In Chicago, the new Maggie Daley Park and Chicago Riverwalk exemplify the trend for cities to build high-profile works of landscape architecture to spur reinvestment in historic urban cores. In this era of decreased federal and municipal funding for such projects, private investment is increasingly called upon. As a result, and as a range of new spaces in Chicago demonstrate, the landscape architect has emerged as a mediator between commercial interests and civic responsibilities. 

High-profile landscape architecture projects are by now obligatory tools for American municipal governments seeking to attract investment dollars and jobs. The narrative of outmoded infrastructure or former industrial land turned park is by now well established and the discipline of landscape architecture has emerged as a leader in their design. Catalyzed by these new public spaces, American downtowns and nearby neighborhoods are experiencing what the popular press and scholars alike herald as a “return to the city” or an “urban renaissance.”

But whose renaissance is it? Who is returning? It is urgent to frame these spaces historically and geographically to take stock of the effects recent works are having on the spatial, social, and ecological dimensions of American cities. Reframing the urban as a multi-scalar process producing historically specific moments of urbanization, not just a politically bounded aggregation of individual objects, helps productively complicate this popular narrative.

The Right to Open Space

Chicago typifies the aforementioned changes. However, when considered against the backdrop of the city’s civic-minded 19th- and 20th-century public open space and infrastructure projects, its recent landscape transformations beg questions regarding agency, equity, and design. From the city’s very inception, Chicago’s citizens and civic leaders demonstrated a precocious awareness of the value of open space. On an 1839 map drawn up by Canal Commissioners, a portion of the Lake Michigan lakefront was set aside as open space and labeled “Public ground forever to remain vacant of buildings.”

It eventually became Grant Park and its status as an open and free space is protected by law. Likewise, an ethos of publicness pervades Burnham and Bennett’s 1909 Plan of Chicago, which to this day has an astonishing influence on local planning and design decisions.

With its legacy of equitable open space and strong record of consistently building infrastructure, parkland, and architecture of significance, the latest era of Chicago parks is a locally specific version of national trends. […]

Read more in Topos 94 – City Visions.

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Schattenräume der Planung – warum manche Stadtteile vergessen werden

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Straßenszene mit Menschen beim Spaziergang in der Stadt, fotografiert von Leo_Visions.

Kennen Sie die Schattenräume Ihrer Stadt? Jene unscheinbaren Ecken, die in den Hochglanzbroschüren fehlen, auf den Karten als Lücken erscheinen und in den Köpfen der Planer oft einfach durchs Raster fallen? Vergessene Stadtteile sind kein Zufall, sondern das Ergebnis komplexer Prozesse – und sie sind der Lackmustest für den Zustand unserer Planungskultur. Höchste Zeit also, den Scheinwerfer auf die Schattenräume der Planung zu richten. Denn was dort schiefläuft, sagt mehr über die Zukunftsfähigkeit unserer Städte aus als jedes Vorzeigequartier.

  • Definition von Schattenräumen in der Stadtplanung und ihre Ursachen
  • Historische und aktuelle Mechanismen des Vergessens ganzer Stadtteile
  • Soziale, wirtschaftliche und politische Auswirkungen auf betroffene Quartiere
  • Die Rolle von Daten, Governance und Partizipation bei der Sichtbarmachung von Schattenräumen
  • Fehlerquellen im Planungsprozess: Von der Datenlücke bis zum institutionellen Bias
  • Innovative Ansätze zur Identifikation und Integration vergessener Stadtgebiete
  • Best-Practice-Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Empfehlungen für Planer, Verwaltung und Politik, um Schattenräume zu vermeiden

Was sind Schattenräume der Planung? Ein Blick hinter die Kulissen urbaner Blindstellen

Jede Stadt besitzt sie, doch kaum jemand spricht offen darüber: Schattenräume sind jene Stadtteile, die in Planungsprozessen systematisch unterbelichtet bleiben. Sie sind nicht einfach nur “Problemviertel”, sondern vielmehr urbane Unschärfen, die durch eine Mischung aus fehlender Datenlage, politischem Desinteresse, wirtschaftlicher Schwäche und oft auch schlicht institutioneller Trägheit entstehen. Das Resultat: Quartiere, die in der öffentlichen Wahrnehmung, in strategischen Entwicklungsplänen und bei der Ressourcenzuteilung regelmäßig durchfallen. Doch wie kommt es dazu?

