Die News im April

Horst Seehofer befürwortet Mietendeckel-Aus in Berlin

Was passiert in der Welt der Planung? Worüber sprechen Ihren Kolleg*innen morgens an der Kaffeemaschine? In unserer Presseschau fassen wir wöchentlich die wichtigsten Neuigkeitenaus der Landschaftsarchitektur und Stadtplanung für Sie zusammen. Diese Woche: Die Eröffnung der BUGA in Erfurt trotz hohen Inzidenzzahlen, die Preisverleihung des Deutschen Städtebaupreis 2020, das Mietendeckel-Aus in Berlin sowie das Event „WILA 24h – Women in Landscape Architecture“ das Anfang Juni stattfindet.

BUGA Erfurt bei Inzidenz von 181,1 eröffnet. Ärger um fehlende Corona-Teststationen gab es bei der Eröffnung der BUGA-Erfurt vergangenen Freitag. Die CDU-Stadtratsfraktion kritisierte zudem den Umgang mit Gastronom*innen auf und außerhalb des Geländes. Und sieben Feldhasen futterten zudem den gesamten BUGA-Kohlrabi weg. Alles zum BUGA-Auftakt hier.

Städtebaupreis 2020. Vergangenen Freitag fand die Preisverleihung des Deutschen Städtebaupreis 2020 im Live-Stream statt. Auszeichnungen gab es unter anderem für das Projekt „Waller Sand“ von A24 Landschaft und „Stadtquartier Neckarbogen“ in Heilbronn. Der erste Preis ging nach Berlin. Um welches Projekt es sich hierbei handelt, lesen Sie hier.

Bundesinnenminister Seehofer froh über Mietendeckel-Aus. Der Berliner Senat hat im Zuge des Mietendeckel-Aus die „Sicher-Wohnen-Hilfe“ auf den Weg gebracht. Das Darlehen kann seit dieser Woche beantragt werden. Alles was Sie zum Mietendeckel wissen müssen, warum er scheiterte und warum Horst Seehofer froh darüber ist, lesen Sie hier.

Genauso viel Freiraum- wie Wohnraumflächen für Stadtbewohner

Allokationsbericht des Bundes für Grüne Bundeswertpapiere. Vergangene Woche veröffentlichte der Bund zum ersten Mal einen Allokationsbericht für die 2020 emittierten Grünen Bundeswertpapiere. Der „Green bond allocation report 2020“ informiert Investor*innen transparent und verbindlich über Ausgaben aus den Umwelt- und Klimaschutzprogrammen der Bundesregierung. Was Sie zum Bericht wissen müssen, das haben wir hier zusammengetragen.

Event „Women in Landscape Architecture“. Am 5. und 6. Juni findet in Berlin-Kreuzberg ein Wochenende lang das Event „WILA 24h – Women in Landscape Architecture“ statt. Den Auftakt bildet ein Generationen-Gespräch mit der Berliner Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Alle Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.

MDR-Interview mit Cathrin Schmidt. Im Zuge der Pandemie fordert die Direktorin des Instituts für Landschaftsarchitektur der TU Dresden im Gespräch mit MDR Thüringen genauso viel Freiraum- wie Wohnraumfläche für Stadtbewohner. Welche Chancen Schmidt im Earth Overshoot Day sieht, lesen Sie hier.

Wien wird grüner

Mietendeckel-Aus in Berlin. Vergangene Woche wurde publik, dass das Bundesverfassungsgericht den Berliner Mietendeckel für verfassungswidrig erklärt hat. Seitdem drohen zehntausenden Berliner Haushalten hohe Nachzahlungen. Der Senat bietet nun eine Überbrückungshilfe für Mieter*innen an. Alles zum Mietendeckel-Aus, den Hintergründen sowie den Reaktionen von Bundesinnenminister Horst Seehofer und Co. lesen Sie hier.

Endspurt Deutscher Landschaftsarchitektur-Preis. Diesen Freitag findet die Jurysitzung für den Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2021 statt. Welche Projekte zur Wahl stehen, haben wir Ihnen hier nochmal zusammengefasst.

