Zeitspuren auf dem Schulhof

Ein schwarzes, ornamentales Muster liegt in einem sandfarbenen Asphaltbelag. Die Künstlerin Maria Hahnenkamp und der Architekt Willi Frötscher aus Wien bezeichnen ihr Projekt als „Ornament-Metamorphose“. Das Muster folgt wie eine „Zeitspur“ in einem 120 Meter langen und 8 bis 22 Meter breiten Hof den Gebäudeteilen aus verschiedenen Epochen. Diese gehören zur Höheren Technischen Lehranstalt (HTBLVA) an der Wiener Spengergasse.



Analog zur Architektur symbolisieren die Ornamente eine historische Entwicklung und wandeln sich von naturalistischen zu abstrahierten Formen. Aus einem historischen Vorlagenbuch entnommen, verkörpern sie Tradition, aber auch einen Prozess hin zum Abstrakten.
In erhöhten Inseln stehen Linden, zu ihren Füßen wachsen weiß blühende Gräser. Gemäß den Bestimmungen zur Standfestigkeit der Wiener Baumschutzverordnung mussten die Kronen der Großbäume während des Bauablaufs gestutzt werden. Ebenerdige, grüne Inseln im Belag fassen neu gepflanzte Blumeneschen (Fraxinus ornus) und Zürgelbäume (Celtis australis) ein. Ein Rankgerüst spiegelt die Struktur eines verglasten Korridors des Architekten Otmar Hasler auf die gegenüberliegende Seite des Hofs. Wilder Wein wird das Gerüst begrünen.

Das Spektrum der Lehrinhalte an der Schule reicht von Kunst und textilem Produktdesign über Informatik bis zu Softwareentwicklung und Medientechniken. In dem Innenhof dienen massive Eichenholzschwellen als Sitzbänke.

 

2009 wurde das Projekt „Künstlerische Gestaltung des Schulhofes Höhere Technische Lehranstalt Spengergasse Wien“ im Rahmen eines Wettbewerbs der Bundesimmobilien Gesellschaft (BIG) ausgewählt und Anfang Oktober 2012 der Öffentlichkeit präsentiert.

 

Künstlerische Gestaltung Schulhof HTL-Spengergasse, Wien

Bauherr: BIG Bundesimmobiliengesellschaft.m.b.H, Wien
Planer: Künstlerin Maria Hahnenkamp, Wien & 
Architekt Willi Frötscher, beide Wien
Bepflanzung: Elisabeth Wrbka, Wien
Lichtplaner: Bernhard Gruber, Wien
Fläche: 1.800 Quadratmeter
Bauzeit: 2010 bis 2011
Baukosten: 150.000 Euro

 

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TU Wien feiert 50 Jahre Landschaftsarchitektur, Landschaftsplanung und Gartenkunst

Die Aula im Hauptgebäude der TU Wien.
Die Aula im Hauptgebäude der TU Wien. Foto: TU Wien

An der TU Wien besteht eine lange Tradition im Gebiet Landschaftsarchitektur. Der „Forschungsbereich Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung“ feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum. Bis heute ist die Einrichtung eine Brücke zwischen den Studienrichtungen Architektur und Raumplanung.

Im Jahr 1972 wurde mit dem Aufbau der Studienrichtung Raumplanung an der Technischen Hochschule in Wien (ab 1975: TU Wien) das Institut für Landschaftspflege, Landschaftsgestaltung und Gartenkunst gegründet. Heute trägt die Einrichtung den Namen Forschungsbereich Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung.

„Brückeninstitut“ zwischen Architektur und Raumplanung

Zum Aufbau dieses Instituts wurde Ralph Gälzer (1931-2007) als Professor berufen. Der aus Wien stammende Landschaftsarchitekt war von 1966 bis 1972 in Hannover im Stadtplanungsamt sowie in der städtischen Grünverwaltung tätig. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1992 konnte er das Institut für Landschaftspflege, Landschaftsgestaltung und Gartenkunst zu einer wichtigen Einrichtung in Lehre sowie Forschung an der Fakultät für Architektur und Raumplanung ausbauen.

Der Forschungsbereich Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung bildet die „Brücke“ zwischen den Studienrichtungen Architektur und Raumplanung. Das Studium Landschaftsarchitektur wird an der TU Wien nicht angeboten. Foto: TU Wien
Der Forschungsbereich Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung bildet die „Brücke“ zwischen den Studienrichtungen Architektur und Raumplanung. Das Studium Landschaftsarchitektur wird an der TU Wien nicht angeboten. Foto: TU Wien

In der Schriftenreihe des Instituts erschienen die Ergebnisse innovativer Projekte und internationaler Tagungen zur Landschaftsplanung und zur Gartenkunst. Seit 1981 trug das Institut den geänderten Titel „Institut für Landschaftsplanung und Gartenkunst“. Es diente aber weiterhin als „Brückeninstitut“ der Ausbildung von Studierenden der Architektur und der Raumplanung sowie als vielseitige Forschungseinrichtung.

