Olympiapark München – ein Weltkulturerbe?

Olympiapark München
Olympiapark 1972

2013 feierte der Münchner Olympiapark 40-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wurde nicht nur die gestalterische Leistung seines Schöpfers Günther Grzimek gewürdigt. Es entbrannte auch eine Diskussion, ob der Münchner Olympiapark als Weltkulturerbe eingestuft und geschützt werden soll.

1966 erhielt München den Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele 1972 und kam in Zugzwang. Denn München war noch eine Stadt, die nach den Kriegszerstörungen auf dem alten Grundriss wieder auferstand und der Moderne in Form des Altstadtrings Tribut zollte. Trambahnen und Busse in den Außenbezirken bewältigten den öffentlichen Personentransport. Die Olympischen Sommerspiele boten die Chance, die Infrastruktur auf Vordermann zu bringen. Neu konzipierte U- und S-Bahnstrecken bereiten Teile der Innenstadt vom Autoverkehr. So auch die Kaufingerstraße, als eine der ältesten Straßen Münchens, die seit 1972 eine Fußgängerzone ist. 13.000 Menschen schieben sich hier zu Spitzenzeiten jede Stunde aneinander vorbei.

Ein neuer Ort für die Olympischen Spiele

Ebenfalls gut besucht ist der Olympiapark, der zwischen Schwabing und Nymphenburg liegt. Dort, auf dem Oberwiesenfeld, befanden sich Militäranlagen und seit 1909 auch ein Flugfeld. Platz gab es genug, um die Kriegstrümmer aus der Innenstadt zu einem imposanten Berg aufzuschütten. Dorthin sollten die Olympischen Spiele im Grünen kommen. In einem Sportpark, der als völlig neues Landschaftskonzept Park und Architektur der Sportstätten zu einer harmonischen Einheit verschmelzen sollte. Zudem sollte er dabei eine völlige Abkehr von den Olympischen Spielen 1936 in Berlin demonstrieren. War es damals eine Demonstration des totalitären Staates, so galt es in München, der ehemaligen Hauptstadt der Bewegung, demokratische Haltungen zu manifestieren.

Auf dem drei Quadratkilometer großen Gelände hat damals das Stuttgarter Architekturbüro Behnisch & Partner seinen Entwurf realisiert. Die Grünplanung für den Schuttberg und den Sportstättenbereich lag in den Händen des Landschaftsarchitekten Günther Grzimek. Den Bereich der Zentralen Hochschulsportanlage (ZHS) mit den Freianlagen zwischen dem Olympischen Dorf und dem Olympiapark übernahmen die Stuttgarter Landschaftsarchitekten Wolfgang Miller und Hans Lutz.

Das Attentat im Olympiapark

Die Olympischen Sommerspiele von 1972 hätten dabei als „heitere“ in die Annalen eingehen können. Dies machte sowohl das Attentat auf die israelischen Sportler am 5. September als auch die kopflose Reaktion von Politik und Polizei auf dieses zunichte. „The games must go on“ lautete die Parole des IOC-Präsidenten Avery Brundage. Und tatsächlich überlebte der olympische Gedanke, wenn auch unter Hochsicherheitsbedingungen.

Bestandsaufnahme der TU

Dieses Jahr feiern wir 40 Jahre Olympiapark München. Anlass auch für die Architekturfakultät der TU München, eine Bestandsaufnahme zu machen. Schließlich gilt der Münchner Olympiapark weltweit als ein perfektes Ensemble von Architektur und Landschaft. So trafen sich am 25. und 26. Oktober Experten, um über diesen Spezialfall des demokratischen Grüns zu reden. Was leicht eine Nabelschau hätte sein können, entwickelte sich dann zu einer facettenreichen und zukunftsorientierten Bestandsaufnahme. Die Zukunft von olympischen Sportanlagen, die für wenige Tage bestimmt sind und oft einer ungewisse Nachnutzung entgegensehen, braucht ja gute Planung.

