01.04.2019

Gesellschaft

Reiseziel: New Orleans


Reiseziel New Orleans

Manchmal ist der Kopf leer, die wirklich guten Ideen kommen nur noch sporadisch und überhaupt sehnt man sich nach neuen Eindrücken. Uns in der Redaktion geht es da nicht anders. Unsere Lösung: Reisen. Auf der Suche nach Inspiration fliehen wir in die Weite. Unsere Planer-Brille legen wir dabei natürlich nie ganz ab. Hier berichten wir von unseren Lieblings-Reisedestinationen, Tipps für Planer inklusive. Erster Stopp: New Orleans. 

Katrina setzte im Sommer 2005 80 Prozent der Stadtfläche von New Orleans unter Wasser, 1,3 Millionen flüchteten vor dem Sturm, Tausende kamen nie zurück. Und das erste was die City of New Orleans nach dem Hurrikan machte? Sie machte sich nicht zuerst an den Aufbau der Gebäude und elementarer Infrastrukturen, was man wohl erwarten würde. Sie richtete die Palmen in der Canal Street, um das Stadtbild der „lebendigen“ Jazzmetropole – zumindest oberflächlich – herzustellen. Noch heute berichten die Bewohner mit Befremden von den damaligen Ereignissen. Denn eigentlich waren sie es, die ihre Stadt und Häuser wieder aufbauten, die Bürger der Stadt. Es ist ihr Verdienst, dass die Stadt nur wenige Jahre nach der Umweltkatastrophe zu altem Glanz zurückfand. Und dabei dachten sie weiter: Während man früher versuchte, das Wasser aus der Stadt rauszuhalten, integriert man es heute in die lokale Stadt- und Landschaftsplanung. Die Bewohner von New Orleans sind Macher wie Lebenskünstler. Wer ihre Hands-on-Attitüde kennen lernen möchte, wagt sich am besten aus dem historischen Zentrum heraus, in die vielseitigen Wohnviertel der Stadt. Hier spiegelt sie sich wie ein Manifest in der urbanen Landschaft der Stadt wider.

Tipp Nr. 1: Greenway Lafitte


Tipp Nr. 2: Parasite Skatepark

Ein Exempel ihres Engagements statuierten die Bewohner der Nachbarschaften Iberville, Tulane-Gravier , Bayou St. John und Treme gemeinschaftlich mit dem Projekt „Greenway Lafitte“. Jahrzehntelang lag die Fläche einer ehemaligen Eisenbahntrasse zwischen Lake Pontchaintrain und dem French Quarter brach, mitten in der Stadt. Wie eine unsichtbare Mauer trennte das ungenutzte Niemandsland die Stadtteile. Das Potenzial einer zentralen Wegeverbindung ins Stadtzentrum erkannte man früh, aber erst im Zuge des umfassenden Hochwasser- und Regenwassermanagements nach Katrina gelang es, das Areal zu einem vier Kilometer langen Fuß- und Radweg mit vielseitigem Freizeitangebot und integrierten Hochwasserschutzmaßnahmen zu entwickeln – dies maßgeblich durch die Teilhabe der lokalen Anwohner, die das Projekt aktiv vorantrieben. Seit Oktober 2015 dient der Greenway Lafitte als sichere Wegeverbindung mit Schwimmbad, Nutzgärten und Footballfeld und Regenrückhaltefläche. Das Engagement hat nicht nachgelassen: Für die Pflege und Instandhaltung engagiert sich die Organisation „Friends of Lafitte“, die sich aus der ursprünglichen bürgerlichen Initiative herausbildete.

Nach zwei Jahren wurde der Skatepark von der Stadt Orleans legalisiert.
Der Skatepark in New Orleans.

Tipp Nr. 3: Lower Ninth Ward

Bilder: Todd Taylor

Nördlich des Greenway Lafittes, unterhalb der Interstate 610, findet sich ein weiteres gebautes Beispiel bürgerlichen Engagements: Der Skatepark “Parasite”, 1606 Pleasure Street. Jede größere US-Stadt verfügt über einen öffentlichen Skatepark. Jede außer New Orleans, zumindest bis 2015. Und das obwohl sich sogar die Prominenz einschaltete: Kurz nach Katrina plante niemand anderes als der Rapper Lil Wayne, einer der berühmtesten Söhne der Stadt, hier den ersten öffentlichen Skatepark. Aber er eröffnete ihn nie. Erst als sich Gruppe junger Skater ans Werk machte, kam der Stein ins Rollen: Ohne jeglichen Regeln zu folgen, bauten sie erste Rampen und Rails. Mit Erfolg: 2015 erkannte die Stadt den Park als ersten öffentlichen Skatepark von New Orleans an. Seitdem kommen Skater aus der ganzen Stadt und erweitern ihn. Auch unter Berücksichtigung von Hochwasserschutzmaßnahmen. With this, the skatepark is not only a symbol of civil commitment, it is also an example of the difficulties between civic-administrative-cooperation and how to overcome them.

Neugierig geworden? Mehr zum Parasite Skatepark finden Sie bei unseren Kollegen der topos. 

Im Dezember 2007 gründete Brad Pitt gemeinsam mit Stararchitekten wie MVRDV oder Frank Gehry die „Make it right Foundation“. Die Stiftung baute 90 Gebäude in dem Bezirk.
Innerhalb von fünf Minuten stieg das Wasser auf 15 Meter an.

Bilder: Theresa Ramisch

New Orleans hat das Trauma von Katrina weitestgehend überwunden. Hier und da erinnern Gedenktafeln und Informationen an die Ereignisse von 2005. Heute, zwölf Jahre später fällt es schwer, die damaligen Ausmaße der Naturkatastrophe zu verstehen. Einen Ort, an dem eine Reise in die Vergangenheit noch immer möglich ist, ist das Lower Ninth Ward. Der Stadtteil war 2005 von Katrina am schlimmsten betroffen, er liegt zu großen Teilen unter dem Meeresspiegel. Hier arbeitet man immer noch am Wiederaufbau. Aber das Quartier ist groß, um sich einen Übebrlick zu verschaffen, nimmt man am besten an einer der Lower Ninth Rebirth Touren teil. Eine Radtour dauert insgesamt sechs Stunden und führt vom French Quarter einmal durch den ganzen Stadtteil. Die Organisation betreibt keinen Katastrophentourismus, sie unterstützt mit ihrer Arbeit sowohl die Aufbauarbeiten als auch ein kleines Museum vor Ort. Guides begleiten die Tour, informieren über die Geschehnisse und Hintergründe der Naturkatastrophe und berichten über die andauernden Bestrebungen, den Stadtteil wieder aufzubauen. Einen besonderen Blick wert: die Häuser der Make It Right Stiftung im Süden des Stadtteils. Im Zuge des Aufbaus setzte hier der Schauspieler Brad Pitt mithilfe von Frank Gehry und weiteren Highclass-Architekten insgesamt 80 Cradle-to-Cradle-Häuser hin. Trotz dieser Bestrebungen (nach Katrina kamen rund 43 NGOs in die Stadt) ist das Ausmaß der damaligen Verwüstung im Lower Ninth Ward immer noch spürbar. Als Außenstehender merkt man schnell: Die Bewohner des Quartiers sind ein Team, getrieben durch ihren schier unbändigen Lebensmut. Hier erfährt man viel mehr über den Charakter von New Orleans, als man es je in der Bourbon Street würde.

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