Wiens Weg zu mehr Grün. Wiens rot-pinke Regierung will Österreichs Hauptstadt grüner gestalten. In ihrem Regierungsprogramm plant die Koalition aus SPÖ und Neos den Grünflächenanteil von derzeit 53 Prozent zu erhöhen und etwa 25 000 neue Stadtbäume zu pflanzen. Nun rief die Stadt zusätzlich einen Ideenwettbewerb aus. Unter #wienbegrünen sucht sie bis Mitte Mai partizipativ weitere grüne Projekte. Die ersten eingereichten Ideen stellen wir Ihnen hier vor.

Vorträge namhaften Planer*innen jeden Dienstag auf YouTube

Deutscher Nachhaltigkeitspreis Architektur 2022. Zum neunten Mal prämiert der Preis dieses Jahr außergewöhnliche Leistungen der Architektur. Vergangenes Jahr gewann mitunter das im Rahmen der BUGA Heilbronn entstandene SKAIO-Gebäude. Alles zum Preis und der Bewerbung bis zum 15. Juni 2021 hier auf garten-landschaft.de.

Hot Spots der Stadtentwicklung. Das Referat „Digitale Stadt“ der Stadt Leipzig lädt für heute Donnerstag, 22. April, zur Veranstaltungsreihe „Hot Spots :: Der Stadtentwicklung“. Gesprächsthema der Reihe sind die Chancen von Innovationswettbewerben als Form der Kooperation von Kommunen und Start-ups zur Umsetzung von Digitalisierungsprojekten. Mehr dazu hier.

Dienstags um 7. Die Fakultät für Architektur und Landschaft der Leibniz Universität Hannover startet am 27. April 2021 eine neue öffentliche Vortragsreihe. Immer dienstags um 19 Uhr streamt die Fakultät Vorträge von namhaften Planer*innen auf ihrem Youtube-Kanal. Den Start macht die niederländische Architektin Anne Holtrop mit einem Beitrag zum Thema „Site, Matter, Gesture“. Werfen Sie hier einen Blick auf alle Gäste und Themenfelder.

Neue Strategie für die Rechte von Menschen mit Behinderungen

Wels wird „Smart Sustainable City“. Singapur, Moskau, Montevideo und nun Wels. Als erste österreichische Stadt darf sich die Gemeinde Wels „Smart Sustainable City“ nennen – inklusive Zertifikat von der UNO-Organisation ITU und deren „United for Smart Sustainable Cities“-Programm (U4SSC). Mehr dazu bei den Kolleg*innen von a3bau.

Blumen im Eis, Blumen im Weltall. Der japanische Künstler Azuma Makoto hat für ein experimentelles Kunstprojekt Blumen bzw. Pflanzen an außergewöhnlichen Orten drapiert. Die beeindruckenden Bilder zeigen uns hier die Kolleg*innen von designboom.com.

Neue EU-Strategie für Menschen mit Behinderung. Anfang März legte die EU eine neue Strategie für die Rechte von Menschen mit Behinderungen (2021–2030) vor. Sie will damit die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen stärken und auf europäischer Ebene ausweiten. Alles zu den einzelnen Maßnahmen lesen Sie hier.

Weiterentwicklung grüner Infrastrukturen

Landesgartenschau Ingolstadt eröffnet digital. Nach aktuellem Stand wird die Ingolstädter LGS nächste Woche Mittwoch, 21. April, offiziell eröffnet. Zu der digitalen Feierlichkeit sind unter anderem der Ministerpräsident Markus Söder, Staatsminister Thorsten Glauber und Oberbürgermeister Christian Scharpf geladen. Alles zur Eröffnung erfahren Sie hier.

Runde 2 für Green Urban Labs. Die zweite Runde des Modellvorhabens Green Urban Labs II ist in Vorbereitung. Für das neue ExWoSt-Forschungsfeld sucht das BBSR Strategien für die zukunftsgerechte Weiterentwicklung grüner Infrastruktur in wachsenden Kommunen. 50 000 Euro stehen pro Projekt zur Verfügung. Alles dazu hier.