Man spricht heute, wie am Beispiel von London, von der „Legacy“, von dem was bleibt und was die Bevölkerung in Besitz nehmen kann. In München hat sich der Park dafür als Bestseller erwiesen. Schon während der Spiele haben ihn Bürger angenommen und bis heute ist er beliebt. Er ist der abwechslungsreicher Park einer neuen Generation, die zum Rasen betreten ermuntert wurde. Obwohl das heute selbstverständlich ist, war dies vor 40 Jahren neu. Sogar 1983 noch, als Grzimeks Ausstellung und Buch „Die Besitzergreifung des Rasens“ große Aufmerksamkeit erregte.

Gesamtkunstwerk Olympiapark

Im Olympiapark stellte sich die Frage nach der nachhaltigen Bespielung, als der erfolgsverwöhnte FC Bayern München in ein eigenes Stadion zog und somit das Olympiastadion und die anderen Sportanlagen ein wenig aus dem Fokus verschwanden. Im Laufe der Zeit verwässerte sich das ausgeklügelte Gestaltungskonzept der Architekten und Landschaftsarchitekten bis hin zum Verkauf der originalen Stadionsitzschalen. Lange Zeit war das Gefühl für ein Gesamtkunstwerk Olympiapark unterentwickelt. So dauerte es lange, bis man ein Parkpflegewerk in Angriff nahm – es wird voraussichtlich bald fertiggestellt und der Öffentlichkeit erläutert.

Ein Gestalterteam um Otl Aicher schuf damals ein verbindliches Farbschema, das frische und positive Emotionen bei Besuchern und Athleten wecken sollte. Auch die konsequent stilisierten Piktogramme waren ein Versuch, internationale Kommunikation ohne Sprache möglich zu machen. Rot, als eine oftmals missbrauchte Farbe totalitärer Staaten, dominant auch bei den 1936er Spielen in Berlin, war bei den Grafikern um Aicher tabu.

Wem gehört der Olympiapark?

Wem gehört der Olympiapark? Diese Frage der Podiumsdiskussion auf der TU Veranstaltung “Demokratisches Grün – 40 Jahre Olympiapark München” ist leicht zu beantworten, lässt man die Aussagen der Diskutanten Revue passieren: Er gehört den Münchnern und ihren Gästen und es ist die Pflicht der Stadt, oder sogar des Freistaates Bayern, dieses Erbe zu bewahren. Stadtbaurätin Elisabeth Merk war dann nicht alleine mit der Ansicht, der Münchner Olympiapark hätte das Zeug dazu, als Weltkulturerbe von der Unesco anerkannt zu werden. Ein Gedanke, der auf jeden Fall weitergesponnen werden sollte, auch wenn die Unterschriftenliste im Foyer dann doch stark an studentische Sponti-Aktionen gemahnte.

Fotos: Lukáš Hron/Wikipdedia.org, Archiv Günther Grzimek/TU München

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Zum zehnten Mal zeichnet der European Prize for Urban Public Space dieses Jahr Projekte aus die öffentlichen Raum schaffen, verbessern oder wiederbeleben. Bis zum 21. Februar 2018 können Sie noch Ihre Projekte einreichen die seit 2016 innerhalb der Europäischen Union realisiert wurden. Als öffentlichen Raum betrachtet die Jury Orte, in denen Menschen harmonisch zusammenleben, unterschiedliche Nutzungen Platz finden, nachhaltige Transportmöglichkeiten bestehen und die Partizipation der Bewohner den Platz formt.

Sieben europäische Architekturinstitutionen schreiben den Wettbewerb aus. Darunter befinden sich unter anderem das Deutsche Architektur Museum (DAM), die Architecture Foundation in London, das Architekturzentrum Wien oder die Cité de l’Architecture et du Patrimoine in Paris.

Die Preisverleihung findet im Juni im Centre de Cultura Contemporània de Barcelona statt. Das Prize Archiv veröffentlicht die Preisträger. Eine mögliche Wanderausstellung ist angedacht.

