Der Leiter des Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung sieht nicht nur in Pandemien oder Naturkatastrophen Gefahren, die auf Städte und Regionen zukommen. Auch Cyberattacken und andere Krisen können sich massiv auf unsere Gesellschaft und Wirtschaft auswirken. Sie können große Schäden anrichten und die Grundlage unseres Wohlstands gefährden. Lange wähnten wir uns in Sicherheit. Wir dachten nicht, dass Naturkatastrophen auf unserem Bundesgebiet stattfinden würden oder Zoonosen unsere Gesundheit angreifen könnten. Das hat sich in den vergangenen Monaten grundlegend geändert. Denn während die Pandemie tobte, richteten Flutwellen riesige Schäden an. Ganze Täler sind verwüstet und ein Virus hat nicht nur Menschenleben gekostet. Es hat auch vielen Strukturen unserer Gesellschaft arg zugesetzt.
Förderaufruf Resiliente Regionen
Obwohl uns bereits undenkbare Katastrophen ereilt haben, ist es an der Zeit, das Unmögliche zu denken und sich zu wappnen. Das sehen auch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung so. Sie sehen dringenden Bedarf darin, dass wir in Krisen handlungsfähig bleiben. Wir müssen mögliche Auswirkungen von Krisen analysieren. Und auf der Basis von Analysen sind planerische Ansätze für eine wirksame Vorsorge zu entwickeln.
Dazu gehört beispielsweise Risikokommunikation strategisch anzugehen oder die Verwaltung so umzubauen, dass sie im Krisenfall schnell handeln kann. Das fällt wahrscheinlich jeder kommunalen Struktur schwer. Aber insbesondere in ländlichen Regionen fehlt es dafür oft an Ressourcen. Und genau da setzt der Förderaufruf Resiliente Regionen an. In Modellvorhaben sollen Handlungsansätze erprobt werden, die auf andere ländliche Räume übertragbar sind. Zunächst bekommen zehn Regionen die Chance, an ihrer Resilienz zu arbeiten. Ihre Erkenntnisse und Erfahrungen dienen dann als Basis für weitere Schritte.
Projektskizzen und Anträge für Resilienz Region
Die Anträge zum Förderprogramm Resiliente Regionen können Träger*innen der Regionalplanung, Landkreise und regionale Institutionen stellen. Letztere müssen zur Erfüllung von Aufgaben der Regionalentwicklung legitimiert sein. Dazu gehören zum Beispiel Kommunalverbünde, regionale Entwicklungsagenturen oder institutionalisierte interkommunale Kooperationsinitiativen. Die bis zu 700 000 Euro Fördergeld sollen integrierte Maßnahmenpakete umsetzen helfen. In diesen Pakete sollen unter anderem regionale Risikoanalysen sein (zum Beispiel SWOT-Analysen) oder die Entwicklung von Konzepten und Strategien zur Vermeidung, Reduzierung von und Anpassung an Risiken. Gleichermaßen werden Maßnahmen zur Risikokommunikation und Etablierung eines Risikodialoges gefördert, der bestehende oder im Wandel begriffene Prozesse aufgreift. Aber auch der Aufbau geeigneter Strukturen zur Bewältigung externer und interner Krisen erhält Unterstützung. Hier geht es um eine Resilienz-Governance mit agilen Verwaltungsstrukturen, die auf neue Krisen reagieren kann. Aber auch weitere Elemente, die Resilienz in der Region fördern, bekommen finanzielle Unterstützung.
Resilienz in der Region: Informationsveranstaltungen
Das die Resilienz von Regionen ein komplexes Thema ist, ist auch die die Entwicklung von Projektskizzen nicht ganz einfach. Dementsprechend unterstützt das BBSR Interessierte und Antragsstellende. Im November und Dezember 2021 fanden Informationsveranstaltungen statt. Das Programm Resiliente Regionen ist eingebettet in den Förderschwerpunkt Region beim Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung.
In diesem Schwerpunkt geht es primär darum, deutschlandweit gleichwertige Lebensverhältnisse herzustellen. Das ist ein Kernanliegen der Heimatpolitik des Bundes. Hier rücken aber auch die ländlichen Regionen in den Fokus, weil ihre Themen und Herausforderungen besonderer Natur sind. In Krisenfällen aber sind sie gleichermaßen betroffen. Das ist noch heute an Ahr und Erft zu sehen. Auch viele Monate nach der verheerenden Flut ringen die Regionen mit der Bewältigung der Krise. Und dabei stellt zum Beispiel die Größe ihrer Verwaltungsstrukturen eine besondere Herausforderung dar. Wer heute versucht in der Kreisverwaltung Ahrweiler jemanden ans Telefon zu bekommen, braucht unendliche Geduld. Hier arbeitet eine Verwaltung im vierten Monaten im Sonderzustand. Hier stand Resilienz bisher nicht auf der Agenda.
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