Hausverkauf à la Tom Cruise

Gartentier des Jahres 2021. Die Heinz Sielmann Stiftung sucht aktuell das Gartentier des Jahres. Insgesamt stehen sechs Kandidat*innen zur Wahl. Um welche tierischen Zeitgenoss*innen es sich dabei handelt und wie Sie abstimmen können, das lesen Sie hier.

Architektur-Biennale startet im Mai. Vorausgesetzt, es bleibt bei den aktuellen Plänen. Dann beginnt die 17. Internationale Architektur-Biennale in Venedig für das Publikum trotz der Corona-Pandemie am 22. Mai. Alles dazu bei den Kolleg*innen vom Baumeister.

Wettbewerb für Fliegerhorst in Erding. Noch bis zum 10. Juni haben insgesamt 14 Büros – darunter Adept und Octagon – die Möglichkeit, ihre Konversions-Ideen für die Entwicklung des Fliegerhorstgeländes in Erding einzureichen. Für die Teilnehmer*innen findet heute, am 15. April, in der Stadthalle ein Rückfragencolloquium statt. Alles zum Wettbewerb bei den Kolleg*innen der SZ.

Hausverkauf à la Tom Cruise. Etwas fürs Fernweh und die Neugier, in andere Häuser zu schauen: Wie die Kolleg*innen von „Der Standard“ berichten, will Tom Cruise seine Bergranch in Colorado verkaufen. 1,2 Quadratkilometer Grund für 33 Millionen Euro. Welch ein Schnäppchen. Hier geht es zu den Bildern.

Wann bin ich im Homeoffice versichert?

Junge Designerinnen setzen auf indigene Stadtplanung. Wie mehrere internationale, junge Designerinnen – darunter die Zukunftsforscherin Monika Bielskyte und die thailändische Landschaftsarchitektin Kotchakorn Voraakhom – mit indigenen Techniken moderne Städte lebenswerter und krisenfester machen wollen, dazu berichtet aktuell Spiegel-Online.

mdr-Interview mit Frank Eckardt Eine „große Pleitewelle“ befürchtet Stadtplaner und Bauhaus-Uni-Professor Frank Eckhardt für die deutschen Innenstädte und fordert eine Innenstadt-Taskforce. Zum Interview geht es hier.

20 Prozent beim Baumeister. Das Architekturmagazin Baumeister feiert 10 000 Follower*innen bei Instagram. Wir feiern mit! Als Dank schenken unsere Baumeister-Kolleg*innen und wir von der G+L Ihnen im April 20 Prozent auf all unsere Georg-Media-Hefte und -Abos. Dazu gehören unter anderem der Baumeister, die G+L und das topos magazine. Den Code, den Sie dafür benötigen, finden Sie hier.

Wann bin ich im Homeoffice versichert? Eine Frage, die uns alle schon beschäftigt hat. Unsere Kolleg*innen von NXT A beantworten sie.

EU-Digitalziele für 2030

Landesgartenschau Überlingen startet vorerst nicht. Seit Ende März ist es offiziell – auf Grund des aktuellen Infektionsgeschehens in Deutschland wird die Landesgartenschau in Überlingen nicht wie geplant am 9. April öffnen. Erst sobald die Zahl der Inzidenz fünf Tage lang unter 100 liegt, können Besucher*innen auf das Landesgartenschau-Gelände. Alles ist bereit, nur der Inzidenzwert muss passen. Alle Informationen dazu hier.

Pop-Up-Radwege setzen sich langfristig durch. Sie waren als kurzfristige Lösung zu Beginn der Corona-Pandemie gedacht, nun sollen sie dauerhaft bleiben – die Pop-Up-Radwege in Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg und in München. Welche Vorteile bringen die Fahrradstreifen tatsächlich? Wir haben es untersucht.

Bund fördert Haus der Statistik. Neben 23 weiteren Projekten fördert das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ das Haus der Statistik in Berlin-Mitte. Nach zehn Jahren Leerstand soll der DDR-Gebäudekomplex gemeinwohlorientiert entwickelt werden. Der Bund steuert 3,27 Millionen Euro bei, das Land Berlin 1,63 Millionen Euro. Mehr dazu hier.