Die Ursachen sind vielfältig und tief verwurzelt. Ein wichtiger Faktor ist die selektive Wahrnehmung in der Planung selbst: Wer sich bei Analysen, Bürgerbeteiligungen und Entwicklungskonzepten vor allem an den lautesten Akteuren, sichtbarsten Problemen oder politisch attraktivsten Flächen orientiert, blendet zwangsläufig andere Bereiche aus. Hinzu kommt die Tendenz, kurzfristige Leuchtturmprojekte zu privilegieren, während langwierige, komplexe Aufgaben in vermeintlich “weniger wichtigen” Stadtteilen auf die lange Bank geschoben werden.

Auch die Verfügbarkeit und Qualität von Daten spielt eine zentrale Rolle. Wo keine aktuellen Sozialdaten, keine präzisen Karten oder keine Echtzeitinformationen zu Verkehrs-, Klima- oder Infrastrukturdaten vorliegen, geraten Stadtteile in eine digitale Unsichtbarkeit. Gerade im Zeitalter digitaler Stadtmodelle und Urban Digital Twins ist das nicht mehr nur ein technisches Problem, sondern ein demokratisches: Wer in den Daten fehlt, wird in der Planung übersehen – ein Teufelskreis, der sich mit jeder neuen Planungsrunde weiterdreht.

Zu den Schattenräumen zählen nicht nur klassische Randlagen oder abgelegene Siedlungen. Auch innenstadtnahe Quartiere, ehemalige Industrieareale oder monofunktionale Wohngebiete können in die Unsichtbarkeit abgleiten, wenn sich gesellschaftliche, wirtschaftliche oder politische Prioritäten verschieben. Besonders gefährdet sind Gebiete mit hoher Fluktuation, geringer sozialer Kohäsion oder einer fragmentierten Eigentümerstruktur – sie fallen schlicht durch jedes Raster, das auf Stabilität und Kontinuität setzt.

Schließlich tragen auch institutionelle Mechanismen zum Entstehen von Schattenräumen bei. Wenn Planungsämter, Wohnungsbaugesellschaften, soziale Träger und Politik nicht miteinander kommunizieren, werden Zuständigkeiten unklar, Synergien verschenkt und Problemquartiere zu Dauerbaustellen. Der Schattenraum ist also selten das Resultat eines einzelnen Versäumnisses – er ist das Produkt eines vielschichtigen, oft unbewussten Zusammenspiels aus Routinen, Ressourcendruck, Wahrnehmungsfiltern und politischer Opportunität.

Vergessene Stadtteile: Historische Kontinuitäten und aktuelle Dynamiken

Das Phänomen der vergessenen Stadtteile lässt sich nicht einfach als Folge moderner Fehlplanung abtun. Schon in der Gründerzeit entstanden durch rasantes Wachstum, Spekulation und soziale Ausgrenzung urbane Zonen, die von Anfang an im Schatten standen. Arbeiterquartiere am Rand, informelle Siedlungen ohne Infrastruktur, Areale mit gemischter Nutzung, die nie in die Stadtstruktur integriert wurden – sie alle sind historische Vorläufer dessen, was wir heute als Schattenräume bezeichnen.

In der Nachkriegszeit verstärkte sich die Tendenz, bestimmte Stadtteile zu vernachlässigen, durch die funktionale Stadtplanung. Großwohnsiedlungen, monofunktionale Gewerbegebiete und autogerechte Infrastrukturprojekte führten dazu, dass ganze Quartiere von den Entwicklungsströmen abgehängt wurden. Die Folgen sind bis heute sichtbar: fehlende Nahversorgung, mangelhafte Anbindung, geringe soziale Durchmischung und ein Imageproblem, das sich über Jahrzehnte hält.

Mit der neoliberalen Wende der 1980er und 1990er Jahre wurde die Polarisierung weiter verschärft. Investitionen konzentrierten sich auf Innenstadtlagen, während periphere oder sozial schwache Gebiete weiter zurückfielen. Privatisierung und Deregulierung führten dazu, dass viele Kommunen ihre Steuerungsmöglichkeiten verloren – ein Nährboden für neue Schattenräume, die oft erst im Nachhinein als solche erkannt wurden.