Von der Lehrkanzel für Blumen- und Ornamentzeichnen zum Forschungsbereich Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung

Der Forschungsbereich Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung hatte bereits Vorläufer an der Fakultät für Architektur. Ab 1935 wurden an der Lehrkanzel für Ornamentik und Raumkunst, gegründet 1843 als Lehrkanzel für Blumen- und Ornamentzeichnen des seit 1815 bestehenden Polytechnischen Instituts, Vorlesungen von Hans Pfann (1890-1973) zur Gartenkunst und Gartentechnik gehalten. Nach der Emeritierung von Pfann im Jahr 1961 hatte Josef Oskar Wladar (1900-2002) bis 1975 Lehraufträge für Landschafts- und Gartengestaltung und Grünlandplanung inne. Er unterrichtete ab 1972 bis 1975 am neu gegründeten Institut.

Der Forschungsbereich Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung befindet sich im Hauptgebäude der TU Wien. Foto: TU Wien
Der Forschungsbereich Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung befindet sich im Hauptgebäude der TU Wien. Foto: TU Wien

Nach der Emeritierung von Ralph Gälzer leitete Johannes Schaffer bis zur Nachbesetzung der Professur durch Richard Stiles im Jahr 1994 das Institut, das seit 2004 im Rahmen der Umstrukturierung der Fakultät „Forschungsbereich Landschaftsplanung und Gartenkunst“ und ab 2022 „Forschungsbereich Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung“ benannt ist.

Seit der 2020 erfolgten Emeritierung von Richard Stiles führte Annalisa Mauri den Forschungsbereich. 2021 wurde die Professur nachbesetzt, es teilen sich Susann Ahn und Thomas Hauck die Professorenstelle zur Hälfte.

Wir wünschen dem Forschungsbereich an der TU Wien …

In Österreich ist der Forschungsbereich Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung einer der wenigen Institutionen dieser Aufgabengebiete. Dort wurde und wird seit vielen Jahrzehnten kontinuierlich und intensiv zu den zahlreichen Themen der Landschaftsplanung, der Landschaftsarchitektur, der Gartengeschichte, der Gartenkultur sowie der Gartendenkmalpflege gelehrt und geforscht.

Diese Kernkompetenzen sind gerade in den herausfordernden Zeiten des Klimawandels gesucht und gefragt. Dem Forschungsbereich ist daher für die Zukunft zu wünschen, dass die Ergebnisse in Lehre und Forschung in der Öffentlichkeit sowie von Seiten der Politik und Verwaltung Berücksichtigung finden.

Ebenfalls interessant: Die Landschaftsarchitektur-Profession in Österreich beleuchten wir in unserer Februarausgabe 2022.

Stuttgart in ARGE mit ~ GrüneWelle Landschaftsarchitektur

Beim Wettbewerb zur Umgestaltung des zentralen Stöckachplatzes in Stuttgart und für die Neubebauung des angrenzenden Grundstücks wurden zwei zweite Preise vergeben: an harris + kurrle architekten mit Jetter Landschaftsarchitekten sowie an ISA Internationales Stadtbauatelier mit ~GrüneWelle Landschaftsarchitektur. Die Jury empfahl, beide Entwürfe hinsichtlich Platzgestaltung und Abgrenzung zu überarbeiten; sie will im Mai endgültig entscheiden. Das Areal soll als neue Mitte den Stuttgarter Stadtteil aufwerten und Identität stiften. Voraus ging ein Planungsworkshop, bei dem sich die Teilnehmer mit den Ideen aus der Bürgerbeteiligung auseinandersetzten.

ISA und ~GrüneWelle schaffen Aufenthaltsqualität auf dem Stadtplatz, indem sie Bahn- und Fahrverkehr reduzieren. Sie vergrößern damit die eigentliche Platzfläche, die bisher eher als Verkehrsknoten fungiert. Die Neubebauung definiert zusätzlich eine klare Raumkante. Mit den drei Ebenen Einkaufen, Sitzen, Entree schaffen die Planer Raumfolgen in stimmigen Proportionen. Bäume und Straßenelemente ziehen sich über die Verkehrsflächen bis zur nördlichen Platzkante. Der Stadtplatz wird großzügiger und wieder klar erkennbar, wie das Preisgericht lobt.

Harris + Kurrle mit Jetter Landschaftsarchitekten setzen mit einem umfangreichen Angebot für Fußgänger dagegen, würdigt die Jury. Sie schaffen eine Abfolge unterschiedlicher Freiräume, die den Stadtteil vernetzen und ursprüngliche städtebauliche Beziehungen aufgreifen und weiterführen – auch über große Höhensprünge hinweg. Der Stöckachplatz liegt eingespannt dazwischen. Die Planer gliedern den Platz mit Terrassen und möblieren ihn nur sparsam, um differenzierte Nutzungen nicht einzuschränken.

 

Umgestaltung Stöckachplatz, Stuttgart
Nichtoffener Planungswettbewerb
Auslober: Stadt Stuttgart
Entscheidung: 27. Februar
Standort: Google Maps

2. Preis: harris + kurrle architekten, Stuttgart, in ARGE mit Jetter Landschaftsarchitekten, Stuttgart
2. Preis: ISA Internationales Stadtbauatelier, Stuttgart in ARGE mit ~ GrüneWelle Landschaftsarchitektur, Stuttgart
3. Preis: Arbeitsgemeinschaft SBA GmbH, Stuttgart, Adler & Olesch Landschaftsarchitekten, München, TRC – Transportation Research & Consulting GmbH, Stuttgart