EU-Digitalziele für 2030. Und noch mehr aus dem digitalen Zeitalter! Letzte Woche Dienstag legte die EU-Kommission ein Strategiepapier vor, wie bis 2030 die digitale Kompetenz in unserer Gesellschaft gefördert werden soll. Zu den Zielen zählt, dass sämtliche Haushalte eine Gigabit-Anbindung haben sowie alle wichtigen öffentlichen Dienste online verfügbar sein sollen. Die Ziele von „Europas digitaler Kompass“ im Überblick.

Mega-Kunstlager für den Louvre

Bewegt sich was? Auf dabonline.de kommentiert BAK-Vorstand Rolf Westerheide aktuelle Entwicklungen der deutschen Stadtplanung im Zuge der „pandemischen Krise“. So scheint „das Stadtmodell der Shopping-Malls, System-Gastronomien, Bürogebäude, Parkflächen und des Individualverkehrs an sein Ende gekommen“ zu sein. Wir lassen das hier unkommentiert stehen – machen Sie sich hier selbst ein Bild.

Gehen unsere Innenstädte vor die Hunde? Und wenn, welche Konzepte gibt es, um dem entgegenzuwirken? Hier stellen die Kolleg*innen vom Handelsblatt unterschiedliche Ideen vor. Darunter: Kosmetik-Filialen, die zu Spas werden und Baumärkte, die mit Workshops werben.

Auf nach Litauen. In der Rubrik „Metropolis Explained“ diskutieren unsere Kolleg*innen vom internationalen topos magazine regelmäßig den Puls, das tatsächliche Wesen einer internationalen Metropole. Aktuell geht die Reise auf toposmagazine.com nach Vilnius – reisen Sie mit.

Der Louvre und seine Mega-Kunstlager. 60 Millionen Euro kostete das 18 500-Quadratmeter-Depot des Louvre im nordfranzösischen Département Pas-de-Calais. Der neue Kunstbunker gilt als einzigartig. Rund 250.000 Werke soll er sicher aufbewahren. An der Gestaltung war das britische Architekturbüro Roger Stirk Harbour + Partners beteiligt. Mehr dazu auf restauro.de.

Hier geht es zu den Neuigkeiten im März.

Erhalten Sie diese Presseschau regelmäßig in Ihrem Postfach: Hier geht es zum Newsletter.

Das könnte Sie auch interessieren
Die Kubushäuser in Rotterdam überbrücken eine vielbefahrene Straße. Bildquelle: Pxfuel
Die Kubushäuser in Rotterdam
porous City, Cover: Birkhäuser
Porous City: From Metaphor to Urban Agenda – Buchrezension
Wettbewerb Salach 1. Preis: Gemeinschaftshaus mit Bürgergarten (Visualisierung: Studio LEK und ah Landschaftsarchitekten)
Wettbewerb für ein Gemeinschaftshaus in Salach
Sicherheit – Die neue G+L im April 2025!
Der Bremer Überseepark – ein Eldorado für Sportler
So könnte die Helmut-Schmidt-Universität bald aussehen. Quelle: h4a Gessert + Randecker Architekten BDA PartG mbB
Neuer Masterplan für Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg
Orte anders denken.
Zu sehen ist der Rappenbachalp auf Höhe der Breitengehrenalpe.
Rappenalpbach soll renaturiert werden
Ein klassischer Bordstein als unscheinbare, aber essentielle Grenze zwischen Gehweg und Straße.
Bordsteinmanagement digitalisiert – wenn Infrastruktur zu Software wird
Europan 15

Intersektionale Stadtplanung – Gender, Herkunft und Barrierefreiheit zusammen denken

Autobahnkreuzung aus der Vogelperspektive – Symbol für vielfältige Wege, Barrierefreiheit und intersektionale Stadtplanung.
Intersektional denken: Gender, Herkunft und Zugang neu verbinden. Foto von Denys Nevozhai auf Unsplash.

Intersektionale Stadtplanung? Klingt nach Soziologenseminar, ist aber längst die Königsdisziplin urbaner Entwicklung. Wer Stadt für alle will, muss Barrieren erkennen, Vielfalt ernst nehmen und die Perspektiven von Geschlecht, Herkunft und körperlicher Verfasstheit gleichberechtigt mitdenken. Was bedeutet das konkret für Planung, Design und Umsetzung? Und wie sieht eine wirklich inklusive, zukunftsfähige Stadt aus?