Heute sind es neue Dynamiken, die das Entstehen und die Persistenz von Schattenräumen befeuern. Migration, demografischer Wandel, Digitalisierung und Klimawandel verändern die Anforderungen an Stadtteile und ihre Bewohner. Quartiere, die vor zwanzig Jahren noch als stabil galten, können durch eine Mischung aus Überalterung, wirtschaftlichem Strukturwandel und sozialer Entmischung plötzlich ins Abseits geraten. Umgekehrt entstehen durch Gentrifizierung oder touristische Übernutzung neue Problemzonen, die in klassischen Analysen lange unsichtbar bleiben.

Spannend ist die Frage, wie Schattenräume heute identifiziert werden. Während früher vor allem die statistische Auswertung von Arbeitslosigkeit, Mietpreisen oder Kriminalitätsraten im Fokus stand, nutzen moderne Stadtplaner zunehmend digitale Methoden: Satellitendaten, Mobilitätsanalysen, soziale Netzwerke und partizipative Mapping-Projekte machen Unsichtbares sichtbar. Doch auch hier gilt: Wer nicht im System erfasst wird, bleibt ein Schatten – und zeigt damit die Grenzen datengetriebener Planung auf.

Die Folgen des Vergessens: Auswirkungen auf Gesellschaft, Wirtschaft und Stadtentwicklung

Die Existenz von Schattenräumen ist kein Randproblem, sondern ein gravierendes Hindernis für eine nachhaltige und inklusive Stadtentwicklung. Auf gesellschaftlicher Ebene führen sie zu einer Verfestigung von sozialer Ungleichheit. Kinder, die in vergessenen Stadtteilen aufwachsen, haben schlechtere Bildungschancen, einen begrenzten Zugang zu Freizeit- und Kulturangeboten und sind häufiger von gesundheitlichen Risiken betroffen. Die Folge: ein Kreislauf aus Benachteiligung, der sich nur schwer durchbrechen lässt.

Auch wirtschaftlich sind Schattenräume problematisch. Sie schrecken Investoren ab, führen zu Wertverlusten bei Immobilien und belasten die kommunalen Haushalte durch einen überproportionalen Bedarf an Sozialleistungen, Infrastrukturmaßnahmen und Interventionen im Krisenfall. Gleichzeitig bleiben Potenziale – etwa für Gewerbeansiedlungen, innovative Wohnformen oder nachhaltige Mobilitätskonzepte – ungenutzt, weil die Quartiere schlichtweg nicht auf dem Radar der Entscheider sind.

Stadtentwicklungspolitisch wirken Schattenräume wie “Blinde Flecken” im urbanen Gewebe. Sie unterbrechen die Kontinuität von Grünverbindungen, Mobilitätsachsen und sozialer Infrastruktur. Ihre Existenz konterkariert die Ziele von Klimaanpassung, Flächeneffizienz und Resilienz, weil sie oft weder energetisch saniert, noch an den ÖPNV angebunden oder in Klimaschutzstrategien eingebunden sind. Der Traum von der kompakten, durchmischten, klimaresilienten Stadt bleibt so unerreichbar.

Hinzu kommt eine politische Dimension: Schattenräume sind ein Nährboden für Politikverdrossenheit. Wer sich über Jahre oder gar Jahrzehnte abgehängt fühlt, verliert das Vertrauen in die Institutionen – mit Folgen für die Wahlbeteiligung, die Akzeptanz von Entwicklungsprojekten und die gesellschaftliche Kohäsion insgesamt. Nicht selten werden solche Stadtteile zu Experimentierfeldern für populistische Bewegungen, die mit einfachen Lösungen auf komplexe Probleme reagieren.

Schließlich sind Schattenräume auch ein Risiko für die Planung selbst. Sie stehen sinnbildlich für die Grenzen klassischer Methoden und Denkweisen. Wo Planungsinstrumente wie Bebauungspläne, Förderprogramme oder Beteiligungsverfahren versagen, wächst das Misstrauen gegenüber der Disziplin. Planer, die solche Defizite ignorieren, riskieren die Legitimität ihres Tuns – und damit letztlich die Zukunftsfähigkeit der gesamten Stadtentwicklung.

