sich in Etwa ausmalen. Diverse Konzepte sollen der Bevölkerung deshalb das Zufußgehen und Fahrradfahren schmackhaft machen. Eins davon ist die London Underline von Gensler.
In großen Metropolen fehlt es oberirdisch oft an Platz, im Untergrund gibt es hingegen häufig ungenutzte U-Bahnschachte und Wartungswege. Das ist der Grundgedanke hinter der London Underline. Warum nicht diese Wege nutzen und Fahrradfahrern einen ungestörten Weg unterhalb der Stadt bieten? Ob das Projekt jemals zur Realität wird ist fraglich, denn viele Punkte werden nicht geklärt: Wie sieht die Anbindung an den oberirdischen Verkehrsraum statt? Und wie genau würde ein potenzieller Angstraum wie die langen Tunnel in angenehme Fahrbahnen verwandelt? Die London Underline – eher ein rebellischer Gedankenanstoß.
Um den individuellen Anforderungen der Landschaft des Forschungslabors MAX IV in Lund, Südschweden, gerecht zu werden, machte sich das norwegisch/US-amerikanisches Büro Snøhetta auf die Suche nach innovativen Ideen. Das Forschungsinstitut für Synchrotronstrahlung stellt den ersten Teil einer größeren Transformation der Region von einer Kulturlandschaft zur ’Science City’ dar. Damit die Bevölkerung das Gelände als Naherholungsort nutzt, soll es den Charakter eines grünen, öffentlichen Parks haben. Der Landschaftsarchitektur liegen vier Kriterien zu Grunde, die sich aus den Anforderungen des Areals ergeben.
Minderung der Bodenvibrationen
Böschungen und chaotisch modellierte Oberflächen reduzieren die Zahl an Bodenvibrationen der benachbarten Schnellstraße. Je flacher die Landschaft, umso stärker stören die Vibrationen wissenschaftliche Experimente des Labors. Die Anordnung der Hügel wurde in 3D mit Grasshopper – einem Rhino Plugin – modelliert. Für den Entwurf werden einzelne Schwingungen in rationale Messwerte übersetzt und in ein generisches Modell eingefügt. Die Landschaftsarchitekten fanden heraus, je chaotischer die Kombination an Wellen, umso geringer die Lärmemissionen.
Massenbilanz
Snøhetta entwickelten eine Strategie, Auf- und Abtragsmassen auszugleichen, indem sie abgetragene Massen des Geländes widerverwenden. Damit können sie sicherstellen, das Areal zu einer landwirtschaftlich genutzten Fläche zurück zu wandeln, falls das Labor eines Tages nicht mehr in Betrieb sein sollte. GPS gesteuerte Planierraupen können durch das Lesen des digitalen 3D Modells die Landmassen exakt an die richtige Stelle platzieren.
Regenwassermanagement
Das Stadtplanungsamt von Lund schreibt vor, das anfallendes Regenwasser innerhalb der Flurgrenzen versickern muss. Grasmulden und mit Wasser gefüllte Retentionsbecken haben entsprechende Kapazitäten aufzufangen, selbst Jahrhundertregen werden sie gerecht.
Pflanzauswahl und Pflege
Die Entdeckung eines nahe gelegenen Naturschutzgebietes ermöglichte es, eine Auswahl heimischer Arten zu verwenden, indem man Heu erntete und auf der neuen Hügellandschaft verbreitete. Für die Pflege der Hügellandschaft grasen Schafe.
Insgesamt brachten die vier Entwurfskriterien eine einzigartige futuristische Landschaft hervor, die mit dem Kontext auf natürliche Weise verschmilzt. Das Landschaftsbild von Wiesenvegetation auf artifiziell anmutenden Hügeln setzt neue Standards für Naherholungsräume von Forschungseinrichtungen.
Der Bau des neuen Wohngebiets „6-Seen-Wedau – Wohnen am Wasser“ startet mit einem Rekord: Die längste Klimawand der Welt soll entstehen. (Foto: Redaktion Jensen media)
Der Bau des neuen Wohngebiets „6-Seen-Wedau – Wohnen am Wasser“ hat begonnen und startet mit einem Rekord: Die längste Klimawand der Welt mit einer Länge von 2,6 Kilometer soll entstehen.
3 000 Wohneinheiten & 40 000 Quadratmeter Natur
Das neue Wohngebiet „6-Seen-Wedau – Wohnen am Wasser“ in Duisburg ist das derzeit größte Stadtentwicklungsprojekt in Nordrhein-Westfalen. Teil des Wohngebiets ist eine 2,6 Kilometer lange und 10 Meter hohe grüne Lärmschutzwand. 13 000 Kletterpflanzen werden die längste Klimawand der Welt ausstatten. Sie soll den künftigen Bewohner*innen von 6-Seen-Wedau Lärmschutz vor dem angrenzenden Bahnverkehr gewähren und zugleich 40 000 Quadratmeter Natur bieten. Darüber hinaus stellt die Klimawand einen geschützten Lebensraum für die in der Region lebenden Zauneidechsen dar.