  • Definition und Ursprung des intersektionalen Ansatzes in der Stadtplanung
  • Warum Gender, Herkunft und Barrierefreiheit nicht einzeln, sondern gemeinsam gedacht werden müssen
  • Praktische Auswirkungen intersektionaler Planung auf Quartiere, Freiräume und Mobilität
  • Aktuelle Herausforderungen und typische blinde Flecken im deutschsprachigen Raum
  • Best-Practice-Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Innovative Beteiligungsformate und Methoden zur Erfassung vielfältiger Perspektiven
  • Relevanz von Daten, Governance und neuen Technologien für inklusive Planung
  • Chancen und Risiken intersektionaler Planung im Kontext von Klimawandel und Digitalisierung
  • Zukunftsausblick: Warum intersektionale Stadtentwicklung kein Add-on, sondern Grundvoraussetzung ist

Intersektionalität: Von der Theorie zur Praxis in der Stadtplanung

Der Begriff „Intersektionalität“ hat in der Stadtplanung längst mehr zu bieten als ein akademisches Modewort. Ursprünglich aus der kritischen Gesellschaftstheorie und den Gender Studies stammend, beschreibt Intersektionalität das Zusammenwirken unterschiedlicher Diskriminierungs- und Benachteiligungsformen. In der Stadtplanung bedeutet das: Menschen erleben Räume nicht isoliert aufgrund eines Merkmals, sondern entlang mehrerer Achsen – etwa Geschlecht, Herkunft und Behinderung – und diese überschneiden sich auf komplexe Weise. Was für den einen ein kleiner Stolperstein, ist für die andere eine unüberwindbare Barriere. Die Frage lautet daher nicht länger: Ist unsere Planung geschlechtergerecht? Sondern: Wem nützt und wem schadet unser Entwurf – und warum?

Diese Perspektive ist alles andere als Luxus. Gerade in urbanen Räumen, wo Vielfalt Alltag ist, führt ein einseitiger Planungsansatz zwangsläufig zu Ausschlüssen. Stadtplanung, die nur auf den „Durchschnittsbürger“ zielt – männlich, erwerbstätig, ohne Beeinträchtigung, mit deutschsprachigem Hintergrund – übersieht einen Großteil der tatsächlichen Nutzer. Intersektionale Planung erkennt an, dass Stadt für viele Menschen unterschiedlich funktioniert. Frauen meiden nachts schlecht beleuchtete Parks, Rollstuhlfahrer stoßen an Kopfsteinpflaster und fehlende Aufzüge, Menschen mit Migrationsgeschichte erleben Diskriminierung in öffentlichen Räumen. Die Summe dieser Faktoren entscheidet über Teilhabe – oder Ausschluss.

Doch wie kommt diese Theorie in die Praxis? Viele Planer kennen die berühmten Checklisten: Gibt es Sitzbänke für Ältere? Sind Wege barrierefrei? Gibt es Orte, an denen sich verschiedene Gruppen sicher fühlen? Intersektionale Stadtplanung geht weiter. Sie fragt nach Wechselwirkungen: Wie beeinflusst die Gestaltung eines Platzes das Sicherheitsgefühl von Frauen mit Migrationsgeschichte am Abend? Wie nutzen Kinder mit und ohne Behinderung einen Spielplatz? Wer bleibt unsichtbar, wenn wir nur nach „der“ Nutzergruppe fragen?

Anspruchsvoll? Sicher. Aber auch lohnend. Denn gute, intersektionale Planung schafft nicht nur Gerechtigkeit, sondern auch Qualität. Räume, die für die „verletzlichsten“ Gruppen funktionieren, funktionieren in der Regel für alle. Gleichzeitig werden Fehler aus der Vergangenheit vermieden: Zu eng gedachte Mobilitätsachsen, isolierte Quartiere, monotone Freiräume, die am tatsächlichen Bedarf vorbeigeplant sind.

