17.04.2014

Projekt

Olympiapark München – ein Weltkulturerbe?

von Robert Schäfer

1966 erhielt München den Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele 1972 und kam in Zugzwang, denn sie war noch eine Stadt, die nach den Kriegszerstörungen auf dem alten Grundriss wieder auferstand, der Moderne in Form des Altstadtrings, Tribut zollte. Trambahnen und in den Außenbezirken Busse bewältigten den öffentlichen Personentransport. Die Olympischen Sommerspiele boten die Riesenchance, die Infrastruktur auf Vordermann zu bringen. U- und S-Bahnstrecken wurden konzipiert, Teile der Innenstadt vom Autoverkehr befreit, so die Kaufingerstraße als eine der ältesten Straßen Münchens, die 1972 als Fußgängerzone eingeweiht werden konnte. 13.000 Menschen schieben sich zu Spitzenzeiten je Stunde aneinander vorbei.

Münchner Olympiapark im Jahr 1972
Münchner Olympiapark im Jahr 1972
Münchner Olympiapark im Jahr 1972
Plan von Günther Grzimek für den Münchner Olympiapark
Das Buch "Die Besitzergreifung des Rasens" von Günther Grzimek erschien 1983
Das offizielle Maskottchen der Olympischen Sommerspiele 1972 in München: der Dackel Waldi, entworfen von Otl Aicher.
So sieht der Münchner Olympiapark heute aus

Ebenfalls gut besucht ist der Olympiapark, zwischen Schwabing und Nymphenburg gelegen. Dort, auf dem Oberwiesenfeld befanden sich Militäranlagen und seit 1909 auch ein Flugfeld. Platz gab es genug, um die Kriegstrümmer aus der Innenstadt zu einem imposanten Berg aufzuschütten. Dorthin sollten die Olympischen Spiele im Grünen kommen, in einem Sportpark, der als völlig neues Landschaftskonzept Park und Architektur der Sportstätten zu einer harmonischen Einheit verschmelzen und dabei und dadurch eine völlige Abkehr von den Olympischen Spielen 1936 in Berlin demonstrieren sollte. War es damals eine Demonstration des totalitären Staates, so galt es in München, der ehemaligen Hauptstadt der Bewegung, demokratische Haltungen zu manifestieren.

Realisiert wurde auf dem drei Quadratkilometer großen Gelände der Entwurf des ersten Preisträgers des Olympia-Wettbewerbes von 1967, dem Stuttgarter Architekturbüro Behnisch & Partner. Die Grünplanung für den Schuttberg und den Sportstättenbereich lag in den Händen des Landschaftsarchitekten Günther Grzimek, den Bereich der Zentralen Hochschulsportanlage (ZHS) mit den Freianlagen zwischen dem Olympischen Dorf und dem Olympiapark übernahmen die Stuttgarter Landschaftsarchitekten Wolfgang Miller und Hans Lutz. (Mehr Informationen zum Park).

Die Olympischen Sommerspiele von 1972 hätten als „heitere“ in die Annalen eingehen können, ob des offenen und volksnahen Konzeptes, was jedoch durch das Attentat auf die israelischen Sportler am 5. September und die kopflose Reaktion von Politik und Polizei zunichte gemacht wurde. „The games must go on“ lautete die Parole des IOC-Präsidenten Avery Brundage und tatsächlich überlebte der olympische Gedanke, wenn auch unter Hochsicherheitsbedingungen.

40 Jahre Olympiapark München wurde in diesem Jahr gefeiert. Anlass auch für die Architekturfakultät der TU München, eine Bestandsaufnahme zu machen, schließlich gilt der Münchner Olympiapark weltweit als ein perfektes Ensemble von Architektur und Landschaft. So trafen sich am 25. und 26. Oktober Experten, um über diesen Spezialfall des demokratischen Grüns zu reden. Was leicht zu einer Nabelschau hätte werden können, geriet zu einer facettenreichen und zukunftsorientierten Bestandsaufnahme. Die Zukunft von olympischen Sportanlagen, die für wenige Tage gebaut werden und oft einer ungewisse Nachnutzung entgegensehen, will ja gut geplant sein. Man spricht heute, wie am Beispiel von London, von der „Legacy“, von dem was bleibt und in Besitz genommen werden kann von der Bevölkerung. In München hat sich der Park als Bestseller erwiesen, schon während der Spiele angenommen von den Bürgern und bis heute beliebt als abwechslungsreicher Park einer neuen Generation, die zum Rasen betreten ermuntert wurde. Heute selbstverständlich, war dies vor 40 Jahren neu, sogar 1983 noch, als Grzimeks Ausstellung und Buch „Die Besitzergreifung des Rasens“ große Aufmerksamkeit erregte.

Im Olympiapark stellte sich die Frage nach der nachhaltigen Bespielung, als der erfolgsverwöhnte FC Bayern München in ein eigenes Stadion zog und somit das Olympiastadion und die anderen Sportanlagen ein wenig aus dem Fokus verschwanden. Im Laufe der Zeit verwässerte sich das ausgeklügelte Gestaltungskonzept der Architekten und Landschaftsarchitekten bis hin zum Verkauf der originalen Stadionsitzschalen. Lange Zeit war das Gefühl für ein Gesamtkunstwerk Olympiapark unterentwickelt. So dauerte es lange, bis ein Parkpflegewerk in Angriff genommen wurde – es soll bald fertiggestellt und der Öffentlichkeit erläutert  werden.

Ein Gestalterteam um Otl Aicher schuf damals ein verbindliches Farbschema, das frische und positive Emotionen bei Besuchern und Athleten wecken sollte. Auch die konsequent stilisierten Piktogramme waren ein Versuch, internationale Kommunikation ohne Sprache möglich zu machen. Rot, als eine oftmals missbrauchte Farbe totalitärer Staaten, dominant auch bei den 1936er Spielen in Berlin, war bei den Grafikern um Aicher tabu.

Wem gehört der Olympiapark? Diese Frage der Podiumsdiskussion auf der TU Veranstaltung “Demokratisches Grün – 40 Jahre Olympiapark München” ist leicht zu beantworten, lässt man die Aussagen der Diskutanten Revue passieren: Er gehört den Münchnern und ihren Gästen und es ist die Pflicht der Stadt, oder sogar des Freistaates Bayern, dieses Erbe zu bewahren. Stadtbaurätin Elisabeth Merk war dann nicht alleine mit der Ansicht, der Münchner Olympiapark hätte das Zeug dazu, als Weltkulturerbe von der Unesco anerkannt zu werden. Ein Gedanke, der auf jeden Fall weitergesponnen werden sollte, auch wenn die Unterschriftenliste im Foyer dann doch stark an studentische Sponti-Aktionen gemahnte.

Fotos: Lukáš Hron/Wikipdedia.org, Archiv Günther Grzimek/TU München

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