Post-industrieller Paradigmenwechsel

 

Der Landschaftspark Duisburg-Nord gehört zu den meistzitierten Projekten der jüngeren Geschichte der Landschaftsarchitektur, weil der Entwurf von Latz + Partner durch seinen innovativen Umgang mit dem 1985 stillgelegten Hochofenwerk Duisburg-Meiderich den Paradigmenwechsel zur post-industriellen Landschaft markiert. Der Park war eines der Leuchtturmprojekte der Internationalen Bauausstellung Emscher Park 1989-1999 und ist heute elementarer Bestandteil des Emscher Landschaftsparks.

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Wo früher Erze aus aller Welt lagerten, tummeln sich heute Kinder auf einem abenteuerlichen Spielplatz. Foto: Thomas Berns

 

Der Entwurf ging aus einem kooperierenden Wettbewerbsverfahren hervor. Die Beiträge der drei deutschen und zwei internationalen Teams werfen ein Schlaglicht auf den gestalterisch-kulturellen Diskurs zum Verhältnis von Industrie und Landschaft im ausgehenden 20. Jahrhundert. Die beiden anderen deutschen Teams, Brandenfels und Boyer, sahen in den alten industriellen Objekten den Gegensatz zwischen Natur und Industrie verkörpert, sprachen jedoch mit dem Niedergang der Montanindustrie der Natur den Sieg nach Punkten zu. Demgegenüber maß das Team Cass (England) der Anlage einen eher symbolischen Wert bei (nämlich als Zeugnis einer „schlechten“ Vergangenheit, die der „gute“ Fortschritt überwunden hat), und das Team Lassus (Frankreich) stellte die Heroisierung der menschlichen Schaffenskraft in den Mittelpunkt. Für das Team Latz jedoch bildete sich mit dem ökonomischen Strukturwandel ein neues Verhältnis von Landschaft und -ndustrie: keine Gegner, sondern Landschaft nimmt Kernelemente (alter) Industrie in sich auf. Das Team schrieb in den Wettbewerbserläuterungen: „Die verbliebenen Meidericher Hochöfen sind in einen anderen Zeittakt übergegangen: Vom starken, schnellen Rhythmus zwischen Zustellung und Abstich in die sehr viel langsameren Zeitläufe von Korrosion, Verfall und Überwucherung. Sie sind seltsame Orte der Ruhe und der Gelassenheit. Man kann sich ihnen nähern, ja sie berühren, besteigen.“

Analyse der Strukturen

Besonders bemerkenswert ist bei diesem Umgang mit industriellen Relikten, dass es Peter Latz nicht vorrangig darum ging, neue landschaftsräumliche Bilder zu gestalten und diese auf den Ort zu übertragen. Vielmehr war die Herangehensweise von seiner persön-lichen Interpretation des Strukturalismus geprägt. Bestehende industrielle Strukturen wurden analysiert und mit neuen landschaftlichen überlagert. So entstanden neue Bedeutungen. In Duisburg ist die industrielle Ruine das Gewordene, und die pflanzlich gestalteten Bereiche erscheinen als das Gemachte. Der Aufstieg auf den Hochofen wird zum landschaftlichen Erlebnis, die Piazza Metallica ist von den Urkräften Feuer und Eisen geformt, ehemalige Erzbunker werden zu romantischen Gärten mit verspielten Buchsbaumhecken und Hortensien. Neue Bedeutungen werden nicht vom Gestalter erfunden, die der Parkbesucher erkennen müsste, um den Park zu verstehen – vielmehr wird dem Besucher freier Raum für die eigene Erfahrung gegeben. Das macht den Park offen für Veränderung, für einen dynamischen Zusammenhang zwischen Gewordenem und Gestaltetem.

Den ganzen Beitrag finden Sie in Garten + Landschaft 9/2015. Heft hier bestellen.