Die Herausforderung bleibt: Intersektionalität ist kein Häkchen auf der To-do-Liste, sondern ein kontinuierlicher Reflexionsprozess. Sie verlangt, gewohnte Routinen zu hinterfragen, neue Datenquellen zu nutzen und mutig neue Beteiligungsformen zu erproben. Wer das ernst nimmt, kann Stadtplanung neu denken – als Werkzeug für echte Teilhabe und innovative Urbanität.

Gender, Herkunft und Barrierefreiheit – drei Perspektiven, ein Ziel

Warum reicht es nicht, Gender Mainstreaming, Integrationskonzepte und Barrierefreiheit einfach nebeneinander laufen zu lassen? Weil die Realität komplexer ist als das schönste Organigramm. Jede einzelne Dimension ist für sich schon herausfordernd: Gendergerechte Planung will Geschlechterrollen und ihre Auswirkungen auf Raumnutzung sichtbar machen. Integrationsorientierte Planung sucht Wege, wie migrantische Communities Stadt aktiv mitgestalten können. Barrierefreiheit sorgt dafür, dass Mobilität und Teilhabe für alle möglich werden – unabhängig von Alter, körperlicher Verfassung oder Sinneseinschränkungen.

Doch erst im Zusammenspiel entfaltet sich das volle Potenzial – und die eigentliche Herausforderung. Wer beispielsweise nur die Barrierefreiheit im Blick hat, übersieht, dass Frauen mit Behinderung besonders häufig von Übergriffen betroffen sind, wenn öffentliche Räume schlecht einsehbar oder unzureichend beleuchtet sind. Wer nur auf Gender achtet, vernachlässigt vielleicht, dass viele migrantische Frauen besondere Einschränkungen im Zugang zu Bildung oder Freizeitangeboten erleben. Und wer nur auf Herkunft schaut, verliert schnell die Bedürfnisse älterer Menschen aus dem Blick.

Deshalb ist intersektionale Stadtplanung nicht die Summe vieler Einzelmaßnahmen, sondern ein umfassender Perspektivwechsel. Sie verlangt, dass Planungsprozesse von Anfang an mit vielfältigen Stimmen und Erfahrungen gefüllt werden. In der Praxis bedeutet das, verschiedene Gruppen gezielt einzubeziehen, Daten differenziert zu erheben und Planungsentscheidungen systematisch auf Wechselwirkungen zu überprüfen. Es geht um die berühmte „dritte Ebene“: Zwischen Gender, Herkunft und Barrierefreiheit entstehen Überschneidungen, die neue Anforderungen und Potenziale offenbaren.

Diese Herangehensweise verlangt Mut zum Dialog, Offenheit für Irritationen und die Bereitschaft, eigene blinde Flecken zu erkennen. Es reicht nicht, stereotype Nutzerprofile zu bestätigen. Vielmehr müssen Räume geschaffen werden, in denen sich Unterschiedlichkeit ausdrücken kann – und in denen auch Konflikte konstruktiv ausgetragen werden können. Für Planer heißt das: Flexibilität, Kommunikationsfähigkeit und die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen, sind mindestens so wichtig wie normgerechte Entwürfe.

Das Ziel ist klar: Eine Stadt, in der Vielfalt nicht als Problem, sondern als Ressource verstanden wird. Wo Barrierefreiheit, Gendergerechtigkeit und Integration nicht gegeneinander ausgespielt, sondern gemeinsam gedacht und gestaltet werden. Nur so entsteht Urbanität, die ihren Namen verdient – und Räume, die alle einladen, sich einzubringen.

Intersektionale Planung konkret: Herausforderungen, Instrumente und Best Practices

Intersektionale Stadtplanung klingt nach hehrer Theorie – wird aber längst vielerorts konkret gelebt. Die Herausforderungen sind allerdings beträchtlich. Noch immer dominieren in vielen Städten standardisierte Beteiligungsverfahren, die bestimmte Gruppen systematisch ausschließen. Wer etwa nicht ausreichend Deutsch spricht oder sich in klassischen Gremien nicht wohlfühlt, bleibt außen vor. Auch Datenlagen sind oft lückenhaft: Statistiken zu Mobilität, Nutzung von Grünflächen oder gefühlter Sicherheit werden selten nach Geschlecht, Herkunft und Behinderung differenziert erhoben. Die Folge: Viele Bedarfe bleiben unsichtbar.

