unliebsame Orte mit einem roten Rahmen zu fotografieren. Foto: DTP

Spätestens seitdem die Stuttgarter sich gegen den Umbau ihres Bahnhofs aufgelehnt haben, weiß jeder Politiker, dass Projekte im städtischen Raum ohne Beteiligung der Zivilgesellschaft nicht durchzusetzen sind. Die Profession der Freiraumplaner weiß das schon länger. Aber was bedeutet Bürgerbeteiligung konkret für den Arbeitsalltag?

Lange ist es her, dass die Entstehung unserer Städte einzelnen Experten zugeschrieben wurde. Der Blick in die Geschichtsbücher verweist zwar immer wieder auf große Namen, aber das Werk einzelner war der Bau von Städten und Stadtquartieren sicherlich auch in der Vergangenheit nicht. Vielmehr sind Städte und ihre öffentlich zugänglichen Räume immer das Produkt vieler Akteure. Seit den 80er-Jahren werden auch die Bürger als wichtige Stakeholder gesehen und an Entscheidungsprozessen beteiligt. Beteiligung ist also eigentlich ein altes Thema. Warum ist es jetzt wieder auf der Agenda? Spätestens seit Stuttgart 21 wissen wir, dass Bürger bei der Gestaltung von Stadträumen gehört und vor allem Ernst genommen werden wollen. Aber nicht nur dieser negative Druck rückt Beteiligung wieder in den Fokus vieler Debatten. Auch Projekte und Initiativen der Teilhabe, der experimentellen und pionierartigen Gestaltung von Freiräumen durch zivilgesellschaftliche Gruppierungen zeigen, dass die Menschen die Räume ihrer Stadt mitgestalten wollen.

Soviel der Theorie: Aber wie sieht die Praxis aus? Welche Rolle spielt Beteiligung in Projekten der Freiraumplanung? Wie wird mit den verschiedenen Akteuren kommuniziert und kooperiert? Was bedeutet das für den Alltag von Landschaftsarchitekten? Diese Fragen könnten Gegenstand eines Forschungsprojekts sein. Da es das nicht gibt, wurden einzelne Einschätzungen unterschiedlicher Kollegen zusammengetragen. Unter ihnen sind sowohl solche, die durch innovative Formen der Beteiligung auf sich aufmerksam gemacht haben, als auch Kollegen, die in den vergangenen Jahren lernen mussten, dass die Qualifizierung von öffentlichen Räumen nur gemeinsam mit vielen Akteuren zu realisieren ist.

Bereicherung für den Entwurfsprozess

Eine Neu- oder Umgestaltung eines Platzes oder Parks sei ohne die Beteiligung kaum mehr zu denken, sagt Martin Diekmann von lad+. Aber auch bei der Planung von Spielplätzen oder Schulen werden die künftigen Nutzer, also die Kinder und Jugendlichen, mit eingebunden. Ob verborgene Besonderheiten aufgedeckt oder abstrakte Wünsche eingefangen werden, fantasievolle Ideen werden oft als Bereicherung für Entwurfs- und Gestaltungsprozesse empfunden. Weniger bereichernd werden herkömmliche Beteiligungsprozesse mit Erwachsenen gesehen. Wenn Beteiligung nur pflichtgemäß abgehakt wird, also Ideen und Entwürfe frontal präsentiert und dann von den Bürgern kommentiert werden dürfen, dominieren nicht selten männliche Rentner im „Meckermodus“ die Stimmung. Sie torpedieren Entwürfe und Ideen, in dem sie sich an einzelnen Aspekten – gerne wegfallenden Parkplätzen oder Bäumen – festbeißen. Zum konstruktiven Dialog oder gar gemeinsamen Entwickeln von Ideen sind sie nur schwer zu bewegen. Harald Fritz von der Planergruppe Oberhausen führt dies auf Erfahrungen in der Bauleitplanung zurück. Dort kann man lediglich kritisch auf Vorschläge reagieren. Konstruktive Ideen sind nicht gefragt.

Es bedarf verschiedener Herangehensweisen und Formate, um aus lästigen Beteiligungsveranstaltungen, bereichernde Prozesse zu machen. Einige Landschaftsarchitekturbüros experimentieren in diesem Bereich selber und haben im Laufe der Jahre reiche Erfahrungen gesammelt. So haben DTP Landschaftsarchitekten kürzlich zum Beispiel Kinder erfolgreich in die geheime Mission „Spielplatzumgestaltung“ eingebunden. Als Geheimagenten wurden sie auf den Weg geschickt, um herauszufinden was vor Ort nicht stimmt, was fehlt. In kleinen Tüten sammelten sie Fundstücke, die sie nachher in Collagen verarbeiten. Viel hilfreicher war für die Gestalter aber, die Kinder vor Ort zu beobachten, ihre Wege und Bewegungsmuster zu sehen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Ob bei Detektivspielen Verborgenes aufgedeckt oder ab-strakte Wünsche wie zum Beispiel nach „blauen Tischtennisplatten“ eingefangen werden, die fantasievollen Ideen von Kindern werden als Bereicherung für Entwurfs- und Gestaltungsprozesse empfunden. […]