Das Wohngebiet entsteht auf den ehemaligen Bahnflächen des Rangierbahnhofs Wedau und wird in den nächsten Jahren fertiggestellt. Die Klimawand soll schon Ende 2022 komplett sein. 6-Seen-Wedau wird bis zu 3 000 Wohneinheiten in vier unterschiedlich gestalteten Quartieren bieten.
Foto: Redaktion Jensen media
Die „Rau Klimawand R3“ in 6-Seen-Wedau
Die Klimawand in 6-Seen-Wedau kommt vom Spezialanbieter „Rau Lärmschutzwände“ mit Sitz in Berlin. „Die Lärmschutzwand in Duisburg-Wedau sprengt wirklich alle bisherigen Dimensionen. Toll, dass sich die Stadt und die Duisburger GEBAG als Baugesellschaft für diese besonders nachhaltige und ökologische Lösung des Lärmschutzes entschieden haben“, sagt Henning Knief, Geschäftsführer der Rau Lärmschutzwände – Geosystem GBK GmbH aus Berlin.
Der Luftschalldämmungswert der Klimawand liegt bei 68 dB. Die gesamte Länge des Neubaugebiets ist von der Wand geschützt. Die Bahnstrecke zwischen Duisberg-Wedau und Ratingen ist viel befahren, weshalb der Schutz wichtig ist.
Aber auch die Umweltfreundlichkeit der Wand spielt eine wichtige Rolle. Michael Streck, Projektleiter der GEBAG Flächenentwicklung, sagt dazu: „Die Nähe zur Natur spielt für Investoren und zukünftige Anwohner schon jetzt eine große Rolle: Wir haben über 800 Anregungen von 300 Bürgerinnen und Bürgern in unsere Stadtteilplanung einfließen lassen – viele große Grünflächen sollen das Stadtbild mitprägen. Klar, dass wir auch bei der Wahl unserer Lärmschutzwand eine umweltfreundliche Lösung finden wollten“, so Streck.
Nachhaltiger Bau
Bei der Klimawand in 6-Seen-Wedau ist der Name Programm, denn auch in ihrer Herstellung ist sie ressourcensparend. „Beton ist in der Herstellung wahnsinnig energieaufwändig und entspricht einfach nicht mehr unserem heutigen Verständnis von Ökofreundlichkeit. Für die Füllung unserer Klimawand wurde durch ein kluges Bodenmanagement sowohl zugeliefertes als auch örtlich angefallenes Material verwendet, das bei der Umsetzung des neuen Stadtteils sowieso angefallen wäre“, so Henning Knief.
Dabei wurde lokal gewonnener Erdboden in den Stahlkorb der Mauer gefüllt, was die Begrünung der Mauer durch örtliche Pflanzen begünstigt. Die Kletterpflanzen brauchen nur die übliche anfängliche Pflege und sind danach quasi wartungsfrei. Sie haben außerdem eine lange Lebensdauer von mindestens 80 Jahren und können große Mengen an CO2 aufnehmen. So wird die Wand schon nach wenigen Jahren eine positive Klimabilanz aufweisen.
Zum Schutz der örtlichen Fauna erklärt Michael Streck: „Auf dem Wall wurden Ersatzquartiere für die heimischen Zauneidechsen eingerichtet. Außerdem finden sich im Lärmschutzwall einige Durchlässe für die Zauneidechsen, sodass sie je nach Tageszeit unkompliziert und sicher auf die sonnigere Seite wechseln können.“
Über das Projekt in Duisburg-Wedau
Das neue Wohnquartier in Wedau soll etwa 60 Hektar groß sein und sowohl Miet- als auch Eigentumswohnungen bieten. Das „Team Wedau“ hat über 800 Anregungen von Bürger*innen gesammelt, um das Quartier am Wasserturm, die Neue Gartenstadt, das Seequartier und das Quartier am Uferpark partizipativ zu gestalten. „Wir haben das gesamte Wohngebiet sehr großflächig geplant. Wir wollen nicht nach dem Maximalprinzip alles mit Immobilien zupflastern, sondern den Quartieren mit ihren individuellen Ansprüchen an Wohnen und Architektur genügend Platz zur Entfaltung geben“, so Projektleiter Michael Streck.
Die Sechs-Seen-Platte, die dem neuen Wohngebiet 6-Seen-Wedau seinen Namen gibt, besteht aus dem Masurensee, dem Warmbachsee, dem Böllertsee, dem Wildförstersee, dem Wolfssee und dem Haubachsee in Duisburg-Wedau. Zukünftige Anwohner*innen profitieren von der hohen Freizeitqualität der Umgebung. Das neue Bauprojekt wertet das neue Viertel auf und bietet viele Grün- und Erschließungsflächen, die auch für Investor*innen interessant sind. Zentrale Bauten wie der denkmalgeschützte Ziegelwasserturm bleiben bestehen. Insgesamt soll 6-Seen-Wedau durch die unmittelbare Nähe zur Natur und durch viele Grünflächen geprägt werden – allen voran die längste Klimawand der Welt, die sicherlich auch Besucher*innen von außerhalb anziehen wird.
Nicht nur Lärmschutzwände können klimafreundlich gestaltet werden, sondern auch Dächer. Erfahren Sie hier alles Wichtige zum Thema Dachbegrünung.