Öffentlicher Raum: Symposium „RAUMaufZEIT“

In den vergangenen zehn Jahren ist in Praxis, Forschung und Lehre eine Konjunktur des Vorübergehenden zu verzeichnen. Temporäre Zwischennutzungen im Stadtraum, ephemere Stadtentwicklung, das scheinbar Ungeplante, das Experimentelle, Formen des Informellen, Provisorischen, performativer Urbanismus, selfmade city, urban gardening, Mikroplanung, hands-on- und handmade urbanism sind nur einige Stichworte, die diesen Trend beschreiben. Gelegentlich sind daher gewisse Ermüdungserscheinungen zu vernehmen, verbunden mit der Frage, ob sich das Thema nicht langsam abgearbeitet habe, da es zum allgemeinen fachlichen Wissens- und Planungskanon geworden ist. Dass dies nicht so ist, hat das Symposium RAUMaufZEIT bewiesen, das am 19. September an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter stattfand. Initiiert wurde diese Tagung von Ulrich Berding, Florian Kluge und Willem-Jan Beeren, die sich seit langem mit öffentlichen Räumen beschäftigen. Ein immer wiederkehrendes Arbeitsprinzip war dabei die temporäre Intervention. Projekte und Denkweise haben sie in dem Buch „RAUMaufZEIT. Temporäre Interventionen im öffentlichen Raum“ in den Bänden 1 und 2 dokumentiert.

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"kistenweise": 1.500 Bierkisten wurden auf dem Paderborner Franz-Stock-Platz zu einer begehbaren Skulptur. Foto: Willem Jan Beeren

Mehr Information zum Projekt „kistenweise“: www.raumaufzeit.eu/kistenweise

 

Das Symposium RAUMaufZEIT sollte nun einen Schritt weitergehen. Gemeinsam wollten sie ihre Arbeit in einem Expertenkreis reflektieren und weiterentwickeln. Mittel- und langfristig soll über mehrere Schritte ein Expertennetzwerk aufgebaut werden, das sich in losem Verbund interdisziplinär austauscht, Projekte initiiert und weitere gemeinsame Symposien veranstaltet.

Eingeladen waren Experten aus diversen Disziplinen: Architekten, Stadtplaner, Landschaftsarchitekten, Kulturtheoretiker, Kuratoren, Bildungs- und Kunstwissenschaftler waren ebenso vertreten wie eine Reihe von (Aktions-) Künstlern, Filmemachern und Aktivisten partizipativer Kunst. Der Begriff RAUMaufZEIT spielt mit dem Moment des Augenblicks nicht nur als Beschreibung einer kurzen Zeitspanne, sondern immer in ihrer Wechselbeziehung mit Räumen. Insofern ist er klar umrissen, lässt zugleich aber genügend Spielraum für unterschiedliche Anwendungen und Erklärungsmuster. Genau dies spiegelte auch die Bandbreite der Zugänge wider, theoretisch-wissenschaftlich und praktisch-künstlerisch. Um dieses heterogene Spektrum unter einen Hut zu bekommen, wählten die Initiatoren probate Kommunikationsmittel: Zunächst stellten sich die beteiligten Experten mit einem Kurzvortrag im Pecha-Kucha-Modus (5 Minuten, 10 Folien im 30-Sekunden-Rhythmus) vor. Diese Methode stellte sich als sehr fruchtbar heraus, um die Polyphonie des Themas, seiner Methoden, Praktiken, Ziele und Fachsprachen zu verdeutlichen. Am Nachmittag stand dann die gemeinsame Arbeit im Vordergrund. In drei Gesprächsrunden im World-Café-Modus mit den Schwerpunkten „Projekte“, „Formate“ und „Forschung“ wurden gemeinsame Ansätze, Themen und Fragen identifiziert, diskutiert und weiterentwickelt.

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Mit an den Armen befestigten Wandmodulen betätigten sich Studenten in der Bonner Innenstadt als "Spacemaker". Foto: Nola Bunke

Mehr Information zum Projekt „Spacemaker“: www.raumaufzeit.eu/spacemaker

 

Das Symposium zeigte, dass das Thema nicht aus der Mode kommt, sondern einer weiteren Beschäftigung bedarf: Anstehende Aufgaben sind die Qualifizierung, Differenzierung und Auseinandersetzung mit Interventionen als methodisches Handwerkszeug in Forschung und Planung (jenseits einer Festivalisierung öffentlicher Räume) sowie eine weitere theoretische Durchdringung. Der dritte Band der RAUMaufZEIT-Reihe wird die Expertenbeiträge unter dem Titel „Reflektionen – Positionen  – Haltungen“ publizieren. Ein guter Anfang, um weitere Prozesse anzuschieben. Weitere Informationen: www.raumaufzeit.eu