Instrumente für intersektionale Planung setzen daher an mehreren Stellen an. Partizipative Formate wie „Stadtspaziergänge“ mit unterschiedlichen Gruppen, Befragungen in leichter Sprache oder digitale Beteiligungsplattformen ermöglichen vielfältige Perspektiven. Besonders wichtig ist die Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen, Sozialverbänden und Community-Organisationen, die Zugang zu schwer erreichbaren Gruppen haben und Vertrauen schaffen können. Auch Kooperationen mit Universitäten und Forschungseinrichtungen gewinnen an Bedeutung, um neue Daten zu erheben und innovative Methoden zu entwickeln.

Ein Blick auf Best-Practice-Beispiele zeigt, dass intersektionale Planung keine Utopie bleiben muss. In Wien etwa wurden bei der Gestaltung neuer Parks gezielt Frauen mit Migrationsgeschichte und Menschen mit Behinderung beteiligt – mit dem Ergebnis, dass Aufenthaltsqualität, Sicherheit und Nutzungsvielfalt spürbar gestiegen sind. In Zürich experimentiert die Stadt mit gender- und barrierebewusster Verkehrsplanung, indem sie Wegebeziehungen, Beleuchtung und Sitzgelegenheiten gezielt aus Sicht verschiedener Nutzergruppen analysiert. In Berlin setzen Quartiersmanagements auf partizipative Mapping-Projekte, bei denen Jugendliche, Seniorinnen und Migranten gemeinsam ihre Räume kartieren und Verbesserungsvorschläge einbringen.

Allerdings gibt es auch Stolpersteine. Intersektionale Planung braucht Zeit, Ressourcen und einen langen Atem. Sie erfordert die Bereitschaft, Planungsprozesse zu öffnen und auch unbequeme Erkenntnisse zuzulassen. Nicht jede Beteiligung führt zu sofort umsetzbaren Ergebnissen – manchmal sind Anpassungen im Verwaltungshandeln, in der Vergabe von Planungsaufträgen oder in der Kommunikation nötig. Doch der Aufwand lohnt sich: Die so entstehenden Räume sind widerstandsfähiger, anpassungsfähiger und werden von mehr Menschen als „ihre“ Stadt wahrgenommen.

Das Fazit aus der Praxis: Intersektionale Stadtplanung ist ein Lernprozess. Sie verlangt neue Kompetenzen, flexible Instrumente und einen langen Atem – aber sie liefert die Grundlagen für eine wirklich inklusive, zukunftsfähige Stadtentwicklung. Wer sich darauf einlässt, kann nicht nur Fehler vermeiden, sondern echte Innovationskraft entfalten.

Digitale Werkzeuge, Governance und der Weg in die inklusive Zukunft

Die Digitalisierung eröffnet auch für intersektionale Stadtplanung neue Horizonte – wenn sie klug genutzt wird. Digitale Beteiligungsplattformen ermöglichen es, Menschen unabhängig von Zeit und Ort einzubinden. Tools wie Online-Befragungen, partizipative Karten oder Virtual-Reality-Simulationen machen es leichter, auch komplexe Sachverhalte verständlich zu vermitteln und barrierearm zu gestalten. Besonders hilfreich sind digitale Zwillinge urbaner Räume, die es ermöglichen, unterschiedliche Nutzungsszenarien für verschiedene Gruppen durchzuspielen – etwa: Wie wirkt sich ein neues Quartier auf die Wege von Rollstuhlfahrern, älteren Menschen oder Eltern mit Kinderwagen aus?

Doch die Digitalisierung ist kein Selbstläufer. Es drohen neue Ausschlüsse: Wer keinen Internetzugang hat, wem digitale Kompetenzen fehlen oder wer sich in digitalen Formaten nicht wohlfühlt, bleibt außen vor. Deshalb müssen digitale Werkzeuge immer mit analogen Formaten kombiniert werden. Hybride Beteiligung ist das Gebot der Stunde: Stadtspaziergänge, Werkstätten und persönliche Gespräche bleiben unverzichtbar – sie müssen jedoch durch digitale Angebote ergänzt werden, um wirklich alle zu erreichen.