Ursachenforschung: Wie Daten, Strukturen und Routinen Schattenräume erzeugen

Wer die Schattenräume der Planung verstehen will, muss den Ursachen systematisch auf den Grund gehen. Ein oft unterschätzter Faktor ist die Qualität und Granularität der verfügbaren Daten. Viele Stadtteile werden in Statistiken als homogene Einheiten erfasst, obwohl sie intern hochgradig differenziert sind. Besonders problematisch ist dies bei der Fortschreibung von Sozialraumanalysen, die auf veralteten oder zu groben Datengrundlagen beruhen. Hier entsteht Unsichtbarkeit durch Aggregation.

Ein weiteres Problem liegt in den institutionellen Routinen. Planungsprozesse sind häufig so aufgebaut, dass sie bestimmte Flächen oder Quartiere bevorzugen. Das beginnt bei der Auswahl von Pilotprojekten, setzt sich fort in der Priorisierung von Sanierungsgebieten und endet bei der Vergabe von Fördermitteln. Wer in den vergangenen Jahrzehnten nicht “auf dem Schirm” war, hat es schwer, überhaupt ins Blickfeld zu rücken – ein klassischer Pfadabhängigkeitseffekt.

Auch Governance-Strukturen tragen zur Entstehung von Schattenräumen bei. In vielen Kommunen gibt es eine starke Fragmentierung der Zuständigkeiten. Stadtentwicklung, Soziales, Verkehr, Umwelt und Wirtschaftsförderung arbeiten nebeneinander her, ohne systematische Abstimmung – das berühmte “Silodenken”. Gerade in komplexen Stadtteilen, die multiple Problemlagen aufweisen, bleibt so viel Potenzial auf der Strecke.

Nicht zu unterschätzen ist der Einfluss von Partizipation und Bürgerbeteiligung. In der Theorie sind diese Instrumente dazu gedacht, “blinde Flecken” zu vermeiden. In der Praxis werden jedoch oft nur die engagiertesten, ressourcenstärksten oder lautesten Gruppen einbezogen. Wer keine Lobby hat, nicht gut vernetzt ist oder Sprachbarrieren überwinden muss, bleibt außen vor. So reproduzieren Beteiligungsverfahren nicht selten bestehende Machtasymmetrien – und festigen die Schattenräume weiter.

Schließlich gibt es einen kulturellen Bias: Viele Planer und Entscheider sind geprägt von bestimmten Bildern “guter Stadt” – gründerzeitliche Mischquartiere, lebendige Zentren, innovative Neubauprojekte. Alles, was diesem Ideal nicht entspricht, wird schnell als “schwierig” oder “unattraktiv” eingestuft. In der Folge fehlt die Kreativität, auch für sperrige, komplexe oder schlicht unscheinbare Stadtteile zukunftsfähige Perspektiven zu entwickeln.

Wege aus dem Schatten: Innovative Ansätze und zukunftsfähige Planungskultur

Die gute Nachricht: Schattenräume sind kein Schicksal, sondern gestaltbar – vorausgesetzt, der Wille zur Veränderung ist da. Ein vielversprechender Ansatz ist die systematische Nutzung von Urban Data Platforms und digitalen Stadtmodellen. Durch die Integration unterschiedlichster Datenquellen – von Mobilitätsströmen über Energieverbräuche bis hin zu Klimadaten – können auch bislang übersehene Quartiere sichtbar gemacht werden. Wichtig ist dabei, dass die Daten nicht nur gesammelt, sondern auch für alle beteiligten Akteure verständlich aufbereitet werden.

Ein weiteres Erfolgsrezept ist die gezielte Förderung von Quartiersmanagement und kooperativen Governance-Strukturen. Dort, wo Verwaltung, Zivilgesellschaft und lokale Wirtschaft gemeinsam Verantwortung übernehmen, werden Schattenräume schneller erkannt und bearbeitet. Best-Practice-Beispiele aus Städten wie Wien, Zürich oder Dortmund zeigen, dass partizipative Stadtentwicklung nicht nur die Akzeptanz erhöht, sondern auch innovative Lösungen hervorbringt – von selbstverwalteten Nachbarschaftszentren bis hin zu urbanen Experimentierflächen.

Auch klassische Instrumente wie das integrierte Handlungskonzept oder die Soziale Stadt können helfen, Schattenräume zu überwinden – vorausgesetzt, sie werden konsequent auf die spezifischen Bedürfnisse vor Ort zugeschnitten und mit ausreichenden Ressourcen hinterlegt. Entscheidend ist, frühzeitig und kontinuierlich mit den Bewohnern ins Gespräch zu kommen, statt erst im Krisenfall zu reagieren. Hier sind Kreativität, Empathie und eine Portion Mut gefragt.