 

Im kompletten Artikel werden neben dem Büro lad+ und der Planergruppe Oberhausen auch DTP Landschaftsarchitekten vorgestellt. Lesen Sie den vollständigen Artikel in Garten + Landschaft 11/2015 – Köpfe | Fragen | Zukunftsfelder.

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Mitten in der Hamburger Altstadt soll ein städtisches Parkhaus in der Neuen Gröningerstraße zu einen Bauprojekt mit bezahlbarem Wohnen und Räumen für Kleingewerbe, Kultur und Soziales werden. Angestoßen hat das alles die Initiative „Altstadt für Alle!“. Wie realistisch die Umsetzung des Projektes ist, lesen Sie hier.

Parkhaus Gröningerstraße: Wohnfläche statt 650 Autos

Die Idee, Parkhäuser unter anderem in Wohnhäuser umzunutzen ist nicht neu. Vor dem Hintergrund von Wohnungsknappheit und einer notwendigen Mobilitätswende steht aber die Frage, was künftig mit den immer weniger ausgelasteten Parkhäusern in unseren Städten passieren soll, aktueller denn je. Das Projekt um das Parkhaus in der Neuen Gröningerstraße 12 in Hamburg zeigt dabei gewissermaßen einen Idealtypus innerstädtischer Konversion.

Das Parkhaus in der Neuen Gröningerstraße um das es geht, ist ein zweckmäßig gehaltener und mittlerweile etwas heruntergekommener Plattenbau aus den frühen 1960ern. Kein Schmuckstück also, ganz im Gegenteil, aber mit hervorragender Lage mitten in der Hamburger Altstadt. Seit seiner Sperrung Ende 2020 fährt hier ohnehin kein Auto mehr ein oder aus. Federführend bei der jetzigen Weiterentwicklung des Parkhauses ist die Genossenschaft Gröniger Hof, die sich 2018 aus der Initiative „Altstadt für Alle“ bildete.

„Was man fürs Wohnen braucht, haben wir hier nicht“

Die Stadt Hamburg hat der Genossenschaft Grundstück und Parkhaus im Erbbaurecht überlassen. Statt es abzureißen und einen Neubau hochzuziehen, will man so viel der vorhandenen Bausubstanz des Parkhauses weiter nutzen. Das spart nicht nur Bauzeit und -kosten. Das schont auch die CO2-Bilanz, weil es den Verbrauch von klimaintensivem Beton minimiert – ein rasant wichtiger werdendes Thema. Vor kurzem wurden nun die Pläne bekannt, nach denen das ehemalige Parkhaus in der Gröningerstraße umgestaltet werden soll. Sie gewannen den für das Vorhaben ausgelobten Architekturwettbewerb und stammen aus der Feder des unter anderem in Hamburg ansässigen Büros Duplex Architekten.

Ihr Entwurf sieht einen großzügigen Innenhof vor, der die ansonsten recht abgeschottete Gebäudestruktur öffnet überhaupt erst bewohnbar macht. Für den verantwortlichen Architekten Christof Weber eine der schwierigsten Herausforderungen beim Parkhaus in der Gröningerstraße, denn wie er gegenüber dem NDR verdeutlichte: „Alles was man fürs Wohnen braucht, haben wir hier nicht. Wir müssen Licht reinbringen und brauchen Luft.“

Holzbauelemente werden den Sockel und die übrigen Geschossaufbauten ergänzen, so dass im Parkhaus Gröningerstraße je nach Detailplanung zwischen 70 und 84 Wohneinheiten entstehen. Das Erdgeschoss steht dabei der Öffentlichkeit frei und wird kleinteilige Gewerbeflächen bieten. Auf dem Dach des Gebäudes ist ein Grünbereich mit Beeten und gemeinschaftlichen Nutzungsflächen vorgesehen. Bis 2025 soll das Parkhaus in der Gröningerstraße bezugsfertig sein. Die Kosten für die Konversion werden circa 28 Millionen Euro betragen.

Mehr zur Umnutzung des Parkhauses Gröningerstraße erfahren Sie auf der Webseite der Genossenschaft Gröninger Hof.

Eine weitere Parkfläche die vor einer Veränderung steht: Der Schillerplatz Ludwigsburg. Der Platz soll zum grünen Salon werden. 

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