Governance ist der zweite zentrale Baustein. Intersektionale Planung braucht klare Verantwortlichkeiten, verbindliche Standards und eine Steuerung, die Vielfalt nicht dem Zufall überlässt. Das beginnt mit politischen Beschlüssen, die Vielfalt zur Leitlinie machen, und endet bei konkreten Vorgaben für Wettbewerbe, Bebauungspläne und Ausschreibungen. Wichtig ist auch, dass Planungsämter und externe Büros entsprechende Kompetenzen aufbauen – etwa durch Fortbildungen, neue Rollen (wie Diversity-Beauftragte) oder interdisziplinäre Teams.

Schließlich braucht intersektionale Stadtplanung eine neue Fehlerkultur. Nicht jeder Versuch wird von Anfang an gelingen. Entscheidend ist, dass Planungsprozesse transparent gemacht werden, dass Kritik willkommen ist und dass aus Rückschlägen gelernt wird. Monitoring und Evaluation sind keine bürokratischen Pflichtübungen, sondern Motoren für Innovation: Welche Gruppen haben teilgenommen? Wer wurde erreicht – und wer nicht? Welche Maßnahmen waren erfolgreich, welche nicht?

Der Weg in die inklusive Zukunft ist anspruchsvoll – aber machbar. Wer digitale Technologien intelligent nutzt, Governance weiterdenkt und eine offene Fehlerkultur pflegt, kann intersektionale Stadtplanung vom Ausnahmefall zur neuen Normalität machen. Die Stadt von morgen ist nicht nur smart, sondern auch gerecht, vielfältig und barrierefrei – wenn wir heute die richtigen Weichen stellen.

Fazit: Intersektionale Stadtplanung ist kein Trend, sondern Pflichtprogramm

Intersektionale Stadtplanung ist weit mehr als ein wohlklingendes Schlagwort. Sie ist die logische Antwort auf die wachsende Vielfalt urbaner Gesellschaften – und der Schlüssel zu einer Stadt, die allen gehört. Wer Gender, Herkunft und Barrierefreiheit zusammendenkt, schafft nicht nur gerechtere, sondern auch resilientere, lebenswertere und innovativere Räume. Die Herausforderungen sind beträchtlich, doch die Chancen sind größer: Beteiligung wird breiter, Planung wird präziser, und die Stadt gewinnt an Qualität und Attraktivität für alle. In einer Zeit, in der Klimawandel, Digitalisierung und gesellschaftliche Spaltung die Städte fordern, ist intersektionale Planung kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung. Wer jetzt mutig vorangeht, gestaltet nicht nur den öffentlichen Raum, sondern auch das Miteinander von morgen – vielfältig, inklusiv und zukunftsfähig. Und das ist urbane Exzellenz, wie sie nur bei Garten und Landschaft zu lesen ist.

New York; PRESENT Architecture
New York; PRESENT Architecture

Das Hamburg Museum präsentiert Projekte zu Gegenwart und Zukunft von grünen Städten. Die These: In der Rückgewinnung und Neuerschließung von Grünflächen bieten sich im nachindustriellen Zeitalter, in dem man kaum noch innerstädtische Landschaftsflächen zur Verfügung hat, grundlegend neue Möglichkeiten. Veränderte urbane Strukturen, Lebenspraxen und Wertvorstellungen haben zu bahnbrechenden Ideen und Technologien für die Entwicklung grüner Städte geführt. Die neuen Perspektiven reichen von ausgeklügelten Begrünungssystemen auf Dächern und Fassaden über künstliche Inseln und aufgeständerte Parks bis zu Gemeinschaftsgärten auf vormaligen Stadtbrachen.

Um dies zu zeigen konzipierte das Museum Hamburg in Zusammenarbeit mit der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt die Ausstellung „Stadtgrün 3.0 – Ideen, Projekte und Visionen für die Begrünung von Metropolen”: 26 Entwürfe und Projekte, davon sieben aus Hamburg und zehn aus internationalen Metropolen.
Die Ausstellung ist bis 19. April zu sehen.
www.hamburgmuseum.de