Die Integration von Schattenräumen in die Klimaanpassungsstrategie bietet eine weitere Chance. Gerade in vulnerablen Quartieren lassen sich Maßnahmen wie Entsiegelung, Begrünung oder Energieeffizienz oft besonders wirkungsvoll umsetzen – vorausgesetzt, die spezifischen Bedingungen werden berücksichtigt und die Maßnahmen gemeinsam mit den Akteuren vor Ort entwickelt. So wird aus dem vermeintlichen Problem eine Ressource für die gesamte Stadt.

Schließlich ist ein Kulturwandel in der Planung unabdingbar. Wer Schattenräume vermeiden will, muss bereit sein, Routinen zu hinterfragen, blinde Flecken zu suchen und sich auf neue Formen der Analyse und Beteiligung einzulassen. Dazu gehört auch, Fehler zuzulassen, aus ihnen zu lernen und die Erfolge und Misserfolge offen zu kommunizieren. Nur so entsteht eine Planungskultur, die wirklich alle Teile der Stadt im Blick behält – und die Zukunftsfähigkeit urbaner Räume nachhaltig sichert.

Fazit: Schattenräume sind Prüfsteine der Planung – und Chancen für die Stadt von morgen

Vergessene Stadtteile sind keine bloßen Randerscheinungen, sondern Ausdruck der grundlegenden Herausforderungen, vor denen die Stadtplanung heute steht. Sie machen sichtbar, wo Daten, Strukturen und Routinen an ihre Grenzen stoßen – und fordern dazu auf, Planung neu zu denken. Wer Schattenräume erkennt und aktiv angeht, kann nicht nur soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Stabilität fördern, sondern auch die Innovationskraft und Resilienz der Stadt als Ganzes stärken.

Die dafür nötigen Werkzeuge sind vorhanden: digitale Zwillinge, Urban Data Platforms, kooperative Governance und partizipative Formate eröffnen neue Möglichkeiten, Unsichtbares sichtbar und Vernachlässigtes zukunftsfähig zu machen. Entscheidend ist, dass sie konsequent genutzt und mit einer offenen, lernbereiten Planungskultur verbunden werden – jenseits von Leuchtturmprojekten und kurzfristigen Moden.

Schattenräume sind letztlich Prüfsteine für die Qualität und Glaubwürdigkeit urbaner Planung. Sie zeigen, ob es gelingt, jenseits etablierter Routinen und Vorurteile eine inklusive, faire und zukunftsweisende Stadtentwicklung zu gestalten. Wer diesen Test besteht, wird nicht nur Vergessenes integrieren, sondern die Stadt der Zukunft aktiv mitgestalten – für alle, nicht nur für die, die ohnehin schon im Rampenlicht stehen.

Burlon mit Muck Petzet wird im September eröffnet. Die Baukosten liegen bei 6 Millionen Euro. Foto: Olivia Reynolds

Terrassenhaus

Die Preise für Grundstücke in der Berliner Innenstadt sind in den letzten zwei Jahren um 800 Prozent gestiegen. Das hat zur Folge, dass die Berliner Mischung zurück geht. Die zweite Ausgabe des Berliner MakeCity Festival für Architektur und Andersmachen zeigt Modelle, wie Berlin trotzdem durchmischt bleiben kann.

Das MakeCity Festival lief zum ersten Mal 2015. Dieses Jahr war das Thema: „Stadt Neu Gemischt“. Anstoß dafür war ein internationales Problem, was exemplarisch an Berlin aufgezeigt wurde. Die städtische Mischung aus Arbeiten, Wohnen und Leben geht zurück, da Städte ihre Grundstücke an Spekulanten verkaufen. Mehrere Projekte:

Mehrere Gebäude demonstrierten, wie sich Architektur und Landschaft vermischen können. Das neue Terrassenhaus Lobe Block von Arno Brandlhuber in Berlin-Wedding zeigt, wie Nachverdichtung offene und freiräumliche Nutzungen integrieren kann. Statt Gewinne zu maximieren, möchte das Projekt ein Teil der offenen Stadt sein, indem es Nutzungen mischt und den Freiraum mitgestaltet.