Für mehr Informationen zu den Teilnahmerichtlinien geht es hier lang. 

Feministische Stadtplanung – Die G+L im Juli 2023

Coverbild: Coline Beulin via Unsplash
Coverbild: Coline Beulin via Unsplash

Frauen würden bis heute in der Stadtplanung benachteiligt – diese Aussage stützt nicht nur die Urbanistin Leslie Kern („Feminist City“), sondern auch neuste Berichte der Vereinten Nationen. Wir wollen wissen: Ist dem wirklich so? Was unterscheidet die feministische von der maskulistischen Stadt? Und wie müssen wir Planer*innen auf diese gesellschaftliche, zunehmend höchst emotional geführte Debatte reagieren? Im Juli finden wir Antworten.

Feminismus – ein negativ besetztes Wort

Als Feministin würde ich mich selbst nie bezeichnen. Dabei bin ich mit jeder Faser meines Seins für Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern – in persönlichen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen Belangen. Ich denke auch, dass Frauen insbesondere im beruflichen Kontext weiterhin oftmals Nachteile haben und fehlende Aggressivität kein Grund für weniger Gehalt sein darf. Und ich stehe klar gegen jede Form des männlichen (aber auch weiblichen) Machtmissbrauchs auf jeder Ebene. Macht mich all das zur Feministin? Nein. Mich Feministin zu nennen, käme für mich gar einer Abwertung gleich. Das Wort ist negativ besetzt. Man assoziiert damit eine aggressive, unsachliche Form der weiblichen Pseudo-Behauptung. Vollkommen bescheuert. Natürlich kann Feminismus objektiv, ruhig und zielgerichtet sein.

Eine Stadt für alle

Aber: Ich kann nachvollziehen, dass Menschen, ohne viel über feministische Stadtplanung zu wissen, allein bei dem Begriff schon die Augen verdrehen. Sie würden es sicherlich nicht tun, machte die Bezeichnung direkt deutlich, dass es hierbei um weit mehr gehen kann als nur die Berücksichtigung weiblicher Bedürfnisse in der Stadtentwicklung; sondern eigentlich um eine Stadt für alle, eine Stadt der kurzen Wege, eine grundsätzlich sichere und inklusive Stadt. So verstehen zumindest wir in der Redaktion nach intensiven Recherchen und Expert*innen-Gesprächen feministische Stadtplanung. Und ich kann nachvollziehen, dass sich der Begriff der feministischen Stadtplanung eher verselbstständigt hat und nun gerne für mediale und politische Zwecke genutzt wird (was ja nicht unbedingt nur schlecht sein muss).

Feministische Stadtplanung – Was heist das überhaupt?

Umso wichtiger ist es für uns, dass wir das Thema im vorliegenden Heft aufs Tableau bringen und neben ausgewählten Expert*innen auch eine Stichprobe an Landschaftsarchitekt*innen und Stadtplaner*innen (konkret 564 Planer*innen) zu Wort kommen zu lassen. Hierfür haben wir eigens eine Online-Umfrage zur Frage „Brauchen wir eine feministische Stadtplanung?“ durchgeführt. Das Ergebnis: Bei Weitem nicht alle Befragten können sagen, was feministische Stadtplanung genau ist – und die Meinungen dazu sind sehr geteilt. Wir in der Redaktion bezweifeln, dass eine Umfrage zur Frage „Brauchen wir eine Stadt für alle?“ ein ähnlich geteiltes Meinungsbild zeichnen würde. Wir müssen uns also der Frage stellen: Wie zuträglich ist der Begriff der feministischen Stadtplanung ihren tatsächlichen Zielen? Schreiben Sie mir, was Sie aus der Ausgabe für sich mitnehmen. Ich freue mich, es zu lesen.

Das Juli-Heft „Feministische Stadtplanung“ gibt es hier im Shop.

Im Juni haben wir uns im Rahmen unserer Stadt-Spezial-Serie mit Hitze in der Stadt beschäftigt. Mehr dazu hier.