Von zwei Künstlerinnen beauftragt, ist Lobe Block eines der typologisch spannendsten neuen Architekturprojekte Berlins. Das multifunktionale Zentrum, als Stufenpyramide mit sechs Meter breiten Terrassen angelegt, haben Brandlhuber + Emde, Burlon mit Muck Petzet entworfen. Lobe Block vereint Veranstaltungsräume, Studios, Co-Working Spaces und eine Artist Residency auf 3 000 Quadratmetern, verteilt auf fünf Etagen. Das Erdgeschoss mit Doppeletage und das erste Geschoss sind öffentlich zugänglich. Im Rohbau können Mieter die Räume selbst ausbauen.

Um die Fläche auszunutzen und eine öffentliche Nutzung des Außenraums zu erreichen, sind die Eingänge auf zwei äußere Treppen verlegt. Die Vision ist es, die Treppen und Terrassen zu begrünen. Lobe Block folgt damit dem Ansatz von Brandlhuber, die Stadt gleichzeitig zu verdichten und zu verlandschaftlichen.

Stadt als Freibad

Natur spielt ebenso eine zentrale Rolle beim Stadtentwicklungsprojekt Flussbad Berlin, das den Spreekanal in Berlins historischer Mitte in ein sauberes Gewässer transformieren will. Das Projekt dreht sich sowohl um das Baden im großteils ungenutzten Spreekanal als auch die angrenzenden Freiflächen durch Freitreppen und Renaturierung zu bespielen. Der MakeCity-Event Flussbad Pokal bot die Möglichkeit im Spreekanal zwischen Bodemuseum und Schlossbrücke zu schwimmen.

 Bunte Straßenräume

In Berlin soll die Monofunktionalität der autodominierten Straßen aufgebrochen und die Fahrbahnflächen wieder für öffentliches Leben zugänglicher gemacht werden, unter anderem durch neue Begegnungszonen. A24 Landschaft, die zwei solcher Begegnungszonen – in der Maaßenstraße und in der Bergmannstraße – konzipieren und entwerfen, lud zum Studio Talk ein, um eine Vision für eine neue Stadt zu diskutieren. Was machen wir mit dem Platz, der durch Parkplatzabbau entsteht? Die Veranstaltung illustrierte, dass Straßenräume als mehrfachcodierte Räume funktionieren können: gleichzeitig als Sozialraum, um sich aufzuhalten und auszutauschen, als ökologisches Biotop, ökonomischer Raum, Mobilitätsraum, Ort politischer Manifestation und Repräsentation.

 Willkommensorte

Wie flexibel und aufnahmefähig die Stadt ist, untersucht das Festival daran, wie Migranten den Stadtraum nutzen. Eine der Führungen durch die Arrival City ging in den Thaipark. Seit mehr als 20 Jahren veranstalten Thailänder und andere Südostasier auf der Wiese des Preußenparks in Berlin-Wilmersdorf einen nicht autorisierten, aber geduldeten Street-Food-Markt. Mittlerweile ist eine eigene Form von Gesellschaft mit sehr gemischtem Publikum entstanden. Von den Stadtbewohnern produziert, zeigt der Thaipark, wie der Freiraum mit relativ wenigen Mitteln neu interpretiert werden kann. Somit wurde bei der Führung klar, dass die gemischte Stadt im Freiraum von unten improvisiert werden und prima funktionieren kann.

 Strukturen im Freiraum sind offener als in der Architektur

Die oben genannten Beispiele zeigen, wie sowohl Gebäude als auch Freiräume versuchen mit Offenheit umzugehen. Berlin hat in den letzten Jahren an Freiheit verloren, aber es leben auch viele Formen von Natur weiter, erweitern sich oder haben Potenzial sich zu entfalten. Das MakeCity Festival verdeutlicht, dass offene Strukturen, einfache Zugänge und neue soziale Gruppen sich schneller im Freiraum als im gebauten Raum etablieren. Die urbane Mischung fordert, dass Räume neu interpretiert und umgenutzt werden können. Diese Qualität, dass Freiräume nicht so prädisponiert wie Gebäude sind, sollten sich Landschaftsarchitekten bewusst machen, wenn sie erforschen, was in der Stadt möglich ist.

 

Das MakeCity Festival für Architektur und Andersmache fand in Berlin vom 14. Juni bis 1. Juli 2018 statt.